Offenlandpflege im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide

Plaggen und Schoppern von Heide:

Plaggern mit einer Planierraupe... lässt sich nur auf sehr ebenen vergrasten Heideflächen durchführen...

Das Abplaggen ist die intensivste Form der Heidepflege und wird dann durchgeführt, wenn die Heideflächen bereits Rohhumusauflagen von über 3 cm aufweisen und stark vergrast sind. Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurden Heidepflanzen mit der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit Hilfe der Plaggenhacke abgeschält. Die dabei gewonnenen Heideplaggen wurden in den Schafställen ausgelegt, um dann wieder als Dünger auf die Äcker verbracht zu werden. Als Plaggheide wurden die nahe am Hof gelegenen Flächen genutzt, da die Plaggen sehr schwer zu gewinnen und zu transportieren waren.

Heute wird das Plaggen auf ausgewählten Flächen maschinell durchgeführt. Speziell konstruierte Plaggmaschinen werden eingesetzt. Mit Hilfe dieser Maschinen wird die Vegetation mit einer Humusschicht bis zum Erreichen des Mineralbodens abgetragen. Das anfallende Material kann bei kostenloser Anlieferung an die Landwirte zur Humusanreicherung auf Ackerflächen aufgebracht werden. Bedingt durch die schwierige Vermarktungsfähigkeit des Plaggmaterials sowie den technischen Aufwand entstehen durch das Plaggen hohe Kosten von etwa 4.500,- EUR pro Hektar!

Das heute vielfach eingesetzte sogenannte „Schopperverfahren“ stellt eine sinnvolle und vor allen Dingen kostengünstige Alternative zum Plaggen dar. Während beim Plaggen Mineralbodenanteile und Humusanteile miteinander vermischt werden, wird beim Schoppern weitgehend mineralbodenfreies Material gewonnen, da die Arbeitstiefe etwas geringer als beim Plaggen ist. Diese Methode ist allerdings nur bei Rohhumusauflagen bis 3 cm und wenig vergrasten Flächen einsetzbar.

Jahresbilanzen des Flächenvolumens der maschinellen Heidepflege (Plaggen und Schoppern) durch den Verein Naturschutzpark e.V. und seiner Stiftung:

2000: Geplaggt wurden rund 21 ha, geschoppert rund 6 ha.
2001: Geplaggt wurden rund 31 ha, geschoppert rund 26 ha.
2002: Geplaggt wurden rund 40 ha, geschoppert rund 19 ha.
2003: Geplaggt wurden rund 32 ha, geschoppert rund 15 ha.
2004: Geplaggt wurden rund 41 ha, geschoppert rund 14 ha.
2005: Geplaggt wurden rund 15 ha, geschoppert rund 30 ha.
2006: Geplaggt wurden rund 4 ha, geschoppert rund 19 ha.
2007: Geplaggt wurden rund 8 ha, geschoppert rund 15 ha.
2008: Geplaggt wurden rund 3 ha, geschoppert rund 8,1 ha.



Maschinelles Mähen von Heide:

Entwicklung einer Heidefläche - ein Jahr nach der Mahd...

Das Mähen von Heide ist ein häufig angewandetes Pflegeverfahren. Hierbei werden Geräte eingesetzt, die besonders tief ansetzen und auch Bodenverwundungen herbeiführen. Die Verjüngung der Flächen erfolgt dann sowohl über Stockausschläge als auch über Keimlinge. Wird die Mahd in zehnjährigen Abständen durchgeführt, können Callunabestände sehr vital gehalten werden. Gegenüber der Beweidung bewirkt die tiefe Mahd auch einen intensiveren Austrag von Biomasse aus der Fläche. Die Mahd wird während des Winterhalbjahres durchgeführt und das dabei anfallende Mahdgut von den Flächen entfernt. Das Pflegematerial findet Verwendung in der Biofilter-Industrie sowie für die Firstabdeckung der traditioneller Reetdachgebäude im Naturschutzgebiet und darüber hinaus.

Jahresbilanzen des Flächenvolumens der maschinellen Heidepflege (Mahd) durch den Verein Naturschutzpark e.V. und seiner Stiftung:

2000: Rund 39 ha
2001: Rund 54 ha
2002: Rund 34 ha
2003: Rund 16 ha
2004: Rund 30 ha
2005: Rund 43 ha
2006: Rund 22 ha
2007: rund 4,6 ha
2008: rund 100,5 ha



Das Brennen von Heide:

Alte, wenig vergraste Heideflächen lassen sich durch kontrollierten Brand hervorragend pflegen...

Mit Sicherheit werden die meisten Besucher des Naturschutzgebietes „Lüneburger Heide“ erschrocken sein, wenn sie Flammen in der Heide entdecken. Der ein oder andere Wanderer wird sich aber daran erinnern, dass das gezielte Abbrennen von Heide noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts auch in der Lüneburger Heide durchaus üblich war. Und weil diese Heidepflegemaßnahme einige Jahre vor dem Jahrtausendwechsel wieder aufgegriffen worden ist, handelt es sich bei dem soeben entdeckten Brand höchstwahrscheinlich nicht um ein unkontrolliertes Feuer. Wenn sich zudem noch mit „Feuerpatschen“ ausgerüstete Personen in der Nähe der Flammen aufhalten, wird schnell deutlich, dass es sich um ein kontrolliertes Abbrennen der Heide handelt. Das gezielte Abbrennen der Besenheide (Calluna vulgaris) ist eine altbewährte Methode zu ihrere eigenen Erhaltung, weil überalternde Bestände auf diese Weise verjüngt und revitalisiert werden können. Die Voraussetzung für eine gezielte Brandmaßnahme sind ausreichend abgetrocknete Heidepflanzen, weshalb sich das Brennen von Heide im Winterhalbjahr oft schwierig gestaltet. Vor dem Entfachen des Feuers wird eine Brandschneise von mehreren Metern Breite um die ausgewählte Fläche herum gemulcht um ein ungewünschtes Überspringen der Flammen auf benachbarte Heideflächen zu verhindern. Im nächsten Schritt folgt die Entfachung eines Gegenfeuers auf der windabgewandten Seite der ausgewählten Flächen. Wird anschließend auf der dem Wind zugewandten Seite das „eigentliche“ Feuer entzündet, wandern die Flammen, vom Wind getrieben, auf das Gegenfeuer zu, um sich in ihm auszulaufen und zu erlöschen.

Wenn die Heide nicht gepflegt wird und sich scheinbar ungehindert entwickeln kann, nimmt der Nährstoffgehalt der Böden infolge natürlicher Prozesse und verstärkt durch Düngereintrag aus der Luft stetig zu. Davon profitieren vor allen Dingen unterschiedliche Grasarten, die im Laufe der Zeit in den ehemaligen Heidebeständen die Oberhand gewinnen. Zu den Gräsern und der Besenheide, die eine verholzende Pflanze ist, gesellen sich zudem weitere Gehölzarten, die je nach der Dichte ihres Auftretens eine Ausdunkelung der Calluna-Pflanzen bewirken können. Eine Verbuschung der ehemaligen Heideflächen wäre nur eine Frage der Zeit und letztendlich würde sich wieder ein Wald etablieren. Die Heide, welche die Besucher in das Naturschutzgebiet lockt, wäre verschwunden. Um diese Entwicklung zu verhindern, sind gezielte Pflegemaßnahmen zwingend erforderlich, die durch den Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) und seiner Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide betrieben und gelenkt werden.

Stellt man den Heidebesuchern die Frage, auf welche Art und Weise die Heide gepflegt werden kann, fällt den meisten Menschen wahrscheinlich nicht das Brennen, sondern die Beweidung der Heide mit Schafen und einigen Ziegen ein. So nützlich diese Methode, die durch den Verbiss einen  jungen Austrieb der Heide bewirkt, zur Erhaltung der Heidepflanzen auch ist, verhindert sie ebenso wie eine mechanische Mahd auf Dauer nur bei sehr hoher Intensität, dass sich der Boden mit Nährstoffen anreichert. Eine Beweidung mit dieser Intensität ist aber unter den derzeitigen Rahmenbedingungen auf den gesamten Heideflächen des Naturschutzgebietes weder finanzierbar noch aus ökologischen Gründen erwünscht.

Um den Oberboden mitsamt seinen Nährstoffen abzutragen und neue, ideale Wuchsbedingungen für die Heidepflanzen zu entwickeln, werden deshalb zusätzlich ganz spezielle, mechanische Pflegemaßnahmen angewandt. Je nach Bearbeitungstiefe werden diese Maßnahmen als Schoppern oder als Plaggen bezeichnet. Wenn die Rohhumusschicht noch nicht zu stark angewachsen ist und sich auch der Anteil der Gräser an der Vegetation noch in gewissen Grenzen hält und/oder die Heidesträucher abzusterben beginnen, verspricht aber auch das Abbrennen der Heide einen nachhaltigen Pflegeerfolg.

Nach einem Brand stehen der Besenheide, deren Samen über 100 Jahre im Boden keimfähig bleibt, die scheinbar vegetationsfreien Flächen zum Neuaustrieb bereit und schon im nächsten Jahr erwachsen unter Umständen die ersten, noch sehr kleinen Heidepflanzen, aus dem verbrannten Oberboden. Denn die unterirdischen Teile der Besenheide ertragen einen Brand sehr gut, besonders dann, wenn der Boden zum Schutz der unterirdischen Pflanzenteile und der im Boden lagernden Samen genügend Feuchtigkeit gespeichert hat oder gefroren ist. Die Besnheide ist sogar ein typischer Brandkeimer. Auch einige in der Heide lebende Tierarten sind auf eine schützende Bodenschicht angewiesen. So kann eine gefrorene oder ausreichend dicke Humusschicht das Überleben von Kreuzottern und Grasfröschen während eines Brandes im Winter sichern. Die genannten Tierarten graben sich während der kalten Jahreszeit in den Boden ein oder benutzen einen bereits vorhandenen Unterschlupf zur Überwinterung. Bei einem Sommerbrand hingegen, kommen zwar mehr Tiere zu Tode, doch ist die Pflegewirkung auf die Vegetation noch effektiver und nachhaltiger. Zudem geht die Wiederbesiedlung der Flächen durch die Fauna aus den umliegenden Flächen sehr schnell voran. Um diese Rückeroberung besonders rasch zu ermöglichen, werden im Sommerhalbjahr kleine Brandflächen ausgewählt.

Der ein oder andere Leser wird sich nun aber fragen, warum gerade das Heidekraut durch einen Feuer besonders gefördert wird und nicht die viel schneller wachsenden Gräser und andere krautige Pflanzen ? Und tatsächlich bietet der nach einem Brand mit ausreichender Hitzeentwicklung nahezu vegetationslose Boden in der Folge vielen Pflanzenarten die Möglichkeit zur Neuansiedlung. Doch die Chancen sind nicht wirklich für alle gleich. Es sind scheinbar die schnell keimenden, krautigen Arten, deren Samen bereits im Boden bereitlagen, die von den Flammen profitieren. Sie haben nur auf eine Öffnung der dichten Heidedecke gewartet. Sie nutzen die wenigen verbliebenen und durch das Feuer in Form von Asche neu erzeugten Nährstoffe. Die Besenheide scheint trotz ihrer im Boden verbliebenen, ausschlagfähigen Wurzelstöcke und Samen als langsam wachsendes Gehölz auskonkurriert worden zu sein. Doch weit gefehlt, denn gerade die Besenheide ist ein typischer Brandkeimer und kleine Heidepflanzen erscheinen, fast unbemerkt, schon bald nach dem Feuer in der bodennahen Schicht zwischen den krautigen Pflanzen. Ihr kommt der rasche Verbrauch der durch den Brand erzeugten Nährstoffe in den Folgejahren sehr zu gute. Im Boden selbst sind nicht viele Nährstoffe verblieben. Außerdem können auf den noch nicht von Pflanzen bewachsenen, offenen Bodenstellen durch den Regen zusätzlich Nährstoffe ausgewaschen werden. Die Besenheide kann sich gegen alle anderen Pflanzenarten am besten auf möglichst sauren, nährstoffarmen Böden durchsetzen. 

Sollten durch eine Brandmaßnahme nicht alle oberirdischen Teile des Heidekrautes verbrannt worden sein oder ganze Heidekräuter unversehrt geblieben sein, ist diese Tatsache aus Naturschutzsicht zunächst einmal begrüßenswert. Denn reich strukturierte, ungleichaltrige Heidebestände, die mit vegetationslosen Bereichen abwechseln,weisen die höchsten Artenzahlen von heideangepassten Tier- und Pflanzenarten auf. Sie werden beispielsweise von der Heideschrecke, der Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), dem Keulenbärlapp (Lycopodium clavatum) oder bei geeigneten Standortbedingungen auch vom Gewöhnlichen Sumpfbärlapp (Lycopodiella inundata) besiedelt. Diese Arten sind in ihren Beständen u. a. deshalb bedroht, weil sie auf Brandereignisse bzw. auf die sich in der Folge entwickelnden Strukturen angewiesen sind. Auch für das Auge des Spaziergängers weisen Heideflächen, die in ihrer vertikalen Struktur nicht vollkommen gleichförmig sind, den größten Reiz auf.

