Historie des VNP

Tradition mit Zukunft - Eine Kurzbeschreibung des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP)

Malerisches Bild aus dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide aus den 1940er-Jahren

GEGRÜNDET 1909 in München, hatte sich der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) zum Ziel gesetzt, großflächig Naturschutz zu betreiben. Nach dem Vorbild der amerikanischen Nationalparks wollte er auch in Mitteleuropa in den wichtigen und repräsentativen Naturräumen – Hochgebirge, Mittelgebirge und Tiefland – Gebiete in einer Größenordnung von jeweils mindestens 20.000 Hektar unter Schutz stellen.

Im HOCHGEBIRGE hat der VNP maßgeblich dazu beigetragen, dass der erste Nationalpark Österreichs in den „Hohen Tauern“ entstand. Die hier z.T. seit 1913 im Eigentum des Vereins befindlichen Flächen (rund 3.500 ha) liegen im Sonderschutzgebiet und im Kerngebiet dieses Nationalparks.

Im MITTELGEBIRGE konnte der Verein zur Zeit seiner Gründung zunächst keine Fläche erwerben. Die ins Auge gefassten Flächen (z.B. Bayerischer Wald) wurden nicht verkauft. Doch das im Jahre 1956 durch den Verein Naturschutzpark initiierte Programm zur Gründung von Naturparken hatte die Ausweisung großräumiger und schutzwürdiger Mittelgebirgslandschaften zur Folge. Heute gibt es 100 Naturparke in der Bundesrepublik Deutschland.

Im TIEFLAND Norddeutschlands wurde der VNP bereits 1910 – ein Jahr nach seiner Gründung – mit dem Ankauf des „Wilseder Berges“ aktiv. Heute besitzt der Verein Naturschutzpark rund 8.300 ha in der Lüneburger Heide, weitere knapp 1.200 ha sind langfristig angepachtet; das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wäre ohne den Verein Naturschutzpark nicht entstanden.

Die BEDEUTUNG des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide ist international anerkannt. Bereits 1967 wurde ihm -  als erstem Gebiet in Deutschland – vom Europarat in Straßburg das Europa-Diplom zugesprochen, das mit bestimmten Auflagen versehen ist und in einem fünfjährigen Turnus überprüft wird. Bisher ist dieses Diplom bei jeder Überprüfung neu bestätigt worden – zuletzt im Jahre 2002.

Die HEIDEFLÄCHEN im Naturschutzgebiet sind die größten zusammenhängenden Reste binnenländischer Zwergstrauchheiden Mitteleuropas. Sie haben deshalb für eine spezielle Tier- und Pflanzenwelt eine überlebenswichtige Bedeutung. Heute befinden sich fast alle Heideflächen des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide im Besitz der zum Verein gehörenden Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide.

Der hohe WALDANTEIL von knapp 60 Prozent macht das NSG Lüneburger Heide gleichzeitig zu einem der größten Waldnaturschutzgebiete Deutschlands. Zusammen mit den vielen hier vorhandenen Moortypen und den Bachläufen stellt dieses Naturschutzgebiet somit eine verkleinerte Abbildung der zum Teil seit Jahrtausenden existierenden Lebensräume im nordwestdeutschen Tiefland dar.

Seine AUFGABE sieht der Verein Naturschutzpark nach wie vor im weiteren Erwerb von Flächen zum Zwecke des Naturschutzes - heute nicht mehr selbst, sondern über die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Wegen der gesamtstaatlich repräsentativen Bedeutung des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide erhielt der Verein Naturschutzpark auch von der Bundesregierung und vom Land Niedersachsen finanzielle Unterstützung. Landankäufe, Planungen und Entwicklungsmaßnahmen wurden von 1993 bis 2004 in dem sog. „Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide“ unter Beachtung strenger Auflagen mit knapp 12,3 Mio. EUR vom Bund mit 74 % und vom Land Niedersachsen mit 15 % der Kosten unterstützt. Die verbleibenden 11 % musste der Verein Naturschutzpark aus eigener Kraft aufbringen.

Der SCHUTZ von Bau- und Bodendenkmälern ist neben dem Naturschutz ebenfalls eine Aufgabe des Verein Naturschutzpark und seiner Stiftung. 41 stiftungseigene, denkmalgeschützte Gebäude werden unterhalten, viele kulturhistorische Landnutzungsformen wie Stühbusch und Hutewald gepflegt. Neben den Baudenkmälern besitzt die VNP-Stiftung weitere knapp 200 Gebäude vom Schafstall bis zum sog. "Bienenzaun".

Die LANDWIRTSCHAFT im Naturschutzgebiet erhält durch den stiftungsseigenen Landschaftspflegehof Tütsberg (anerkannter BIOLAND-Betrieb) neue Impulse. Hier werden Methoden entwickelt, die landwirtschaftliche Nutzung mit Ansprüchen des Naturschutzes in Einklang bringen.

Diese VIELFALT an Aufgaben leistet der Verein Naturschutzpark mit seiner Stiftung mit einem vergleichsweise kleinen Stab hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Die FINANZIERUNG der Aufgaben und Ziele des Verein Naturschutzpark erfolgt durch die Beiträge seiner rund 3.500 Mitglieder, durch Spenden, durch Einnahmen aus Verpachtungen und durch öffentliche Zuschüsse.



Der Heidepastor Wilhelm Bode...

Seiner Zeit weit voraus... der Heidepastor Wilhelm Bode - Mitbegründer des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP)...

(Festvortrag des VNP-Ehrenvorsitzenden Hans Joachim Röhrs im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung zum "Pastor-Bode-Jahr" am 14. Mai 2010 in Egestorf)

Als mich Herr Bürgermeister Kruse vor fast einem Jahr um die Bereitschaft bat, für ein Referat über die Persönlichkeit zur Verfügung zu stehen, die der Gemeinde Egestorf den Anlass gegeben hat, 150 Jahre nach ihrer Geburt in einem besonderen Jubiläumsjahr gewürdigt zu werden, habe ich ziemlich spontan zugesagt, wohlwissend, dass es nicht leicht sein kann, ein zutreffendes und objektives Bild eines Menschen zu zeichnen, den man persönlich gar nicht gekannt hat, über den auch sehr viel Gegensätzliches zu lesen und zu hören ist, der aber doch hier in der Heide vielen noch ein Begriff ist, ohne dass allen wirklich bewusst ist, wie sehr sein Wirken auf den verschiedensten Gebieten Spuren hinterlassen hat und welche Bedeutung sein damaliges Wirken auch heute noch nicht nur für unsere engere Heimat hat.

Er war natürlich schon zu seiner Zeit ein Markenzeichen der Lüneburger Heide, wurde aber von vielen seiner Zeitgenossen eher als ein etwas uriges Original empfunden, ohne im einzelnen zu erkennen, wie wegweisend seine Lebensbestimmung die Entwicklung unseres Heimatgebietes beeinflusst hat. Schon ein Blick auf die zahlreichen Bilder aus der damaligen Zeit oder auf das imposante Denkmal am Kirchplatz in Egestorf vermittelt unverkennbar den Eindruck einer kraftvollen und sicher auch sehr eigenwilligen Persönlichkeit, die wusste, was zu geschehen hat und gewillt war, ihrer Umgebung die Richtung vorzugeben. Ganz ohne Zweifel ist er die geschichtliche Figur gewesen, der die Lüneburger Heide ihre Erhaltung und ihr Überleben überhaupt verdankt, wenigstens in ihrem gegenüber der damaligen Zeit wesentlich verkleinerten Umfang. Denn was wir heute noch als Heide erleben können, ist nur ein Bruchteil dessen, was die Lüneburger und auch die Soltauer Heide, die früher noch ihre eigene Bezeichnung trug, einmal gewesen ist. Dazu werde ich im weiteren Verlauf des Vortrages noch einige Einzelheiten aufführen, dieses Vortrages, der so angelegt ist, dass er neben der Beschreibung der persönlichen Lebensleistung Wilhelm Bodes ganz bewusst auch auf die damalige zeitgeschichtliche Entwicklung Bezug nimmt, ohne die die Entfaltung seiner besonderen Fähigkeiten nicht denkbar gewesen wäre.

Ich kehre aber von der Beschreibung der damaligen Zeitumstände immer wieder zur Persönlichkeit Wilhelm Bodes zurück, der mit den von ihm mitbeeinflussten mehreren Vereinsgründungen ganz wesentlich zu einem örtlichen Gemeinschaftsdenken beigetragen hat, das noch heute die Ortschaft Egestorf besonders auszeichnet. So dient ja auch der Festablauf dieser Tage der Rückbesinnung auf das hundertjährige Bestehen des MTV Egestorf, der Freiwilligen Feuerwehr und des Verschönerungs – und Erholungsvereins, ohne deren heutige Mitglieder die Organisation der gegenwärtigen Festveranstaltungen gar nicht denkbar wäre. Allerdings hat Wilhelm Bode der Gründung des Verschönerungsvereins mehr als skeptisch gegenüber gestanden, er hielt ihn für ein „tot geborenes Kind“, wie es in der von Kantor Schulz verfassten Chronik dieses Vereins heißt, aus der der heutige Verkehrsverein hervorgegangen ist. In dieser Einschätzung lag er nun aber keinesfalls richtig, denn die Entwicklung Egestorfs zu einem der Fremdenverkehrsorte unseres Landkreises geht ja eindeutig auf das erfolgreiche Wirken dieses Vereines zurück.

Da sich Wilhelm Bode im Laufe seiner Aktivitäten immer stärker um die Erhaltung der Heide bemühte, sind die Betrachtungen hierzu und damit um die Entwicklung des Vereins Naturschutzpark zwangsläufig ein Schwerpunkt meiner Ausführungen, denn auf dieses Gebiet konzentrierte sich sein Wirken immer mehr, bis hin zu seinem Tode im Jahre 1927. Lassen Sie mich aber zunächst auf die Vielseitigkeit der Interessen eingehen, die den 1860 in Lüneburg geborenen späteren „Heidepastor“ Wilhelm Bode bewegt haben. Er verkörperte eine ganz ungewöhnliche Mischung aus Geschäftssinn, Heimatverbundenheit, Kampfeslust und Religiösität, jedenfalls eine Verbindung teilweise ganz konträrer Eigenschaften, und es war dies eine der Ursachen, weshalb ihm oft vorgehalten worden ist, sich widersprüchlich und auch undiszipliniert und unberechenbar zu verhalten, was schließlich auch mit dazu beigetragen hat, dass ihm drei Jahre vor seinem Tode sein Kirchenamt entzogen worden ist. Könnte man sich heute überhaupt vorstellen, dass der örtliche Geistliche Leiter der Volksbank und der Geschäftsstelle einer Sparkasse wäre? Wohl kaum, obwohl es auch heute in vielen kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen üblich ist, dass Pastoren mit den leitenden Verwaltungsaufgaben betraut werden. Aber Merkantilismus und Religiosität sind ja nicht von vorneherein engverzahnte Berufsbilder und so hat eben die Unvereinbarkeit verschiedener Interessen im Falle Wilhelm Bode der Kirchenleitung viel Kopfzerbrechen bereitet. Zu Anfang seiner Tätigkeit war er aber in jedem Falle ein äußerst befähigter Rendant der Raiffeisenkasse in Egestorf, natürlich neben seinem geistlichen Amt, und es lohnt sich, einen gedanklichen Ausflug zur wirtschaftlichen Situation Ende des 19. Jahrhunderts in unserem Heimatgebiet zu machen, die ursächlich auch für das Aufblühen des Bankenwesens war.

Der 1871 gegen Frankreich geführte Krieg und die danach nach Deutschland geflossenen Reparationen, aber auch die nach Einführung des Kunstdüngers enorm geförderte Ertragskraft der Landwirtschaft, verbunden mit dem ungeheuren Aufschwung der industriellen Entwicklung hatte in allen Bereichen zu beachtlichen Wachstumsraten geführt, allerdings in den städtischen Ballungszentren auch zum Aufbau von Spannungen beigetragen – wie auch in anderen Ländern Europas – die dann mitursächlich für die späteren furchtbaren Weltkriege wurden. Wilhelm Bode war hineingeboren in diese Entwicklungsphase, nutzte sie für den Aufbau seiner Raiffeisenkasse, die mit ihrem genossenschaftlichen Grundprinzip einen außerordentlich wertvollen gesellschaftspolitischen Lösungsansatz praktizierte, der heute mehr denn je – nach den trüben Erfahrungen der Bankenkrise – hohe Aktualität aufweist. Die Gründung der Raiffeisengenossenschaften fand also in einer günstigen wirtschaftlichen Ausgangslage statt, die auch für den Raum Egestorf gegeben war. Sehen Sie sich in Eyendorf oder in Lübberstedt, aber auch in Döhle, Oelstorf, Hörpel, Volkwardingen oder in Salzhausen oder in Egestorf selbst die erhaltenen großen Hofanlagen an, die aus dieser Zeit stammen.

Die hohe Geest verfügte schon immer von Natur aus über gute Böden. Ihre durch Kunstdünger gesteigerte Ertragskraft brachte über Jahrzehnte stattliche Zuwachsraten bei den Ernteerträgen, die dazu ermutigten, prächtige Wohnhäuser auf den Höfen zu errichten. Auch die Einrichtung der Eisenbahn von Winsen nach Hützel ist auf diesen Umstand zurückzuführen – auch hierbei hat Wilhelm Bode persönlich maßgebend mitgewirkt – denn es war wirtschaftlich sinnvoll und lohnend geworden, dieses neue Verkehrsmittel für den Kunstdüngertransport und die Verladung der erheblich gewachsenen Erntemengen in Anspruch zu nehmen. Die Errichtung dieser Bahnlinie war eine Infrastrukturleistung sondergleichen, vergleichbar mit einem Autobahnbau in heutigen Tagen. Die Raiffeisenkasse konnte also beruhigt Geld ausleihen, der bäuerliche Wohlstand der Zeit garantierte, dass eine solide Rückzahlung erwartet werden konnte. Wenn auch die Lage der Heidebauern im Gegensatz zu den Geestbauern wesentlich problematischer war, so war doch generell die Marktlage für alle Bauern wegen der Nähe zu Hamburg besonders günstig – wie heute noch – und auch Bremen und Hannover waren nicht allzu weit entfernt. Die Produktionszahlen im damaligen Regierungsbezirk Lüneburg lagen jedenfalls weit über dem Landesdurchschnitt und das Genossenschaftswesen, das ja auch für die Vermarktung von größter Bedeutung war, hatte sich in unserem Raum überdurchschnittlich entwickelt. Es gab um 1850 in diesem Regierungsbezirk 25 Darlehenskassen, 60 Molkereigenossenschaften, die erste ländliche Sparkasse überhaupt in Deutschland war schon 1838 gegründet und zwar in Fallingbostel. Der Pferdebestand lag 1873 bei 38.200, hatte sich bis 1900 auf 49.500 erhöht. Der Rinderbestand war von 175.000 im Jahre 1848 auf 325.000 im Jahre 1900 erhöht, also in 50 Jahren nahezu verdoppelt. Ich erwähne diese Zahlen deshalb, weil sie die damalige erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung eines allgemein als ärmlich eingeschätzten Heidebezirks belegen, auch wenn die eigentlichen Heideflächen nicht davon profitieren konnten, aber Egestorf selbst und die hohe Geest um Salzhausen, aber auch die im Auetal gelegenen mit viel Grünland versehenen Orte hatten durchaus Anteil an diesem allgemeinen Aufschwung.

Der teilweise Waldreichtum der Heideumgebung selbst war übrigens, soweit es sich um Eichenbestände handelte, Grundlage für eine geradezu extreme Steigerung der Schweinebestände, deren Produkte bei wachsendem Wohlstand der Großstadtbevölkerung immer bessere Marktbedingungen fanden. So spricht Richard Linde in seiner berühmten Heidebiographie von 1903 von einer zwanzigfachen Steigerung der Schweinebestände und sagt wörtlich: „ Die Heide ist durch das Bedürfnis der Randstädte das Land der Schweine geworden, wie es in Deutschland kein zweites gibt.“ Alles in allem Belege für den enormen Wirtschaftsaufschwung dieser sog. Gründerzeit, in der sicherlich auch der wachsende Verpflegungsbedarf der Schifffahrt im Hamburger Hafen zu zählen ist, in jedem Falle ein Umfeld für einen Mann wie Wilhelm Bode, sich auf weiteren Betätigungsfeldern zu beteiligen. So kümmert er sich um eine zentrale Wasserversorgung in Egestorf, um Wohlfahrtseinrichtungen, wirkt bei der Gründung des genossenschaftlich organisierten Krankenhauses Salzhausen mit, regt die Einrichtung des Egestorfer Jahrmarkts an, wirkt als strenger Schulinspektor – für heutige Verhältnisse unvorstellbar, dass der Staat die Überwachung der Ordnungsmäßigkeit des Schulbetriebes der Kirche überlässt! Er überzeugt die vorsichtigen Bauern, sich der überörtlichen Stromversorgung anzuschließen. Sein ganzes Streben ist darauf gerichtet, deren Lebensumstände zu erleichtern. Man würde seine Tätigkeit bei der Entwicklung der Infrastruktur heute Wirtschaftsförderung in allen Bereichen nennen. Er geht dabei nicht immer zimperlich vor, aber es tritt an vielen Stellen seine Fähigkeit in Erscheinung, im Sozialen im besten Sinne zu wirken. Sein Biograph Walther Brauns schreibt : „Er lässt in seiner Gemeinde niemand hängen und spendet oft reicheren Trost mit harten Talern als mit weichen Worten,“ – wie ich finde eine großartige Charakterisierung. Man darf wohl davon ausgehen, dass das Amt eines Seelsorgers in Egestorf einen von Tatendrang sprühenden Menschen wie ihn von vorneherein nicht auszufüllen vermochte, aber seine berufliche Funktion in einer Spar – und Darlehenskasse war natürlich eine ausgezeichnete Basis, sich mit öffentlichen Dingen zu befassen, ohne dass er ein politisches Amt hätte anstreben müssen.

Für das, was er sich vorgenommen hatte, genügte es zunächst, durch seine Aktivitäten in Egestorf die Möglichkeiten zu haben, Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten aufzubauen, und damit , wie man heute sagen würde, über Netzwerke zu verfügen, die ihm dann halfen, die entscheidenden Impulse zur Rettung der Lüneburger Heide auszulösen. Seine Verbindung zum damaligen Landrat Ecker gehörte hierzu, der wiederum in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter die Möglichkeit hatte, sogar die persönliche Hilfe des Kaiser Wilhelms zu aktivieren. Diese Lüneburger Heide und auch die ihr benachbarte Heide südlich des Wilseder Berges, die früher als Soltauer Heide noch einen eigenen Namen führte, war deshalb in große Gefahr geraten, weil die alten Formen der Heidebauernwirtschaft nicht mehr ausreichten, aus der Schnuckenhaltung allein die Existenz der Höfe zu sichern. Die sich schon damals aus der sich entwickelnden globalisierten Welt ergebenden wirtschaftlichen Folgen hinterließen ihre Spuren, die schnelleren Dampfschiffe erleicherteten den Import fremder Landwirtschaftsprodukte – Schafwolle aus Neuseeland und Australien zum Beispiel – die nun besser erschlossenen Kolonien traten in den Erzeugerwettbewerb, der von dort gelieferte Rohrzucker gefährderte die Honigproduktion in der Heide – die Bienenhaltung also, die immer ein wichtiges Standbein der Heidebauern gewesen war und in etwa vergleichbar ist mit der Milcherzeugung der heutigen Milchbauern. Vor allem eben die Heidschnuckenwolle war immer weniger konkurrenzfähig. So ist beeindruckend, wie vom Jahre 1861 an, als es noch rund 300.000 Heidschnucken gab, diese Zahl bis 1900 auf 172.000 absank. Sie liegt heute in allen norddeutschen Heidegebieten bei nur noch rund 6.000 Muttertieren und das nur deshalb, weil diese zur Landschaftserhaltung unentbehrlichen Tiere subventioniert werden. Als Alternative zu dieser Bedrohung der Heidebauernwirtschaft bot sich auch auf den mageren Heideböden infolge der Einführung des Kunstdüngers die Ackerwirtschaft an, die es ja schon vorher auf allen Höfen in recht kleinem Umfang gab, aber mit den geringen Mengen des von den Schnucken hinterlassenen Dunges nur kümmerliche Erträge ermöglichte. Insoweit war deshalb die Schnuckenhaltung über Jahrhunderte hinweg Voraussetzung für die wenn auch magere Ausbeute bei der Getreideerzeugung gewesen, die Schnuckenhaltung durch die Heidebauern ging also damals von einer ganz anderen Zielsetzung aus, als die heutige Landschaftspflege. Einige, zunächst wenige Bauern sahen einen Ausweg in der Aufforstung, die der Staat in seinen Landesforsten und die Klosterkammer schon längere Zeit ganz systematisch auf ständig erweitertem früher bäuerlichem Heideland betrieb. Die Heidebauern, die ihre Höfe nicht aufgeben wollten, suchten ihr Heil darin, die eigenen Heideflächen durch Tiefpflüge in Äcker umzuwandeln. Sie können die Spuren dieser Heideumwandlung – nicht überall ist sie nachhaltig erfolgreich gewesen – heute noch an zahlreichen Stellen erkennen, besonders gut in der Weseler Heide und dort an einigen Hügelzügen, an denen sich die Furchen bis heute terrassenförmig oder treppenförmig erhalten haben. Mit den großen tiefpflügenden Dampfpflügen – wie diese gearbeitet haben, zeigt heute das Kiekebergmuseum mit den dazu gehörigen Dampfmaschinen – hoffte man durch das dabei erreichte Aufbrechen der Ortsteinschicht die Bodenqualität entscheidend zu verbessern, um allmählich die Entwicklung einer ausreichenden Humusschicht zu fördern, ein Experiment, das die Erwartungen aber nicht überall erfüllt hat.

Das Interessante im Zusammenhang mit der Person Wilhelm Bode ist, dass er selbst in seiner Eigenschaft als Käufer eines Hofes in Meningen, also zwischen Wesel und Undeloh, sich an diesen Versuchen beteiligt hat, was keineswegs als versteckter Vorwurf verstanden werden soll, der ihm aber von Zeitgenossen gemacht worden ist, die aber durchaus in ihm zu der Erkenntnis beigetragen haben dürften, dass der Heidelandschaft eine gänzlich andere Bestimmung zugewiesen werden müsste. Jedenfalls fällt in diese Zeit der Beginn seiner Aktivitäten zur Rettung der Heidelandschaft. Dieses Ziel wird seine zentrale Lebensaufgabe und alles, was er dazu in Bewegung gesetzt hat, ist eine historische Leistung allerersten Ranges, zumal er bei seinen Ideen zunächst unendlich viel Widerstand erlebte, bis er sich durchsetzen konnte. Ohne ihn und die von ihm mobilisierten Mitstreiter gäbe es die Lüneburger Heide nicht mehr, sie wäre ein großes zusammenhängendes Waldgebiet wie heute die meisten großen Heiden, die es in der ganzen norddeutschen Tiefebene von Holland bis Ostpreußen so zahlreich gegeben hat.

