 In der Lüneburger Heide gilt die Waldkiefer als weit verbreiteter Baum. Ca. 50 % der Waldfläche wird von Kiefer bestanden. Regional wird die Kiefer auch als Föhre, Fuhre, Forche, Forle oder Kienbaum bezeichnet.
Die Waldkiefer ist im Freistand einer der schönsten Nadelbäume die wir haben und wird dort oft astig, kurzschäftig und breitkronig. Sie kann bis zu 600 Jahre alt werden und bis zu 48 m hoch. Der untere Stammteil ist dunkelgrau-braun und grobborkig (Tafelborke). Der obere Stammteil ist in der Regel heller rötlich-braun „leuchtend“ und in papierdünne Streifen und Fetzen abschilfernd. Die Benadelung der Waldkiefer ist mehr oder weniger gedreht, ca. 5 – 7 cm lang und immer zweinadelig. Die Nadeln bleiben ca. 3 Jahre am Zweig, bevor sie abfallen. Weltweit gibt es ca. 100 Kiefernarten und bei den einzelnen Arten auch noch vielfältige Rassen.
Die Waldkiefer hat ein ausgedehntes und tief greifendes Wurzelwerk. Die Wurzelbildung hängt stark von den Bodeneigenschaften ab, normal bildet sie eine ausgesprochene tiefreichende Pfahlwurzel aus. Die Seitenwurzeln reichen bis 6 m weit. Durch diese massive Verwurzelung im Boden gilt die Waldkiefer auch als sehr sturmfest. An den Boden stellt die Waldkiefer geringe Ansprüche. Sie wächst auf dichten, bindigen Ton- und Mergelböden, wie auf armen Sand- und Heideböden. Auch an feuchten Hochmoorrändern ist sie zu finden. Sie gedeiht auf sehr feuchten, auch staunassen Standorten, genauso wie auf trockenen Sandböden. Man kann sagen: „Sie stellt geringe Standortansprüche und hat eine weite ökologische Amplitude“.
Auch einen großen Spielraum hat die Waldkiefer bei den klimatischen Ansprüchen. Sie gedeiht in Ostsibirien bei winterlichen Temperaturen von – 40° C genauso wie im heißen, sonnigen Spanien. Gegen Spätfröste ist sie wegen späten Austreibens fast unempfindlich, obschon in Frostlagen auch selten ein Erfrieren vorkommt (herabhängende Zweigspitzen, statt nach oben durch Dürre gekrümmt). Gegen große Dürre ist die Waldkiefer deutlich unempfindlicher als das Heidekraut. Die Lichtansprüche der Waldkiefer sind ausgesprochen hoch. Sie gilt als eine der „lichthungrigsten“ Nadelbaumarten und zählt damit natürlich auch zu den Lichtbaumarten. Auch als Keimling ist die Waldkiefer sogar gegen den sauren Heidehumus unempfindlich. Sie bevorzugt bis zu einem gewissen Grade sogar den sauren Boden.
Die Waldkiefer ist die einzige heimische Baumart, die in erster Generation den Kampf mit der Heide aufnehmen kann, ohne dass man die Heide mehrmals zurückdrängen muss. Da die Waldkiefer in der Jugend einen Dichtstand (Dickung) vertragen kann, ist sie in der Lage, die Heide auszudunkeln. Sie zählt auch zu den Pionierholzarten, da sie nach Bodendevastierung als erste Baumart neben der Sandbirke ankommt. Die Zapfenreife (Fruchtreife) der Kiefer ist zweijährig. Sie blüht Anfang Mai, weibliche Blüten sitzen an der Spitze der Maitriebe, männliche am Grunde derselben.
Der Waldkiefer kommt leider auch der zweifelhafte Ruf zu, die Baumart zu sein, die die größte Anzahl von Schädlingen unter allen Nadelbäumen auf sich vereint. Bei den Insekten unter anderem der Rüsselkäfer, der Große Waldgärtner, die Nonne, der Kiefernspinner, der Knospentriebwickler (Posthornbildung), die Kiefernsaateule, etc. Unter den Pilzen ist die Kiefernschütte, der Kiefernbaumschwamm und Kieferndrehrost zu nennen. Weitere Ausführungen zu den Schadorganismen der Kiefer können an dieser Stelle nicht ausgeführt werden, das würde zu weit führen.
Das Holz der Waldkiefer ist ein Kernholz, mit gelblich rotem Kern und hellem Splintbereich. Kiefernholz findet vielseitige Verwendung als Bauholz (Dachsparren, Latten, etc.). Ganze Bäume finden Verwendung als Rammpfähle (Dalben und Bohlen) und Masten, mit Teeröl getränkt, als Strom- und Telegrafenmasten. Bessere Holzqualitäten finden Verwendung für Holzfenster, Fußbodendielen, Hirnholzparkett und Ausstattungsholz. Gerne wird das Kiefernholz auch als Möbelholz in massiver oder furnierter Bauweise verwendet. Schlechteres, dünnes Kiefernholz (Industrieholz) wird zu OSB-, MDF- und Spanplatten verarbeitet. Die Waldkiefer diente der Harzgewinnung (Kolophonium). Ein Baum brachte pro Jahr ca.1,5 kg Kiefernharz, aus dem überwiegend Papierleim, Lacke und Farben, Kunstkautschuk, Terpentinöl und Lösungsmittel hergestellt werden. Die Kiefernharzung wurde in den letzten 10 Jahren vor der Baumnutzung durchgeführt. Die Kiefernharzung zur Kolophoniumgewinnung wurde in Mitteleuropa zuletzt noch in der ehemaligen DDR betrieben.
Die Kiefer ist neben der Eiche eine der Baumarten, die am längsten künstlich verjüngt wird. Vor 638 Jahren hat Peter Strumer im Nürnberger Reichswald mit den ersten Kiefernsaaten begonnen. Dennoch hat die natürliche Verjüngung einer Kiefer bei einer geregelten Forstwirtschaft, insbesondere in Preußen, überwogen. Ab 1740 wurde in Preußen der Kiefernschirmschlag das bedeutendste Verjüngungsverfahren, wobei man Schmalkahlschläge anlegte. Die Forstklassiker zu Beginn des 18. Jahrhunderts (Hartig, Kotta, Pfeil und andere) stritten dann über die Dichte der Schirmstellung, wobei die Vorschläge zwischen 200 bis zu 20 Stamm je ha schwankten. Als Mineralbodenkeimer benötigt die Waldkiefer entsprechende Bodenzustände, die heute bei den starken Stickstoffeinträgen aus der Luft und der damit verbundenen Vergrasung durch Bearbeitung künstlich hergestellt werden müssen. Die starke Vergrasung unserer Kiefernbestände kann als das größte Handykap bei der natürlichen Verjüngung der Kiefer angesehen werden.
Als Vorkommen wertbestimmender Vogelarten (Charakterarten) in den Wäldern der Lüneburger Heide können folgende Arten genannt werden: Tannenmeise (Periparus ater), Haubenmeise (Lophophanes cristatus), Wintergoldhähnchen (Regulus regulus), Misteldrossel (Turdus viscivorus), Gartengrasmücke (Sylvia borin), Weidenmeise (Parus montanus), Buntspecht (Dendrocopos major) sowie die Nachtschwalbe (Caprimulgus europaeus).
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