Zum Erhalt der Heidelandschaft und der darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten werden sich Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide und Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) auch in Zukunft das seit alters her übliche Brennen der Heide zu Nutze machen. Er greift hierbei auf eine Fülle von Erfahrungen aus den  vergangenen Jahrhunderte zurück und ist bemüht, die Pflegeverfahren im Hinblick auf die standörtlichen Gegebenheiten und im Sinne des Arten- und Biotopschutzes zu optimieren. Die Akzeptanz durch die Bevölkerung und durch die Besucher der Heide ist für die Durchführbarkeit dieser Pflegemethode ebenso wichtig, wie die Unterstützung durch die Feuerwehren, denen an dieser Stelle recht herzlich gedankt sei.

Jahresbilanzen des Flächenvolumens der Heidepflege (Brand) durch den Verein Naturschutzpark e.V. und seiner Stiftung:

2000: Kein Brand veralteter Heideflächen.
2001: Rund 1 ha
2002: Rund 13 ha
2003: Rund 30 ha
2004: Rund 8 ha
2005: Rund 39 ha
2006: Rund 64 ha
2007: Aufgrund der Witterung nur kleine Flächen
2008: Aufgrund der Witterung nur kleine Flächen



Maschinelles Mulchen von verkusselter Heide:

Maschinelles Mulchen in dicht verkusselten Heidebeständen in den ehemalig militärisch genutzten "Roten Flächen"...

Durch maschinelles Mulchen ("Schlegeln") werden die z.T. flächendeckend aufkommenden Gehölze vor allem in den ehemals militärisch genutzten Flächen des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide dicht über der Bodenoberfläche abgeschlagen. Das anfallende Pflegematerial wird zur Verhinderung von Humusanreicherung von den Flächen entfernt. Die zukünftige Pflege dieser Flächen soll über die Beweidung durch die Ende 2004 neu aufgebaute sechste Heidschnuckenherde des VNP erfolgen, für die bei Deimern eine neue Schäferei errichtet wurde.

Jahresbilanzen des Flächenvolumens der maschinellen Heidepflege (Mulchen) durch den Verein Naturschutzpark e.V.:

2000: Rund 71 ha
2001: Rund 94 ha
2002: Rund 450 ha
2003: Rund 200 ha
2004: Rund 70 ha
2005: Rund 10 ha
2006: Rund 23 ha
2007: Rund 80 ha
2008: Rund 26 ha



Was ist eigentlich "Entkusseln" und wozu soll es dienen?

Offene Heideflächen werden - ohne Pflegemaßnahmen - schnell von Kiefer und Birke bewaldet... wie hier in der Weseler Heide...

"Entkusseln" - der eine oder andere Leser wird sich fragen, was das eigentlich ist und vor allem, wozu es dient. Diese Frage wollen wir gern aufgreifen...

... die Heidelandschaften Mitteleuropas haben sich durch ständige Eingriffe des Menschen entwickelt. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so - quasi durch Raubbau - Landschaften, an die sich eine Vielzahl heute bedrohter Tier- und Pflanzenarten angepasst haben. Diese Arten brauchen nährstoffarme, offene  Lebensräume... so auch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Hier finden sich heute die größten zusammenhängenden Calluna-Heiden Mitteleuropas. Allein durch diese Tatsache bedingt ergibt sich für den Verein Naturschutzpark e.V. die Verantwortung, in besonderer Weise zum Schutz  von Arten wie dem Birkhuhn, dem Ziegenmelker oder der Heidelerche beizutragen.

Da die Lüneburger Heide eine Kulturlandschaft ist, die durch Menschenhand entstand, kann diese Landschaft auch nur durch Menschenhand erhalten werden. Eine der Maßnahmen dafür ist das Entkusseln. Hierbei werden per Hand (mit Spaten oder (Motor-) Sägen) aufkommende Pionierbaumarten wie die Kiefer oder die Birke entfernt. Man darf nicht vergessen: werden Heidflächen sich selbst überlassen, entwickeln sie sich in verschiedenen Sukzessions-Stadien wieder zu Wald. Dieser Prozess wird z.B. durch Entkusselungen unterbrochen.

Der VNP achtet bei allen Pflegemaßnahmen darauf, dass sich eine möglichst vielfältige Landschaft mit verschiedenen Sukzessions-Stadien entwickeln kann. Denn: je vielfältiger die Landschaft ist, umso vielfältiger präsentiert sich die Flora und Fauna des Gebietes.



Das Entkusseln von Heide:

... wie hier in der Schneverdinger Osterheide hilft mit, eine einzigartige Offenlandschaft erhalten zu können...

Die größten zusammenhängenden Heideflächen Mitteleuropas müssen immer wieder vom Anflug von Pionierbaumarten wie der Kiefer und der Birke befreit werden. Dies geschieht je nach Alter des Anflugwaldes durch maschinelle Rodung oder durch den Einsatz freiwilliger Helfer mit Astschere und Handsägen.

Jahresbilanzen des Flächenvolumens der maschinellen Heidepflege (Entkusselung von Altheiden und in den "Roten Flächen) durch den Verein Naturschutzpark e.V. bzw. seiner Stiftung Naturschutzpark und mit Hilfe freiwillig in der Landschaftspflege tätiger Vereine und Organisationen*:

2000: Entkusselung in Altheiden rund 112 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 201 ha.
2001: Entkusselung in Altheiden rund 115 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 126 ha.
2002: Entkusselung in Altheiden rund 231 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 410 ha.
2003: Entkusselung in Altheiden rund 20 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 248 ha.
2004: Entkusselung in Altheiden rund 135 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 484 ha.
2005: Entkusselung in Altheiden rund 175 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 350 ha.
2006: Entkusselung in Altheiden rund 78 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 450 ha.
2007: Entkusselung in Altheiden rund 100 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 436 ha.
2008: Entkusselung in Altheiden rund 326 ha, Entkusselung auf "Roten Flächen" ca. 255 ha.

* Freiwillige Feuerwehren, Dorfgemeinschaften Bürger und Vereine aus Hanstedt, Ollsen, Schierhorn, Dierkshausen, Handeloh, Wesel, Ashausen, Buchholz, Undeloh,  Döhle, Egestorf, Sahrendorf, Schneverdingen, Behringen und Hörpel.
Allen Helfern an dieser Stelle: DANKE!



Warum vergrast die Heide?

Gräser haben Ende der 1990er-Jahre aufgrund starker Rohhumusauflagen Heideflächen bei Wesel "erobert"...

Viele Besucher des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide erwarten großräumig zusammenhängende Flächen, die einheitlich von der Besenheide geprägt sind. Stattdessen finden sie stellenweise Heideflächen vor, die vielfach mit Gras (der "Drahtschmiele" oder auch dem "Pfeifengras") durchsetzt sind oder ganz davon beherrscht werden wie auf dem Foto oben zu sehen.

Die wichtigste Ursache für die Ausbreitung der "Drahtschmiele" ist die Anreicherung von Rohhumus. Rohhumusschichten bilden sich dort, wo sich ohne entsprechende Landschaftspflegemaßnahmen wie dem "Plaggen" abgestorbenes Pflanzenmaterial der Besenheide ansammeln konnte. Durch intensive Beweidung der Heide wird die Ansammlung solcher organischer Abfallstoffe verlangsamt oder sogar verhindert. Durch das Abplaggen, tiefe Mahd oder das Brennen von Heide können Rohhumusauflagen beseitigt oder zumindest reduziert werden.

Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurde der Ansammlung von Humusstoffen durch die Bewirtschaftungsmaßnahmen ständig entgegengewirkt. In großen Teilen des Naturschutzgebietes kam die Heidebauernwirtschaft jedoch bis Ende der 1940er Jahre zum Erliegen. Seit Mitte der 1950er Jahre wurden dann wieder verstärkt Heidschnucken zur Beweidung der Flächen eingesetzt. Mahd, Brand und Abplaggen als Maßnahmen des intensiveren Humusaustrages unterblieben aber während mehrerer Jahrzehnte fast vollständig. Deshalb konnten sich in vielen Heidegebieten Rohhumusschichten ansammeln. Im Zeitraum von 1955 bis 1985 wurden ca. 600 Hektar, zwischenzeitlich verwaldete ehemalige Heideflächen wieder in Heide zurückgeführt. Auf diesen Flächen hatten sich durch die Nadelstreu der Waldbäume (Kiefern und Fichten) besonders dicke Rohhumusauflagen gebildet.

Die Streu von Besenheide, Kiefer und Fichte ist sehr sauer und kann deshalb von den Bodenlebewesen, die Humusstoffe abbauen, nur schwer zersetzt werden. Wenn die "Drahtschmiele" in Heideflächen mit Rohhumusauflagen einwandert, bewirkt sie durch ihr intensives Wurzelwerk eine Belüftung der obersten Bodenschicht und schafft durch ihre milde Streu ein günstiges Milieu für die Bodenlebewesen. Diese Kleinlebewesen werden dadurch aktiviert und bewirken einen beschleunigten Rohhumusabbau. Wenn der Prozess weit genug fortgeschritten ist, kann sich die Besenheide in der Regel wieder durchsetzen. Wir haben deshalb in früheren Jahren einen Wechsel von verstärktem Auftreten der Drahtschmiele und Erholung der Besenheidebestände erlebt.

Beispielsweise waren in den Trockenjahren 1983 / 1984 die Besenheidebestände großflächig abgestorben und die Drahtschmiele drang überall vor. Ab 1987 gewann die Besenheide wieder allgemein die Überhand und 1993 kam es zu einer der schönsten Heideblüten der letzten Jahrzehnte. Trockenheit und Heidekäferfraß während der Jahre 1995 und 1996 führten dann wieder zum großflächigen Absterben von Besenheidebeständen und zur Ausbreitung der Drahtschmiele. Infolge der guten Niederschlagsversorgung während des Frühjahres und Frühsommers 1997 konnten sich die Besenheidebestände gut regenerieren und auf den derzeit noch von Drahtschmiele beherrschten Flächen stehen schon viele junge Heidepflanzen. So kam es auch 1999 zu einer hervorragenden Heideblüte.

Bei günstigem Witterungsverlauf wird sich die positive Entwicklung der Besenheidebestände - natürlich auch bedingt durch die verstärkten Bemühungen in der Heidepflege in den letzten sechs Jahren - auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Ein vordringliches Ziel der Heidepflege besteht heute in der Verminderung der Rohhumusauflagen. Neben der Beweidung werden deshalb seit einigen Jahren verstärkt Mahd, Brand und Abplaggen als Maßnahmen, die einen Rohhumusabbau bewirken, eingesetzt.

Neben der Bildung von Rohhumusauflagen ist allerdings noch ein zweites Problem an der Vergrasung der Heide beteiligt: die Stickstoffeinträge aus der Luft. Insbesondere durch Autoabgase, industrielle Abgase, landwirtschaftliche Überdüngung und Massentierhaltung wird unsere Atmosphäre mit Stickstoff verunreinigt, der sich in der Gesamtlandschaft verteilt und allgemein zur Überdüngung führt. Pflanzengesellschaften von Magerstandorten wie Besenheidegesellschaften können sich dadurch verändern. Insgesamt ist eine Reduzierung der Stickstoffeinträge in die Atmosphäre auch für die langfristige Erhaltung der Heidelandschaft wichtig.



Feuer und Beweidung als Instrumente zur Heidepflege - Ergebnisse eines Verbundforschungsvorhabens

Der Einsatz von Feuer in der Pflege der offenen Heidelandschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung...

1. Einleitung

„Nur in der Armut blühen sie auf.“ - So einfach lassen sich die Ansprüche der Sand- und Moorheiden an die Nährstoffversorgung ihrer Wuchsorte zusammenfassen. Reichern sich Nährstoffe im Boden an, verlieren die Hungerkünstler unter den Pflanzen ihre Konkurrenzkraft. Das Pflanzenkleid wandelt sich hin zu Fluren aus wenigen wüchsigen Grasarten wie Drahtschmiele und Pfeifengras, wird höher und dichter und entwickelt sich schließlich zum Wald. Zauneidechse und Heidelerche ziehen sich zurück und mit ihnen die gesamte heidetypische Tierwelt.