Es kam nun darauf an, Mittel und Wege zu finden, die für die Gründung eines großangelegten Naturparks notwendigen Flächen sicherzustellen und ihre Verwaltung zu organisieren. Durch seine häufigen Aufenthalte in Wilsede, sicher auch durch seine beruflich erworbenen Kenntnisse als Rendant wusste er von der Verschuldung des Hofes in Wilsede, zu dem auch der Wilseder Berg gehörte. Hamburger Makler hatten Interesse an derartigen Flächen, um in diesen herausragenden Landschaftsteilen Wochenendhäuser zu errichten. Wilsede und seine besonders reizvolle Umgebung war schon damals überregional bekannt und damit Ziel zahlreicher Besucher und Wanderer, die per Bahn nach Döhle oder Handeloh kamen, aber auch die gehobene Gesellschaft in Hamburg war inzwischen so vermögend, sich ein Wochenenddomizil zu leisten, eine Entwicklung, die sich z.B. in Holm Seppensen, in Sprötze, Handeloh – Höckel und in Maschen – Horster Heide schon angebahnt hatte. Bode hat diese Entwicklung vorausgesehen und geahnt, was 50 Jahre später im engeren Stadtumland von Hamburg passierte, eine Siedlungsentwicklung, die nicht zu steuern war und gerade die schutzwürdigsten Landschaftsformen für individuelle Interessen in Anspruch nahm. Er fand in Prof. Thomsen aus Münster, der den Totengrund kaufte, den ersten Mäzen, in Kurt Floericke, den naturschutzfachlichen Kenner, der das theoretische Grundkonzept für die spätere Unterschutzstellung eines großen Gebietes entwickelte und in dem damaligen Landrat Ecker den Verwaltungsfachmann, der auch wusste, welche Schritte zu unternehmen waren, um ein solches Schutzgebiet zu schaffen und für dessen Verwaltung und Pflege eine Organisation in privater Trägerschaft aufzubauen, die dann in dem von ihm vor 100 Jahren mitbegründeten Verein Naturschutzpark realisiert wurde.

Wer sich für nähere Einzelheiten dieser Entwicklung interessiert, dem empfehle ich die Lektüre der Darstellung der Vereinsgeschichte des VNP aus der Feder Ihres Egestorfer Mitbürger Dr. Rolf Lüer, der ja als Rendant der Volksbank schon in dieser Funktion ein Nachfolger Wilhelm Bodes war, aber auch als Vorstandsmitglieds des VNP dort viele Jahre verantwortungsvoll mitgearbeitet hat. Man darf nicht verschweigen, wie kritisch seiner Zeit viele der vom Schutzgebiet betroffenen Grundeigentümer diese Initiative betrachtet haben und insbesondere Wilhelm Bode heftigster Kritik ausgesetzt war, weil er z.B. denjenigen, die in der Heideaufforstung, den einzigen Weg zur Erhaltung ihrer Höfe sahen, ihre Zukunftschancen vereitelte. Es hat ihm manche Freundschaft gekostet und auch in der Forstwirtschaft viel Gegnerschaft eingebracht, aber er war ein fanatischer Gegner der forstwirtschaftlichen Nutzung der Heideflächen, deren ausschließliche kommerzielle Nutzung natürlich auch grundsätzlich dem Gedanken der Erhaltung einer vielfältigen Kulturlandschaft entgegen steht. Er hat in zahlreichen Publikationen mit harten Worten gegen die staatliche und private Forstwirtschaft Stellung bezogen. Ob er schon wusste, dass gerade die Heidevegetation unentbehrliche Lebensgrundlage für mehr als 140 Tier – und Pflanzenarten ist, die eben ohne diese Heide verschwinden würden, weiß ich nicht, zunächst stand mehr der landschaftsästhetische Aspekt im Vordergrund. In jedem Fall hat sein Instinkt ihm damals den richtigen Weg gewiesen und man kann seine mutige und kämpferische Gesinnung gut an einem Zitat erkennen, das er selbst in einem Bericht über seine Kaufverhandlungen in Wilsede gebrauchte, als es um den Erwerb des Wilseder Bergs ging. „Im alten Rom galt das Sprichwort: Die Hälfte des Werkes hat hinter sich, wer den Mut besaß, anzufangen.“ – auch dies ein Wort, das wie ich finde, ein sehr wirkungsvolles Lebensrezept ist. Für ihn war von Anfang an klar, dass nur eine in privater Verantwortung getragene Organisation die Verwaltung des künftigen Naturschutzgebietes übernehmen sollte und hat deshalb vehement die Absicht der damaligen staatlichen Forstverwaltung bekämpft, die sich um diese Verwaltung beworben hatte. Diese Vorgehensweise Bodes war letztendlich mitentscheidend dafür, dass sich die Lüneburger Heide nicht in den Lüneburger Wald verwandelt hat. Es ist schon bedenklich genug, dass von der 1923 unter Landschaftschutz gestellten Heidefläche bis heute 60 % durch Bewaldung verloren gegangen ist – weitgehend als Folge aktiver Aufforstungspolitik der Forstwirtschaft. Wilhelm Bode hatte eben erkannt, dass die Bewahrung einer Kulturlandschaft in Verbindung mit der Sicherung naturschutzfachlicher Belange am sinnvollsten auf einer Grundlage organisiert werden muss, die sich nicht von vornherein ausschließlich von der Mentalität hoheitlichen Interventionsdenkens leiten lässt, sondern die örtliche Mitverantwortung aktiviert und an die Bereitschaft zur Selbstverantwortung der Bürger anknüpft, allerdings auch deren Idealismus zum Selbstengagement fordert. Es hat dieser Spannungsgegensatz die Arbeit des VNP bis in die Ära Toepfer hinein sehr stark belastet, bis sich in den letzten Jahren gerade auch in den staatlichen Instanzen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass es sich lohnt, auf eine verantwortungsbewusste Mitarbeit einer privaten Organisation zu setzen und dass eben der große Reiz der Kulturlandschaft Lüneburger Heide in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Wald und Heide, zwischen Mooren und Auentälern liegt.

Im Ganzen war Wilhelm Bodes Initiative jedenfalls der Anstoß für die sich anschließende generelle Naturschutzbewegung in Deutschland, die später unter dem Einfluss Alfred Toepfers mit seiner Idee, Naturparke in ganz Europa ins Leben zu rufen, den Naturschutzgedanken im Bewusstsein der Bevölkerung viel tiefer verankert hat, als jede andere gesellschaftliche oder politische Initiative. Wie sehr diese Entwicklung auch Grundlage einer ausgedehnten Tourismuswirtschaft werden würde, war sicher nicht Hauptziel oder Hauptmotiv der damaligen Bemühungen Wilhelm Bodes, so sehr auch immer die Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen für die Lebensbedingungen der Heidebewohner Triebfeder seines Handelns gewesen ist und ihm sicher die Zunahme des Fremdenverkehrs nicht unlieb war.

In jedem Falle war er ein mutiger, vorausblickender, wortgewaltiger Mann, der es vor allem verstanden hat, sich in vielen Schriften und erfrischend klaren Worten, gerade auch gegenüber seinen Widersachern zu äußern. Kein Wunder also, dass er sich den Ruf des rebellischen Heidepastors zuzog, weil er sehr hartnäckig sein konnte und im Zusammenhang mit seinen kirchlichen Funktionen oft in Kontroversen mit deren Aufsichtsinstanzen verwickelt war. Sicherlich war sein Verhalten oft kompromisslos und seine Opposition gegen Ansichten, die er nicht teilen wollte, nachhaltig. Aber seine Persönlichkeit als schillernd oder notorisch aufsässig einzuordnen, wird seiner historischen Bedeutung keinesfalls gerecht. Die Verwandlung bäuerlichen Eigentums in Vereinseigentum hat natürlich seine Beliebtheit zu seiner Zeit ebenso wenig steigern können wie auch Alfred Toepfer seine Not hatte, seine Widersacher von der Notwendigkeit der großräumigen Zusammenfassung der Heide als Schutzgebiet zu überzeugen. So haben sich beide den gemeinsamen Ruf erworben, gegen das Überlieferte und Herkömmliche gewesen zu sein. In unserer heutigen Betrachtung waren beide aber in ihrer Erkenntnis zukünftiger Notwendigkeiten ihren damaligen Widersachern weit überlegen.
Wilhelm Bode war sicher in Manchem widersprüchlich und schon gar nicht ein zurückhaltender oder bequemer Menschentyp und oft auch nicht wählerisch in der Verwendung kraftvoller Ausdrucksweisen, um seine Ansichten zu vertreten und durchzusetzen und erfüllte wohl auch nicht das über dem Leben stehende vornehme pastorale Charakterbild des Geistlichen, wie sich die Kirche ihn verständlicherweise wünschte, aber er hat in seinem ganzen Handeln und Wirken eine außergewöhnliche soziale Kompetenz bewiesen, wie wir heute das Engagement für Belange des Allgemeinwohls bezeichnen. Wer sich ein umfassendes, persönliches eigenes Urteil über den Menschen Wilhelm Bode machen möchte, dem empfehle ich, sich mit der Biographie zu befassen, die Walther Brauns 1928 veröffentlicht hat. Sie ist vor einigen Jahren in Neudruck in vierter Auflage erschienen und beim VNP erhältlich. Ich zitiere aus dem Vorwort zu dieser außerordentlich lebendig und informativ geschriebenen Lebensbeschreibung eine Passage, die in wenigen Sätzen die Persönlichkeit des „Heidepastors“ in der Sprache des vorigen Jahrhunderts so skizziert: „Er war einer jener letzten Recken, eine jener Hünengestalten, die nur auf dem vorgeschichtlichen Boden Niedersachsens möglich sind. Erdhaft und naturverbunden, urwüchsig und kantig, eigenwillig und selbstlos. Keiner seiner Zeit – und Amtsgenossen ist so viel geliebt, so sehr gefürchtet worden und keiner hat wie er so lieben und so hassen können. Ihm war als eine ebenso beneidenswerte wie gefährliche Gabe mit einer zähen Willenskraft ein unermütlicher Schaffensdrang verliehen, der allen Hindernissen zum Trotz Untersterbliches geleistet hat.“

In seinen vier letzten Lebensjahren, als ihm nach Auseinandersetzungen mit der Amtskirche die Ausübung seines Pastorenamtes verwehrt war,hat Wilhelm Bode sich ganz in sein geliebtes Wilsede zurückgezogen, wo er 1927 verstorben ist. Seine Asche wurde auf dem Wilseder Berg verstreut. Warum diese Lüneburger Heide von ihm so geliebt wurde und glücklicherweise sich auch noch heute so viele Menschen veranlasst sehen, sich um ihre Erhaltung zu bemühen, hat Richard Linde in seiner Monographie „Die Lüneburger Heide“ eindrucksvoll in folgende Worte gefasst, mit denen ich meine Ausführungen beende, Worte, die uns deutlich machen, welch große Tat im Wirken Wilhelm Bodes gelegen hat. Es mag manches von diesen Worten für unsere heutige Empfindungswelt etwas zu pathetisch klingen, aber es bringt im Kern zum Ausdruck, was uns auch heute berührt, wenn wir unsere Lüneburger Heide durchwandern, wie es auch Wilhelm Bode auf seinen Wanderungen empfunden haben wird. Ich zitiere Richard Linde: „Die Empfindung, auf dem Plateau eines Mittelgebirges zu stehen – gemeint ist der Blick vom Wilseder Berg – eine Empfindung, die den Wanderer in der Heide so oft überrascht, wirkt hier in verstärktem Maße. Diese blauen, verdämmernden Hügel im leisen Linienreiz verklingend, die braun-grünen Waldhöhen hintereinander gelagert, die schwimmenden Dünen von Ehrhorn, der braune Heidemantel, sich in Nähe und Tiefe und Ferne an die geschwungenen Kuppen schmiegend, einem plötzlich erstarrten Wogenmeer vergleichbar, ferne schwimmende Wieseninseln dazwischen, und die verkrüppelten Wacholder schaffen hier ein überaus charakteristisches Bild, das es sonst in Deutschland nicht wiedergibt.“

Es ist den Verantwortlichen der Gemeinde Egestorf herzlich zu danken, mit diesem Jubiläumsjahr an eine so herausragende Persönlichkeit unserer Landschaft erinnert zu haben, die mit dem denkwürdigen und einzigartigen Titel „Der Heidepastor“ weiter im Bewusstein seiner Anhänger lebt. Er war ein Mensch voller Gemeinsinn, der seiner Zeit weit voraus war und es war das Leben eines außergewöhnlichen Menschen, erfüllt von Kreativität und Durchsetzungsvermögen, einer vielseitigen Persönlichkeit, der es vergönnt war, zu erleben wie aus einer Vision Wirklichkeit wurde.



Wie man die Lüneburger Heide früher sah...

... eine öde, dürre Strecke...

Eine Reise durch die durch Übernutzung ökologisch verwüstete Lüneburger Heide muss im 18. und 19. Jahrhundert ein schlimmes Erlebnis gewesen sein. Das zeigt eine große Zahl von Reiseberichten aus dieser Zeit. Es wird in diesen Schilderungen aber auch deutlich, wie sich mit der Zeit eine neue Auffassung über die Heidelandschaft durchsetzte.

Im Jahre 1710 reiste Zacharias Conrad von Uffenbach durch die Heide. Er berichtet über die Strecke von Uelzen nach Lüneburg

„Den 25. Jenner Sonnabend Morgens um halb acht Uhr wieder ab, über die übel beschriene Lüneburger Heyde. Ich hatte mir eingebildet, sie seye deßwegen so beruffen, weil man so wenig Orte und Bequemlichkeit darauf fände; allein der Weg an sich ist verzweifelt böse, und machen die vielen Herzens- und Kopf- Stösse, so man bekommt, dass man ihrer nicht leicht vergisst. Dann erstlich hat die Heyde viele Hügel, und Unebenen. Zweytens, ist sie sonderlich um diese Zeit des Jahres, und im Herbste Grundlooß, und dannenhero lauter tieffe Gleissen. Drittens macht auch das Wilde, und Unkraut, so darauf wächset, und harte Wurzeln hat, dass es sehr ungleich und verdrießlich darauf zu fahren ist.“

Albrecht von Haller erwähnte in dem Bericht über seine Reise in den Jahren 1723 bis 1727, die ihn durch Deutschland, Holland und England führte, „das Land aber voll schlimmer Heyden“. Karl Phillipp Moritz nannte die Heide 1785 „eine öde, dürre Strecke“, und Graf Friedrich Leopold zu Stolberg sprach in seiner „Reise in Deutschland“ 1791 von „Wüsten“.

„Ein ödes, trauriges Land, ohne Anhöhen, Täler, oder Seen, ohne alles Laubholz… alles ist leer, trocken und kalt. Man sieht hier nicht einmal, wie in Arabien, Beduinen umherstreifen oder Pilger und Karawanen durch die Wüste ziehen. Man könnte, wenn man blind wäre, halbe Tage umherirren, ohne an etwas zu stoßen… da ist nichts als Sand, Heide und Moor.“

Wer im „Bilder Conversations- Lexikon für das deutsche Volk“ von 1838 unter dem Stichwort „Hanover“ die Beschreibung des Königreiches nachliest, findet: „Bekannt ist die lüneburger Haide, die gleich im Norden der braunschweig. Grenze beginnt und sich bis in die Nähe von Harburg erstrecke. Man hat sie nicht mit Unrecht das deutsche Arabien genannt.“

In Küttners Reisebeschreibung von 1797, die 1804 in Leipzig erschien, findet sich: „Ich war gewiß nicht vorbereitet, eine schöne Natur zu finden, aber ich dachte nicht, dass das Lang gar so elend wäre. Mich dünkt, es ist der schlechteste Strich von einem solchen Umfange, der mir jemals vorgekommen. Der Boden dieses Geländes ist eine ungeheure Sandwüste, die von Natur entweder ganz nackt ist oder Heidekraut und dürre, stechende Halme hervorbringt.“

Der Franzose Mangourit, der 1803 eine Beschreibung des hannoverschen Staates verfasste, schrieb darin: „Hinter Celle riest man auf einer Strecke von beinahe zwanzig deutsche Meilen zwar nicht immer über Sand, wohl aber durch Heiden, die man nicht überblicken kann. Es tut not, dass man in denselben die Höhe beobachtet, wie auf dem Meere, um nur zu wissen, wo man eigentlich ist. Von Zeit zu Zeit kündigen Enten, Gänse, Schafe von einem erbärmlichen Aussehen die Nachbarschaft eines armseligen Dorfes, einer elenden Hütte, an. Welche Wohnplätze! Ganze Familien mit bleichem Gesicht, mit zerfetzten Kleidern leben, essen und schlafen im Stalle ihres Viehes! In der Nähe dieser wahren Katakomben sieht man einige dünne Roggen- oder Gerstenhalme und hier und da ein Fleckchen mit Buchweizen.“

Diese Landschaftbeschreibungen, die ein den Leser erschreckendes Bild lieferten, lassen sich fortsetzen. Ein Hamburger Reisender mag noch zu Wort kommen. Der Domherr Dr. Friedrich Johann Lorenz Meyer kannte die bisherige Literatur über die Lüneburger Heide, in der manche nur „schwarze Erde“, andere „einen Pontinischen Sumpf, der nur mephitische Dünste aushaucht“, erblickten.

„Ein Dritter warnt vor den eigennützigen schielenden Haidebauern und ihren Raubanschlägen auf den Reisekoffer. Ein Vierter bevölkert diese Wildniß mit einem peuple sauvage nommé Haidschnucken“. Dann fuhr er fort: „Zugegeben, neben den erst erwähnten natürlichen Ursachen der Klagen, dass diese weit gedehnte meistens öder Haide sehr von den hesperischen Gärten des südlichen Frankreichs, den kampanischen Gefilden Italiens, den üppigen Fluren Englands und den freundlich malerischen Gegenden des östlichen und südlichen Deutschland absticht; so sei man doch gerecht gegen der von der Natur vernachlässigen Landstrecken, und gönne doch jedem Boden seine Frucht.“

Er schrieb dann weiter: „(Wir haben uns) immer mehr an dieses Land gewöhnt, uns mehr und mehr mit dessen erstem traurigen Eindruck versöhnt und finden mehrer Strecken derselben nicht blos erträglich, sondern auch freundlich, fruchtbar, selbst malerisch. Ja, wir behaupten kühn, dass die Lüneburger Haide vor den Haidestrecken aller Länder große Vorzüge hat.“

Hier deutete sich also ein ausgewogeneres Bild von der Landschaft der Lüneburger Heide an. Einmal wurde jetzt die wahre Beschaffenheit des Landes bekannt. Das Vorurteil von der Ebene verschwand, die langgestreckten Höhenzüge wurden beschrieben, die den Charakter eines Niedergebirges hätten.

Aber es gab bereits zur gleichen Zeit, als Reiseberichte von der „Wüste“ im Lüneburger Land erschienen, andere Sichtweisen. Die Ossian- Verehrung in der Zeit des „Sturm und Drang“ führte zu einer Mythisierung der Heide, wie sie sich im Goethes Werther ausdrückt: „Ossian hat in meinem Herzen den Homer verdrängt, welch eine Welt, in die der Herrliche mich führt! Zu wandern über die Heide, umsaust vom Sturmwinde, den in dampfenden Nebeln die Geister der Väter im dämmernden Lichte des Mondes hinführt.“

Als Dichter sah auch Jens Immanuel Baggesen die Heidelandschaft, die er 1789 durchreiste. Die Heide regte seine Phantasie an. Von Jugend an war einer seiner „Leibwünsche“, eine „Wüste zu durchwandeln“, die er mit einem Folianten verglich, der aus lauter reinen Blättern bestand. Zwar sah sein „dusserliches Auge“ nichts als Heide, aber die Phantasie ließ ihn langbärtige Eremiten, ehrwürdige alte Derwische, Karawanen mit Dromedaren und die Kinder Israels erblicken. Als er von einem anderen Reisenden in seinem Wagen mitgenommen werden sollte, zog er es doch wieder vor, zu Fuß die ihn fesselnde Heide zu durchwandeln.

„Sie sind der erste Bewunderer der Heide, den ich je auf meinen Reisen getroffen habe,“ sagte sein Mitreisender.

Die eigene Schönheit der Heide wirkte 1831 auf den dänischen Dichter Hans Christian Andersen, der von Lübeck über Hamburg in den Harz reiste: „Ich blickte hinaus auf die große Lüneburger Haide, die als hässlich so verschrien ist. Herr Gott, wie die Leute doch reden! Ja sie reden, wie sie es sehen und verstehen. Jedes Staubkorn war ein blitzendes Granitstück; die langen Grashalme, die voll Staub über dem Weg hingen, waren die niedlichsten macadamisirten Wege für die kleinen Elfen; aus jedem Blatt schaute so ein kleines lächelndes Gesicht. Die Fichten sahen aus wie vollendete babylonische Thürme,… die ganze große Haide war eine Zauberwelt, voll von Wunderwerken… Jeder Staubfaden hatte seine eigene verschiedene Farbe und eigenthümliche Zusammensetzung, und welche Unendlichkeit in dem großen Himmel darüber.“

Von Politischen her bestimmt, zur Lobpreisung des Vaterlandes, muss eine Reisebeschreibung von Friedrich Ludwig Jahn, dem Turnvater Jahn, gelesen werden. „Jetzt aufgeschaut!“ ruft er seinen Mitreisenden in den „Denknissen eines Deutschen oder Fahrten des Altern im Bart“ zu. „Wir befahren die Ausläufer der berufensten Heide von Deutschland. Auf der Wasserscheide zwischen Elbe und Weser ruht sie still, wie ein erstarrtes Meer. Die geringe Verschiedenheit der Fläche, die stete Wiederkehr derselben Gegenstände geben dem ganzen das Gepräge von hoher Einfalt, und die maßlose Aussicht ein Gefühl der Unendlichkeit. Es gemahnt einen, wie ein urplötzlich versiegter Meeresgrund, der unter dem Wogenspiele Riffe und Tiefen verborgen, die dann mit einem Male zu Tage gekommen, wo die Wassergewächse zum Heidekraut verdorret. Auch die Wellen fehlen nicht in der bläulich grüngrauen Heide. Hier hält das Heimweh den hier Gebornen. Hier ist Himmel und Heide, wie anderswo Himmel und Meer, und die einzelnen Turmspitzen tauchen auf wie Maste aus der Flut. Wenn man die gewöhnlichen Querstraßen von der Elbe zur Weser reist, zwischen Himmel und Heide, so, sollte man glauben, dass diese Steppe Buchen- und Eichenhaine mit lieblichen Quellen, Bäche und Schlemmwiesen in ihren Thalgründen berge und machen Raum wie zur Wonnesiedelei geschaffen.“ Der Gegensatz zur Beschreibung des Franzosen Mangourit wird deutlich.