Dies ist bis zu einem gewissen Maß ein natürlicher Vorgang; Heidebewirtschaftung und -pflege wirken ihm entgegen. Doch die Heideerhaltung ist schwieriger geworden: Rund 23 kg Stickstoff werden heute pro Jahr allein über die Luft als zusätzliche Nährstoffe auf jeden Hektar Heide im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ eingetragen. Das entspricht einer Gesamtmenge von 117 Tonnen für die etwa 5.100 ha Heideflächen. Hauptquellen dieser Nährstofffrachten sind die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Aufzehrung feuchter Moorböden sowie eine auf intensiver Viehhaltung beruhende Landwirtschaft in weiten Teilen Niedersachsens. Wie kann einer solchen Nährstoffanreicherung begegnet werden? Lassen sich unter diesen Bedingungen die Lebensgemeinschaften der Heiden mit vertretbarem Aufwand überhaupt erhalten? Was tragen Feuer, Beweidung und die maschinellen Heidepflegeverfahren zum Entzug der Nährstoffe bei? Wie sind für die Heideerhaltung vorgesehene Gelder am wirkungsvollsten einzusetzen? Diesen und vielen weiteren Fragen widmete sich ein mehrjähriges Verbundforschungsprojekt, das mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums gefördert wurde. Unter Leitung der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz wurden Untersuchungen in der Diepholzer Moorniederung und im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ durchgeführt. Partner waren die in der Betreuung der Untersuchungsgebiete tätigen Verbände, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands und der Verein Naturschutzpark, die Arbeitsgruppe Land & Wasser (Büro Dr. Kaiser) in Beedenbostel/Celle sowie wissenschaftliche Arbeitsgruppen der Universität Lüneburg und der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Einige der wichtigsten Ergebnisse werden nachfolgend zusammengefasst.

Die vollständigen Ergebnisse nebst vielen weiteren grundlegenden Informationen zur Entwicklung der Heidepflege liegen als NNA-Bericht, 17. Jahrgang, Heft 2, vor. Der rund 200 Seiten starke Bericht kann zum Preis von 10,- € bei der NNA, Hof Möhr, 29640 Schneverdingen, Tel. 05199 989 0, www.nna.de, bezogen werden.

2. Zwergstrauchheiden als Elemente historischer Kulturlandschaften

Zwergstrauchheiden als von Nährstoffarmut bestimmte magere Offenlandschaften spielen in der Landschaftsgeschichte Nordwestdeutschlands eine bedeutende Rolle. Sie sind Ergebnis einer Jahrtausende alten bäuerlichen Landnutzungstradition, die sich in ähnlicher Form fast über die gesamte atlantische Region Europas entwickelt hat (Gimingham 1972, Haaland 2002). Kontrolliertes Brennen und Beweidung durch Haustiere gehören neben Mahd und Plaggen zu den bestimmenden Faktoren, die zur Entwaldung und mancherorts nachweislich über viele Jahrhunderte zu einer Offenhaltung der Landschaft beigetragen haben (Becker 1995, Behre 1976). Auf den weiträumigen Hochmoorstandorten Niedersachsens waren es Eingriffe in den Wasserhaushalt und einsetzende Degenerationsprozesse, die mit Moorbrandkultur und Beweidung in der Folge zur Förderung von Zwergstrauchheiden beitrugen. Schwerpunktmäßig seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden zudem Einflüsse militärischer Nutzung, die vor allem auf mageren Sandstandorten entweder historische Heidekulturlandschaften konservierten oder sekundär nach zwischenzeitlichen Bewaldungsphasen wieder zu vergleichbaren Vegetationsstrukturen und Lebensgemeinschaften geführt haben. Angesichts ihres drastischen Flächenrückgangs zählen Zwergstrauchheiden zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas, was sich in zahlreichen Schutzbestimmungen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene niederschlägt. So stehen Zwergstrauchheiden gemäß Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (RL 92/43 EWG) unter strengem Schutz und sind in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren. Der nationale Gesetzgeber hat die Zwergstrauchheiden als Bestandteil historischer Kulturlandschaften sowohl allgemein in § 2 Nr. 14 BNatSchG als auch speziell in § 30 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG unter Schutz gestellt.

Anhand verschiedener Geodatenbestände wurde im Rahmen des Forschungsprojektes mit Hilfe eines Geografischen Informationssystems (GIS) der aktuelle Bestand magerer Offenlandbiotope im niedersächsischen Tiefland ermittelt. Gleichzeitig wurde analysiert, welche Ausdehnung magerer Offenlandbiotope aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten potenziell möglich wäre. Danach ist von einem aktuellen Bestand von rund 40.000 bis 47.000 ha auszugehen. Bezogen auf die Ergebnisse der landesweiten Biotopkartierung sind Sandheiden dabei mit rund 11.700 ha, Moorheiden mit rund 9.600 ha vertreten. Das entspricht insgesamt einem Anteil von 1,6 bis 1,8 % der von den standörtlichen Rahmenbedingungen her potenziell möglichen Fläche.

3. Stoffhaushalt der Zwergstrauchheiden

Je nach Alter und Vergrasungsanteil der Besenheide-Bestände finden sich Stickstoffvorräte von 100 bis 200 kg/ha in der Biomasse, die Phosphorvorräte liegen um 10 kg/ha. Die Nährstoffvorräte im Boden sind weit höher, so dass die die Vegetation betreffenden Pflegeverfahren wie kontrolliertes Brennen, Beweidung und Mahd nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf den Gesamtnährstoffvorrat haben. Sie sind abhängig von der betrachteten Mächtigkeit der Bodenhorizonte und liegen im organischen O-Horizont für Stickstoff bei 500 bis 1.000 kg/ha und für Phosphor bei 25 bis 40 kg/ha. Im mineralischen Ah-Horizont, der unmittelbar nur von der Pflegemaßnahme Plaggen betroffen ist, liegen die Vorräte von Stickstoff in den durch die Maßnahme entfernten oberen 3 cm bei rund 600 kg/ha und von Phosphor bei 30 kg/ha. Im Vergleich zu diesen Vorräten sind die über Sickerwasser ausgetragenen Nährstoffmengen sehr gering. Für Stickstoff liegen die Werte z.B. bei etwa 2 bis 10 kg/ha und Jahr, für Phosphor noch weit geringer. Die Unterschiede zwischen den angewandten Pflegeverfahren sind diesbezüglich vergleichsweise gering. Die jährlichen Einträge pflanzenverfügbarer Nährstoffe umfassen im Nordteil des Naturschutzgebietes „Lüneburger Heide“ z.B. für Stickstoff 22,8 kg/ha, in der Diepholzer Moorniederung 33,7 kg/ha. Im Mittelpunkt der nährstoffbezogenen Untersuchungen stand die Bilanzierung der Nährstoffeinträge aus der Luft gegenüber den Nährstoffausträgen durch Biomasseentzug, Verlagerung in den Boden oder Auswaschung mit dem Sickerwasser. Zur Erfassung der Nährstoffmengen in den unterschiedlichen Kompartimenten wurden die in Depositionssammlern, Biomasse-, Asche- und Bodenproben sowie in Saugkerzen gesammelten Proben analysiert.

Zusammengenommen werden mit den Pflegemaßnahmen, so wie sie heute vom Verein Naturschutzpark durchgeführt werden, deutlich mehr Nährstoffe aus der Heide entfernt, als über die Atmosphäre eingetragen werden. Bezogen auf die gesamte Heidefläche im Naturschutzgebiet stehen in der Bilanz Stickstoffeinträge in einer Größenordnung von 117 Tonnen Austrägen von etwa 161 Tonnen gegenüber. Es wird aber noch über Jahre erforderlich sein, dieses Mehr an Austrägen mit den bewährten Methoden sicherzustellen, um die Folgen einer nicht ausreichend intensiv betriebenen Heidepflege während langer Zeiträume des 20. Jahrhunderts auszugleichen. Um die verschiedenen Heidepflegeverfahren vergleichend unter dem Gesichtspunkt bewerten zu können, welcher Zeitraum vergeht, bis der mittels einer bestimmten Pflegemaßnahme erzielte Nährstoffaustrag durch Nährstoffeintrag unter der Annahme gleichbleibend hoher atmogener Deposition wieder kompensiert wird, wurde das Maß der „Theoretischen Wirkungsdauer“ entwickelt. Dieser Wert variiert erwartungsgemäß zwischen den Nährelementen beträchtlich, da sie nicht gleichmäßig auf die Systemkompartimente verteilt sind. Er zeigt überdies große Unterschiede zwischen den angewandten Pflegeverfahren. Die den Oberboden mit seinen hohen Nährstoffvorräten unmittelbar beeinflussenden Maßnahmen, das maschinelle Schoppern und Plaggen, erreichen insgesamt die höchsten theoretischen Wirkungdauern, die für einzelne Nährelemente von 20 bis zu 500 Jahren reichen können. Mahd erweist sich in dieser Hinsicht mit theoretischen Wirkungdauern von 5 bis 30 Jahren noch als deutlich effektiver als Brennen und Beweidung, wo die entsprechenden Werte bei 1 bis 12 Jahren liegen. Vergleicht man die für Stickstoff und Phosphor ermittelten theoretischen Wirkungdauern, so ist – letztlich aufgrund der gegenwärtig hohen Stickstoff-Depositionsraten – zu erwarten, dass Heideökosysteme in den nächsten Jahrzehnten auch bei optimalem Management relativ mehr Stickstoff als Phosphor akkumulieren. Dies dürfte dazu führen, dass gegenwärtig Stickstoff- bzw. Stickstoff/Phosphor-limitierte Vegetationsbestände künftig zunehmend durch Phosphor limitiert werden.

Feuer

Der Nährstoffaustrag durch Vegetationsbrand ist von der Menge verfügbarer Biomasse und der Feuerintensität abhängig. Temperaturmessungen bei zwei Winterbränden ergaben Werte, die oberhalb der Vegetationsschicht bei etwa 500 bzw. 800°C lagen. An der Bodenoberfläche waren die Unterschiede mit maximal 70°C bzw. über 500°C sehr unterschiedlich. Schon im O-Horizont 1 bis 2 cm unter der Oberfläche war keine Temperaturerhöhung feststellbar. Von dem in der Vegetation gebundenen Nährstoffvorrat wird durch das unmittelbare Feuerereignis Stickstoff in einer Größenordnung von 80 bis 90 % freigesetzt, im Falle des Calciums liegen die Werte um 95 %, beim Kalium um 98 %. Die im O-Horizont des Bodens vorhandene Nährstoffmenge übersteigt die in der Vegetation gebundene im Falle des Stickstoffs um den Faktor 6 bis 8. Dieser Stickstoffvorrat wird durch das Feuer nicht oder nur gering beeinflusst. Zu beobachtende Erhöhungen der Vorräte einzelner Nährelemente nach dem Feuer sind z.T. auf Ascheniederschlag zurückzuführen. Durch Feuer hervorgerufene Veränderungen bei Mineralisierungsprozessen sind z.T. noch über Monate nachweisbar, im Boden ebenso wie in der Nährstoffversorgung der Pflanzen. Brandflächen weisen ein deutlich wärmebegünstigtes Kleinklima auf, das zu erhöhter Mineralisation und anhaltender Nährstofffreisetzung führt. Im Falle des Stickstoffs waren unter Brandflächen noch im zweiten Jahr nach dem Feuer anwachsende Nährstoffausträge über Sickerwasser nachweisbar. Sie lagen bei 4,8 kg/ha im ersten, bei 6,2 kg/ha im zweiten Jahr. Setzt man in einer Bilanz Stoffein- und -austräge gegenüber, so ergeben sich zwischen den Feuerereignissen beträchtliche Unterschiede in den Bilanzen. Für Stickstoff zeigen die Ergebnisse, dass der Austrag durch das Feuer schon nach 1 bis 5 Jahren durch atmosphärische Deposition wieder kompensiert werden kann. Für Kalium liegen die entsprechenden Werte zwischen 3,3 und 26,5 Jahren, für Phosphor zwischen 0,4 und 8 Jahren.

Mahd

Für die untersuchten Mahdflächen errechnet sich in der Stickstoffbilanz eine „Theoretische Wirkungsdauer“ von lediglich 5 Jahren. Für die anderen Nährelemente liegen die Werte höher, z.T. beträchtlich. Da zu kurze Pflegeintervalle aus vegetationsökologischen Gründen nicht möglich sind, kann über Mahd allein unter den gegebenen Bedingungen einer Stickstoffanreicherung nicht entgegengewirkt werden. Ergänzende Maßnahmen sind erforderlich.

Schoppern und Plaggen

Diese in den O- bzw. Ah-Horizont eingreifenden Pflegeverfahren beeinflussen die Systemkomponenten mit den höchsten Nährelementkonzentrationen. Entsprechend hoch sind die errechneten Werte für die „Theoretische Wirkungsdauer“. Sie liegen beim Stickstoff um mehr als das 10-fache über den für die Mahd ermittelten Werten, im Falle des Phosphors werden insbesondere beim Plaggen entsprechend hohe Differenzen erreicht. Für Kalium, das sich in besonderem Maße im Ah-Horizont konzentriert, ist das Plaggen folglich ebenfalls die Methode mit der höchsten theoretischen Wirkungsdauer. Sie wurde für die untersuchte Probefläche auf 176 Jahre kalkuliert.

Hüteschafhaltung

Um den Einfluss der Hüteschafhaltung im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ auf die Nährstoffbilanz der Heideflächen zu untersuchen, wurden sowohl flächen- als auch tierbezogene Methoden angewendet. Messungen mittels Beweidungsausschlussflächen führten in einer intensiv beweideten Heidefläche zu beweidungsbedingten Austrägen über die Biomasse, die im Falle des Stickstoffs bei rund 26 kg pro ha und Jahr lagen. Ergänzend ermittelte Querschnittswerte für ein großräumiges Weidegebiet ergaben für einen 4-monatigen Zeitraum im Winter 5 kg Stickstoff pro ha an Entzug. Untersuchungen mit einem Kotsammelbehälter am Einzeltier lieferten ergänzende Daten über den zu erwartenden Eintrag von Nährstoffen durch Kotabgabe. Im betrachteten Winterzeitraum werden hiernach 30 % des Kots in die beweideten Flächen eingetragen, 70 % verbleiben im Schafstall oder in dessen unmittelbarer Umgebung. Zusammenfassend ergibt sich, dass durch Beweidung bei der in den Untersuchungsgebieten derzeit praktizierten Form der Herdenführung für alle relevanten Nährstoffe in der Summe ein Nährstoffentzug erreicht werden kann. In der Dimension hängen die Stoffausträge erwartungsgemäß von der Beweidungsintensität ab.

4. Auswirkungen der Heidepflege auf die Vegetation der Zwergstrauchheiden

Die auf die Pflegemaßnahmen folgenden Vegetationsentwicklungen wurden mit jährlichen Vegetationsaufnahmen dokumentiert. Im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ standen überdies Ergebnisse von Dauerbeobachtungsflächen zur Verfügung, die z.T. bereits in den 1980er Jahren vom Verein Naturschutzpark zur Kontrolle der Vegetationsentwicklung auf Heidepflegeflächen angelegt wurden. Auf kontrolliert gebrannten Flächen kam es kurzfristig zu einer guten vegetativen und vor allem auch zu einer generativen Verjüngung der Besenheide (Calluna vulgaris). Eine Zunahme der Deckungsanteile der Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), die auch nach Mahd beobachtet werden kann, hat in der Regel nur kurzfristig Bestand. Durch das Brennen wurden Moose nachhaltig geschädigt, ebenso aber auch die meisten Flechten. Einsetzender Aufwuchs von Gehölzen konnte in Sandheiden besser unterdrückt werden als in Moorheiden.

Die Einrichtung einer Beweidungsausschlussfläche in einer intensiv beweideten Heide führte zu einer Zunahme der Anzahl von Pflanzenarten ebenso wie zu einer Zunahme der Dichte von Zwergsträuchern. Im Vergleich mit Schopperflächen verläuft die Wiederbesiedlung von Plaggflächen durch die Besenheide langsamer, doch schon im zweiten Jahr kann die Besenheide über generative Verjüngung zur Blüte kommen.

Die Auswertung der Dauerbeobachtungsflächen zeigt, dass alle derzeit angewandten Pflegeverfahren geeignet sind, über längere Zeiträume zum grundlegenden Ziel der Heideerhaltung und Heideverjüngung beizutragen. Die Unterschiede zwischen den Verfahren in ihren längerfristigen Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung sind nach derzeitigem Kenntnisstand gering. Auf versuchsweise in den 1980er Jahren angelegten Fräs- und Pflugflächen kann es zu gehäuftem Auftreten von heideuntypischen Sippen kommen. Diese Verfahren werden seit längerem nicht mehr angewandt.

5. Auswirkungen der Heidepflege auf die Tierartengemeinschaften der Zwergstrauchheiden

Untersuchungen zu kleinräumigen Auswirkungen der Heidepflege auf die Fauna wurden schwerpunktmäßig am Beispiel ausgewählter wirbelloser Artengruppen (Laufkäfer, Wanzen, Zikaden sowie Webspinnen) durchgeführt. Um überdies auch in großräumigerem Maßstab und für längere Zeiträume die Folgen des Heidemanagements auf die Entwicklung von Habitatqualitäten abschätzen zu können, wurden zusätzlich vorliegende avifaunistische Daten ausgewertet. Vom Winterfeuer unmittelbar betroffen waren nur die wenigen Insekten- und Spinnenarten, die mit unbeweglichen Entwicklungsstadien in den höheren Schichten der Vegetation überwintern. Die Wirbellosen, die sich als Imagines oder Entwicklungsstadien in der Moos- und Rohhumusschicht befinden oder sich mit beweglichen Stadien in die Streu zurückziehen können, waren nicht oder nur gering betroffen, was in Kenntnis der vertikalen Temperaturgradienten beim Vegetationsbrand nicht überrascht. Die mittelfristigen Auswirkungen des Brennens zeigen sich in einer Abwanderung der überlebenden Tiere, die auf lebendes, oberirdisches Besenheide-Gewebe angewiesen sind bzw. deren Räuber. Auf der Brandfläche verbleiben solche Arten, die sich von abgestorbener Biomasse oder von Moosen, Flechten, Besenheide-Samen oder Wurzelgewebe ernähren und deren Räuber oder auch solche Arten, denen das neu austreibende Heidekraut als Nahrungsgrundlage dient. Das veränderte Mikroklima auf den gebrannten Flächen führt zur Zunahme oder Einwanderung von wärme-, licht- und trockenheitsliebenden Arten und einer Abnahme von solchen, die feuchtere und beschattete Habitate bevorzugen.

Im Vergleich beweideter und unbeweideter Flächen ergeben sich vor allem kleinklimatisch begründete Unterschiede in den Artenspektren. Dass durch Beweidung heidetypische und/oder gefährdete Arten verdrängt würden, ist in keinem Fall erkennbar. Die Entwicklung der Brutbestände heidetypischer Vogelarten im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ zeigte in den vergangenen 15 Jahren in den meisten Fällen eine stabile, z.T. auch deutlich zunehmende Tendenz. Ausnahmen lassen sich mit überregionalen Rückgangstendenzen erklären. Das Konzept der Heidepflege, das verstärkt seit den 1990er Jahren neben der Beweidung durch Heidschnucken auch maschinelle Pflegeverfahren (Plaggen, Schoppern, Mahd) sowie kontrolliertes Brennen integriert und in stärkerem Maße als früher auch (z.T. vorübergehende) Verbuschung zulässt, kann vor diesem Hintergrund als erfolgreich bewertet werden.

6. Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Analysen
Zur aus Praxissicht bedeutsamen Frage der Kosten der Pflegemaßnahmen haben detaillierte Kostenerhebungen stattgefunden, mit dem Ziel, neben flächenbezogenen Werten auch Aussagen über die Kosten-Wirksamkeit der Maßnahmen treffen zu können. Die Kostenerhebung erbrachte die in der Tabelle 1 zusammengestellten Kostenspannen für das Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“. Zu beachten sind die unterschiedlichen Bezugszeiträume (Brennen, Mahd, Schoppern, Plaggen: einmalige Durchführung; Beweidung: ein Jahr) und die unterschiedlichen Wirksamkeiten der Maßnahmen, was an der errechneten Kostenwirksamkeit in Bezug auf das Ziel „N-Austrag“ (= Stickstoff-Austrag) deutlich wird.

Eine Bewertung der Maßnahmen allein aufgrund ihrer flächenbezogenen Kosten muss daher unterbleiben.

· Kontrolliertes Brennen: 300 - 380 € / ha,
· Beweidung:  138 - 171 € / ha,
· Mahd:  50 - 500 € / ha,
· Schoppern:  1.500 - 2.000 € / ha,
· Plaggen:  2.800 - 3.500 € / ha.

Eine Aufsummierung aller Kosten für Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ (incl. der Entfernung von Gehölzen) ergibt durchschnittliche jährliche Gesamtkosten in Höhe von 676.000 €.

Durch Befragung von Heidegästen wurden Zahlungsbereitschaften für die Erhaltung von Heidegebieten ermittelt, die auf den volkswirtschaftlichen Nutzen dieser Landschaften schließen lassen. Die mittleren täglichen Zahlungsbereitschaften liegen bei 2 € für Tagesgäste und 1,50 € für Übernachtungsgäste. Bei ca. 252.500 Übernachtungsgästen und 2.200.000 Tagesgästen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ ergibt sich daraus ein potenzieller monetärer Nutzen von etwa 4.700.000 € pro Jahr. Unter Abzug der jährlichen Gesamtkosten für die Pflegemaßnahmen resultiert somit ein potenzieller Netto-Gesamtnutzen für das Naturschutzgebiet in Höhe von ca. 4.000.000 € pro Jahr.

7. Akzeptanz der Pflegemaßnahmen

Über Umfragen wurde im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ anhand ausgewählter Fotografien ermittelt, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen die unterschiedlichen Pflegemaßnahmen beurteilen. Danach wird die Beweidung als Pflegemaßnahme deutlich präferiert, und auch die Mahd erhält gute Noten. Weniger gut werden die Maßnahmen Brennen, Schoppern und Plaggen bewertet. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass ca. 40 % der befragten Besucherinnen und Besucher die Heide fälschlicherweise als „Naturlandschaft“ klassifizierten, erscheint eine intensive Information über die durchgeführten Maßnahmen als erforderlich. Allerdings lassen die Untersuchungen nicht vermuten, dass es zu stärkeren Widerständen in der Bevölkerung gegen einzelne Maßnahmen kommen könnte.

8. Umweltauswirkungen der Heidepflegemaßnahmen

Die Heidepflegeverfahren können positive, aber auch negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt haben. Um schädliche Nebenwirkungen auf die Umwelt weitestmöglich zu vermeiden, wurden die Auswirkungen aus Sicht der umweltrelevanten Schutzgüter bewertet. Die stärksten Auswirkungen gibt es bei allen Verfahren in Bezug auf das Schutzgut Tiere. Unter den Pflegeverfahren schneidet insgesamt die Beweidung am besten ab. Die anderen Verfahren folgen in der Reihenfolge Mahd, Brennen, Schoppern und Plaggen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Pflegemaßnahmen auch in dieser Rangfolge anzuwenden sind. Die negativen Umweltauswirkungen sind in der Regel verhältnismäßig gering, und gleichzeitig gibt es positive Auswirkungen, die bei Verzicht auf das jeweilige Verfahren ggfs. nicht zu erzielen wären.


9. Konsequenzen für die naturschutzfachliche Pflege- und Entwicklungsplanung

Für die Übertragung der Ergebnisse des Forschungsvorhabens in die Praxis wurde ein speziell auf die Bedürfnisse der Pflege- und Entwicklungsplanung magerer Offenlandschaften abgestimmter Planungsprozess entwickelt. In Heiden wird in der Regel eine Dynamik in der Entwicklung und räumlichen Verteilung im Rahmen der zum Heideökosystem gehörenden Sukzessionsabfolgen angestrebt. Bestimmte handlungssteuernde Bestandsparameter müssen daher jährlich erfasst werden, um daraus die im jeweiligen Jahr auszuführenden Maßnahmen ableiten zu können. Im Rahmen der Zielfindung sind die Spannbreite der erwünschten Entwicklungsstadien und die Außengrenzen tolerabler Zustände und Entwicklungen anzugeben (Toleranzgrenzen- oder Leitplanken-Modell). Da das angestrebte zeitliche Nacheinander verschiedener Entwicklungsstadien mit einem räumlichen Nebeneinander der verschiedenen Stadien einhergehen muss, ist im Rahmen der Entwicklungsziele zusätzlich festzulegen, mit welchen Flächenanteilen die verschiedenen Stadien im Zielzustand vorkommen und welche räumlichen Bezüge zwischen diesen Stadien vorliegen sollen. Für das Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ wurden folgende Toleranzgrenzen zur Biotopausstattung bestimmt:
· Entwicklungsstadien der Heiden und Magerrasen von der vegetationsfreien Offensand- oder Rohhumusfläche dürfen maximal bis zum Drahtschmielen- oder Pfeifengras-Degenerationsstadium führen.
· Junge lückige Heide- und Magerrasenstadien ohne Rohhumusschichten und ohne dichte Moospolster nehmen zwischen 10 und 50 % einer jeden zusammenhängenden Heidefläche ein.
· Ältere Heidestadien mit hohen Zwergsträuchern nehmen zwischen 10 und 50 % einer jeden zusammenhängenden Heidefläche ein.
· Von Drahtschmiele oder Pfeifengras dominierte Heidedegenerationsstadien nehmen maximal 25 % einer jeden zusammenhängenden Heidefläche ein.
· Bewuchs mit Waldgehölzen (Verkusselung) darf den Offenlandcharakter der Heide nicht großflächig beeinträchtigen, kleinflächig dichterer Bewuchs mit Waldgehölzen und Wacholder darf allenfalls kurzfristig zum Kronenschluss der beteiligten Gehölze führen, im Mittel über die gesamte Fläche sollte der Deckungsgrad der Waldgehölze nicht über 10 % liegen.