Keine Landschaft in Norddeutschland war so heftig abgelehnt worden wie die Lüneburger Heide. In der Romantik und besonders in der Zeit des Realismus lieferten dann die Dichter die Belege dafür, was die Zeit an Neuem in dieser Landschaft sah und fand. Die Sichtweise des künstlerischen Realismus wurde zuerst von Annette von Droste- Hülshoff verkörpert, nicht mehr das Schöne, sondern das Charakteristische rückte in den Mittelpunkt des Sehens. Die Dichterin erschloss mit ihrer Betrachtungsweise die norddeutsche Landschaft. Ihr folgte Theodor Storm, der den stillen Schönheiten der Heide, dem Mittagszauber und dem Rauch der Kate am Horizont dem blauen Falter und der wimmelnden Pflanzendecke dichterischen Ausdruck gegeben hat.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gab es eine große Zahl von Dichtern der Heide; die meisten Namen wie Freudenthal du Steinvorth, Hermann Allmers u.a. sind fast vergessen. Detlev von Liliencron kennen nur noch wenige. Eine nicht hoch genug einzuschätzende Wirkung hatten die Romane und Lieder von Hermann Löns, die um die Jahrhundertwende entstanden. Unsere Zeit hat gegen seine Werke sicher manche kunstkritischen Einwendungen und lehnt vor allem die in ihnen enthaltene Blut- und Boden- Ideologie ab. Löns Einfluss auf die Auffassung von der Lüneburger Heide dauert aber bis zum heutigen Tage an. Er brach endgültig mit dem Vorurteil, das die Lüneburger Heide immer noch als absolut ödes Land gelten ließ, und vollzog für die Allgemeinheit die Umwertung der norddeutschen Heide. Aus der noch vor wenigen Jahrzehnten verachtete „Wüste“ wurde jetzt das „wunderschöne Land“. In der bildenden Kunst waren es Hamburger Maler, die zuerst Motive aus der Heide gestalteten. Christian Morgenstern, 1805 in Hamburg geboren, sah,

„...wo Tausende teilnahmslos vorübergingen… eine Fülle von Schönheit, und gerade die anspruchslosesten Stellen der Landschaft schlossen ihm entzückende Reize auf.“

Hatte Caspar David Friedrich norddeutsche Landschaft noch symbolisch gesehen, so bedeuteten diese neuen Heidedarstellungen einen plötzlichen Umschwung. An weiteren Malern sind zu nennen der Hamburger Hermann Kauffmann (1808- 1884), er malte 1856 einen „Heideweg“, ein Bild, das vom Kunstverein in Hamburg angekauft wurde, und Valentin Ruths, der die „Heide bei Ehestorf“ 1868 malte.

„Heidemaler“ gab es danach in großer Zahl, wenn auch nur noch selten hohes künstlerisches Niveau erreicht wurde. Sie trugen dazu bei, die neuentdeckte malerische Schönheit einem weiten Publikum bekannt zu machen. Das in Kunst und Literatur neu gewonnene Bild der Heidelandschaft prägte sich tief ein und war eine Vorraussetzung dafür, dass die Lüneburger Heide für den Naturschutz als schutzwürdige Landschaft ins Blickfeld geriet.

(Auszug aus dem Buch "Geschichte des Naturschutzes in der Lünebureger Heide von Rolf Luehr).



Das Heidemuseum "Dat ole Huus" ist älter als der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) selbst...

Wurde im Jahr 2007 hundert Jahre alt: das Heidemuseum "Dat ole Huus" in Wilsede...

Das 1907 errichtete Heidemuseum in Wilsede ist eines der ältesten Freilichtmuseen der Bundesrepublik. Die Idee der Freilichtmuseen - aus Skandinavien übernommen - war damals neuartig. Auch der Lehrer Bernhard Dageförde, der Initiator des Heidemuseums, wollte kein Museum im eigentlichen Sinne, sondern ein lebensvolles Gesamtbild aus der Geschichte des Lüneburger Heidebauerntums. Diese Idee stieß damals nicht auf ungeteilte Zustimmung. Dageförde selbst berichtet von anfänglicher Kritik, die erst nach dem Erfolg des Heidemuseums verstummte. Für den Betrieb beschritt Dageförde ebenfalls neue Wege. Um Aufsicht und Führungen sicherzustellen, wurde dem Museum 1908 ein Gasthaus angegliedert. Als Träger des Museums und des Gasthauses wurde eine GmbH gegründet - ein Konzept, das auch noch nach 100 Jahren modern ist.

Bei aller historischen Lebenswirklichkeit, die das "ole Huus" vermittelt - es ist kein unverändertes Bauernhaus. Die Einrichtungsgegenstände hat Dageförde aus über 40 Orten zusammengetragen. Dies war unvermeidlich, denn eine mehr als 100 Jahre alte komplette Innenausstattung hat es auch 1907 nicht gegeben. Auch das Haus selbst ist in manchen Teilen eine Neuschöpfung. Bei der Wiedererrichtung des Hauses in Wilsede ließ Dageförde die Diele kürzer und schmaler bauen, dafür wurde das Flett größer. Auf diese Weise gewann Dageförde mehr Raum in den Abseiten, um das bäuerliche Wirtschaften darzustellen. Das vergrößerte Flett bot Platz für eine eindrucksvolle Herdstelle.

Über die Herkunft der Einrichtungsgegenstände im Heidemuseum hat Bernhard Dageförde sorgfältig Buch geführt. Der größte Teil der Orte, aus denen er die Gegenstände erwarb, liegt in der Nordheide im heutigen Landkreis Harburg. Sie reichen im Norden mit Ashausen, Scharmbeck und Winsen bis an die Grenze der Marsch. Das Zentrum dieser Orte bildet Tangendorf, wo Dageförde zwanzig Jahre als Lehrer arbeitete. Von dort hatte er zahlreiche Besuche im Nebenberuf als Versicherungskaufmann gemacht, und ohne Zweifel hatte er bei dieser Gelegenheit viele Möbel und Hausgeräte kennengelernt.



Der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) vor 50 Jahren...

War über 30 Jahre Vorsitzender des VNP: der Hamburger Mäzen und Kaufmann Dr.h.c. Alfred Toepfer...

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, einmal Rückschau zu halten, mit welchen Aufgaben der VNP vor einem halben Jahrhundert beschäftigt war. Schließlich stehen wir bald vor einem großen Jubiläum. Im Jahr 2009 wird der Verein 100 Jahre alt - genug Anlass, unseren Lesern Rückblicke und Einblicke in die Arbeit des Vereins in den fünfziger Jahren zu geben.

Der Beginn des Jahrzehnts stand ganz im Zeichen des Aufbruchs. Deutschland hatte die Schatten des 2. Weltkriegs hinter sich gelassen. Wirtschaftlich ging es aufwärts. Im Januar 1954 wurde der Hamburger Kaufmann Alfred Toepfer Vorsitzender des Vereins. Toepfer gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten der westdeutschen Wirtschaft. Umfangreiche Reisen führten ihn durch viele Länder Europas, Amerikas und Asiens. Als begeisterter Naturfreund war Alfred Toepfer schon lange ein eifriger Förderer des Jugendherbergwerks und der Jugendwanderbewegung. Dem Verein Naturschutzpark gehörte er seit 1927 an. Mit vollem Elan unterstützte er den Naturschutzpark in der Lüneburger Heide. Seine Ziele, dass Zentrum der Lüneburger Heide als Erholungsstätte für die in den Aufbaujahren der Bundesrepublik hart arbeitende Bevölkerung in voller Schönheit zu erhalten, den Park nach Möglichkeit zu vergrößern und den Naturschutzgedanken in allen gesellschaftlichen Kreisen zu etablieren, verfolgte Toepfer eindringlich. Dabei entstammten seine Motive nicht der reinen Lehre der Naturschutzideologien, die in politisch angefachter Reinkultur in späteren Jahrzehnten mehr Schaden als Nutzen produzierten, sondern Triebfeder seines Handelns schien vielmehr das Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu sein. Die Natur als Erholungsraum für die wiederaufbauende Bevölkerung, denen viel abverlangt wurde, ganz zu schweigen von den unendlichen Folgen einer entbehrungsreichen Kriegszeit. Den Erholungswert der Natur wiederzuentdecken, den freien Sonntag als Gegengewicht zu einer harten Arbeitswoche möglichst belastungsfrei zu verbringen, waren die Visionen Toepfers. Dazu bot sich der schnell erreichbare Heidepark vor den Toren Hamburgs geradezu an.
 
Eine besondere Problematik war der militärische Übungsbetrieb in der südwestlichen Hälfte des Naturschutzgebietes, der mit dauerhaften Belastungen als eine unmittelbare Kriegsfolge hingenommen werden musste. Westlich der Straße Behringen-Wintermoor war 1954 das wahre Ausmaß der Verwüstungen durch alliierte Kettenfahrzeuge täglich zu sehen. Alfred Toepfer und mit ihm der Verein Naturschutzpark liefen regelrecht Sturm gegen die Bundesrepublik und die Militärs. Es mangelte nicht an Alternativen. Vorschläge des VNP, den Panzerübungsbetrieb auf ca. 11.000 Hektar ungenutztes Truppenübungsplatzgelände Munster-Nord zu verlagern blieben ungehört. Stattdessen wurde weiter auf 1.700 ha wertvollster Heidelandschaft geübt. Der VNP ließ sich jedoch nicht beirren. Dank Toepfers guten Verbindungen in Politik, Wirtschaft und zu ausländischen Naturschutzorganisationen, wurde das dicke Brett unermüdlich gebohrt. Durch eine detaillierte Anfrage im Bundestag stieß der Bundestagsabgeordnete Schmidt, Hamburg, den damaligen Bundesfinanzminister auf das Problem. Leider ohne Erfolg. Nachdem der Druck auf die nationale Politik ohne Wirkung blieb, bemühte Toepfer seine internationalen Kontakte. In Kopenhagen fand 1954 die Tagung der International Union of the Protection of Nature (IUPN) statt. Bei dieser Tagung bestand Gelegenheit, die anwesenden britischen Vertreter um Intervention bei den britischen Behörden zu bitten. Auf Veranlassung dieser britischen Sprecher begab sich im Anschluss an die Kopenhagener Tagung der Generalsekretär der IUPN, Professor Harroy, sofort in die Lüneburger Heide zwecks Berichterstattung nach London. Die mehrfachen britischen Rückfragen nach Ersatzübungsgebieten wurden auf Munster-Nord beantwortet, wobei Munster-Nord nicht die einzige Ausweichmöglichkeit darstellte. Im Raum Lüneburg-Celle-Soltau gab es insgesamt 59.800 ha Truppenübungsfläche. Leider hatte der Bund diese Flächen systematisch dadurch eingeengt, indem 37.200 ha zwischenzeitlich aufgeforstet wurden. Niemand der damals Beteiligten konnte ahnen, dass der militärische Übungsbetrieb noch weitere 4 Jahrzehnte anhalten würde.
 
Der VNP nutzte weitere Gelegenheiten, die Öffentlichkeit für die Gedanken des Naturschutzes und des Naturschutzparks zu begeistern. In den Sommermonaten des Jahres 1954 kamen auf Einladung des Vorsitzenden Alfred Toepfer Bürgerschafts- und Senatsmitglieder der Freien und Hansestadt Hamburg, Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages, die Bremer Bürgerschaft und Mitglieder des Hamburger Konsularkorps zu Kutschwagenrundfahrten durch den verwüsteten West- und den gut erhaltenen Ostteil des Naturschutzgebietes. Im Westteil gab es aufgrund des Panzerbetriebs stets heftige Entrüstung und Enttäuschung, im Ostteil der Heide ebenso starkes Entzücken und Bewunderung. Für die Landschaftspflege setzte der Verein 1954 elf Heidschnuckenherden ein. Zur Erhaltung der Heide mussten mehr Heidschnucken als bisher eingesetzt werden. Die Planung des Vereins sah vor, bei Wilsede eine dritte Herde und einen neuen Schafstall aufzustellen. Die Schafherden in Wesel und Undeloh wurden verstärkt, in Sudermühlen am Ostrand des Naturschutzgebiets soll im Herbst 1955 eine weitere neue Herde aufgestellt werden. Auch damals musste der starke Kiefernanflug durch regelmäßige Entkusselung bekämpft werden. Für eine gleichmäßige gute Beweidung der Heideflächen schlug Toepfer vor, Schäfer und Schafhalter alljährlich Prämienanreize zu gewähren. Im gleichen Jahr wurde eine Anzeigenkampagne in der norddeutschen Presse gestartet. Es sollte die Nachfrage nach dem schmackhaften und gesunden Heidschnuckenfleisch angeregt werden.

Der auch damals schon beachtliche Gebäudebestand erforderte regelmäßige Unterhaltungsaufwendungen. Priorität hatte damals wie heute die äußere Erhaltung der Gebäude. Neue Reetdächer, neue Fenster und sonstige Ausbesserungen sicherten die Gebäude vor weiterem Verfall. Die Entrümpelung der vereinseigenen Liegenschaften von hässlichen Anbauten und Nebengebäuden, die insbesondere in den Kriegs- und Nachkriegsjahren entstanden sind, wurde fortgesetzt. Schwerpunkte der Gebäudeunterhaltung waren Wilsede, Niederhaverbeck, Hof Tütsberg und die Jugendherberge Undeloh. Problematisch waren die für sommerlichen Massenbesuch nicht ausreichenden sanitären Einrichtungen in Wilsede. Exakte Zählungen ergaben selbst im regenreichen Sommer 1954 allein für das Dorf Wilsede  bis zu 12.000 Besucher an Sonntagen, 2000 - 3.000 Besucher an Werktagen, darunter viele Schulklassen. In der vereinseigenen Jugendherberge Undeloh, die 129 Betten zählte, übernachteten von Ende März bis Ende Oktober 17.632 Gäste. Der für Wilsede zur Aufnahme der dritten Schuckenherde geplante Stall wurde Anfang November 1954 gerichtet. Die Baukosten, einschließlich Wasserversorgung, beliefen sich auf 12.000 DM. Finanziert wurde der Schafstall durch eine Spende Hamburger Wirtschaftskreise. Für die umfangreichen Forst- und Waldgrundstücke des Vereins bestand der Plan, unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse, mit Eichen und Buchen zu unterpflanzen. Der Einschlag sollte auf das forstwirtschaftlich notwendige Maß beschränkt werden.
 
Der VNP engagierte sich auch für die Beseitigung der Freileitungen, mit denen oberirdisch elektrischer Strom in die entlegenen Ortschaften des Naturschutzgebietes transportiert wurde. Die meisten Überlandleitungen wurden während des Krieges gelegt und nun galt es, entsprechende Verhandlungen zur unterirdischen Verlegung der Kabel zu führen. Die Heidedörfer Oberhaverbeck und Niederhaverbeck bekamen elektrischen Strom. Die Pension Eickhof und Haus Heidetal wurden bis zum Frühjahr 1955 angeschlossen. Eine unterirdische Verkabelung war durch gemeinsame Unterstützung durch die Länder Niedersachsen, Hamburg, den beteiligten Gemeinden, der Forstverwaltung und den Verein Naturschutzpark ermöglicht worden. Ein Dauerbrenner, und daran hat sich bis heute nichts geändert, war das Fahrverbot im Naturschutzgebiet. Obwohl die Fahrzeugdichte 1954/55 sehr gering war, beklagte Toepfer die Respektlosigkeit der Fahrzeugführer. Mit den Worten „Es müsste als unschicklich und rücksichtslos gelten und entsprechend gegeißelt werden, in Sperrgebieten motorisiert zu fahren, oder auch nur um Genehmigungen nachzusuchen“, verlieh der Vorsitzende seiner Forderung nach einer auto- und motorradfreien Zone vehement Nachdruck. Dass Toepfer das auch so meinte, bekamen Autofahrer immer wieder zu spüren, wie so manche Anekdote aus dieser Zeit überliefert. Alternativ warb Toepfer für Fahrten mit den bereit stehenden Kutschwagen.

Den Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden für die Zeit von August bis Mitte November 1954 schloss Alfred Toepfer mit folgendem Aufruf: „Der Gedanke des Naturschutzes und der Naturschutzparke marschiert nach langer, durch die Verhältnisse entschuldbarer Ruhepause, auch bei uns wieder, allen Widersachern zum Trotz. Er bedarf der tatkräftigen Mithilfe und Werbung, der Aufklärung und Förderung durch viele. Er dient der Schönheit der Heimat, dem Wohle der Allgemeinheit und jedes einzelnen. Jeder Besucher wird in der Stille, Schönheit und Abgeschiedenheit des Naturschutzparks mehr empfangen, als er selbst geben kann. Das mag auch den größten Förderern Ansporn und Genugtuung sein.“ Etwas moderner formuliert sind die Thesen Alfred Toepfers auch heute noch aktuell. Das ständige Bemühen des Verein Naturschutzpark e.V. , Behörden und Politiker von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Erholungslandschaft Lüneburger Heide als Offenlandschaft dauernd zu pflegen, bleibt eine zentrale Aufgabe. Ohne weit reichende finanzielle Unterstützung und viele hilfreiche Hände ist dies auf Dauer nicht möglich.            



Der VNP und 100 Jahre Staatlicher Naturschutz...

Blick auf den Wilseder Berg aus den Gründungstagen des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP)...

Am 22. Oktober 1906 veröffentlichte das preußische Ministerium der geistlichen, Unterrichts - und Medizinal-Angelegenheiten in seinem Amtsblatt die „Grundsätze für die Wirksamkeit der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen“. Dieses Datum gilt bei behördlichen wie ehrenamtlichen Naturschützern als Geburtsdatum für das Jubiläum „100 Jahre Staatlicher Naturschutz“. Ein Jubiläum, das vielfach gefeiert wird. So auf dem 28. Deutschen Naturschutztag vom 30.05 – 02.06.2006 in Bonn und auf einer Fachtagung im Herbst, ausgerichtet von der Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter am Drachenfels.

Als Geburtsurkunde muss – historisch korrekt gesehen – eine Denkschrift aus dem Hause des preußischen Ministeriums gesehen werden, die bereits 1904 veröffentlicht und weit verbreitet wurde. Sie trägt den Titel: „Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung“. Für den Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) ist wichtig, dass in dieser Denkschrift, der ersten amtlichen Veröffentlichung im Naturschutz, aufgeführt ist,  „Heideflächen im Lüneburgischen“ zu einer der bedrohtesten Landschaftselemente gehören und gesetzlich geschützt der Nachwelt erhalten werden müssen.

Als Verfasser dieser Schrift zeichnet der Danziger Museumsdirektor Prof. Dr. Hugo Conwentz verantwortlich. Aufgrund dieser Denkschrift wurde er zum ersten Leiter einer Institution bestellt, die von Staatswegen für den Aufbau eines behördlichen Naturschutzsystems eingerichtete wurde. Sie ist die Ahnherrin des heutigen Bundesamtes für Naturschutz in Bonn. Kaum eine Persönlichkeit ist in der Geschichte des Naturschutzes wegen ihres unermüdlichen und pragmatischen Einstehens für die Belange der Erhaltung und Pflege von bedrohten Tieren, Pflanzen und Landschaftsformen so gefeiert und angegriffen worden wie Hugo Conwentz. Die Spuren seiner internationalen Fachreputation lassen sich bis in ferne Gegenden verfolgen: Auf Spitzbergen gibt es ein Cap Conwentz, eine Höhle, der Conwentz-Schacht auf dem Balkan, im Naturschutzgebiet Böhmerwald einen Conwentz-Weg. Der Berufsverband der Naturschützer Deutschlands (BBN) verleiht die Conwentz-Medaille und in Niederhaverbeck gibt es das Conwentz-Haus, das mit der Hilfe von Alfred Toepfers Stiftung F.V.S. als Forschungsstation für Naturschutz und Landschaftspflege konzipiert war. In der wissenschaftlichen Erforschung von Pflanzen und Tieren wurde Conwentz geehrt. Allein 18 Arten und Unterarten aus dem Pflanzen- und Tierreich tragen zu seinen Ehren das „Conwentzii“.

Aber auch an heftigen Kritiken aus den eigenen Reihen gegen die Aktivitäten des Staatlichen Naturschutzes hat es nicht gefehlt. Den Heimatschützern jener Tage, die (wie heute beim Umweltschutz) aus dem Naturschutz eine Volksbewegung mit gesellschaftskritischem Aufdruck machen wollten, ging das stete „Bretterbohren“ von Hugo Conwentz vor den Köpfen von Behörden, Amtsträgern und Lehrern nicht weit genug. In einer Rede vor Bremer Lehrern aus dem Jahre 1911 stellte Hermann Löns fest: „Pritzelkram ist der Naturschutz wie wir ihn haben“. Bereits vorher hatte er in einem Aufsatz in einer hannoverschen Tageszeitung für die Tätigkeit von Conwentz den abwertenden Begriff „conwentioneller Naturschutz“ geprägt. Über die Aktivitäten von Hermann Löns äußerte sich Prof. Walther Schoenichen, der zweite Leiter der Berliner Naturschutzanstalt vier Jahrzehnte später: „Diese in heftigen Übertreibungen schwelgenden Worte – die auch späterhin gelegentlich ostentativ zitiert worden sind von Leuten, die da meinten, sie müssten den amtlichen Naturschutz einmal wieder madig machen, sind für Hermann Löns schwer beschämend. Er musste wissen, dass Conwentz mit überlegener Taktik und einem fast übermenschlichen Einsatz von Schaffenskraft die junge Naturschutzbewegung ins Leben gerufen hatte. Er musste auch wissen, dass die langsam arbeitende Staatsmaschine nicht so rasch die gesetzlichen Abwehrmittel bereit stellen konnte, die notwendig waren, um der mit Riesenschritten voran eilenden Verschandelung sogleich Einhalt zu gebieten. Auf alle Fälle ist es bedauerlich, das Löns sich zu einer so elenden Demagogie hergeben konnte“.