10. Literatur

Becker, K., 1995: Paläoökologische Untersuchungen in Kleinmooren zur Vegetations- und Siedlungsgeschichte der zentralen Lüneburger Heide. – Diss. Inst. f. Geobotanik d. Univ. Hannover, 159 S.
Behre, K.-E., 1976: Beginn und Form der Plaggenwirtschaft in Nordwestdeutschland nach pollenanalytischen Untersuchungen in Ostfriesland. – Neue Ausgrabungen und Forschung in Niedersachsen 10, 197-224.
Gimingham, C. H., 1972: Ecology of heathlands. – Chapman and Hall, London, 266 S.
Haaland, S., 2002: Feuer und Flamme für die Heide – 5000 Jahre Kulturlandschaft in Europa. – Deutsche Bearbeitung und Übersetzung der norwegischen Originalausgabe: Grottian, T., Prüter, J.; Herausgegeben vom Heathcult-Projekt der EU, vertreten durch die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, Verlag H.M. Hauschild, Bremen, 160 S.
Keienburg, T., Prüter, J., Hrsg., 2004: Feuer und Beweidung als Instrumente zur Erhaltung magerer Offenlandschaften in Nordwestdeutschland - Ökologische und sozioökonomische Grundlagen des Heidemanagements auf Sand- und Hochmoorstandorten. - NNA-Berichte 17, 2, Schneverdingen, 221 S.
Keienburg, T., Prüter, J., 2005: Forschung zur Erhaltung von Offenlandschaften - zum niedersächsischen Beitrag im BMBF-Förderschwerpunkt. - Mitteilungen aus der NNA 16, 1, im Druck.


Anschriften der Verfasser:

Dr. Thomas Kaiser, 2. Vorsitzender des VNP
Büro Dr. Kaiser – Arbeitsgruppe Land & Wasser
Am Amtshof 18
29355 Beedenbostel

Dipl.-Umweltwiss. Tobias Keienburg & Dr. Johannes Prüter

Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA)
Hof Möhr
29640 Schneverdingen



Beweidung mit Heidschnucken:

Heidschnucken sorgen mit ihrem Verbiss dafür, dass aufkommende Kiefern und Birken zurückgedrängt werden...

Große Flächen von Heide und Magerrasen werden im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durch Beweidung mit der Grauen Gehörnten Heidschnucke gepflegt. Diese alte Haustierrasse hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in der Lüneburger Heide und ist aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit sehr gut für die Landschaftspflege in diesem Gebiet geeignet. Die Beweidung der Flächen erfolgt in der traditionellen Hütehaltung – so wie es die „alten Heidjer“ jahrhundertelang praktiziert haben. Hierbei werden die Schnuckenherden, die eine Größe von 350 bis 400 Muttertieren plus Nachzucht haben, den ganzen Tag von einem Schäfer betreut. Zurzeit werden acht Heidschnuckenherden, von denen sich sechs Herden im Eigentum der zum Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) gehörenden Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide befinden, zur Landschaftspflege im Naturschutzgebiet eingesetzt. Die Herden werden ganzjährig gehütet, wobei die Übernachtung in Ställen erfolgt. So können Kot- und Harneinträge und damit unerwünschte Nährstoffeinträge in die Heideflächen minimiert werden.

Eine ausreichende Beweidungsintensität ist für das Erreichen eines optimalen Pflegeeffektes Voraussetzung. Die Heide muß so kurz gehalten werden, daß sie von unten immer frisch nachtreibt, denn verholzende Calluna-Pflanzen werden von den Heidschnucken nicht mehr gefressen. Die optimale Wuchshöhe beträgt 10 – 15 cm. Die Beweidung erweist sich auch zur Lösung einiger Probleme in der Landschaftspflege als besonders vorteilhaft. So ist z.B. für die Erhaltung lichtliebender Pflanzengesellschaften im Kontaktbereich von Heideflächen zu Stillgewässern und Mooren die Beweidung das einzig sinnvolle Pflegeverfahren. Auch Gehölzaufwuchs in Heideflächen läßt sich durch Schafverbiss wirksam begrenzen.

Durch Heidschnucken beweidete Heideflächen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide:  mehr als 5.200 Hektar!



Wissenswertes zur Grauen gehörnten Heidschnucke

Anziehungspunkt für viele Besucher des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide: Heidschnucken des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP)...

Die Heidschnucke ist eine alte, bodenständige Schafrasse der Lüneburger Heide, die züchterisch relativ unverändert geblieben ist. Sie ist für die Landschaft im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ein unerlässlicher Landschaftspfleger. Die Futtergrundlage der Heidschnucke bildet die Heide. Das Wort „schnucken“ bedeutet soviel wie naschen. Die Tiere sind stets in Bewegung und naschen die frischen Triebe und Samen der Heide. Das Gras dazwischen wird ebenfalls gefressen – jedoch nur solange es saftig ist.

Die Heidschnucke ist ein sehr scheues Tier und nicht mit anderen Schafrassen zu vergleichen, die sich auch streicheln lassen. Die Schnucke ergreift bei Annäherung Fremder sofort die Flucht und benötigt lange, bis sie ihre Nahrungsaufnahme wieder fortsetzt. In den Augen der Schnucke ist der Schäfer mit seinen Gehilfen, den Hütehunden, der Beschützer der Tiere. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über eine große Fläche. Dadurch ist die Schnuckenherde nicht immer sichtbar. Bei der täglichen Futteraufnahme bewegen sich die Tiere auch entlang der Wanderwege. Um sie nicht unnötig zu stören, einige wichtige Tips zum richtigen Umgang mit den Heidschnucken:

FVerlassen Sie bitte nicht die markierten Wanderwege! Die Heide ist notwendiges Grundfutter der Schnucken. Einer Vielzahl bedrohter Tier-, Vogel- und Pflanzenarten bietet die Heide Nahrung, Brutstätte und Schutz.

FNehmen Sie als Hundeführer bitte Ihren Hund an die Leine! Freilaufende Hunde können großen Schaden an einer Heidschnuckenherde verursachen oder die Hütehunde bei ihrer wichtigen Arbeit stören.

FBei der Futteraufnahme wechseln die Schnucken auch über die markierten Wanderwege. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, bleiben Sie bitte in großem Abstand zur Herde stehen und warten, bis alle Tiere den Weg überquert haben.

FLocken Sie bitte nicht die Hütehunde, um sie zu streicheln! Ein ausgebildeter Hund hat nur Augen für seine Herde. Ein junger Hütehund dagegen könnte in seiner Ausbildung gestört werden. Die Hütehunde sind in der Regel gutmütige Gehilfen des Schäfers. Sie behüten jedoch ihre Herde gegenüber jedem Eindringling -–egal ob Mensch oder Tier.

FDer Schäfer steht Ihnen für weitere Fragen gerne zur Verfügung. Doch haben Sie Verständnis dafür, wenn er mit seinen Schnucken weiterzieht.

Noch ein kleiner Tip am Rande: Durch die ständige Bewegung der Schnucke während der Nahrungsaufnahme und dem Naschen der besten Stücke ist Heidschnuckenfleisch nicht mit Schaffleisch vergleichbar. Es hat einen wildähnlichen Geschmack, ist fettarm und sehr zart. Überzeugen Sie sich selbst nach einer ausgedehnten Heidewanderung und genießen Sie eines der leckeren Schnuckengerichte, die hier in den Hotels und Gasthäusern der Region angeboten werden.



Warum Ziegen in der Landschaftspflege?

Die Ziegenherde in Bockheber beim Gehölzverbiss in den ehmals militärisch genutzten "Roten Flächen"...

1994 begann für den Verein Naturschutzpark (VNP - seit 2008 die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide - und das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide (NSG) ein neues Kapitel der Geschichte. Die veränderte weltpolitische Lage führte bundesweit zu einem Rückzug alliierter Truppen aus Deutschland. Die britische Armee gab ihr großes Panzerübungsgelände im Südteil des NSG sowie die Kasernengelände in Soltau und Camp Reinsehlen auf. Der Rückzug der britischen Truppen wurde begleitet von umfangreichen Renaturierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen, um die Schäden, die durch den jahrzehntelangen Übungsbetrieb entstanden waren, zu minimieren. Vor allem Erosionsschutzmaßnahmen und die Neuentwicklung von Heiden und Magerrasen waren Aufgaben der „Stunde Null“ auf den sogenannten „Roten Flächen“, den ehemals von Panzerketten offengehaltenen Sperrgebieten.

Von Seiten des Naturschutzes wurde die Aufgabe des Fahrbetriebes grundsätzlich sehr begrüßt. Es zeigte sich jedoch, dass ohne ständigen Fahrbetrieb die Offenlandbereiche sehr schnell zu verkusseln drohten. Der Verlust der wertvollen, nährstoffarmen Offenbodenbereiche durch Wiederbewaldung mit Birken und Kiefern zeichnete sich ab. Flächen, die bereits im Alteigentum des VNP waren, konnten sehr schnell nach dem Abzug der Panzer in eine dauerhafte Pflege genommen werden. Die Fahrtrassen von Benninghöfen, nördlich an Tütsberg vorbei Richtung Wulfsberg und Bockheber wurden sofort in das Beweidungsgebiet der vereinseigenen Tütsberger Heidschnuckenherde eingegliedert. Die Tütsberger Schnucken hatten bereits während des Fahrbetriebes auf dem Übungsgelände die verbliebenen kleinflächigen Reste von Altheide gepflegt und konnten nun sehr schnell gegen die aufkommenden Baumschösslinge anfressen.

Schon bald zeigte sich jedoch, dass die Tütsberger Heidschnuckenherde allein dem großen Wiederbewaldungsdruck und der Weite der neuen Pflegeflächen nicht gewachsen war. Innerhalb des VNP wurde deshalb beschlossen, die Schafherden, die auf ehemaligen Panzerübungsflächen weiden, mit Ziegen aufzustocken. 1996 wurden die ersten Ziegen von privaten Haltern für die Herde Tütsberg erworben und nach und nach auch auf die Heidschnuckenherden Schäferhof / Schneverdingen (2001), und Wilsede (nur vorübergehend) – später Heidetal - Haverbeck verteilt. Die neueingerichtete Schäferei Grasengrund erhielt bereits zu Beginn (2004) Ziegen.

Während es mit den Grauen gehörnten Heidschnucken eine perfekt an die Lüneburger Heide angepasste Schafrasse gibt, fehlt eine solche Rasse bei den Ziegen. In Deutschland war die Ziegenzucht historisch bedingt immer auf eine hohe Milchleistung ausgerichtet. In besonderem Maße gilt dies für die Weißen und Bunten deutschen Edelziegen. Die schlanken, kurzhaarigen deutschen Ziegen haben z.T. bezogen auf das Körpergewicht eine höhere Milchleistung als Kühe („Kuh des kleinen Mannes“) und entsprechend auch einen sehr hohen Nährstoffbedarf. Dazu kommt, dass die kurzhaarigen Ziegen im Vergleich zu Heidschnucken der schützende „Pullover“ fehlt und sie deshalb nur bedingt wettertauglich sind.

Für die Ziegenhaltung des VNP wurde deshalb eine Strategie gewählt, die Vor- und Nachteile der Ziegen möglichst gut auszutarieren und durch eine sogenannte Gebrauchskreuzung eine „Heideziege“ zu entwickeln, die mit den Heidschnucken gemeinsam in standortgebundener  Hütehaltung  eingesetzt werden kann. Als Muttergrundlage wurden nach Abschluss der Herdensanierung bei den Schnuckenherden (Austausch von Tieren, die an Lungenadenomatose erkrankt waren) ab 2004 zunächst über mehrere Jahre hinweg Weiße und Bunte Milchziegenlämmer aus anerkannten Biobetrieben mit hohem Gesundheitsstatus (Überwachung durch den Schaf- und Ziegengesundheitsdienst der Tierärztlichen Hochschule Hannover) zugekauft. Aufgrund der einseitigen Ausrichtung der Ziegenzucht auf Milchleistung und des schlechten Marktes für Ziegenlammfleisch sind Ziegenlämmer heute leider ein „lästiges Nebenprodukt“ der Käseerzeugung. Die Milchziegenhalter müssen aus wirtschaftlichen Gründen darauf bedacht sein, die jungen Lämmer so früh wie möglich „los zu werden“, da eine Aufzucht und Mast der jungen Tiere unwirtschaftlich ist. Die Aufzucht der deshalb z.T. sehr klein und jung zugekauften Ziegenlämmer war sehr arbeitsintensiv und auch verlustreich und nur für eine kurze Phase des Bestandaufbaus vertretbar.

Als Vatertiere wurden zunächst reinrassige Böcke der südafrikanischen „Burenziege“ eingesetzt, später auch Mischlingsböcke (Milchziege x Burenziege). Die Burenziegen mit ihrer charakteristischen Zeichnung -  weiß mit rotbraunem Kopf und Hals – sowie den großen Schlappohren, sind anders als die deutschen Ziegen keine Milch,- sondern Fleischziegen. Sie sind im Rahmen deutlich kompakter. Während Milchziegen züchtungsbedingt wie Hochleistungskühe immer recht „hungrig“ aussehen, können Burenziegen auch bei karger Kost noch einen ansehnlichen, breiten Rücken und ausgeprägte Keulen entwickeln und damit verwertbare Lämmer mit brauchbarem Fleischanteil.

Nach mehreren Jahren Kreuzungszucht besteht der größte Teil der VNP Ziegen inzwischen aus Kreuzungstieren der ersten oder zweiten Generation, mit 50 oder sogar 75% Burenziegenblut. Die reinblütigen Milchziegen wurden nach und nach wieder aus den Herden genommen und verkauft oder geschlachtet, weil sie für die Landschaftspflege zu hohe Futteransprüche haben. Die sehr bunt gemusterten Mischlingsziegen haben sich dagegen als leichtfuttrig, marsch- und hütetauglich erwiesen. Sie lassen sich auch, nach anfänglichen Befürchtungen, mit Hunden hüten und sind je nach Engagement des Schäfers sogar handzahm und sehr anhänglich. Bei privaten Hobbyhaltern gelten Ziegen häufig als „intelligent“ und verspielt, im negativen Sinn aber auch als „Ausbrecherkönige“ mit Hang zu Unsinn, Zerstörungswut und Appetit auf Blumenbeete. Durch die Haltung in den Hüteherden mit täglichem Ausgang und viel Abwechslung sind die Mischlingsziegen in den VNP-Herden jedoch sehr „ausgeglichen“ und können wie Heidschnucken, ohne spezielle Sicherungsmaßnahmen gehalten werden, ohne auszubrechen oder die Stalleinrichtung zu zerstören. Ein weiterer Punkt für züchterische Verbesserung könnte in Zukunft die verbesserte Wettertauglichkeit der Ziegen sein. Da die deutschen Ziegenrassen allesamt sehr kurzhaarig sind, müsste für die Einkreuzung eines längeren und gröberen Haarkleides auf sogenannte Bergrassen, vielleicht alpiner Herkünfte zurückgegriffen werden.

Die Ziegen integrierten sich relativ schnell in die Schafherden und den Hütebetrieb und auch die Heidschnucken gewöhnten sich rasch an die neuen Kollegen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich zwischen Schafen und Ziegen eine immer engere Arbeitsgemeinschaft. Neugier und Appetit der Ziegen auf Gehölze sind stark ausgeprägt und so machten sie sich von Anfang an auf die Suche nach Gehölzen. Während die meisten Schnucken Gehölze im Sommer eher verschmähen, fressen Ziegen ganzjährig Triebe und Rinde. Durch ihr anderes Freßverhalten und die Fähigkeit zum Aufrichten auf die Hinterbeine gelingt es den Ziegen, wesentlich höhere Teile von Junggehölzen zu erreichen und zu entrinden und entblättern. Die Ziegen arbeiten dabei inzwischen z.T. auch in Teams mit den Heidschnucken. Die großen Ziegen, oft Hammel, angeln mit der Schnauzen und soweit vorhanden mit den Hörnern die dünnen Stämme von jungen Birken und Kiefern herunter, so dass Ziegen und Schnucken bequem am Boden fressen können. Und wo eine Ziege alleine nicht ausreicht, kommt auch schon einmal eine weitere zur Unterstützung, die nach Art der Bremer Stadtmusikanten das Futter aus größerer Höhe herunter holt. Nach 13 Jahren Erfahrung mit der Haltung von Ziegen in gehüteten Heidschnuckenherden lässt sich der positive Pflegeeffekt auf allen ehemaligen "Roten Flächen" (Panzerübungsflächen) bestätigen.

Die guten Erfahrungen mit den gemischten Schaf- und Ziegenherden führten 2007 / 2008 vereinsintern zu der Entscheidung eine reine Ziegenherde für die Landschaftspflege aufzubauen. Auf Teilbereichen der ehemaligen „Roten Flächen“ ist der Druck durch Birken- und Kiefernjungwuchs auch nach 14 Jahren intensiver  mechanischer Pflege sowie Beweidung mit den gemischten Herden immer noch zu groß. Das Beweidungsgebiet der Tütsberger Schnuckenherde ist über 1.000 ha groß, so dass insbesondere die weit vom Stall entfernt liegenden Bereiche im „toten Winkel“ in den vergangenen Jahren starke Verkusselung aufwiesen. So kam die Idee einer „Eingreiftruppe“ aus Ziegen zur Unterstützung aufkam. Als Standort für eine solche Landschaftspflegeherde wurde der Hof Bockheber ausgewählt. Diese Hofstelle ist bereits seit 80 Jahren im Eigentum des Vereins und liegt strategisch günstig zu den stark pflegebedürftigen Renaturierungsflächen. Die Nutzflächen des Hofes werden vom Landschaftspflegehof Tütsberg aus bewirtschaftet, die Heidepflege übernahmen bislang die Grasengründer und Tütsberger Herden. Ab 2007 wurde mit den Vorarbeiten für den neuen Ziegenhof begonnen. Zur Verfügung stand ein historischer, denkmalgeschützter Schafstall, der z.T. baufällig war und umfangreich in Stand gesetzt werden musste. Dieser alte Schafstall ist für eine moderne, große Schnuckenherde viel zu klein, aber für ca. 100 Ziegen ausreichend groß. Das Äußere des reetgedeckten Fachwerkgebäudes wurde nicht verändert, im Inneren wurde jedoch mit moderner Stalltechnik eine artgerechte und arbeitswirtschaftlich günstige Unterkunft speziell für Ziegen geschaffen.

Im Sommer 2008 wurde Frau Mohrmann, die bereits seit 2004 in der Schäferei Grasengrund gemeinsam mit Andreas Walter die dortige Heidschnuckenherde betreute, für die Betreuung der Ziegenherde angestellt. Aus den Herden Tütsberg und Grasengrund wurden 120 Milch- und Mischlingsziegen abgezogen und zur neuen Herde Bockheber zusammengestellt. Ein Teil der Milchziegen wurde jedoch schon bald verkauft, da diese Tiere mit dem geringen Futterangebot auf den verkusselten Flächen nicht zu recht kamen. Im Herbst wurden deshalb noch einmal Ziegen (Burenziegen) zugekauft, um die Herdengröße von ca. 100 Tieren zu halten.

Anders als die Heidschnuckenherden und die gemischten Ziegen-Schafherden, werden die Bockheberer Ziegen überwiegend stationär gehalten und nur in zeitlich begrenzten Ausnahmefällen gehütet. Die Schäferin steckt dazu große Koppeln mit Elektrozäunen ab, die je nach Futteraufwuchs dann für ein bis mehrere Tage von den Ziegen beweidet werden. Im Winter werden die Ziegen im Stall Bockheber aufgestallt. Von dort aus werden sie bis zum Beginn der Lammzeit noch täglich zu den Koppeln gehütet und abends wieder aufgestallt. Die Ablammung soll dann im Stall stattfinden und bei guter Witterung zum Frühjahr hin soll der Pferchbetrieb dann wieder ganztägig aufgenommen werden. Die mobilen Weideflächen müssen sehr gut abgespannt und geerdet werden, sowie mit leistungsfähigen Weidezaungeräten versehen sein, um eine ausreichende Hütesicherheit zu gewährleisten. Bislang haben die Ziegen sehr gute Pflegeleistungen und hohe Verbißraten an Gehölzen geleistet und die Zäune dabei weitgehend toleriert. Um Hütesicherheit und Verkehrssicherheit zu gewährleisten, ist es erforderlich, die Herde täglich, zeitweise auch mehrmals zu kontrollieren und zu versorgen und alle Zäune täglich zu überprüfen. In Einzelfällen ist es auch erforderlich, besonders problematische Tiere („Ausbrecherkönige“) zu schlachten, um den neugierigen und lernfähigen Ziegen keine schlechten Vorbilder zu geben.

Um eine hohe Verbißleistung zu erreichen, müssen die Ziegen das Gros ihres Nährstoffbedarfes in den Heideflächen aufnehmen. Im Stall erfolgt nur eine anteilige Zufütterung mit Kraft- und Mineralfutter, so wie bei schlechtem Wetter und während der Lammzeit auch mit Grundfutter (Grassilage). Alle Futtermittel (mit Ausnahme des Mineralfutters) stammen dabei aus biologischer Produktion und überwiegend hofeigener Erzeugung vom Landschaftspflegehof Tütsberg.



Naturschutzgroßprojekt "Lüneburger Heide" - eine Erfolgsstory...

Eine Vielzahl von unterschiedlichen Lebensräumen konnten durch das Naturschutzgroßprojekt durch Ankauf oder langfristige Pacht von Flächen gesichert werden...

Das im Dezember 2004 abgeschlossene Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide wurde im Jahr 1991 gestartet. In das Kerngebiet dieses Großprojektes wurde eine Fläche von etwas mehr als 12.000 ha aufgenommen, die komplett im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide liegt. Alle im Rahmen des Großprojektes durchgeführten Teilprojekte wurden zu gerundet 75 % durch den Bund, zu 14 % durch das Land Niedersachsen und zu 11 % durch Mittel des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) finanziert.

Insgesamt wurden im Rahmen dieses Projektes knapp 9 Mio. EUR für Flächenankäufe des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) sowie mehr als 1,3 Mio. EUR für die langfristige Pacht naturschutzwürdiger Flächen verausgabt. Durch diese Mittel konnten mehr als 363 ha Heide, 178 ha Grünland sowie 877 ha Wald angekauft werden. Die langfristige Pachtung beläuft sich auf eine Fläche von mehr als 930 ha. Ersteinrichtende Biotopschutzmaßnahmen wurden auf diesen Flächen mit einem Finanzvolumen von knapp 3,2 Mio. EUR umgesetzt.

Im Rahmen der Pflege- und Entwicklungsplanung wurden erstmalig für das Gebiet Bestandsaufnahmen von Tier- und Pflanzenarten erhoben, die eine Bewertung des Ist-Zustandes, der Defizite und daraus abgeleitet der erforderlichen biotoplenkenden Maßnahmen ermöglichten. Das Großprojekt ermöglichte ferner die Renaturierung langer Abschnitte der meisten Fließgewässer im Schutzgebiet. Durch Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoorkomplex wurden deutliche Wasserstandsanhebungen in den zentralen Moorkörpern des Pietzmoores, des Möhrer Moores und des Bockheberer Moores erreicht. Nach Jahrzehnten der Nährstoffanreicherung in den Heiden durch atmogene Einträge gelang es durch die Mittel des Naturschutzgroßprojektes, durch Biomassenentnahme über ein breites Maßnahmenspektrum eine positive Austragsbilanz zu erreichen. Die Altheideflächen zeigen sich nach Abschluss des Projetes heute strukturreich und weisen in allen Arealen Teilflächen mit geringer Rohhumusbelastung auf.

Durch Abzug der militärischen Übungskräfte aus einem über 3.500 ha großen Areal des heutigen Naturschutzgebietes im Jahr 1994 ergab sich während der Projektlaufzeit die große Chance zur Renaturierung der durch Panzer verwüsteten Übungsflächen. Die im Rahmen des Großprojektes durchgeführten Maßnahmen zur Gehölzentnahme, zur Heideeinsaat und zur Sicherung der Dauerpflege durch eine neu aufgebaute Heidschnuckenherde bilden eine entscheidende Grundlage für die Vergrößerung der Heideflächen im Gebiet auf heute über 5.200 ha. Infolge der biotoplenkenden Maßnahmen konnten sich die Bestände der meisten gefährdeten Arten im Gebiet der Lüneburger Heide erhalten oder deutlich stabilisieren. Hervorzuheben ist hier besonders die positive Bestandsentwicklung des Birkhuhns.