Für den VNP ist Hermann Löns eine wichtige historische Figur. Er unterschrieb den Gründungsaufruf zur Schaffung von Naturschutzparken. Er lieferte der Kosmos-Redaktion einen Beitrag „Heidezauber“, der für den VNP Förderer und Spender werben sollte. Weiter hatte Hermann Löns im Gründungsjahr des VNP mit dem Mitstreiter zur Errichtung und Unterhaltung eines Alpenparkes, dem österreichischen Jagdschriftsteller Hans Sammereyer, den „Bund zur Erhaltung von Naturdenkmälern“ gegründet. Diese Neugründung, die sich besonders der bedrohten Tierwelt annehmen und damit eine Klammer zwischen Jagd und Naturdenkmalpflege schaffen wollte, wurde jedoch so heftig vom Vorstand des neugegründeten „Bund für Heimatschutz“ attackiert und diffamiert, dass dieser Verein ohne Spuren in der Naturschutzgeschichte zu hinterlassen, schließlich unbemerkt in der Versenkung verschwand.

Bis heute, auch in der Veröffentlichung des VNP von 1996, Heft 162,  wird Hermann Löns als Kämpfer für den Naturschutz und sogar des Umweltschutzes angesehen. Genüsslich zitieren die  Historienschreiber unserer Naturschutzgeschichte immer wieder die Rede vor den Bremer Lehrern von 1911. Sie berufen sich dabei auf Redner in Naturschutzveranstaltungen, die noch heute den Naturschutz als Pritzelkram „conwentioneller“ Prägung zitieren. Leider hat sich bei den Chronisten von heute und bei einigen beruflich tätigen Naturschützern keiner bisher die Mühe gemacht, diesen Löns-Vortrag auf seinen tatsächlichen Naturschutzgehalt zu hinterfragen. Lag Hermann Löns zu seiner Zeit richtig, warum und weshalb nicht? Nicht untersucht haben unsere Geschichtsschreiber, wie die Anwürfe und Forderungen von Hermann Löns zu ihrer Zeit von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Es gibt zu denken, warum die Rede von Hermann Löns erst 1929 , 18 Jahre nachdem sie gehalten wurde, publiziert worden ist. Und dies in einer von der Öffentlichkeit kaum beachteten Vereinspostille „Der Waldfreund“.

Wie sich heute nachweisen lässt, handelt es sich bei der Kontroverse zwischen Löns und Conwentz um eine persönliche Auseinandersetzung. Sie stammt aus der Zeit als Hermann Löns im Jahrbuch des Lüneburger Naturwissenschaftlichen Vereins von 1907 seine Ergebnisse zum Vorkommen  der Wirbeltiere in der Lüneburger Heide veröffentlichte. Diese Zusammenstellung war vom Danziger Museumsdirektor Conwentz in ein paar Einzelheiten kritisiert worden. Seine Kritik ärgerte Hermann Löns. Hatte er doch Ambitionen, als ernsthafter Wissenschaftler wahr genommen zu werden. Doch wies der dritte Leiter der amtlichen Naturschutzzentrale, Hans Klose,  in einem Beitrag 1939 schon mit Nachdruck auf die Verdienste hin, die Hermann Löns als Trommler für den Gedanken des Heimatschutzes und auch für den Erhalt seltener Tierarten zukommen.

Eine Reihe von Geschichtenschreiber über die frühe Naturschutzgeschichte betonen, Hugo Conwentz habe in der erfolgreichen Werbung des Kosmos-Verlages für das Großreservat Lüneburger Heide eine Konkurrenz für seine mühsamen Bemühungen gesehen, seinen behördlich angesiedelten Naturschutz unter der Überschrift „Naturdenkmalpflege“ in der Öffentlichkeit zu etablieren. Diese Haltung stimmt nur zu einem Teil. Hugo Conwentz lehnte es zwar ab, in den Engeren Beirat des VNP einzutreten, dennoch gaben seine Aktivitäten den entscheidenden Anstoß, die vom VNP angekauften Flächen als Naturschutzgebiet gesetzlich verankert zu bekommen.

Wie aus einem Schriftwechsel von Hugo Conwentz mit dem Hamburger Vertreter für Fragen der Naturdenkmalpflege, Prof. Dr. Brick, hervorgeht, traf sich Ende März 1921 Hugo Conwentz mit dem Landrat Ecker in Winsen. Fritz Ecker gehörte zur Vorstandsriege des VNP. Die beiden Herren berieten über die Lage und Zukunft des VNP und welche Möglichkeiten es gab, dem Verwalter und Besitzer der Heideflächen zu helfen. Conwentz und seine Berliner Mitarbeiter hatten im Preußischen Forst- und Feldpolizeigesetz einen Zusatzparagraphen verankern können, der es erstmals ermöglichte, Naturschutzgebiete gesetzlich in der Landschaft zu schaffen. Diese Regelung war am 08. Juli 1920 in Kraft getreten. Bereits am 29. Dezember 1921 und am 05. Januar 1922 traten jeweils die entsprechenden Verordnungen in Kraft. Es waren die „Polizeiverordnung betreffend des Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“ und die „Polizeiverordnung betreffend den Natur- und Heimatschutz im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“. Wer den Text der letzten Verordnung aufmerksam studiert, wird darin unschwer die Handschrift von Hugo Conwentz erkennen. Er selbst hat die Früchte seiner Arbeit auf diesem Gebiet nicht mehr erlebt. Er starb am 12. Mai 1922.

Sein Nachfolger im Amt, der Pädagoge und Universitätsprofessor Walther Schoenichen, bemühte sich jedoch gleich nach seinem Amtsantritt um Kontakte zum VNP. Er wurde Mitglied im Engeren Beirat. Auch der dritte Leiter  der Berliner Stelle, Hans Klose (sie wurde nach Erlass des Reichsnaturschutzgesetztes von 1935 umbenannt in Reichsstelle für Naturschutz) pflegte die Verbindungen zum VNP. Er sorgte dafür, dass nach Erlass des Reichsgesetzes das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide als „Nummer Eins“ in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen wurde.

Die engen Kontakte zum VNP zahlten sich aus, als Anfang 1945 die Reichsstelle in Berlin ausgebombt wurde. Nach einer abenteuerlichen Flucht bekamen der Direktor der Reichsstelle und einige Mitarbeiter Unterschlupf auf dem Hof des damaligen Vereinsvorsitzenden Hans Domizlaff bei Egestorf. Von hier aus begann der zweite Neuanfang des Deutschen Naturschutzes nach 1945. In diesem Jubiläumsjahr sollte nicht vergessen werden: Pate und Geburtshelfer des Naturschutzes von heute ist unser Verein Naturschutzpark. Immer hat die Zentrale des Naturschutzes in ihrer Geschichte von der Arbeit des VNP profitiert. Meilensteine dafür sind: Die Initiativen für ein Programm der Naturparke, die Finanzierung von internationalen Verbindungen, die Vorbereitung zur Novellierung des alten Reichsnaturschutzgesetzes und die Förderung der internationalen Jugendarbeit im Naturschutz. Aber auch der VNP brauchte in seiner Geschichte den Schirm und die Förderung der Institution, die heute ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Letzter Ausdruck ist das langjährige Förderprogramm aus den Bonner Finanztöpfen für Großschutzgebiete.

Unter dem Thema: „Vom Naturdenkmal zum Naturerbe Europas – Zwischen Haff, Heide, Harz und Helgoland“ bereiten das Ostpreußische Landesmuseum, das Naturmuseum Lüneburg, das Museum für das Fürstentum Lüneburg, das Informationszentrum Elbschloss Bleckede, das Nationalparkhaus Harz in Verbindung mit einer Reihe anderer Museen und Informationshäusern Ausstellungen vor, die aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des Staatlichen Naturschutzes  an seine Wurzeln erinnern.

Ein Beitrag von Henry Makowski 



Militärische Nutzung im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durch das Soltau-Lüneburg-Abkommen...

Britische Chieftain-Kampfpanzer bei Übungen mitten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nahe dem Tütsberg...

Im August 1990 sprach Alfred Toepfer dem Regierungspräsidenten in Lüneburg, Manfred Imgart, zum Amtsantritt seine Glückwünsche aus und machte deutlich, wie sehr ihm nach wie vor die Beendigung der Manövertätigkeit der britischen Truppen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide am Herzen liege (S1). Zu dieser Zeit war Toepfer 96 Jahre alt. Er war fünf Jahre zuvor aus dem Amt als VNP-Vorsitzender ausgeschieden, aber sein Engagement gegen die militärische Nutzung des Naturschutzgebietes war ungebrochen. Seit seinem Amtsantritt 1954 hatte er in dieser Sache gekämpft. Durch die historischen Umbrüche im Ost-West-Verhältnis schien nun das Ziel unmittelbar vor Augen zu liegen.

Es sollte aber noch bis 1994 dauern, bis mit dem Auslaufen des Soltau-Lüneburg-Abkommens (im Folgenden SLA genannt) die letzten sogenannten „Roten Flächen“ endgültig aus der militärischen Nutzung entlassen und den Eigentümern zurückgegeben wurden. Diesen Tag sollte Toepfer leider nicht mehr erleben, er starb im Oktober 1993. Die Regierungspräsidentin Prof. Birgit Pollmann würdigte in ihrem Kondolenzschreiben seine Leistungen und jahrzehntelangen Bemühungen zur Einstellung des Übungsbetriebes der britischen Rheinarmee im Naturschutzgebiet, die er „immer wieder mit bewunderungswürdigem Nachdruck auf höchster politischer und gesellschaftlicher Ebene in Deutschland und in Großbritannien vorgetragen habe“ (S2).

Historische Entwicklung des SLA

Fragt man die jüngere Generation heute nach dem SLA, erntet man häufig nur ein Achselzucken. Dass es bis 1994 im Gebiet zwischen Soltau und Lüneburg nahezu durchgehend eine intensive Manövertätigkeit und Landschaftsverwüstung durch britische Truppen gegeben hat, von der auch und ganz besonders das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide betroffen war, gerät zunehmend in Vergessenheit. Wie konnte es dazu kommen, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg derartige Manöveraktivitäten in diesem Gebiet entwickeln konnten, zumal es doch riesige Truppenübungsplätze in der Nähe gab?

Der Truppenübungsplatz Bergen wurde 1935 errichtet und ist bis heute einer der größten Übungsplätze Europas. Die Übungsplätze Munster-Süd und -Nord wurden 1893 und 1916 eingerichtet und sind ebenfalls bis heute in Betrieb. Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide blieb von der Inanspruchnahme durch militärische Nutzung lange verschont. Den Vorsitzenden in der Zeit des Nationalsozialismus gelang es, die Errichtung militärischer Anlagen im Naturschutzgebiet weitgehend zu verhindern. Insbesondere Hans Domizlaff (Vorsitzender von 1943 bis 1953) musste sich zu diesem Zweck immer wieder mit militärischen und zivilen Dienststellen auseinandersetzen, die Flakstellungen oder Großanlagen für die Luftabwehr im Naturschutzgebiet, insbesondere am Wilseder Berg errichten wollten. Die Einrichtung einer Beobachtungsstelle der Luftwaffe zur Luftraumüberwachung auf dem Wilseder Berg konnte er zwar nicht verhindern, dafür jedoch größere Baumaßnahmen, die das Naturschutzgebiet schwer beeinträchtigt hätten (58). Auch in der Kriegsfolge kam es zu einzelnen Baumaßnahmen, so zum Bau des Hamburger Krankenhauses in Wintermoor mitten im Naturschutzgebiet und zur Nutzung des Militärflugplatzes bei Reinsehlen am Rande des Naturschutzgebietes. Nach Kriegsende wurden die militärischen Einrichtungen dort zerstört und vorhandene Holzbaracken für ein Flüchtlingslager zur Verfügung gestellt. Ende der 1940er Jahre entstand das britische Militär-Camp Reinsehlen, das die britischen Truppen ab 1952 dauerhaft nutzten.

Reinsehlen wurde nach Kriegsende Ausgangspunkt für die Inanspruchnahme großer Flächen im Raum zwischen Soltau und Lüneburg einschließlich des Naturschutzgebietes zu militärischen Übungszwecken. Welche Bedeutung für die Entscheidungen ein Besuch des Feldmarschalls Montgomery 1946 auf dem Tütsberg hatte, ist unbekannt. Einiges lässt sich aber vermuten. Die Gesamtfläche des Manöverraumes betrug zunächst ca. 48.000 ha, davon über 3.000 ha im Naturschutzgebiet. Die Briten und auch Kanadier übten bis Ende der 1940er Jahre sogar bis zum Fuß des Wilseder Berges (54). Rechtsgrundlage war bis Mitte der 1950er Jahre das Besatzungsrecht, von deutscher Seite nicht beeinflussbar. Den Vorsitzenden Domizlaff nahmen die Besatzungsbehörden 1945 zunächst fest und inhaftierten ihn ein halbes Jahr in einem Lager in Bad Münder, in dem auch Toepfer einsaß. Leider sind im Zusammenhang mit Domizlaffs Festnahme große Teile der Vereinsakten von den Briten beschlagnahmt und nie zurückgegeben worden. Für die Zeit von 1945 bis 1953 sind ebenfalls kaum Unterlagen auffindbar.

Alfred Toepfer, Vorsitzender des VNP ab 1954, bemühte sich sehr schnell, den Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte dazu zu bringen, die Militärübungen auf die großen Truppenübungsplätze Munster und Bergen zu verlagern. Der General lehnte ab, die Plätze seien entweder noch vermint oder mit Kampfstoffen belastet und daher nicht nutzbar. Die einzige Alternative neben den Heideflächen seien weitere Acker- und Grünlandflächen der Bauern, die wegen ihrer Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung ja wohl auch aus Sicht der Deutschen nicht in Frage kämen (S3).

Das Besatzungsregime ging am 5. Mai 1955 mit dem Inkrafttreten des Pariser Protokolls zu Ende. Seitdem beruhte die Stationierung ausländischer Streitkräfte im Bundesgebiet nicht mehr auf Besatzungsrecht, sondern auf dem gleichzeitig mit dem Pariser Protokoll unterzeichneten Vertrag über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik.
Einen Tag später, am 6. Mai 1955, wurde die Bundesrepublik NATO-Mitglied und begann in der Folge, eigene Streitkräfte aufzustellen. Das NATO-Truppenstatut von 1951 und zusätzliche Vereinbarungen, die zwischen den jeweils beteiligten Staaten abgeschlossen werden, regeln die Rechtsstellung der Streitkräfte eines NATO-Mitgliedstaates, die sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaates aufhalten. 1955 begannen auf der sogenannten Truppenvertragskonferenz die Verhandlungen der Bundesregierung mit allen Entsendestaaten von Stationierungsstreitkräften. Sie wurden erst am 3. August 1959 abgeschlossen. Bestandteil des Vertragspaketes war auch das Soltau-Lüneburg-Abkommen. Aufgrund der notwendigen Ratifizierungen durch die jeweiligen Parlamente wurden das SLA und das Gesetz zum NATO-Truppenstatut und zu den Zusatzvereinbarungen erst 1961 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Am 1. Juli 1963 trat das SLA in Kraft.

Nach Mahnfeuern und zunehmend deutlichen Protesten der Bevölkerung, von Gemeinden, Jugendverbänden und Prominenten, hatten sich die Briten 1956 aus ca. 600 ha Heideflächen westlich der Straße Behringen–Wintermoor zurückgezogen. Der Gesamtübungsraum schrumpfte auf 34.500 ha (54). Das betraf insbesondere die Bereiche um Nieder- und Oberhaverbeck. Um die Renaturierung dieser verwüsteten Flächen hat sich Prof. Dr. Ernst Preising sehr verdient gemacht. Hier wurden erstmals Renaturierungsverfahren ausprobiert, die sich nach 1994 erneut bewähren sollten.

Die Bundesregierung, die Briten und Kanadier waren bemüht, die weitgehend ungeregelten und von Protesten begleiteten Übungstätigkeiten auf eine völkerrechtlich verbindliche und auch innerhalb der Bundesrepublik klare Rechtsgrundlage zu stellen. Auch dazu wurde 1959 das Soltau-Lüneburg-Abkommen unterzeichnet, das später zwar immer wieder heftig kritisiert wurde, 1963 aber sowohl neue Belastungen als auch Erleichterungen für die Bevölkerung mit sich brachte. Etwa 1.800 Grundeigentümer wurden durch das Abkommen letztlich zum Abschluss von Gestattungsverträgen zu Übungszwecken mit dem Bund gezwungen, da sie für den Fall der Weigerung mit Enteignung rechnen mussten. Die Formulierung „zur Vermeidung der Enteignung“ stand sogar in der Präambel der Verträge. Allerdings stand mancher Heidebauer mit 500 bis 600 DM Entschädigung pro ha Ackerland (Stand Mitte der 1970er Jahre) auf verhältnismäßig geringwertigen Böden gar nicht so schlecht da. Der VNP konnte mit dem Ergebnis der deutsch-britischen Vertragsverhandlungen nicht zufrieden sein, denn er war der am stärksten betroffene Flächeneigentümer mit über 1.640 ha Heideflächen im Naturschutzgebiet, die mit dem Abkommen praktisch zur Verwüstung freigegeben wurden. Es war daher nur folgerichtig, dass der Verein das SLA ablehnte und den Bundestag vor der Abstimmung über das Zustimmungsgesetz zur Ablehnung aufforderte, leider vergeblich.

Da die Heideflächen keiner wirtschaftlichen Nutzung gedient hatten, war die Entschädigung für entgangene Nutzung für den VNP sehr gering. Die nun vom Bund regelmäßig erfolgenden Zahlungen konnten kein Trost für die Verwüstung eines großen Teils vereinseigener Heideflächen sein. Sie wurden im Lauf der Zeit aber erhöht und in den späten 1980er Jahren eine wesentliche finanzielle Säule des Vereins. Zuletzt, Anfang der 1990er Jahre, belief sich der Betrag auf 660.000 DM jährlich. In den Vereinsmitteilungen vom Oktober 1963 beklagte Dr. Schmitz, dass der Gesetzgeber das Vereinseigentum nun unter Ausnahmerecht gestellt habe. Es sei nicht einzusehen, dass es nicht möglich sein solle, die Briten ebenso wie die anderen Alliierten und die Bundeswehr auf vorhandenen Truppenübungsplätzen unterzubringen (78).

1970 kam es zu einer Änderung des SLA. Einige private landwirtschaftliche Nutzflächen wurden aus der militärischen Nutzung genommen und den Eigentümern zurückgegeben. Der VNP gehörte nicht zu den Betroffenen. In der Folge forderte Toepfer 1971 erneut, die Panzer müssten aus der Heide verschwinden (89). Seine Versuche, über Verhandlungen mit hohen britischen Dienststellen einen Verzicht der Briten auf die Naturschutzflächen zu erreichen, wenn ihnen denn Ersatzflächen zur Verfügung gestellt würden, stießen zwar auf eine positive Reaktion der Briten, scheiterten aber an der Weigerung der von den Manövern bislang nicht betroffenen niedersächsischen Forstverwaltung, die ins Auge gefassten Ersatzflächen im Naturschutzgebiet zur Verfügung zu stellen ().

Mitte der 1970er Jahre unternahm der VNP einen massiven juristischen Vorstoß gegen den Bund und die britische Übungstätigkeit. Er kündigte die Verträge für seine Bestandteile der „Roten Flächen“ im November 1975 und berief sich auf eine Verfassungswidrigkeit des Zustimmungsgesetzes des Bundestages zum SLA, die der Völkerrechtler Prof. Ipsen aus Raven in einem umfassenden Gutachten festgestellt hatte. Die Klage vor dem Landgericht Lüneburg scheiterte im Juli 1979. Auf eine Berufung wurde u. a. aus Kostengründen verzichtet. Allein die Kosten für die erste Instanz beliefen sich auf fast 170.000 DM (58).

Mit dem Fall der Mauer endete 1989 der Kalte Krieg. Ab 1990 führten die Briten eine Übungssommerpause zur Zeit der Heideblüte ein. Am 17. Oktober 1991 unterzeichneten die Verteidigungsminister Stoltenberg und King eine Vereinbarung über die stufenweise Beendigung der Übungstätigkeit im Soltau-Lüneburg-Gebiet bis 1994. Das Abkommen zur völkerrechtlichen Außerkraftsetzung des SLA legte den 31. Juli 1994 als Termin fest. Anfang 1992 wurde die Übungstätigkeit ostwärts der Luhe-Lopau-Linie, in der sogenannten „Lüneburg extension“, beendet. Im Herbst 1993 wurden alle Flächen ostwärts der A7 einschließlich der „Roten Flächen 4, 5 und 6“ aus der Übungsnutzung entlassen (54). Die Rückgabe der Übungsflächen im Naturschutzgebiet, d. h. der „Roten Flächen 1 bis 3“, erfolgte zuletzt im Sommer 1994.

Regelungsinhalte des SLA

Das SLA umfasste einen von Soltau bis vor die Tore von Lüneburg in etwa 40 km Länge und 10 km Breite sich erstreckenden Raum von rund 34.500 ha mit damals ca. 26.000 Einwohnern. Von diesem Gebiet waren ca. 4.600 ha sogenannte „Rote Flächen“, die ständig genutzt wurden. Die Bezeichnung „Rote Flächen“ ergab sich aus der Darstellung in den Übungskarten, die in roter Farbe erfolgte. 3.700 ha dieser Flächen gehörten zum Landkreis Soltau-Fallingbostel, 900 ha zum Landkreis Lüneburg. Zum SLA-Gesamtraum gehörten 1959 vom damals ca. 20.000 ha großen Naturschutzgebiet Lüneburger Heide im Süden und Westen rund 4.500 ha Heideflächen. Von den „Roten Flächen“ lagen 1.843 ha im Naturschutzgebiet. Ca. 1.600 ha waren wiederum Eigentum des VNP und wurden dauernd und besonders intensiv für die militärische Übungstätigkeit benutzt (37, S4). Das war damals fast die Hälfte der Heideflächen des VNP.