Eine Besonderheit dieses Projektes liegt darin, dass vorrangig Kulturlandschaften - besonders Heiden - gesichert und gepflegt wurden. Somit ist der VNP als Projektträger gemeinsam mit dem Land Niedersachsen nach Abschluss des Projektes in besonderem Maße gefordert, die durch Projektmittel erworbenen und erstinstandgesetzten Flächen in eine Dauerpflege zu überführen und somit langfristig einen guten Erhaltungszustand zu sichern.

Abschließend lässt sich feststellen: das Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide hat einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland geleistet. An dieser Stelle sei allen Mitarbeitern und ehrenamtlich Tätigen herzlich gedankt, die bei der Umsetzung des Projektes mitgewirkt haben. Alle Akteure waren mit hoher Motivation eingebunden und haben zum Erfolg beigetragen.



Die Dülmener vom Radenbachtal...

Haben sich gut eingelebt in der Lüneburger Heide - die Dülmener Pferde...

Seit nunmehr sechs Jahren unterstützt eine Herde Dülmener Pferde die Rinder, Schafe und Ziegen der zum Verein Naturschutzpark e.V. gehörenden Stiftung Naturschutzpark bei der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Das Naturschutzgroßprojekt mit Förderung des Bundesumweltministeriums sowie weitere Fördertöpfe ermöglichten die Einrichtung mehrerer großer Koppeln im Radenbachtal (ca. 150 ha) und in Wilsede (ca. 10 ha) sowie den Ankauf einer ersten kleinen Herde von sechs Stuten.

Die Pferde und die parallel dazu erworbenen 20 „Wilseder Roten“ Mutterkühe sollen im Radenbachtal zwischen Döhle und Undeloh als „experimentelle Rasenmäher“ mit ihrem Verbiss das Feuchtgrünland im Talgrund offen halten und eine stärkere Vernetzung von Grünland, Wald und Heide herstellen. Die Großtiere sind eine Ergänzung zu den Schafherden, die traditionell großflächig für die Pflege der Heide- und Grünlandflächen im Naturschutzgebiet eingesetzt werden. Durch ihr anderes Fressverhalten können Rinder und Pferde Problemarten wie z.B. das Pfeifengras sehr effektiv kurz halten. Und auch der Dung des Großviehs ist aus Sicht des Naturschutzes von Bedeutung. In den Kuhfladen und Pferdeäpfeln entwickelt sich eine reiche Vielfalt an Insekten, von der dann die Vogelwelt wieder profitiert.

Das Dülmener Pferd ist eine alte Haustierrasse und kein Wildpferd im zoologischen Sinn. Es ist die einzige in Deutschland heimische Robustpferderasse. Die Dülmener leben seit Jahrhunderten ganzjährig im Freien auf sehr großen Koppeln. Der Bestand des Dülmener Pferdes ist extrem klein. Neben der großen, international bekannten Herde des Herzogs von Croy gibt es nur wenige Tiere in Privatbesitz. Die Dülmener sind als bedrohte Haustierrasse von der EU anerkannt und werden in der „Roten Liste der bedrohten Haustierrassen“ geführt.



Was die zum Verein Naturschutzpark e.V. gehörende Stiftung Naturschutzpark sonst noch an Landschaftspflege betreibt:

Tief gestaffelte Wald - Heide - Übergangsbereiche bieten vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum...
  • Schaffung von tief gestaffelten Heide-Wald-Übergangsbereichen
  • Heideaussaat auf ehemals militärisch genutzten Flächen (das Saatgut wird durch Mahd von Altheiden selbst gewonnen) 
  • Rodung von „Spätblühender Traubenkirsche“, Grauerlen und anderen nicht standortgerechten Gehölzen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide
  • Eichen- / Buchen-Voranbau in VNP-Wäldern


Fortsetzung der Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor

Minibagger bei der Neuerrichtung von Moordämmen im Pietzmoor bei Schneverdingen...

Im Zeitraum zwischen Oktober 2004 und Dezember 2004 wurden im Auftrag des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) im Pietzmoor, im Möhrer Moor und im Bockheberer Moor umfangreiche Renaturierungsarbeiten durchführt. Alle aufgeführten Moore gehören, ebenso wie das Freyersener Moor, zum Pietzmoor-Komplex, einer Kette von Hochmooren, deren Entstehung vor rund 10.000 Jahren begann (Lütkepohl 1997). Das Pietzmoor liegt als größtes der vier Moore südöstlich der Stadt Schneverdingen und bildet die Quellregion für die Böhme und die Veerse.

Die Moore

Hochmoore entwickeln sich durch das Wachstum von Torfmoosen (Sphagnen). Die Sphagnen (Bild 1) sind ganz besondere Pflanzen, weil sie sich problemlos im Wasser mit niedrigem pH-Wert entwickeln können. Der unterste Teil der Pflanze stirbt fortlaufend ab und aus den Pflanzenresten bildet sich im Laufe von vielen Jahren Torf und im Laufe tausender Jahre eine mehrere Meter dicke Torfschicht. Die wachsenden Teile der Sphagnen bilden stets die oberste Schicht eines intakten und durch sein stetiges Wachstum uhrglasförmig aufgewölbten Hochmoores. Der Torf und die Torfmoose selbst speichern große Wasser- und Nährstoffmengen. Nur der Wasserüberschuss wird abgegeben, wodurch Moore zu Quellgebieten wie z.B. für die Böhme oder die Veerse werden. #

Wenn die Moore entwässert werden, weil Torf gestochen, oder gar maschinell abgebaut werden soll, funktioniert das System Hochmoor nicht mehr. Die aufgewölbte Torfschicht sackt wie im Pietzmoor mehr und mehr zusammen. Die Torfmoose sterben aufgrund des Wassermangels nach und nach ab, die Wasserhaltefähigkeit des Torfkörpers geht verloren und die Torfschichten sind nicht mehr frei von Luftsauerstoff. In der Folge kommt es zu Mineralisierungsprozessen, die eine Umsetzung des abgestorbenen pflanzlichen Materials, des Torfes, zu Humus bewirken und die Moorentwicklung umkehrt. Dabei werden auch die gespeicherten Nährstoffmengen freigesetzt und die über den Niederschlag eingetragenen Nährstoffe aus der Luft nicht mehr gebunden. Diese Prozesse laufen seit dem Beginn der Entwässerungen und des anschließenden Torfabbaus auch im Pietzmoor ab und lassen sich bis in die heutige Zeit trotz der Anstaumaßnahmen der achtziger Jahre auch im Zentrum des Pietzmoores nachweisen (Glatzel 2005 mündl.).Wenn diese Prozesse über einen längeren Zeitraum ablaufen, reichert sich der Torfkörper so stark mit Nährstoffen an, dass eine Rekultivierung des Moores trotz steigender Wasserstände nicht mehr möglich sein wird. Glücklicherweise bestehen aber noch realistische Chancen zur Rekultivierung.

Die Wiederbelebung des Pietzmoor-Komplexes

Um den Prozess der Moorentwicklung wieder anstoßen zu können, musste zunächst einmal die andauernde Entwässerung des Moorkörpers gestoppt werden. Bereits Mitte der 80er Jahre wurden aus diesem Grunde die von Menschenhand geschaffenen Entwässerungsgräben in den zentralen Moorbereichen gekammert und der Wasserstand eines der drei Ausflussgräben durch ein Wehr aus Stahl um viele Zentimeter erhöht. Unter der Kammerung eines Entwässerungsgrabens (siehe Bild 2) ist eine abschnittsweise Verfüllung der Gräben mit anstehendem Bodenmaterial auf einer Länge von bis zu zwei Metern zu verstehen. In der Folge konnten sich die Torfschichten ganz langsam mit Wasser sättigen und teilweise wieder anaerobe Verhältnisse hergestellt werden.

Trotz dieser positiven Entwicklungen waren die im letzten Jahr durchgeführten Wiedervernässungs- und Entkusselungsmaßnahmen notwendig. Denn der Pietzmoor-Komplex leidet immer noch unter Wassermangel, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheint, weil dem Besucher des Pietzmoores, der sich das Hochmoor über den sehr bekannten Rundwanderweg erschließt, eine Vielzahl von Wasserflächen ins Auge fallen. Es sind die ehemaligen Torfstiche, die sich durch dieRenaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte wieder mit Wasser füllten. Die durch den Wasseranstieg abgestorbenen Bäume erscheinen dem Wanderer heutzutage als skurrile Gestalten im Moor und prägen das Bild der ehemaligen Torfstiche.

Doch für die meisten Flächen im Pietzmoor reichen die Wasserstandshöhen noch nicht für die Entwicklung einer hochmoortypischen Vegetation aus und bieten den daran angepassten Tierarten, wie dem Moosbeeren-Scheckenfalter (siehe Bild 3), noch keinen geeigneten Lebensraum. Sowohl der auf den nicht abgetorften Rücken wachsende Wald, als auch die Vergrasung der durch die Heidschnuckenbeweidung und durch die mechanische Pflege offen gehaltenen Flächen innerhalb der Moorbereiche und die besonders in trockenen Sommern auch noch im Kern des Hochmoores ablaufenden Mineralisierungsprozesse (Glatzel 2005, mündl.), sind ein deutliches Zeichen für die noch nicht vorhandene Wassersättigung. Im Zentrum eines Hochmoores können sich unter natürlichen Umständen lediglich einige wenige, kümmerlich wachsende Kiefern und Birken halten.

Aufgrund dieser Situation stellte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) aus Bonn im Jahr 2004, dem letzten Jahr des Naturschutzgroßprojektes, umfangreiche Finanzmittel für die Fortsetzung der Renaturierung des Pietzmoor-Komplexes zu Verfügung, die von Oktober bis Dezember des letzten Jahres maßnahmenbezogen ausgegeben werden konnten. Das Naturschutzgroßprojekt Lüneburger Heide war ein Programm, welches von 1991 bis 2004 Gelder für Ankauf und Erstinstandsetzungsmaßnahmen im „Naturschutzgebiet Lüneburger Heide“ zur Verfügung stellte. Die Schaffung eines Zustandes, auf dessen Grundlage sich eine natürliche Hochmoorentwicklung entwickeln kann, gehört dazu.

Wiedervernässung

Vor Beginn der Maßnahmen betraute der VNP die Fa. TopoSys mit der Aufgabe, ein digitales Höhenmodell (Bild 4) zu entwickeln. Der Pietzmoorkomplex ist in der Folge durch Laserstrahlen, die Anfang September 2004 aus einem in einer Höhe von ca. 1.100 Metern fliegenden Flugzeug abgeschickt wurden, vermessenworden. In einem 1 m Raster trafen die Strahlen sowohl auf Acker- und Wasserflächen als auch auf Wälder und Straßen. Aus den jeweiligen Laserentfernungswerten konnten Punkte berechnet werden, denen eine genaue Lage im Raum und in der Höhe über Normal Null (ü. NN) zugeordnet werden konnten. Die Ungenauigkeit der Höhenmessung liegt bei unter 15 cm und die Lagegenauigkeit der Messpunkte bei unter 50 cm. Wenn Laserstrahlen nicht bis zum Erdboden durchdringen konnten, weil die Strahlen einen Ast trafen oder dichte Belaubung ein zu großes Hindernis darstellte, wurden die tatsächlichen Höhen der Erdoberfläche auf der Grundlage genauer, benachbarter Messpunkte errechnet. Das Fachbüro entwickelte aus dieser Fülle von Informationen ein Digital Terrain Model (DTM), welches einem Höhenmodell mit herausgefilterter Vegetationsdecke entspricht.Leider konnte dieses Verfahren nicht in allen Fällen zur Anwendung kommen, wodurch auch Bereiche vorliegen, denen keine Messwerte zugeordnet werden konnten. Auf den farbigen Kartendarstellungen treten sie als weiße Flächen auf, nehmen glücklicherweise aber nur kleine Bereiche ein (siehe Bild 4).