Das Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut sah Folgendes vor: “Soweit es aus militärischen Gründen unabweisbar ist, dass eine Truppe ein Naturschutzgebiet […] benutzt, schließt die Bundesregierung, soweit nicht der Berechtigte in die Benutzung einwilligt, mit der Regierung des Entsendestaates eine Vereinbarung, in der das Naturschutzgebiet […] bezeichnet wird und, soweit erforderlich, Einzelheiten der Benutzung festgelegt werden. Die Truppe kann ein solches Naturschutzgebiet […] in Übereinstimmung mit der Vereinbarung ohne Einwilligung des Berechtigten benutzen.“ Die hier erwähnte Vereinbarung wurde für den oben beschriebenen Raum einschließlich des Naturschutzgebietes das SLA (S5).
Artikel 2 des SLA sah ausdrücklich vor, dass Briten und Kanadier die im SLA-Raum liegenden Teile des Naturschutzgebietes in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Abkommens auch ohne Einwilligung der Eigentümer benutzen durften. In Artikel 3 wurden die „Roten Flächen“ der Truppe zur ständigen Benutzung, d. h. für die Ausbildung von Panzereinheiten bis zur Zugstärke, überlassen. Biwakplätze, Straßen und Wege für Kettenfahrzeuge wurden auf Karten festgelegt. Artikel 4 sah vor, dass Übungen mit Panzereinsatz im Gebiet ostwärts der Luhe nicht mehr durchgeführt werden durften. Tatsächlich galt die Regelung aber nur für die schweren Kampfpanzer, nicht aber für alle anderen Kettenfahrzeuge. Die Truppe verpflichtete sich außerdem, Straßen und Wege wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Besonders wichtig waren die Regelungen für Ortschaften, Hofstellen und die Erntezeit. So durften Ortschaften und Gehöfte nicht als Angriffsziele dienen. Die Durchführung von Übungen in Ortschaften und auf Gehöften wurde verboten. Ortschaften durften nur durchquert werden. Es gab außerdem Regelungen für Sonn- und Feiertage. Erntereife Grundstücke durften nicht befahren werden. Artikel 5 regelte das Konfliktmanagement. Ein britischer Kommandant für den Übungsraum wurde eingesetzt (Commander SLTA – Commander Soltau Lueneburg Training Area) und eine britische Verbindungsstelle zwischen den Behörden der Truppe und den deutschen Behörden eingerichtet, der Services Liaison Officer (SLO) in Soltau. Der Commander SLTA erließ sogenannte „Standing Orders“, Dauerregelungen für das Verhalten der Truppe im Übungsraum. Darin waren auch zahlreiche Regelungen zur Vermeidung von Umweltverstößen enthalten. Er hatte außerdem Befehlsgewalt gegenüber der Truppe. Zur wirksamen Koordinierung der zivilen und der militärischen Belange bei der Anwendung des SLA wurde ein Ständiger Ausschuss errichtet, dem ein von der Bundesregierung, ein von der niedersächsischen Landesregierung und ein von der britischen Truppe bestimmter Vertreter angehören sollten. Die Kanadier konnten teilnehmen, wenn ihre Belange berührt waren, was aber praktisch keine Rolle mehr spielte, da sie schon in der ersten Hälfte der 1950er Jahre ihr Übungsaktivitäten weitgehend reduziert hatten. Der Ausschuss konnte Sachverständige hinzuziehen. Bei Meinungsverschiedenheiten sollte der Ausschuss die Wiederherstellung des Einvernehmens anstreben. In diesem Ausschuss, der ab 1965 mehrfach im Jahr tagte, wurden alle größeren Beschwerden der Bevölkerung behandelt. Die Geschäftsführung des Ständigen Ausschusses lag bei der Behörde des Regierungspräsidenten in Lüneburg, der späteren Bezirksregierung. Artikel 6 des SLA schließlich regelte die Anmeldepflichten für Übungen.

Betrachtet man das Regelungspaket, so schien es in der Theorie fast perfekt, wenn denn die Praxis nicht immer wieder mit den Regelungen in Konflikt geraten wäre. Es war allerdings eindeutig eine Verbesserung zur Situation vor Inkrafttreten des Abkommens, denn nun gab es Regelungen, auf die auch die deutsche Seite sich berufen konnte.

Konfliktreicher Alltag im SLA-Raum

Ungeachtet des umfassenden Regelungswerkes, das Konflikte reduzieren oder verhindern sollte, tauchten Konfliktsituationen in der Realität des militärischen Übungsalltags immer wieder auf. Das lag weniger an mangelhaften Regelungen als an den zahlreichen, häufig wechselnden Beteiligten auf britischer und deutscher Seite und an der Ausgangssituation. Diese Situation eines bewohnten und dauernd beübten „de facto“-Truppenübungsplatzes war geradezu auf Konflikt angelegt. In einem ländlichen Raum, von Menschen bewohnt, geprägt durch Land- und Forstwirtschaft und Fremdenverkehr, übten jahraus, jahrein Panzertruppen und Infanterie auf Ackerland, Grünland, im Wald und auf wertvollen und in Europa inzwischen äußerst selten gewordenen Naturschutzflächen der Lüneburger Heide. Selbst wenn alle Regelungen des SLA und des britischen Kommandanten für den Übungsraum immer beachtet worden wären, hätte es durch die Grundbelastung mit Staub und Lärm Konflikte gegeben. Hinzu kamen aber noch zahlreiche Verstöße gegen die Standing Orders, gegen deutsch-britische Absprachen und auch gegen das Abkommen selbst.

Übende Einheiten führten Übungsgefechte um Ortschaften durch, besetzten bei Tag und bei Nacht Hofstellen, ratterten mit schweren Kettenfahrzeugen über erntereife Spargel- oder Getreidefelder, fuhren unter Inkaufnahme von erheblichen Forstschäden mit Kettenfahrzeugen in den Wäldern umher, verschmutzten massiv Straßen und verursachten schwere Verkehrsunfälle mit verletzten und toten Zivilpersonen. Die „Roten Flächen“ erhielten zunehmend einen wüstenartigen Charakter. Erosion, Gewässerverschmutzung, Bodenverdichtung und Bodenverunreinigungen nahmen zu. Der wichtige Wirtschaftszweig Fremdenverkehr litt, denn mancher Gast ergriff vor den übenden Truppen im wahrsten Sinne des Wortes die Flucht. Die Institutionen Kommandant SLTA, SLO Soltau und Ständiger Ausschuss bemühten sich nach Kräften, ihre Aufgabe zu bewältigen. Vollständig in den Griff bekam man die Probleme jedoch nie.

Zu dem Grundkonflikt kamen die beteiligten Menschen, insbesondere die übenden Soldaten. Die britischen Einheiten waren im Gegensatz zu Bundeswehreinheiten schon immer Kampfeinheiten, die regelmäßig in realen Konfliktsituationen auf der Welt eingesetzt wurden. Oft kamen sie gerade aus einem Kampfeinsatz, oder er stand ihnen unmittelbar bevor. Ein effektives Training war ihnen oftmals wichtiger als die Rücksichtnahme auf den Nachtschlaf der Bevölkerung, der pflegliche Umgang mit Natur und Umwelt oder die Schonung der Ernte. Sie übten intensiv und realitätsnah, denn je härter ihr Training, desto größer schätzten sie ihre Überlebenschancen im tatsächlichen Einsatz ein. Diese Belastungen liefen mit Ausnahme der mehrwöchigen Sommerpause ab 1990 über das gesamte Jahr. Zwar wechselten die Schwerpunkte der Übungen (mit Ausnahme der „Roten Flächen“). Die Gesamtbelastung blieb jedoch weitgehend unverändert. Viele Einheitsführer waren sich der für die Bevölkerung unerträglichen Situation eines Truppenübungsplatzes, auf dem die Bevölkerung gleichzeitig lebte und arbeitete, durchaus bewusst und bemühten sich um maßvolles und regelkonformes Verhalten. Andere setzten sich über die geltenden Regeln hinweg und legten ein derart arrogantes Verhalten an den Tag, dass das böse Wort „Besatzermentalität“ die Runde machte. Auch auf deutscher Seite gab es Reaktionen wutentbrannter Bürger, die durchaus zu schweren Konflikten hätten führen können. Ein Landwirt beispielsweise bearbeitete den geschlossenen Turm eines Panzers, in den sich die Soldaten zurückgezogen hatten, mit seiner Axt. Ein anderer überrollte mit Trecker und Anhänger mehrere Soldaten, die sich ihm in den Weg gelegt hatten. Außer blauen Flecken gab es hier glücklicherweise keine weiteren Folgen. Den verantwortlichen Stellen auf deutscher und britischer Seite war bewusst, dass nur eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit die Chance bot, die Konflikte in Grenzen zu halten. Die Bezirksregierung setzte pensionierte Oberstleutnante der Bundeswehr als militärische Verbindungsbeauftragte ein, um die Zusammenarbeit zu beschleunigen und zu intensivieren. Wie angestrebt wurde sie kontinuierlich verbessert, ungeachtet der Notwendigkeit, immer wieder Konflikte miteinander austragen zu müssen. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Konfliktbewältigung überstand auch Krisensituationen. Manche deutsch-britische Freundschaft ist in dieser Zeit entstanden und dauert bis heute an.

Der Ständige Ausschuss, wichtigste Institution zur Konfliktbewältigung, tagte alle paar Monate. Von Zeit zu Zeit, meist wenn die Situation durch den politischen Druck wieder einmal zu eskalieren drohte, erschienen Vertreter von höherer Ebene, wie der niedersächsische Innenminister mit Regierungspräsident, der Stellvertreter des britischen Botschafters oder der Staatsminister im bundesdeutschen Auswärtigen Amt. So gelang es allerdings auch, das Grundproblem auf höherer politischer Ebene im Bewusstsein zu halten.

Für die speziellen Fachprobleme wurden Kommissionen geschaffen, z. B. im Umweltbereich ab 1961 die Erosionsschutzkommission und für den Straßenbau die Kommission „Straßen“, deren Arbeit dem Gebiet ein vorzügliches Straßennetz mit Ortsumgehungen bescherte. Beide leisteten vorzügliche Arbeit, deren Wert in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde. Aus der Sicht des VNP war festzustellen, dass im Geltungszeitraum des SLA ein durch Panzer beschädigtes einzelnes Spargelfeld, das im übrigen als Manöverschaden normal entschädigt wurde, in den Medien zumeist mehr Aufmerksamkeit erregte, als die ständige Verwüstung der „Roten Flächen“.

Renaturierung einer zerstörten Landschaft

Nach dem Auslaufen des SLA standen alle Beteiligten vor der Frage, wie die Rückgabe der Flächen an ihre Eigentümer erfolgen sollte. Die jahrzehntelangen Übungen hatten die Landschaft, insbesondere in den „Roten Flächen“ und auf den Biwakplätzen, völlig verändert. Militärische Tiefbaumaßnahmen, wie Panzerdrehplatten, Betankungsplätze, Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von über 100.000 Kubikmeter, Panzertrassen und eine Panzerbrücke über die B3 waren überflüssig geworden. Erosionsschutzmaßnahmen, wie Anpflanzungen nicht standortgerechter Baumarten und Erdwälle hatten zu einer umfassenden Veränderung der Landschaft beigetragen. Grenzmarkierungen existierten nahezu nicht mehr. Es gab erhebliche Sorgen, inwieweit Böden und Gewässer vor allem mit Schwermetallen und Mineralölverunreinigungen belastet sein könnten. Weite Flächen bestanden aus einer Sandwüste, die bei bestimmten Wetterlagen nahezu unkontrollierbar erodierte. Es musste erst einmal eine Bestandsaufnahme erfolgen.

Der Landkreis Soltau-Fallingbostel und der VNP (hier v. a. Prof. Preising und Prof. Pflug) hatten schon längere Zeit vor der Rückgabe mit Überlegungen begonnen, wie man sich auf den Tag X vorbereiten sollte. Unter der Überschrift „Wie geht es weiter mit den Roten Flächen?“ wurde schon Anfang 1992 in den Vereinsmitteilungen dargelegt, dass der VNP dabei sei, sich auf die Rückgabe der Zwangspachtflächen einzustellen. Schließlich könne man den Tag X nicht einfach auf sich zukommen lassen und dann in hektische Betriebsamkeit ausbrechen. Man rechnete mit Jahrzehnte dauernden Renaturierungen (85). Prof. Gottfried Vauk und Jens Tönnießen machten in einem Aufsatz Anfang der 1990er Jahre Vorschläge, wie man sich auf den Tag der Rückgabe vorbereiten könne. Sie stellten die Frage, „ob sich dieser riesige „Nicht-Truppenübungsplatz“, dieses Dauer-Manöver-Gebiet, insbesondere die „Roten Flächen“ mit ihrer Totalzerstörung – nicht nur an der Bodenoberfläche – überhaupt wieder renaturieren lassen würde?“ (95). Der Landkreis Soltau-Fallingbostel richtete ein Büro ein, das sich mit dem Fragenkomplex der „Roten Flächen“ befassen sollte.

Im Mai 1992 beauftragte der VNP-Vorstand eine Kommission mit der Planung für den Tag der Rückgabe und die Zeit danach. Die Kommission „Rote Flächen“ sollte auf der Basis einer Bestandsaufnahme Vorschläge zur Wiederherstellung der Vereinsflächen entwickeln und sich dabei an Vereinszweck und Naturschutzgebietsverordnung orientieren. Im Mai 1993 legte die Kommission ihre Arbeitsergebnisse mit Entwicklungszielen vor (30). In der Zwischenzeit war es Prof. Preising und Prof. Pflug bei einem Gespräch mit dem britischen Generalmajor Courage in Soltau gelungen, die Briten davon zu überzeugen, dass das in Arbeit befindliche Konzept des VNP geeignet sein werde, die „Roten Flächen“ als Heidelandschaft wiederherzustellen. Voraussetzung sei natürlich, dass die zuständigen deutschen Behörden mit dem Konzept einverstanden seien. Courage, dem daran lag, die Briten aus den Schlagzeilen herauszuholen und auf ein Konzept von Fachleuten verweisen zu können, sagte daraufhin zu, für Rekultivierungsarbeiten die Dienstgruppen der britischen Streitkräfte zur Verfügung zu stellen (S6). Diese Zusage sollte sich später als ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Rekultivierung herausstellen. In der Bezirksregierung wurden umfangreiche Arbeitspapiere über Verpflichtungen des Bundes und der Briten, über wasser-, abfall- und denkmalpflegerechtliche Probleme, Straßenunterhaltung, altlastenfreie Rückgabe der Flächen, Staubemissionen und zu vielen anderen Themen erarbeitet, u. a. auch ein Konzept zur künftigen Entwicklung der „Roten Flächen“, das im Juni 1994 vorgelegt wurde (S7).

Nach den Neuwahlen von Vorstand und Beirat erhielt die Kommission „Rote Flächen“ im August 1993 den Auftrag, auf der Basis der zuvor formulierten Entwicklungsziele detaillierte Pläne für die notwendigen Renaturierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen zu erarbeiten. Das Ergebnis wurde 1994 vorgelegt (S8). Vereinfacht ausgedrückt versuchte man in diversen Gutachten und Arbeitspapieren die folgenden Fragen zu beantworten: 1. Was muss gemacht werden? 2. Wer muss oder kann es machen? 3. Wer bezahlt das?

Die Aufgabe erschien damals zunächst kaum zu bewältigen. Dass es dann in den Jahren bis 1998 gelang, die wesentlichen Problembereiche anzupacken, weitgehend zu befriedigenden Ergebnissen zu gelangen und auch Einigung über die jeweiligen Finanzverantwortungen zu erzielen, erscheint aus heutiger Sicht fast wie ein kleines Wunder. Die damaligen Problemstellungen und die gefundenen Lösungen hat der VNP 1998 anlässlich einer Großveranstaltung zum Abschluss der großflächigen Renaturierungsarbeiten durch die Briten in einer Dokumentation dargestellt (86).

Zunächst einmal ließ der Bund eine detaillierte Umweltuntersuchung erstellen, die zur Beruhigung beitrug, denn sie ergab nur geringfügige Verschmutzungen von Boden und Grundwasser. Nur kleinflächig wurden Verschmutzungen durch Öl und militärischen Abfall festgestellt. So konnte man einen ersten Schwerpunkt auf die Wiederherstellung der Geländegestalt legen, den Rückbau der Tiefbaumaßnahmen einschließlich der Beseitigung der meisten Erosionsschutzmaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist der bemerkenswerte Beitrag, den die britischen Dienststellen, insbesondere die Dienstgruppe MCPG (Mobile Civilian Plant Group) 255 unter Major Goddard mit ca. 120 zumeist deutschen Zivilangestellten unter Einsatz von 150 schweren Maschinen bei der gesamten Bodenbearbeitung geleistet haben. Sie haben u. a. die Bodenverdichtung in den Panzertrassen durch Auskofferung und Auffüllen mit Bauschutt zur Verbesserung der Drainagewirkung beseitigt. Danach wurden Radlader eingesetzt, um die entstandene typische Wellenstruktur mit teilweise metertiefen Wellen einzuebnen. Die Fahrspuren wurden mit geeignetem Bodenmaterial, z. T. aus abgeräumten Dämmen, aufgefüllt. Die Regenrückhaltebecken hatte man in ehemaligen Trockentälern entwickelt. Sie nahmen das Oberflächenwasser auf, das von der zerstörten Vegetation und dem verdichteten Boden nicht mehr aufgenommen werden konnte. Demzufolge landete der humose Oberboden als Schlammstrom in diesen Becken. Der verbleibende Oberboden war extrem nährstoffarm, fast humusfrei, oftmals reiner Sand. Ein früherer typischer Heidebach wie die Brunau mit vielen Quellmooren war durch Panzerüberfahrten, Verrohrungen und Stoffeinträge völlig verändert.

Umso schwieriger war es, dort wieder Vegetation ansiedeln zu wollen. In zwei Arbeitsschritten gelang es, den Bachlauf weitgehend naturnah wiederherzustellen. Es gab aber auch Bereiche, in denen auf Bodenbearbeitung verzichtet wurde, z. B. auf zur Sukzession vorgesehenen Flächen, in Moorheiden, Feuchtmulden und Stillgewässern sowie auf dünenähnlichen Sandflächen. Schon ab 1992 wurden Versuchsflächen angelegt, auf denen man klären wollte, mit welchen Methoden verwüstete Flächen renaturiert werden könnten. Zu den schwierigsten Fragestellungen gehörte die nach der Wiederherstellung der Vegetation. Hier waren die Preising’schen Arbeiten aus den 1950er Jahren ein wichtiger Erfahrungswert. Im Boden selbst war durch das Mahlen der Panzerketten und die Erosion so gut wie kein keimfähiges Saatgut mehr enthalten. Man entschied sich, Vegetationsstarthilfen zu geben und keine flächendeckende künstliche Wiederbegrünung durchzuführen. Die Vegetation sollte sich langsam selbst entwickeln und dadurch vielfältigere Strukturen und Lebensräume schaffen. So sollten sich eben die Pflanzenarten ausweiten, die besonders gut an die Boden- und Kleinklimaverhältnisse angepasst sind. Man konzentrierte sich zunächst auf Hanglagen sowie Flächen in der Nähe von Straßen, Ackerflächen oder Höfen und Teile der großen offenen Sandflächen. Wasser- und Winderosion ließen daraufhin verhältnismäßig schnell nach.

Da die Wurzeln junger Heidesämlinge besonders windempfindlich sind, wurde zunächst die Grassorte Feinschwingel in die Flächen eingebracht. Er bildet kleine Bulten, die für Windruhe am Boden sorgen und damit die Keimung anderer Pflanzen begünstigen. Entwickelt sich die neue Vegetation, vergeht der Feinschwingel durch Lichtmangel wieder. Intakte Heideflächen im Naturschutzgebiet wurden gemäht, geplaggt oder auch mit einem Mähdrescher abgeerntet. Danach ist dieses Material, das zahlreiche Pflanzensaaten beinhaltete, mittels eines Miststreuers verteilt worden. Vor allem das Ausbringen von Plaggmaterial hat sich bewährt. Ein Hektar geplaggter Fläche ergab Streumaterial für ca. 8 ha „Rote Flächen“. Die Verdrängung des Feinschwingels durch Heide dauerte vier Jahre, aber es funktionierte.

Der Fremdenverkehr erforderte ein neues Wegenetz, das von den Gemeinden und dem VNP entwickelt wurde. Die Gruppe MCPG 255 stellte das Wegenetz her und brachte dafür ca. 30.000 t Heidekies ein. Die DEO (Defence Estate Organisation) mit der „Gruppe Günther“ führte die Feinmodellierung durch. Mit Hilfe der britischen Dienstgruppen und deren hervorragender Ortskenntnis und großer Motivation wurde das ehemalige Panzerübungsgebiet zu einem wertvollen Bestandteil des Naturschutzgebietes. Dass diese Gemeinschaftsarbeit, an der viele Fachleute diverser Behörden und Institutionen aktiv beteiligt waren, zu sehenswerten Erfolgen geführt hat, machen Wanderungen durch die ehemaligen „Roten Flächen“ heute unübersehbar deutlich.

Festtag im Naturschutzgebiet

Fast vier Jahre nach dem Ende der Übungstätigkeit, am 25. März 1998, wanderte der Vorsitzende Hans Joachim Röhrs mit über 200 Gästen, Mitgliedern und Heidefreunden von Oberhaverbeck durch die ehemaligen „Roten Flächen“ zum Tütsberg. Nach der Besichtigung der Arbeitsergebnisse dankte er allen Beteiligten für die hervorragende Zusammenarbeit und überreichte dem britischen General Price eine Urkunde, in der die besonderen Bemühungen und Leistungen der Briten bei der Renaturierung der „Roten Flächen“ gewürdigt wurden. General Price erinnerte daran, dass praktisch jeder in Deutschland nach dem Krieg stationierte Soldat im Soltau-Lüneburg-Gebiet Ausbildungszeiten erlebt habe (S9). Das Ziel der britischen Seite nach Einstellung des Übungsbetriebes sei es gewesen, allen 200 Eigentümern ihre Grundstücke im bestmöglichen Zustand zurückzugeben. Dabei habe man so viele Wiederherstellungsarbeiten, wie in der vergleichsweise kurzen Zeit wirtschaftlich praktikabel waren, abgeschlossen. Dafür habe man seit Beginn der Arbeiten mehr als 50 Millionen DM ausgegeben und ca. 10 Millionen DM Entschädigung an Eigentümer ausgezahlt. Mehr als 265 km Wege seien erstellt worden, mehr als 1,6 Millionen Kubikmeter Material bewegt, 178 ha nicht einheimischer Pflanzen beseitigt und Hunderte von Hektaren neu eingesät worden. Es sei gelungen, die Bedingungen dazu zu verbessern, dass Mutter Natur sich selbst regeneriere. Er dankte allen Bewohnern, dem VNP und den Behörden für ihre Geduld, für die hervorragende Zusammenarbeit und den Mitarbeitern der Dienstgruppen für ihre Leistungen. Landesumweltministerin Griefahn, Bundesumweltstaatssekretär Hirche und Landrat Söder vom Landkreis Soltau-Fallingbostel schlossen sich den Dankesworten an und hoben das Engagement der britischen Seite und die beispielhafte Zusammenarbeit hervor.

Ein über Jahrzehnte schwieriger und konfliktbelasteter Abschnitt deutsch-britischer Geschichte ging so versöhnlich zu Ende. Die Bevölkerung war erleichtert, dass die aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges entstandene Dauerbelastung von Mensch und Natur beendet war. In der Lüneburger Heide hatte der Krieg noch lange nach seinem Ende schmerzhafte Spuren hinterlassen und über Jahrzehnte nachgewirkt. Eine Auseinandersetzung musste der VNP allerdings noch mit dem Bund als ehemaligem Vertragspartner der Zwangspachtverträge führen. Es ging um eine Entschädigung für die Bodenverschlechterung auf den „Roten Flächen“, die noch weit über 1998 hinaus wirkt. Der Bund tat sich schwer mit den Forderungen des VNP, so dass es schließlich zum Prozess vor dem Landgericht Lüneburg kam. Dieser endete mit einem Vergleich. Damit war auch dieses Kapitel der Auseinandersetzungen um die militärische Nutzung der „Roten Flächen“ beendet.

Quellenangaben

(1) Schreiben von A. Toepfer an Regierungspräsident M. Imgart vom 15.08.1990, aus den Akten der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg
(2) Schreiben von Regierungspräsidentin B. Pollmann an Stiftung F.V.S. vom 14.10.1993, aus den Akten der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg
(3) R. Lüer, Geschichte des Naturschutzes in der Lüneburger Heide, Niederhaverbeck 1994, S. 129
(4) B. Kreie, J. Prüter, G. Vauk, Einer trage des Anderen Last – 12.782 Tage Soltau-Lüneburg-Abkommen, Beitrag in Mitteilungen aus der NNA, Sonderheft, 4. Jahrgang 1993, S. 2
(5) Schreiben von A. Toepfer an Regierungspräsident K. Becker vom 06.06.1988 und an Böhme-Zeitung vom 04.04.1988
(6) siehe B. Kreie u. andere, a. a. O., S. 2
(7) H. Schmitz, Das SLA, Beitrag in Heft 31, Naturschutz und Naturparke, Oktober 1963, S. 52
(8) A. Toepfer, Birken und Panzer, Beitrag in Heft 60, Naturschutz und Naturparke, 1971, S. 58
(9)
(10) siehe R. Lüer, a. a. O., S. 137
(11) siehe B. Kreie u. andere, a .a. O., S. 22
(12) H.-P. Ipsen, Panzer im Naturschutzpark, Baden-Baden 1975, S. 11
(13) Schriftwechsel zwischen dem Regierungspräsidenten Lüneburg und dem niedersächsischen Innenministerium im Januar/Februar 1976, aus den Akten der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg
(14) Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Kanada und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland über die Durchführung von Manövern im Raum Soltau-Lüneburg, BGBl. 1961 II S. 1362 und BGBl. 1962 II S. 121
(15) J. Tönnießen, Wie geht es weiter mit den „Roten Flächen“?, Beitrag in Heft 144, Naturschutz und Naturparke 1992, S. 6-8
(16) G. Vauk, J. Tönnießen, Lüneburger Heide: Wie kann eine vom Militär missbrauchte Landschaft renaturiert werden?, Aufsatz von 1992 in Nationalpark: Umwelt – Natur, Heft 74, S. 19-23
(17) U. Hanstein, M. Lütkepohl, W. Pflug, E. Preising, J. Prüter, J. Tönnießen, Entwicklungsziele für die im Eigentum des Vereins Naturschutzpark e.V. befindlichen „Roten Flächen“ im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, Verein Naturschutzpark e. V., Niederhaverbeck, Mai 1993
(18) Schreiben von W. Pflug an W. Holtmann vom 03.06.2009
(19) T. Clemens, Konzept zur künftigen Entwicklung der „Roten Flächen 1, 2, 3a und 3b“ im NSG Lüneburger Heide, Gutachten im Auftrag der Bezirksregierung Lüneburg, Dezernat 503 Naturschutz, Juni 1994
(20) U. Hanstein, M. Lütkepohl, W. Pflug, E. Preising, J. Prüter, J. Tönnießen: Rekultivierung und Renaturierung auf den im Eigentum des Vereins Naturschutzpark e.V. befindlichen „Roten Flächen“ im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, Verein Naturschutzpark e. V., Niederhaverbeck , Dezember 1994
(21) J. Tönnießen, Die Roten Flächen werden grün, Beitrag im Info-Dienst des VNP vom 17.03.1998 sowie J. Tönnießen, Aus Rot wird Grün, Beitrag in Heft 168, Naturschutz und Naturparke, 1998, S. 2-10
(22) Rede zum Abschluss der Renaturierungsarbeiten von General Price am 25.03.1998, aus der Dokumentation des VNP über die Abschlussveranstaltung



Die Vorsitzenden des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP)...

Wurde im Mai 2008 zum neuen Vorsitzenden des VNP gewählt: Wilfried Holtmann aus Vögelsen...1909 bis 1927: Erwin Bubeck (Gutsbesitzer aus Eschenau bei Heilbronn)

1927 bis 1940: Dr. Heinrich Wilckens (Landgerichtsdirektor aus Bremen)

1940 bis 1941: Friedrich Roselius (Kaufmann aus Bremen)

1941 bis 1942: Hofrat Walther Keller (Stuttgart)

1943 bis 1953: Hans Domizlaff (Egestorf)

1954 bis 1985: Dr. h.c. Alfred Toepfer (Kaufmann und Mäzen aus Hamburg)

1985 bis 1993: Fritz Kellinghusen (Hamburg)

1993 bis 2008: Hans Joachim Röhrs (Oberkreisdirektor a.D. des Landkreises Harburg), heute Ehrenvorsitzender des Vereins.

Seit 2008: Wilfried Holtmann (Vögelsen)



Persönlichkeiten des VNP in seiner 100-jährigen Geschichte...

Zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der VNP-Geschichte: der heutige Ehrenvorsitzende Hans Joachim Röhrs...

(Rede des VNP-Vorsitzenden Wilfried Holtmann beim Festakt anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums im "Fürstensaal" / Rathaus Lüneburg am 23. Oktober 2009)

Anfang Mai dieses Jahres haben wir in Wilsede im "Emhoff"-Schafstall zu unserem Jubiläum eine Ausstellung unter dem Thema“ Naturschutz mit Persönlichkeit“ eröffnet. Ich will nun versuchen, Ihnen unsere hundertjährige Geschichte am Beispiel einiger besonderer Persönlichkeiten und ihres Wirkens darzustellen. Sie stehen repräsentativ für besondere Abschnitte unserer Vereinsgeschichte.

Ich beginne mit dem Zeitabschnitt :
1. Gründungsphase bis Ende der 20er Jahre – Wilhelm Bode -

1909 hatten in München naturbegeisterte Süddeutsche und Österreicher einen Verein, den VNP , gegründet. Ihr Ziel war es, drei Naturschutzparke in den Alpen, im norddeutschen Tiefland und im Mittelgebirge zu schaffen. Vorbild war der Yellowstone- Nationalpark in den Vereinigten Staaten. Alle wichtigen Funktionsträger des neuen Vereins kamen aus dem Süden. Den Aufruf zur Gründung des Vereins hatte Curd Floericke, Redakteur des Stuttgarter Naturmagazins Kosmos verfasst. Hofrat Keller, Chef der Frankhschen Verlagsbuchhandlung und Herausgeber des Kosmos war dabei und der ehemalige AEG-Direktor Erwin Bubeck, der 1. Vereinsvorsitzender wurde. Schon im ersten Jahr wurde erfolgreich Geld für Flächenankäufe in den Alpen gesammelt. Doch dann die große Enttäuschung. Der erste große Ankaufversuch ging schief. Erst einige Jahre später gelingen mit tatkräftiger Hilfe des Salzburger Hofrats Dr. Prinzinger die ersten großen Flächenankäufe in den Alpen.

Wie kam nun dieser VNP mit dem bereits gesammelten Geld in die Lüneburger Heide? Hier taucht die erste der Persönlichkeiten auf, über die ich beispielhaft berichten möchte :
Wilhelm Bode: Er wird 1860 in Lüneburg geboren,  Sohn eines Seminaroberlehrers, Drittes von 11 Kindern,  aufgewachsen in den Räumen des alten Michaelisklosters, Johanniter, d.h. Absolvent des ältesten Lüneburger Traditionsgymnasiums, Abiturjahrgang 1880 und zum damaligen Zeitpunkt Karzerstrafenrekordträger dieses altehrwürdigen Gymnasiums,  ein rechter Schlingel also. Später, offensichtlich gereift d.h. ab 1886 wird er nach Theologiestudium Heidepastor in Egestorf. Er ist vielseitig interessiert und engagiert, geradlinig und knorrig, zutiefst heimat- und naturverbunden,  in dieser Hinsicht schon früh durch seinen Vater stark beeinflusst, der ein richtiges Lüneburger Original gewesen sein muß. Man nannte ihn zuweilen sogar den „Papst von Lüneburg“. Mit ihm machte der junge Wilhelm schon früh regelmäßige Wanderungen durch die Heide, die seine Liebe zu dieser Landschaft wachsen ließ.

Wo hat Bode überall Spuren hinterlassen ?
Mitbegründer des noch heute bestehenden Heidemuseums in Wilsede Gründer Spar-und Darlehnskasse Egestorf und 20 Jahre deren Leiter, Mitgründer der Landesgenossenschaftskasse in Hannover, Gründer und Leiter der Viehversicherungskasse, Mitgründer des einzigen heute noch bestehenden genossenschaftlichen Krankenhauses in Salzhausen, Förderer des Baues der Kleinbahn Winsen-Egestorf und der zentralen Wasserversorgung in Egestorf. Er verstand es, mit Landrat Ecker aus Winsen, die beim VNP im ersten Jahr angesammelten Spendengelder, die eigentlich für den Alpenpark gedacht waren, in die Heide umzuleiten. Das war keineswegs selbstverständlich, denn bei der Gründungsversammlung des VNP war nur ein Norddeutscher dabei und der war kein Heidjer. Bode muß wirklich ungeheuer überzeugend gewesen sein und außerdem sehr durchsetzungsfähig.. Auf dem Platz vor seiner ehemaligen Gemeindekirche in Egestorf ist er in Bronze in seiner ganzen Persönlichkeit eindrucksvoll verewigt.

Wie stellte sich die wirtschaftliche Situation der Heidebauern um die Jahrhundertwende dar? Viele Heidebauern waren damals wirtschaftlich am Ende, da die traditionelle Heidebauernwirtschaft durch das Aufkommen des Kunstdüngers ihre wirtschaftliche Grundlage verloren hatte. Die Schafe wurden abgeschafft. In der Folge standen zahlreiche Flächen und Hofstellen zum Verkauf. Bode sah mit Sorge die Bemühungen aus den umliegenden Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover, in der Heide billig Flächen und Gebäude anzukaufen. Bebauung und Zersiedlung drohten selbst im Totengrund und am Wilseder Berg. Gleichzeitig wurden von privater und staatlicher Seite Heideflächen systematisch aufgekauft und mit Kiefern aufgeforstet. Die Heidelandschaft drohte zu verschwinden.

Auch auf staatlicher Seite, beim Landrat Ecker in Winsen und beim Regierungspräsidenten in Lüneburg erkannte man, dass etwas geschehen musste, um zu verhindern, dass die inzwischen als wertvoll und erhaltenswert anerkannte Kulturlandschaft Lüneburger Heide zerstört wurde. Doch wie? Heute würde man sagen, Haushaltsmittel der öffentlichen Hand standen für solche Zwecke leider nicht zur Verfügung. Im Parlament war die Lobby der Land-und Forstwirtschaft ungleich stärker. Als Bode 1905 erkannte, dass man den Totengrund für die Nachwelt nur durch eigenen Ankauf, also Privatinitiative, würde retten können, suchte er einen kapitalkräftigen Naturfreund, denn , so schrieb er an Ecker „ Verstand und Kapital sind eben keine Zwillingsgeschwister“. Diese Erkenntnis scheint von ihrer Aktualität bis heute nichts verloren zu haben. Es gelang ihm dann aber doch, in Gestalt des Münsteraner Universitätsprofessors Andreas Thomsen einen Menschen – heute würden wir sagen Sponsor -  zu finden, der über das notwendige Kapital zum Kauf des Totengrundes verfügte. Die Ankaufsverhandlungen dauerten über ein Jahr bis zum Juli 1906, dann war Bode endlich erfolgreich und Prof. Thomsen Eigentümer des Totengrundes. Er verpflichtete sich, die Landschaft zu erhalten. Der erste Schritt zur Erhaltung der Heidelandschaft beruhte also auf Privatinitiative. Der Staat hatte für diese Zwecke zunächst weder Instrumente noch Geld.
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Dieser erste Erfolg machte Bode Mut, aber seine folgenden Bemühungen zugunsten des Steingrundes und des Wilseder Berges zerschlugen sich zunächst. Beim Regierungspräsidenten in Lüneburg gab es viele gute Worte , aber leider kein Geld. In einer Sitzung des Bezirkskomitees für Naturdenkmalpflege im Mai 1909 schlug Bode die Schaffung eines Naturparkes um Wilsede herum vor. Man sprach von einer Million Mark, das Bezirkskomitee verfügte über gerade mal 500 Mark für Ankäufe. Regierungspräsident Heinrichs sah stattdessen Privatpersonen in der Pflicht. Kurz vorher hatte der schon erwähnte Kosmos-Redakteur Floericke seinen Aufruf zur Gründung eines Naturschutzparkes veröffentlicht. Wenige Monate später wurde der VNP gegründet. In der Gründungsversammlung gab es auch Vorschläge zugunsten der Lüneburger Heide, aber der Alpenpark genoß erste Priorität. Nach dessen Scheitern reiste Floericke 1910 in die Heide und war begeistert. Wenige Wochen später erschienen Bode und Landrat Ecker zur 1. Jahresmitgliederversammlung des VNP in Stuttgart und machten deutlich, dass es für die Rettung der Lüneburger  Heide fünf vor zwölf sei. Ecker hatte im preußischen Abgeordnetenhaus bereits eine Initiative für die Einrichtung eines Naturparks vorgeschlagen und den VNP als möglichen Träger genannt. Beide waren so überzeugend, dass die Gremien des VNP den Ankauf eines Heidehofes mit 600 Morgen beschlossen. Darin war der Wilseder Berg enthalten. Einen Monat später erfolgte der Kauf zum Preis von 100.000 DM. Anzumerken ist hier, dass es sich dabei um Goldmark handelte, deren Wert heute lt. Stat. Bundesamt gut 9 EUR entspricht. Innerhalb eines Jahres gelang es Bode, den Flächenankauf auf über 1.400 ha zu steigern, der Ende 1913 dann über 3.000 ha um Wilsede umfasste. Dafür waren aus Mitgliederbeiträgen, Spenden, Zuwendungen der öffentlichen Hand und aus Lotterieeinnahmen 1,7 Mio. DM aufgebracht worden, für die damalige Zeit eine ungeheure Summe. Bode war also sehr erfolgreich, aber mit dem Erfolg wuchs auch die Zahl seiner Gegner, deren Haß und Verleumdungen ihn von nun an dauerhaft begleiten sollten. Zu seiner Pastorenaufgabe und seinen vielen sonstigen Ämtern war nun also noch die Sachwalter- oder Bevollmächtigtenfunktion für den VNP gekommen, die es ihm ermöglichte, den Schutz und den Erhalt seiner geliebten Heidelandschaft voranzutreiben. Er muß ein Mann von ungeheurer Energie gewesen sein, um all seine Aufgaben zu bewältigen. Während des Krieges kümmerte er sich in besonderem Maße um die Familien der an der Front befindlichen Soldaten, schickte den Soldaten Feldpostpäckchen und fand selbst in dieser Zeit Gelegenheit, weitere Ankäufe für den VNP zu tätigen. Nach dem Krieg hofften die Gegner des Heideparks , die allgemeine Notsituation werde die Begeisterung für den Naturschutz in der Lüneburger Heide zurückgehen lassen. Stattdessen gelang es Ecker, die preußische Regierung zum Erlaß einer Schutzverordnung für den Heidepark zu veranlassen, die im Januar 1922 vom Regierungspräsidenten in Lüneburg im Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Die Gegner, darunter mehrere Großgrundbesitzer, machten jetzt erst recht mobil. Da der VNP weit entfernt in Stuttgart beheimatet war und Ecker nach Ausscheiden aus dem Amt des Landrates an den Tegernsee gezogen war, konzentrierte sich der geballte Zorn der Gegner vor Ort auf Bode, der in übelster Weise verleumdet wurde. Ein Verein zur Wahrung der Rechte der Ein- und Anwohner des Naturschutzparks wurde 1921 gegründet, der sich später in Volksbund für Naturschutz umbenannte, obwohl er eigentlich Volksbund gegen Naturschutz hätte heißen müssen. Der unermüdliche Bode wurde von vielen Seiten angefeindet. Seine geradlinige Knorrigkeit , sein Durchsetzungsvermögen und seine Beharrlichkeit machten ihn zum natürlichen Ziel der Gegner. Es blieb nicht aus, daß seine vielfältigen Aktivitäten ihn manch andere Aufgaben vernachlässigen ließen. Die Kritik wurde so massiv, daß er sich schließlich aus Egestorf in sein geliebtes Wilsede zurückzog, wo er Ruhe suchte und fand und sich ganz seiner selbst gewählten vorrangigen Berufung „Rettung der Kulturlandschaft Lüneburger Heide“ widmete. Seine Gemeinde sah ihn fortan nur noch sonntags und fühlte sich verständlicherweise vernachlässigt.

Die junge Bauersfrau Dora Hinrichs, die mit ihrem Mann die Bewirtschaftung des Gasthofes Heidemuseum in Wilsede übernommen hatte, versorgte ihn. Das wiederum löste die Eifersucht ihres Mannes aus, der den Pastor öffentlich angriff. Der alte Bode war nach einer Verbalattacke eines anderen auf den guten Ruf der jungen Frau sogar bereit, sich zu duellieren, der Gegner ging aber rechtzeitig in Deckung. Aus der Deckung kamen dann aber seine kirchlichen Vorgesetzten, die den ewigen Stein des Anstoßes, der so gar nicht ihren Vorstellungen von einem gehorsamen Landpastor entsprach, nicht mehr ertragen wollten. 1924 wird er nach einem Disziplinarverfahren aus dem Pastorenamt entlassen.

Es ist einsam um ihn geworden, sein unermüdlicher Kampf und die vielen Verleumdungen haben ihn hart und oft auch ungerecht gegen andere werden lassen. Viele, die er als Freunde gesehen hat, haben sich von ihm zurückgezogen. Aber er ist weiterhin aktiv, so gelingt dem VNP mit seiner Hilfe 1926 der Ankauf des Hillmershofes in Wilsede. Gesundheitlich geht es ihm nicht gut. Die gute Pflege durch Dora Hinrichs und die Ruhe in seinem geliebten Wilsede verschönen seine letzten Jahre. Nach mehreren Schlaganfällen stirbt er im Juni 1927, wenige Monate nach dem VNP-Vorsitzenden Erwin Bubeck. Bodes Asche wird, entsprechend seinem Wunsch, auf dem Wilseder Berg verstreut. Der VNP , immerhin ein in Süddeutschland angesiedelter Verein, hat seinen erfolgreichen Vorkämpfer vor Ort verloren. Sein Werk aber bleibt, seine Verdienste sind unbestritten. Ohne Wilhelm Bode, seine Heimat- und Naturverbundenheit, seine Überzeugungskraft und seine Energie wäre die Kulturlandschaft Lüneburger Heide wohl nicht bewahrt worden.

2. Drittes Reich und 2. Weltkrieg

Bubecks Nachfolger von 1927 bis 1940  wird der Bremer Landgerichtsdirektor Dr. Wilckens. In seine Amtszeit fällt der Erwerb diverser Hofstellen, u.a. unseres heute größten Anwesens, des Hofes Tütsberg. Vor allem gelingt es Wilckens, die Eigenständigkeit des Vereins unter der Nazi-Diktatur zu erhalten und gleichzeitig den Heidepark von militärischer Nutzung freizuhalten. Diese wird auf die Übungsplätze in Munster und Bergen konzentriert. Der Heidepark dagegen fällt erfreulicherweise unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935. Wilckens Nachfolger wird 1940 der Bremer Kaufmann Friedrich Roselius aus dem u.a. für Kaffee Haag bekannten Handelshaus. Er verunglückt aber nur wenig später in Berlin und der greise Hofrat Walter Keller aus Stuttgart, Gründungsvorstandsmitglied, wird bis 1943 Interimsnachfolger, dem dann Hans Domizlaff aus Egestorf  folgt. Er ist ein außerordentlich erfolgreicher Werbefachmann aus Hamburg und ihm gelingt es, den Heidepark bis zum Kriegsende von militärischer Inanspruchnahme weitgehend freizuhalten. Unzufriedene Pächter schwärzen ihn bei der britischen Besatzungsmacht an und verschaffen ihm nach Kriegsende diverse Monate Inhaftierung im Lager Bad Nenndorf, wo er auch Alfred Toepfer trifft.

Der VNP hat zwar noch seine Flächen und Hofstellen, die Mitgliederzahl aber ist von über 24.000 in den 20er Jahren auf ca. 600 abgesunken. Britische Besatzungstruppen nutzen den Heidepark als Manövergebiet. Der Verein scheint dem Zusammenbruch nah. Domizlaff muß befürchten, dass die Politik der Forderung Edmund Rehwinkels, des Bauernverbandspräsidenten nachgibt, der die Heideflächen des Naturschutzparks in einen Truppenübungsplatz umwandeln will, eine Forderung , die seitens der Landwirtschaft schon in den 30er Jahren erhoben worden war, um landwirtschaftliche Nutzflächen vor der Inanspruchnahme durch die Wehrmacht zu bewahren.

3. Ich komme zur Ära Toepfer. Ende 1953 wird der Mann zum Vorsitzenden gewählt, der dem VNP eine neue Grundlage geben und gleichzeitig die Naturparkbewegung in Deutschland und Europa anstoßen wird: Alfred Toepfer aus Hamburg. Alfred Toepfer wird 1894 in Altona als ältestes von 5 Kindern geboren. Nach mittlerer Reife und Lehre wird er Soldat im ersten Weltkrieg und kehrt als Leutnant zurück. Bereits 1920 gründet er seine erste eigene Firma, die schon 1923 das zweitgrößte Hamburger Handelshaus für Getreide und Futtermittel ist. 1927 verfaßt er ein Testament, in dem er sein Vermögen dem Hamburgischen Staat für gemeinnützige Zwecke vermacht. Schon damals fällt er durch großzügige Spenden auf. Im gleichen Jahr wird er Mitglied im VNP. 1931 gründet er seine noch heute bestehende Stiftung F.V.S., der noch zahlreiche andere Stiftungen folgen werden. Er stiftet u.a. zahlreiche Kulturpreise. 1937 gerät er wegen eines angeblichen Devisenvergehens und seiner Kontakte zu Ernst Niekisch und seinem Umfeld  in Konflikt mit den Nazis, wird aber nach fast einem Jahr Untersuchungshaft wieder entlassen. Sein Verfahren wird später niedergeschlagen. Seine Geschäftstätigkeiten kann er weiterführen.

Während des 2. Weltkrieges dient er als Offizier z. T. bei der Abwehr in den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Die Tätigkeit als Abwehroffizier bringt ihm nach Kriegsende eine Inhaftierung durch die britischen Besatzungsbehörden ein, zuerst in Bad Nenndorf, wo er Domizlaff trifft. Nach fast zweijähriger Haft kann er 1948 wieder die Leitung der Fa. Alfred C. Toepfer übernehmen, die er in der Folge zu einem Unternehmen mit weltweiter Bedeutung ausbaut. Und dieser Mann nimmt sich im Dezember 1953 die Zeit, zukünftig neben der Leitung seines großen Unternehmens auch den Vorsitz des VNP zu übernehmen. Er steht kurz vor seinem 60. Geburtstag. Da denken viele Menschen  in unserer Zeit über einen vorzeitigen Ruhestand nach. Toepfer wird den VNP 31 Jahre lang führen. Toepfer ist ein Energiebündel, der nicht lange abwartet, sondern die Probleme anpackt. 6 Wochen nach seiner Wahl trifft er sich mit den zuständigen Behörden zur Besprechung aller notwendigen Maßnahmen. Dann geht es los mit der Entkusselung der Heide, der Sanierung von Gebäuden, dem Abriß verunzierender Schuppen, usw. Die norddeutsche Presse wird zu einer großen Presserundfahrt in die Heide geladen, ebenso das niedersächsische Landeskabinett nach Wilsede. Erstmals protestiert Toepfer gegen die britischen Manöver im Naturschutzgebiet, er wird es bis zu seinem Lebensende tun, die Übungen werden noch 40 Jahre lang andauern. Erst Mitte 1994 werden die Briten abziehen.

Wie er es schafft, die Leitung eines weltweit agierenden Großunternehmens mit der Leitung des VNP zeitlich unter einen Hut zu bringen, scheint uns heute kaum vorstellbar. Toepfer schafft es. Und wie er es schafft. In seiner Amtszeit werden weitere 1500 ha hinzugekauft. Die Gebäude werden komplett durchsaniert, viele Häuser neu erbaut. Die Heideflächen, die wegen jahrelanger Vernachlässigung massive Kiefer- und Birkenanflugbewaldung aufweisen, werden systematisch entkusselt. So können weite Heideflächen überhaupt erst wieder hergestellt werden. Die Briten geben Mitte der 50er Jahre 600 ha verwüstete Manöverflächen um Niederhaverbeck zurück, sodaß der Verein erste Erfahrungen mit Rekultivierungsversuchen sammeln kann, die ihm nach 1994 noch gute Dienste leisten werden. Prof. Preising hat sich hier im übrigen besonders verdient gemacht. Gleichzeitig werden die Heidschnuckenherden  neu aufgebaut und erheblich vergrößert.

Toepfer versteht es auch, in der Hamburger Wirtschaft um Spenden für die Heide zu werben. Allein aus seinen Mittel und denen seiner Stiftungen fließen während seiner Amtszeit zwischen 60 und 70 Mio. DM in das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Töpfer kümmert sich um alles. Er ist zwar ein reicher Mann, aber das hindert ihn nicht daran, sich um die Einzelheiten einer Buffetbestellung für Gäste in Wilsede selbst zu kümmern, die notwendige PS-Stärke eines neuen Forstschleppers zu bestimmen oder auch die Innendekoration der Gasträume in den Gastwirtschaften des VNP zu übernehmen. Er ist persönlich bescheiden, sparsam und akribisch genau.

1956 bei der Jahresmitgliederversammlung in Bonn ergreift er eine neue Initiative. In Anwesenheit des Bundespräsidenten , Prof. Theodor Heuß, greift er den alten Plan der Begründer des VNP , weitere Naturparke zu schaffen, auf und fordert eine finanzielle Beteiligung des Bundes. Der Anstoß soll außerordentlich erfolgreich werden. Der VNP wird zwar keine Rolle bei Ankauf und Anpachtung von Flächen erhalten, - als heutiger Vorsitzender sage ich „Gott sei Dank“, aber er bleibt sozusagen „Spiritus Rector“ der Naturparkbewegung, die Alfred Toepfer immer besonders am Herzen liegen wird. Heute gehören 25% der Fläche der Bundesrepublik zu 101 Naturparken, organisiert im VDN, dessen 1. Präsident Toepfer wird. Seine pro-europäische Einstellung manifestiert sich nicht nur in seinen Stiftungen, sondern auch im Naturschutz, wo er der Begründer von Europarc wird, einem Zusammenschluß europäischer Natur- und Nationalparke. Auch hier wird er erster Präsident. In diese Zeit fällt als eine Krönung seiner Arbeit die Verleihung des Europadiploms, das der Europarat 1968 dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide als erstem deutschen Naturschutzgebiet verleiht. Es ist seitdem regelmäßig erneuert worden
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Gleichzeitig kämpft Toepfer unermüdlich gegen die britischen Manöverbelastungen, ja, es gelingt ihm sogar, die zuständige britische Verteidigungsministerin Margaret Thatcher von der Notwendigkeit massiver Zugeständnisse zu überzeugen, da bekommt sie zu seiner großen Enttäuschung leider ein anderes Ressort, wie sie ihm schreibt. Aber nicht nur die Briten machen ihm das Leben schwer. Fast 20 Jahre lang hat er im Naturschutzgebiet auch das bestimmt, was naturschutzfachlich geschehen soll. Inzwischen hat die nds. Landesregierung begonnen, eine fachlich und quantitativ schlagkräftige Naturschutzverwaltung aufzubauen, die nun beginnt, auf ihre gesetzlichen Zuständigkeiten zu pochen. Die obere Naturschutzbehörde in Lüneburg und der VNP-Vorsitzende geraten immer wieder aneinander, er will sich seine lange praktizierten Rechte vor Gericht zurück erkämpfen und unterliegt. Er muß jetzt alle Naturschutzmaßnahmen mit der oberen Naturschutzbehörde abstimmen. Das wird ihm die Freude an seinem Ehrenamt sicher oft beeinträchtigt haben , zumal er auch noch den Prozeß gegen den Bund verliert, in dem er das SLA von 1959 für verfassungswidrig erklärt wissen möchte. Dieses Abkommen hat das ursprüngliche Besatzungsrecht der britischen Truppen abgelöst und einerseits erhöhte Rechtssicherheit für die Bevölkerung geschaffen. Gleichzeitig ist aber der VNP gezwungen worden, 1700 ha seiner Heideflächen  im Naturschutzgebiet dauerhaft an den Bund zur Manövernutzung durch die Briten zu verpachten. Auch dieser Prozeß , in den er fast 170.000 DM investiert, geht verloren. Nach diesem Prozeß habe ich Alfred Toepfer persönlich kennengelernt und lange über das Gesamtproblem der militärischen Nutzung mit ihm gesprochen  Der verlorene Prozeß hatte ihn tief getroffen.

Mehr Freude macht ihm die Entwicklung in den Alpen, denn die Salzburger Landesregierung verwirklicht im Jahre 1984 ein Ziel des VNP aus Gründertagen, sie errichtet per Gesetz den Nationalpark Hohe Tauern, in den die Flächen des VNP einfließen. Prinzingers Traum wird endlich wahr.

Im Februar 1985, ein halbes Jahr vor Ablauf seiner regulären Amtszeit erklärt er seinen Rücktritt mit den Worten: “Ich will nicht warten, bis der Tod mich abruft.“ Er ist inzwischen 90 Jahre alt. Natürlich hat ein Mann von seinen Führungsqualitäten auch einen Wunschkandidaten für seine Nachfolge, dem er durch seinen vorzeitigen Rücktritt  eine Einarbeitungsphase und verbesserte Chancen für die reguläre Neuwahl im Herbst des gleichen Jahres verschaffen möchte. Sein Versuch misslingt. Sein Kandidat fällt durch.

Töpfer tritt ab, anders als er es sich vorgestellt hat, seine ungeheure Leistung aber bleibt unbestritten. Bei seinem Tode 1993 würdigt ihn der VNP im Nachruf u.a. mit folgenden Worten: “Trotz seiner Belastung im Firmenbereich und unter Hintanstellung privater Interessen folgte er 1953 dem Ruf zum Vorsitzenden des VNP. Mit außergewöhnlichem Einsatz und großzügigem Mäzenatentum, mit Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen hat er dafür gesorgt, dass das Naturschutzgebiet in seiner Einmaligkeit gepflegt und erhalten werden konnte. Hart gegen sich selbst und hart gegen alles und jeden ging er die Probleme an, stellte die Weichen und fand die Lösungen. Zaudern, Unentschlossenheit und Ängstlichkeit waren ihm genauso zuwider wie bürokratischer Dilettantismus. Hanseatisches Understatement, Bescheidenheit und Sparsamkeit waren seine Maximen. Ohne ihn würde das NSG sicher heute nicht mehr existieren.“ Liest man diesen Nachruf, hat man schon den Eindruck, dass Töpfer und Bode sich in mancherlei Hinsicht durchaus ähnlich waren.

4. Fritz Kellinghusen
Sein Stellvertreter Fritz Kellinghusen, Präsident des Hamburger Verwaltungsgerichts, sprang im Februar 1985 zunächst kommissarisch in die Bresche und wurde im Herbst 1985 zum Vorsitzenden gewählt. Ihm fiel die schwierige Aufgabe zu, den VNP finanziell wieder auf eine eigene Grundlage zu stellen, denn Töpfer und die ihm verbundenen Institutionen standen nicht mehr zur Verfügung. Er musste also konsolidieren und neue Finanzierungsquellen suchen. In seine Amtszeit fällt der Abschluß der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen, die dem VNP seit 1993 einen festen jährlichen Zuschussbetrag für die Heidepflege garantiert. 1991 genehmigen der Bund und das Land Niedersachsen das Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide mit einem Volumen von 24 Mio. DM, das u.a. zusätzliche Flächenankäufe ermöglicht. Im gleichen Jahr bringt der VNP seine Flächen  im NP Hohe Tauern in das Gebiet mit der höchsten Schutzkategorie ein. In die Schlussphase seiner Amtszeit fällt auch das VO-Verfahren für die neue NSG-VO für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, die das Gebiet erheblich vergrößert und die zwingend notwendige Rechtssicherheit schafft, die die alte VO nicht mehr gewährleistete. 

5. Amtszeit Hans Joachim Röhrs. Kellinghusens Nachfolge tritt im Mai 1993 der damalige Winsener Oberkreisdirektor H. J. Röhrs, unser heutiger Ehrenvorsitzender, an. Er ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, durch welche Wechselbäder er im Lauf seiner 15jährigen Amtszeit gehen wird. Zunächst erlebt er 1994 Erfreuliches. Die Briten stellen nach fast 50 Jahren ihre militärischen Übungen im Naturschutzgebiet ein, die sogenannten “Roten Flächen“ werden dem Verein zurückgegeben. Damit ist aber auch Unerfreuliches verbunden. Die Flächen sind weitgehend verwüstet. Eine erfolgreiche Rekultivierung scheint kaum vorstellbar, wenn überhaupt, wird sie viel Geld kosten. Genau das aber fehlt, denn die bisher vom Bund jährlich gezahlte Pacht für die Flächen, zuletzt 660.000 DM , wird eingestellt. Was war zu tun ? Der naturwissenschaftliche Fachverstand des Vereins wird aktiviert, Fachleute, wie die Professoren Preising und Pflug erarbeiten mit einer Kommission eine fachliche Grundlage für die Rekultivierungsarbeiten. Der Bund führt eine umfassende Umweltuntersuchung der bisherigen Übungsflächen durch. Diverse Fachbehörden engagieren sich mit weiteren Untersuchungen und dem Entwurf von Konzepten. In einem Gespräch mit dem verantwortlichen britischen General gelingt es Preising und Pflug, diesen von den Erfolgsaussichten für das Konzept des VNP zu überzeugen. Er sichert daraufhin den notwendigen Einsatz von Mannschaft und Gerät, d.h. der ortskundigen deutsch-britischen Dienstgruppen  für die Rekultivierungsarbeiten zu. Es wird ein über mehrere Jahre andauernder Kraftakt, bei dem die Briten Arbeitsleistungen im Wert von ca. 50 Mio. DM erbringen, bis die Flächen im März 1998 im Rahmen einer großen Festveranstaltung mit gemeinsamer Heidewanderung von den Briten endgültig zurückgegeben werden.

1999 wird in Österreich ein umfassender Flächenaustausch mit den österreichischen Bundesforsten und der Salzburger Landesregierung vereinbart, der das VNP- Eigentum auf Ober- und Untersulzbachtal am Fuß des Großvenedigers konzentriert.

Die finanzielle Situation des Vereins ist dagegen nach wie vor kritisch. 1.700 ha Heideflächen müssen zusätzlich gepflegt werden, der Wegfall der Pachtzahlungen des Bundes und der finanziellen Hilfen Töpfers kann nicht ausgeglichen werden, zumal der große Gebäudebestand mit zahlreichen Reetdächern nicht zu bewältigende Unterhaltungskosten verursacht. Der Verein muß sich von zahlreichen Immobilien, darunter manchem Prachtstück wie Schäferhof und Stimbekhof, trennen um wieder liquide zu werden. Röhrs führt den Verein durch diesen schmerzhaften Prozeß, zusätzlich werden vom Bund noch erfolgreich Entschädigungen  eingefordert. 2000  wird  angesichts der massiven Heidevergrasung  die Aktion „Rettet die Heide gestartet, die ein Spendenaufkommen von über 1,1 Mio. DM erbringt. Die Förderprogramme von EU, Bund und Ländern werden in zunehmendem Maße genutzt, aber Röhrs und sein Vorstand haben erkannt, dass der Verein zusätzliche Einnahmequellen erschließen und gleichzeitig einen Weg finden muß, das Vermögen des Vereins und seine Ziele dauerhaft sicherzustellen. 2001 wird daher die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide gegründet und über die Satzungen eine dauerhafte Ziel- und Interessenidentität von Verein und Stiftung begründet.

2007 beschließt die Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorsitzenden die Übertragung des gesamten immobilen Vereinsvermögens im Heidepark auf die Stiftung, die gleichzeitig mit der zukünftigen Geschäftsführung beauftragt wird. Die Entscheidung ergeht nach langen teils leidenschaftlichen Diskussionen, denn manche Vereinsmitglieder fürchten, dass der Verein in Zukunft jeglichen Einfluß auf das Geschehen verlieren könnte. Inzwischen hat sich die Entscheidung als richtig erwiesen, das Stiftungsvermögen hat sich durch Zustiftungen und Vermächtnisse erheblich erhöht, sodaß die Erträgnisse der Stiftung einen wesentlichen Anteil zur Finanzierung der Vereinsarbeit beitragen. Es ist unübersehbar, dass potentielle Zuwender in eine Stiftung besonderes Vertrauen setzen.

H. J. Röhrs hat im vergangenen Jahr nach 15jähriger Amtszeit entschieden, nicht erneut zu kandidieren. Mit der Übertragung von Vermögen und Geschäftsführung auf die Stiftung sah er sein Ziel der Sicherung und Stabilierung des Vereins, seiner Ziele und  seines Vermögens als grundsätzlich erreicht an. Er hat manchmal hart dafür kämpfen müssen. Manche Anwürfe haben ihn geschmerzt. Er hat jedoch seine Ziele, die er einmal für richtig erkannt hat, unbeirrbar verfolgt und die dafür nötigen Mehrheiten erhalten. Heute steht er in einer Reihe mit den großen Persönlichkeiten in der Vereinsgeschichte, die sich immer dann gefunden haben, wenn der Verein sie dringend gebraucht hat. Wir im Vorstand und Beirat sind dankbar, dass er uns nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht.

6. Ich komme zum Schluß: Mit Curd Floericke und Hermann Löns, mit dem KOSMOS und Walter Keller, mit Bubeck,  Prinzinger in Österreich, mit Bode und Ecker und anderen wurden die Grundlagen gelegt. Sie haben es verstanden andere bis hin zu Wilhelm II. für die Sache zu begeistern. Spätere Generationen haben ihre Arbeit über 2 Weltkriege hinweg fortgesetzt. Die Verlegerfamilie Keller aus Stuttgart war in mehreren Generationen 80 Jahre lang im Vorstand des VNP vertreten. Dabei waren Naturbegeisterte jedweder Provenienz, u.a.  Journalisten, Schriftsteller , Geschäftsleute, Juristen, Bankiers, Land und Forstwirte, Naturwissenschaftler, Politiker, Soldaten, Filmemacher und Verwaltungsleute. Sie alle haben sich im VNP ideell und finanziell engagiert. Sie alle haben den Verein mit ihren Fähigkeiten und Talenten unterstützt. Tüchtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen ihnen zur Seite. Ohne dieses jahrzehntelange  Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamt hätte der Verein seine heutige Leistungsbilanz nicht erbringen können. Die Politik tat sich, wie berichtet,  zu Beginn schwer, heute können wir dankbar auf die Unterstützung des Bundes , des Landes Niedersachsen und unserer Landkreise blicken. Auch Hamburg und Bremen haben uns so manches Mal geholfen und ihre Verbundenheit mit der Lüneburger Heide deutlich gemacht. Ihnen allen haben wir zu danken, dass es gelungen ist, diese wunderschöne Kulturlandschaft bis heute zu bewahren, der Natur zum Segen und den erholungssuchenden Menschen zur Freude. Vielleicht gelingt es uns in weiterer Zukunft ja , die Kulturregion Lüneburger Heide zu einem Bestandteil des UNESCO-Welterbes zu machen. Verdient hätte sie es.



Bücherratten aufgepasst...

Leckere Rezepte aus der Heidjer-Küche (hier Heidschnuckenrücken im Mangoldmantel) finden sich im Buch "Schnuckeliges aus der Heide"...

BRAUNS Der Heidepastor
7,60 EUR ISBN 3-930-75001-5

GRUPE The Nature Reserve Lüneburg Heath 8,70 EUR ISBN 3-440-83043-9

CORDES al. Naturschutzgebiet Lüneburger Heide – 24,50 EUR ISBN 3-931785-X
Geschichte, Ökologie, Naturschutz

LÜER Geschichte des Naturschutzes in der Lüneburger Heide 15,40 EUR ISBN 3-930-75000-7

LÜTKEPOHL / PRÜTER
Die Vögel im Naturschutzgebiet
Lüneburger Heide 24,50 EUR ISBN 3-89757-017-3

OSTENDORF Das Heidemuseum in Wilsede 5,00 EUR ISBN 3-440-83033-0

OSTENDORF Faltkarte Heidemuseum in Wilsede 0,55 EUR ISBN 3-440-83035-7

OSTENDORF Faltkarte Heath Museum at Wilsede 1,10 EUR ISBN 3-440-83036-5

REINS Die Weiler und Einzelhöfe im
Naturschutzgebiet Lüneburger Heide 5,00 EUR ISBN 3-440-83010-1

SCHULZ Chronik von Wilsede 15,50 EUR ISBN 3-440-83011-X

VNP Die „Roten Flächen“ werden grün (Video) 15,30 EUR ISBN 3-930-75002-3

VNP Broschüre: Wilsede – ein altes Heidedorf 1,10 EUR --------

Bei Bestellung über die Geschäftstelle des VNP, Niederhaverbeck, 29646 Bispingen
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Weiter empfehlen wir, erhältlich im Buchhandel sowie in vielen weiteren Geschäften im Naturschutzgebiet:

 FEUER UND FLAMME FÜR DIE HEIDE - 5000 Jahre Kulturlandschaft in Europa, Hauschild-Verlag; ISBN 3-89757-183-8, (24,50 EUR).

 Als WANDERKARTE die Topographische Karte 1 : 40.000 der Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen, die auf der Rückseite viel Information über das Naturschutz-gebiet beinhaltet ISBN 3-89435-617-0, (7,00 EUR)

 Die REITWEGEKARTE „Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“ vom Reco-Verlag, Im Gefierth 7,
63303 Dreieich, (5,00 EUR)

 Den REISE- und NATURFÜHRER „Naturschutzpark Lüneburger Heide“ aus dem Ellert & Richter Verlag Hamburg, ISBN 3-89234-300-4, 224 S., ca. 40 Abb. („Wer mit offenen Augen und Ohren die Landschaft um den Totengrund und Wilseder Berg erradeln oder erwandern will, der sollte dieses recht preiswerte Taschenbuch im Gepäck haben.“ NDR 4), (10,20 EUR)

 Den BILDBAND „ Lüneburger Heide“ von W.Gröll und F.Teufel, 1994, Ellert & Richter Verlag Hamburg, ISBN 3-89234-474-4, 96 S., 48 Abb., (9,90 EUR)

 Den S/W-BILDBAND „Marsch, Geest und Heide“ von Klaus Hildebrandt, 1996, Dorfstr. 57, 21365 Adendorf, 152 S., 147 Abb., (18,00 EUR)

 NATURSCHUTZGEBIET LÜNEBURGER HEIDE – Geschichte, Ökologie, Naturschutz. Hrsg. Cordes et al., 1997, Hauschild-Verlag Bremen, ISBN 3-931785-X, 367 S., zahlreiche Abb., (24,50 EUR)

 DIE VÖGEL IM NATURSCHUTZGEBIET LÜNEBURGER HEIDE – von M.Lütkepohl und J.Prüter, 2000, Hauschild-Verlag Bremen, ISBN 3-89757-017-3, 199 S., (24,50 EUR)

 SCHNUCKELIGES AUS DER HEIDE – Kochbuch von Fritz Faist und Gert G. v. Harling
Hrsg. Tourist-Information Bispingen, Borsteler Straße 4-6, 29646 Bispingen, 2001, Gesund & Fit Promotion GmbH, 93. S., zahlreiche Abb., (14,90 EUR)



Ihre Hilfe ist gefragt... bei der Erweiterung des Literatur-Archivs des VNP!

Helfen Sie mit, das Archiv des VNP zu komplettieren? Danke!

In der VNP-Geschäftsstelle in Niederhaverbeck befindet sich das Archiv des Vereins, in dem sämtliche über das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide vorhandene Literatur zusammengeführt werden soll. Egal ob alt oder neu, ob Buch oder Zeitschrift, ob Broschüren oder wissenschaftliche Arbeiten – alles wird zusammengetragen, geordnet und sortiert.

Seit der Gründungszeit des VNP wurde kontinuierlich Fachliteratur gesammelt. Die Fachgebiete reichen von allem Wissenswertem zur Lüneburger Heide über natur- und umweltschutzrelevante Themen, Zoologie und Botanik bis hin zu rechtlichen Themen oder Naturschutz im Ausland. Die heutzutage sehr umfangreichen und wertvollen Literaturbestände des VNP werden nach Fachgebieten geornet und jede Schrift wird signiert, mittels EDV erfasst und verschlagwortet. Ebenfalls archiviert werden Karten, Bilder, Dias und alte Filme. Ziel ist, dass Mitarbeiter, Mitglieder und Gäste des VNP mit einer Schlagwort-Recherche schnell und unkompliziert die beim VNP verfügbare Literatur zu einem bestimmten Thema auffinden und somit raschen Zugriff haben.

Die Geschäftsstelle bittet an dieser Stelle Mitglieder und Freunde des VNP, nicht mehr benötigte Literatur – egal ob alt oder jüngeren Datums – abzugeben. Es wäre schade, wenn wertvolle Fachliteratur weggeworfen würde und somit verloren ginge.



Großsteingräber im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide

Die letzte Eiszeit hinterließ eine Vielzahl von Findlingen in der nordwestdeutschen Tiefebene... die u.a. auch für Grabfelder genutzt wurden...

Die interessierten Autofahrer werden an der Autobahn A7 Hamburg-Hannover mit großen Schildern auf besondere Landschaften und Kulturgüter aufmerksam gemacht, die man besuchen sollte, um zu entspannen und sich zu bereichern. So wird zwischen Elbe und Aller nicht nur für die Herzogsstadt Celle geworben, sondern Schäfer, Schnucken und Steingräber laden zum Verweilen in der Lüneburger Heide ein. Das Schild verspricht eine romantische und sagenumwobene Landschaft. Wer daraufhin die Autobahn verlässt und in die Heide fährt, wird an verschiedenen Stellen wieder Schäfer mit Hund und vielen Schnucken in der Heide zwischen Wacholdern und Birken beobachten können. Wenn er dann die Möglichkeiten zur Information nutzt, erfährt er wissenswertes über die Heide, ihre Entstehung und ihre wechselhafte Geschichte. Dabei lernt der Besucher, dass schon die Menschen in der Jungsteinzeit für die Ausbreitung der Heide verantwortlich waren.

Möchte der Ausflügler aber die Grabstätten dieser Menschen, die versprochenen Großsteingräber, besichtigen, wird er vielleicht enttäuscht sein; denn in dem Zentralgebiet der Heide, dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, sucht er heute vergeblich nach diesen imposanten Denkmälern aus der jüngeren Steinzeit. Dabei sind in der weiten Lüneburger Heide tatsächlich noch verschiedene Großsteingräber vorhanden und zu besichtigen. Am bekanntesten sind wohl die fünf Grabkammern der „Sieben Steinhäuser bei Fallingbostel“, genauer bei Osterheide im Truppenübungsplatz Bergen-Hohne (Landkreis Soltau-Fallingbostel) gelegen, und die nicht weniger bedeutsame Totenstatt bei Oldendorf/Luhe (Landkreis Lüneburg) mit ihren vier Grabanlagen.

Besichtigenswert sind auch das Großsteingrab bei Krelingen (Landkreis Soltau-Fallingbostel) oder die beiden Denkmäler auf dem Strietberg bei Raven (Landkreis Lüneburg). Weitere Großsteingräber sind sowohl in der Nordheide im Landkreis Harburg als auch in der Ostheide, im östlichen Teil des Lüneburger Landkreises und im Raum Uelzen, fern der Autobahn A7 verstreut zu finden. Zu nennen sind beispielsweise die Steinkammern in Klecken, Emsen und Eyendorf (alle Landreis Harburg) sowie in Soderstorf, Sottorf, Barskamp und Tosterglope (alle Landkreis Lüneburg). Mehrere dieser Denkmale werden zukünftig in dem erweiterten Naturpark Lüneburger Heide liegen. An eineigen Stellen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide kann man zwar Steinkammern entdecken, so am östlichen Rand von Niederhaverbeck, doch handelt es sich dabei immer um Nachbauten aus dem 20, Jahrhundert ohne steinzeitliche Vorgänger am Ort.

Schon in der Totenstatt bei Oldendorf oder in den Sieben Steinhäusern kann man die unterschiedliche Bauweise der Grabanlagen studieren; eine Rundfahrt zu den anderen Denkmälern wird weitere Beispiele bringen. die Steinernen Grabkammern, die aus großen, paarweise aufgestellten Tragsteinen und riesigen Decksteinen errichtet waren, stehen entweder in einem langen Erddamm, der von Findlingen eingefasst ist, oder in einem Rundhügel. In der Grabform drücken sich zeitliche, aber auch regionale Unterschiede aus. Die Mächtigkeit dieser jungsteinzeitlichen Monumente lässt sich eindrucksvoll erkennen, wenn man in der Oldendorfer Totenstatt die benachbart gelegenen großen und kleinen Grabhügel aus anderen Perioden betrachtet.

Manche der Steingräber liegen heute zerkleinert als Legsteine unter den alten Bauernhäusern, damit das Fachwerk keine Feuchtigkeit zieht, und umgeben als Findlingsmauern die Höfe; andere tragen die Kaianlagen im Hamburger Hafen. Im späten 18. und 19. Jahrhundert hatte niemand gefragt, ob die Großsteingräber eine kulturhistorische Bedeutung hätten; für die Steinschläger lagen die großen Findlinge wie gerufen bereit. Im Zuge der Verkoppelung gab es sogar Schriften, die bildliche Arbeitsanleitungen zum Spalten der Findlinge boten. An gespaltenen Findlingen in manchen Hofmauern kann man die Keilspuren noch erkennen; ein gutes Beispiel bietet eine Hofeinfassung in Wehlen, Landkreis Harburg. Nicht immer ist den Steinschlägern ihr Zerstörungswerk gelungen, wie die Reihe der Keilspuren an dem hohen Findling am Langbett IV in der Oldendorfer Totenstatt zeigt. Anhand der Form der Löcher kann man ältere und jüngere Spaltarbeiten unterscheiden: beispielsweise sind die Löcher in dem Trägerstein in der Totenstatt Oldendorf viereckig, sie sind für Holzkeile gepickt worden. Andere Löcher zeigen einen kreisförmigen Durchmesser, sie sind für Sprengladungen gebohrt worden. Zum Glück hat man einige Findlinge übersehen; südöstlich von Wilsede befindet sich eine Steinansammlung, die in vielen Karten als Hannibals Grab eingetragen ist; dabei handelt es sich um ein Zeugnis der vorletzten Eiszeit: Heute liegen diese Findlinge wohlbehütet im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und zeugen von der Kraft der Gletscher aus Skandinavien. Außerhalb des Naturschutzgebiets gelegen, wären sie schon lange zum Steinmetzen gelangt oder als Dekoration in einen Garten transportiert worden.

Die meisten Funde aus den Grabanlagen befinden sich in den zuständigen archäologischen Museen der größeren Orte, im Landesmuseum in Hannover, im Helms-Museum in Hamburg-Harburg und im Museum für das Fürstentum Lüneburg in Lüneburg. Doch kann man auch in dem kleinen Museum in Fallingbostel die Steinbeile sowie die Krüge und Schalen mit Tiefstichverzierung bewundern. Zu empfehlen ist das neue Archäologische Museum in Oldendorf/Luhe, in dem vorrangig anhand der Ausgrabungsergebnisse aus der nahen Totenstatt der Grabbau, das Leben vor und nach dem Tode und damit die damalige Religion sowie die soziale Gliederung der Lebensgemeinschaften der Trichterbecher- oder Großsteingrabkultur erläutert werden. (Ein Bericht von Wulf Thieme) 



Historischer Pressekalender: Perücken aus Heidschnuckenhaaren?

Heidschnucken ziehen durch Wilsede in die Heideflächen des Ortes...

"Die Heidschnucken haben bekanntlich eine Wolle, die kaum noch auf diesen Namen Anspruch machen kann. Ein Herr Bauersack in Bösel (Holstein) will aus der Heidschnucken-Wolle ein Haar gewonnen haben, welches sich zu Perücken, Bärten, Flechten usw. verwenden lässt. Dasselbe soll dem aus der Angorawolle hergestellten Haar an Qualität gleichstehen. Der Erfinder hat das so fabrizierte Haar an Friseure in den größeren Städten gesandt und das Kilogramm mit 15 bis 20 Mark bezahlt erhalten. Aus 50 Kilogramm Wolle werden nach Angabe des Erfinders 20 Kilogramm ausgekämmte Haare gewonnen."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" vom 6. Oktober 1883)



Historischer Pressekalender: vor über 100 Jahren konnte der "Totengrund" gerettet werden!

Zieht seit Jahrzehnten Menschen in seinen Bann: der "Totengrund" zwischen Wilsede und Sellhorn...

"Gestern fand vor dem hiesigen Amtsgerichte die Auflassung des Totengrundes in Wilsede an Herrn Pastor Bode aus Egestorf statt, welcher das Gelände für den Universitätsprofessor Dr. Thomsen in Münster erwarb. So ist endlich das Schicksal dieser anziehendsten aller Heidparzellen entschieden, da der Erwerber sich der Verpflichtung unterzog, das Grundstück dauernd in seinem jetzigen Zustande zu erhalten. Das bedeutet die Rettung des bedeutendsten aller Naturdenkmäler der ganzen Lüneburger Heide."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" vom 13. Juli 1906)

2006 jährte sich zum 100. Male der Beginn der Geschichte des heutigen Naturschutzgebietes Lüneburger Heide: Am 12. Juli 1906 kaufte der Egestorfer „Heidepastor“ Wilhelm Bode nach langwierigen Verhandlungen für Professor Andreas Thomsen aus Münster den sog. „Totengrund“ zum Preis von 6.000,- Mark. Beide wollten dieses Stück Heidelandschaft, dass zusammen mit dem Wilseder Berg zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten dieser Landschaft gehört, nachfolgenden Generationen sichern. Heute pflegt und erhält der 1909 gegründete Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) mit Sitz in Niederhaverbeck bei Bispingen den „Totengrund“. Der VNP hat mittlerweile rund 9.000 Hektar Eigentumsfläche im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, das selbst rund 24.000 Hektar groß ist und zu den ältesten Schutzgebieten unseres Landes gehört.

Beim Ankauf des „Totengrundes“ ging es zunächst um den nördlicheren, nach Wilsede zu gelegenen Teil von 30 Morgen. Die südliche, zu Sellhorn gehörende Hälfte war von der königlich hannoverschen Forstverwaltung mit Kiefern aufgeforstet worden. 1928 wurde diese Aufforstung wieder abgeholzt – so konnte sich auch hier wieder Heide ausbreiten. Pastor Bode hatte auch diese Aktion in Gang gebracht. Heute ist in der Vegetation kein Unterschied zwischen den beiden Bereichen mehr erkennbar.

Woher der „Totengrund“ seinen Namen hat, ist nach wie vor unklar und lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Da sich die Bezeichnung in der Literatur über das Gebiet erst am Ende des 19. Jahrhunderts findet, wird vermutet, dass der Name „Totengrund“ entstand, als der landschaftliche Reiz des vorher unbekannten und entlegenen Grundes entdeckt wurde.



Historischer Pressekalender: "Bauern fordern horrende Preise für ihre Höfe..."

Ausverkauf in der Lüneburger Heide?

"Prachtvolle Land- und Herrensitze entstehen in der Heide neu. Sehr billig sind die Höfe nicht zu haben. oftmals fordern die Bauern einen horrenden Preis. Der Hof, für den vor 20 Jahren der Besitzer 33.000 Mark zahlte, soll heute mehr als die doppelte Summe gelten. Und einstmals wurde derselbe Hof verschenkt: als im Jahr 1764 die Königliche Landwirtschaftsgesellschaft in Celle gegründet wurde, war es eine ihrer ersten Arbeiten, die vielen noch vom 30-jährigen Kriege her wüstliegenden Bauernhöfe durch ausgelobte Beihilfen wieder mit Wirten zu versehen. In jener Zeit konnte man nicht nur einen Bauernhof geschenkt erhalten, sondern man erhielt von der Landwirtschaftsgesellschaft noch eine bare Geldsumme zum Bau dazu."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 9. Februar 1907)



Historischer Pressekalender: Wilsede bekommt ein eigenes Museum...

Zieht seit 100 Jahren seine Besucher in den Bann: das Heidemuseum "Dat ole Huus" in Wilsede...

"Einige niedersächsische Heimatfreunde haben sich zusammengeschlossen, um hier in Wilsede ein in seiner Art ganz einziges Volksmuseum zu schaffen. Mit unendlicher Mühe ist es in aller Stille gelungen, die vollständige Einrichtung eines Bauernhauses auf einem Heidehofe, wie sie etwa um das Jahr 1750 aussah, zusammenzubringen."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 26. März 1907)

 



Historischer Pressekalender: "Ausverkauf" der Heide?!

In Wilsede konnten nach Zusammenbruch der Heidebauernwirtschaft viele historische Gebäude aufgekauft und der Nachwelt erhalten werden...

"Es mehren sich die Fälle, dass wohlhabende Großstädter sich Heidhöfe kaufen, um sie sich zum Sommersitz einzurichten. So ist vor einigen Tagen der Höpersche Hof in Bennebostel, Kreis Celle, für den Preis von 80.000 Mark an einen Herrn in Hannover verkauft. Es handelt sich um rund 1.000 Morgen Areal und die Baulichkeiten."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" 18. Dezember 1907)

 



Historischer Pressekalender: Schlechte Honigernte erwartet...

Die Imkerei gehörte fest zur historischen Heidebauernwirtschaft dazu...

"Leider ist auch in diesem Jahre keine gute Honigernte zu erwarten, weil die Bienen bei dieser kalten, nassen Witterung die blühende Heide nicht befliegen können. Sie haben nur fünf gute Flugtage gehabt, und wenn eine "gute" Honigernte kommen soll, müssen sie 15 bis 20 Tage die Heideblüte befliegen können."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 9. September 1908)



Historischer Pressekalender: "Vorfahrt für Bahnreisende!"

Blick vom Wilseder Berg in die Weite der Heidelandschaft... schon um 1900 herum ein beliebter Grund für eine Fahrt in das heutige Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

"Der Soltauer Kreistag soll sich außeramtlich für eine Weiterführung der Kleinbahn Winsen - Evendorf in der Weise ausgesprochen haben, dass Döhle und Evendorf einen gemeinsamen, Hörpel dagegen einen besonderen, möglichst nahe beim Orte belegenen Bahnhof erhalte. Sehr für einen Bahnhof in Döhle fällt das einsam belegene und durch keine Landstraße mit der Außenwelt verbundene kleine Wilsede ins Gewicht. Auch für Tausende erholungssuchender Großstädter würde diese Heideidylle damit erreichbar, welche jetzt vom Egestorfer Bahnhof aus nur für gute Fußgänger oder unter Aufwendung bedeutender Kosten als Wanderziel in Betracht kommt."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 3. Januar 1909)



Historischer Pressekalender: Große Beunruhigung durch Enteignungsrecht des VNP...

Enteignung von privaten Flächen durch den VNP?
"Zur größten Beunruhigung der beteiligten Grundbesitzer ist dem Verein Naturschutzpark ein Enteignungsrecht verliehen worden. Die hier unterzeichneten Grundbesitzer rechnen somit mit der Gefahr, dass ihr gesamtes Eigentum enteignet wird. Es soll an dieser Stelle nicht näher untersucht werden, ob das vom Verein beanspruchte Gebiet für die Begründung eines Naturschutzparkes geeignet ist. Die Unterzeichneten sind jedenfalls der Ansicht, dass es nicht der Fall ist, da es außer den in nur noch geringem Umfange Ödländereien, den Heideflächen, das Gebiet mit seinen jüngeren Forsten, weder besonderen landwirtschaftlichen Reiz, noch vergleichsweise mit anderen Gegenden des Reiches einen guten Wildbestand hat.
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 20. November 1912)



Historischer Pressekalender: Der VNP erwirbt große Teile des Hofbesitzers Witthoeft in Wilsede...

Der Steingrund zählt noch heute zu den Perlen des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide...
"Der Verein Naturschutzpark hat nunmehr die Grundstücke des Hofbesitzers und Gastwirts Witthoeft in Wilsede mit einem Flächeninhalt von 1300 Morgen angekauft. Der Hof und die Wirtschaft mit etwa 60 Morgen Ackerland und Wiesen verbleiben dem Verkäufer. Die Witthoeft`schen Besitzungen umfassen den berühmten Steingrund, die mit Wacholder bestandene Endmoräne aus der Eiszeit sowie sonstige hervorragende Naturdenkmäler."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 18. Dezember 1913)




Historischer Pressekalender: "Schutz des "Wilseder Heideparks" gesichert?

Wurde bereits 1921 per Polizeiverordnung geschützt: das heutige Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

"Ein Entwurf einer umfassenden Polizeiverordnung für den dauernden Schutz des Wilseder Heideparkes sieht im Wesentlichen ähnliche Schutzbestimmungen vor wie sie für das Naturschutzgebiet des Siebengebirges am Rhein erlassen sind. Es wäre zu wünschen, dass der Minister recht bald seine endgültige Zustimmung gibt, damit auch rechtliche Handhaben gegeben sind, gegen eventuelle Spekulation, die in besseren zeiten wieder einzusetzen droht."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 10. Februar 1932)



Historischer Pressekalender: "Rettungsdienst im Naturschutzpark...

1934 wird im Heidemuseum eine Sanitätsstation eingerichtet...

"Eine bemerkenswerte Neuerung hat der öffentliche Rettungsdienst des Roten Kreuzes für den Naturschutzpark Wilsede geschaffen. Nachdem im vorigen Jahre an den Sonntagen von Mai bis September eine fliegende Sanitätswache das Gebiet betreute, wird in diesem Jahre nach den gemachten Erfahrungen eine stehende Wache in Wilsede beim Heidemuseum eingerichtet, die mit zwei Sanitätern und zwei Helferinnen vom Roten Kreuz besetzt wird. Diese Wache wird nicht nur die Aufgabe haben, den Unfalldienst zu versehen, sondern auch für Auskünfte zur Verfügung stehen."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 14. April 1934)



Historischer Pressekalender: "Die Kriegsmarine in Wilsede?!"

Greift die Wehrmacht nach dem Naturschutzpark?

"Die 1. Marine-Abteilung Kiel, die sich auf einem Geländemarsch befindet, wird am kommenden Freitag in der Nähe von Wilsede Biwak beziehen. Zu diesem nicht alltäglichen Besuch unserer "Blauen Jungen" sind die nationalen Verbände und die Bevölkerung herzlich eingeladen. Von 19.30 bis 20.00 Uhr wird Militärmusik und sonstige Unterhaltung geboten werden, anschließend wird gegen 22.00 Uhr der große Zapfenstreich stattfinden."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 04. September 1934)



Historischer Pressekalender: Neue Panzerübungen angekündigt...

Militärische Übungen britischer und kanadischer Truppen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide hinterließen wüstenähnliche Zustände in den ehemaligen Heideflächen...

"Die Regierung in Lüneburg kündigte weitere Manöver mit Panzern ab 1. März an. Abgesehen davon, dasses endlich Zeit wird, diese Übungen auf die Übungsplätze zu beschränken, taucht die Frage auf, ob man eigentlich daran dachte, erst einmal die Wege in Ordnung zu bringen, die noch von den letzten Übungen stark beschädigt sind. Dies gilt in erster Linie für den Raum Timmerloh."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 28. Februar 1957)



Historischer Pressekalender: Aufstrebender Tourismus in der Lüneburger Heide...

Schon in den 1950er-Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen: der Wilseder Berg...

"Auch für die als Fremdenverkehrsgebiet aufstrebende Lüneburger Heide ist es gut zu wissen, dass der amerikanische Automobilclub "AAA" zuverlässige Beobachter auf die Reise schickt. Als unauffällige Gäste sollen sie erkunden, wo ein Tourist mit seinem Kraftwagen gut aufgenommen wird, sich wohlfühlen und preiswert leben kann."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 21. März 1957)



Historischer Pressekalender: VNP klagt gegen britische Manöver im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

1994 wurden die jahrzehntelangen Bemühungen des VNP um Einstellung der militärischen Übungen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit Erfolg gekrönt...

"Die Dachorganisation des Vereins Naturschutzpark in Stuttgart hat bei der Kammer Lüneburg den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die britischen Panzermanöver im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beantragt. Der Antrag richtet sich gegen die Bundesregierung mit dem Ziel, die Verwaltungsmaßnahme des Bundes zu widerrufen, die es den britischen Streitkräften ermöglicht, im Naturschutzgebiet Manöver abzuhalten."
(Auszug aus der Böhme-Zeitung vom 19. April 1957)



Historischer Pressekalender: Torfstecher im Pietzmoor unterwegs...

Wiedervernässter alter Torfstich im Pietzmoor zwischen Heber und Schneverdingen...

"In diesen Tagen hat ein besonders regen Leben im Pietzmoor eingesetzt. Aus Schneverdingen und aus den benachbarten ortschaften fahren Männer und Frauen früh die Heberer Straße entlang ins Torfmoor, um in mühevoller Arbeit dem  Boden den begehrten hausbrand abzugewinnen. Von Jahr zu Jahr gewinnt die Torfwerbung angesichts der ständig steigenden hausbrandpreise immer mehr an Bedeutung."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" vom 5. Mai 1957)



Historischer Pressekalender: Touristen-Invasion im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

Wanderer im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

"Die Lüneburger Heide erlebte am Wochenende die bisher größte Touristen-Invasion dieses Jahres. Mit Omnibussen, Personenwagen, auf Motorrädern, "Drahteseln" und zu Fuß strömten Tausende von Gästen, vor allem aus Hamburg, Bremen und den schleswig-holsteinischen Städten in die Zentralheide. In fast allen Erholungsorten waren die Ausflugslokale überfüllt."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" vom 14. Mai 1957)



Historischer Pressekalender: Der Gasthof "Heidkrug" brennt bis auf die Grundmauern nieder...

1958 brennt der "Heidkrug" in Niederhaverbeck bis auf die Grundmauern nieder... hier steht heute das "Landhaus Haverbeckhof"...

"Niederhaverbeck. Vor 125 Jahren, es war der 15. Juni 1833, zogen Johan Steinke und seine Frau Catharina Magdalena in den in der vergangenen Woche niedergebrannten, weit über die Grenzen unseres Heidebezirkes hinaus bekannten Gasthof "Heidkrug" ein. Die Brandursache ist noch nicht ganz geklärt. Aber schon jetzt soll geplant sein, zum 1. Mai in einem vorläufigen Barackenneubau den Betrieb wieder aufzunehmen."
(Auszug aus der "Böhme-Zeitung" vom 4. April 1958)



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