Dank des digitalen Höhenmodells war es möglich, zusätzlich zur Ausbesserunginzwischen undicht gewordener Verfüllungen, neue Kammerungen anzulegen. Denn bereits vor Beginn der Maßnahmen konnte eine Abschätzung der sich einstellenden Wasserstände vorgenommen und eine Gefährdung besiedelter Bereiche ausgeschlossen werden. Die klassische Methode zur Reduzierung des Wasserabflusses aus einem Hochmoor besteht in der Kammerung der Entwässerungsgräben. Die im vergangenen Jahr erstellten, rund 200 Stauvorrichtungen, wurden hauptsächlich durch den Einsatz von Minibaggern geschaffen, die über 200 Mitte der achtziger Jahre eingebrachten Verfüllungen noch vollständig durch den Einsatz von Muskelkraft. Aber es wurden nicht nur neue Kammerungen geschaffen, sondern auch 120 der alten Kammerungen ausgebessert. Warum es erforderlich ist, die gesamte Länge eines Entwässerungsgrabens innerhalb eines Moores abschnittsweise zu verfüllen und es nicht ausreicht, die Entwässerungsgräben nur beim Verlassen eines Moorkörpers zu stauen, erklärt sich durch die Uhrglasform eines Hochmoores. Besonders im Pietzmoor ist es wichtig, das Wasser im Zentrum zu halten, dort wo es am höchsten hinaufgewachsen ist. Das gestaute Niveau am Moorrand wird demnach niemals zu einer Wiedervernässung des Hochmoorkerns führen. Deshalb ist eine abgestufte Kammerung, die das Wasser Stufe für Stufe höher staut, unabdingbar.

Über die Anstaumaßnahmen in den Entwässerungsgräben hinaus sind auch Torfstiche, meist durch einen Damm an der schmalsten Stelle, geteilt worden. Es ist richtig, dass in den meisten Torfstichen keine Fließbewegungen zu erkennen sind und ihre Abflüsse bereits vor 20 Jahren abgedichtet wurden, doch ist es andererseits auch sonderbar, warum sich die meisten Torfstiche trotz ergiebiger Niederschläge niemals bis zur Oberkante mit Wasser füllen. Und tatsächlich stieg der Wasserstand in einigen geteilten Torfstichen bereits nach wenigen Tagen einseitig enorm an. Demnach existieren nicht erkennbare Wasserabflüsse, die auch kaum zu stoppen sein werden und lediglich ausgegrenzt werden können. Die Dämme wurden in der Regel, nachdem die Minibaggerfahrer ihre Arbeit erledigt hatten, wieder mit der zuvor entnommenen Vegetationsdecke versehen, um sie vor Ausspülung durch den Niederschlag zu schützen. Die Bagger flachten die Kanten der in der unmittelbaren Umgebung der Dämme entstandenen und sich mit Wasser füllenden Aushublöcher zumindest zu einer Seite hin mit der Baggerschaufel stark ab, um den Torfmoosen ein möglichst schnelles Anwachsen zu ermöglichen. Die Teilung der Torfstiche bewirkt aber nicht nur ein halbseitiges Ansteigen der Wasserstände, sondern reduziert zudem den windbedingten Wellenschlag, der dem Anwachsen der Torfmoose neben den steilen Torfstichkanten abträglich ist. Das Abflachen dieser Kanten war zwar angedacht, doch konnte es aus Zeit- und Kostengründen nicht umgesetzt werden.

Reduzierung der Verdunstung

Es ist allgemein bekannt, dass Bäume über ihre Blätter viel Wasser verdunsten. Deshalb wirken die Gehölze, die sich infolge der Entwässerungsmaßnahmen im Zentrum der Moore etablieren konnten, den Bedingungen für die Wiederbelebung einer natürlichen Moorentwicklung entgegen. Aus diesem Grund ist eine Entnahme von Waldkiefern, Sand- und Moorbirken aus einer sich natürlicherweise baumfrei haltenden Hochmoorfläche eine effektive Naturschutzmaßnahme. Zunächst wurde eine Kiefernwaldfläche, die unmittelbar an den Emmely-Weg angrenzte, mit dem Harvester geerntet. Der Bagger, welcher mit extra breiten Moorketten ausgestattet, im Anschluss daran, weiter im Kernbereich des Pietzmoores mit einem Spezialwerkzeug Bäume entnahm, konnte die bereits bestehende, große Freifläche im Moor um gute 2,5 Hektar erweitern. Der Bagger legte die zuvor dicht stehenden Gehölze in den angrenzenden Torfstichen ab, wo sie, vom Wasser umschlossen, keinen negativen Einfluss auf die Nährstoffverhältnisse eines Hochmoores ausüben. Ein Teil des abgekniffenen Holzes wurde aber auch verbrannt, wenn die Kneifflächen zu weit entfernt von den Torfstichen lagen.

Auch die Minibagger kamen bei der Gehölzzurückdrängung noch einmal zum Einsatz. Sie drängten die bis zu vier Meter hohen Birken, die eine bereits aufgelichtete Flächen östlich des Emmely-Weges wieder besiedelt hatten, noch einmal zurück, indem sie die Birken mit ihren Wurzelballen ausgruben, abschüttelten und haufenweise zusammen legten. Die entstandenen Löcher wurden mit dem abgeschüttelten, torfigen Material wieder verfüllt. Auf Dauer können nur erhöhte Wasserstände solche Flächen sichern, bis dahin sind wir aber auf den Gehölzhunger der Heidschnucken und vor allen Dingen der Ziegen angewiesen.

Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes waren darüber hinaus auch Maßnahmen, die der Zurückdrängung der Bewaldung in den Moorrandbereichen und der Schaffung von Verbindungen mit der Heide dienlich sein konnten, vorgesehen. So konnte am Nordrand des Pietzmoores ein anmooriger, noch lichter Bereich, der allerdings zuzuwachsen drohte, wieder aufgelichtet werden. Die mit der Motorsäge gefällten Kiefern und Birken mussten aufgrund des nassen Untergrundes, welcher der Moorlilie (Narthecium ossifragum) (Bild 7) gute Wuchsbedingungen bietet, mit der Seilwinde herausgezogen werden. Am östlichen Rand des Pietzmoores ist ein Waldrand stark aufgelichtet und auf einigen hundert Metern Länge tief gestaffelt worden, wodurch eine reichhaltige Verzahnung mit der angrenzenden Heidelandschaft geschaffen werden konnte. Weiterhin entstand am Nordrand des Bockheberer Moores ein, dem lichten Wald des Moorrandes entsprechender, locker gestalteter Wald-Heide-Übergangsbereich. Den naturfremden, sehr dicht gepflanzten Erosionsschutzstreifen, der sich unter anderem aus artfremden Baumarten wie Bergkiefern und Grauerlen zusammensetzte, entfernte ein Kneifer bis auf einen lockeren Kiefernbestand vollständig. Die Durchwanderbarkeit lichter Wälder der Moorrandbereiche verhindern aber auch die nicht natürlich vorkommenden Fichten, die besonders im Bereich des Möhrer und des Bockheberer Moores durch die Naturverjüngung aus Fichtenforsten heraus sehr zahlreich geworden sind. Die einwandernden Fichten sind im Stande, lichte Kiefern-, Birken und Eichenwälder vollständig auszudunkeln. Die Folge ist, dass lichtbedürftige Arten nicht mehr von der Heide durch diese Wälder bis hin zum Moor wandern können. Aus diesem Grunde wurden zahlreiche Fichten geringelt, die in der Folge absterben werden.

Ausblick

Im Herbst 2004 sind vielfältige Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor, im Möhrer Moor und im Bockheberer Moor durchgeführt worden und die Bedingungen für die Moorentwicklung haben sich wesentlich verbessert. Dennoch wird es auch in der Zukunft notwendig sein, den Zustand der Kammerungen im Auge zu behalten und im Bedarfsfall Ausbesserungsmaßnahmen vorzunehmen. Die Heidschnuckenbeweidung im Bereich der Moore muss genau geplant und dem jeweiligen Vegetationszustand angepasst durchgeführt werden. Denn die Beweidung ist ganz entscheidend für den dauerhaften Erfolg der Entkusselungs- und Auflichtungsmaßnahmen, zumindest solange, bis allein der angehobene Wasserspiegel für die Zurückdrängung der Gehölze sorgen kann.

Literatur

LÜTKEPOHL, M. 1997: 11. Die Moore. In: Cordes, H., Kaiser, T., v.d. Lancken, H., Lütkepohl, M., Prüter, J.; Hrsg. (1997): Naturschutzgebiet Lüneburger Heide –Geschichte-Ökologie-Naturschutz. Verlag H.M. Hauschild GmbH, Bremen, 101-112.



Streuobstwiese mit alten Hochstammsorten bei Niederhaverbeck angelegt

Obstbäume alter Hochstammsorten wurden bei Niederhaverbeck gepflanzt...

Nahe dem Hotel "Landhaus Haverbeckhof" in Niederhaverbeck wurden vor einigen Jahren insgesamt 72 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt. Die Pflanzung erweitert den in unmittelbarer Nähe liegenden historischen Obstgarten des VNP. "Celler Dickstiel", "Goldparmäne", Hauszwetsche und "Bürgermeisterbirne" - so heißen die Sorten einiger Bäume, die nach umfangreichen Vorarbeiten geplfanzt worden sind. Diese und andere Sorten standen früher als Einzelbäume oder kleinen Obstwiesen rund um viele Bauerhöfe der Heidjer - sind aber nur zu oft nicht nachgepflanzt oder gepflegt worden. Dem hat der VNP an dieser Stelle Abhilfe geschaffen - und nicht nur hier: weitere 12 Hochstamm-Obstbäume wurden im Zuge dieser Aktion am VNP-Landschaftspflegehof Tütsberg gepflanzt. Weitere Pflanzungen sind - wo möglich und sinnvoll - geplant.

Wenn sich bei den neu gepflanzten Obstbäumen ein Ertrag einstellt, sollen die Früchte wie die aus dem genannten historischen Obstgarten z.B. zu naturtrüben Apfelsaft weiterverarbeitet werden. Wer diesen Saft schon mal probiert hat, der weiß: "Landschaft schmeckt lecker"!



Über den Tellerrand gesehen: die Heidelandschaften des atlantischen Europa...

Von Norwegen bis nach Portugal reichen die Heiden Mitteleuropas... ein Stück europäisches Naturerbe!

Initiativen zur Erhaltung und Entwicklung eines gemeinsamen kulturlandschaftlichen Erbes

Der nasse Norden, die flache Mitte, der bunte Süden – so lassen sich in Kurzform die unterschiedlichen Ausprägungen der atlantischen Heidelandschaften Europas von Norwegens Küsten im Norden über West- und Teile Mitteleuropas bis nach NW-Portugal benennen. Sie gehören zu den ältesten Kulturlandschaften Europas, entstanden aus gemeinsamen Wurzeln vor mehr als 5000 Jahren. Sie entwickelten sich durch fortschreitende Entwaldung auf weithin basen- und nährstoffarmem Ausgangsgestein im atlantisch geprägten Klima. Ganzjährige Weidenutzung auf den weiträumigen entstandenen Heiden (outfields) und kleinräumiger Ackerbau auf mit Nährstoffen angereicherten Feldern (infields) waren die prägenden Nutzungsformen. Räumlicher Nährstofftransfer in den Regionen hielt dieses System über lange Zeit aufrecht. Wenngleich Heiden heute nur noch in kleinen Resten vorhanden sind und ihre Bedeutung als Agrarlandschaften weithin erloschen ist: Sie prägten landschaftliche und kulturelle Identität des gesamten Raumes. Sie fördern als Erholungsgebiete vielerorts die Regionalentwicklung. Sie brachten Lebensgemeinschaften hervor, die heute im europäischen Naturschutz von gemeinschaftlichem Interesse sind.

Internationale Zusammenarbeit erweist sich als dringend erforderlich, um Einheitlichkeit und Vielfalt europäischer Heidelandschaften zu verstehen und zu vermitteln. Unterschiedliche Strategien zur Erhaltung der noch vorhandenen Heiden, wie sie sich in den beteiligten Ländern entwickelt haben, liefern wechselseitig neue Ideen und Impulse. Ein schon lange bestehendes Forum für diesen Austausch ist das European Heathland Network. Ein EU-Förderprojekt namens HEATHCULT lieferte überdies in den vergangenen Jahren mit Publikation und Ausstellungen wichtige Grundlagen für das Verständnis des gemeinsamen Kulturerbes. Diese internationalen Initiativen werden im Folgenden kurz vorgestellt.

European Heathland Network

Dieses Netzwerk bildet eine lockere Verbindung zwischen all denjenigen, die sich vorrangig mit wissenschaftlichem Ansatz aber auch unter praktischen Aspekten mit Heidelandschaften im atlantischen Europa befassen. Es dient dem Austausch von Erfahrungen und Informationen vorrangig im ökologischen Bereich. Auf das Thema bezogene Literatur wird systematisch dokumentiert. Das Netzwerk schafft Grundlagen, länderübergreifende Schutzkonzepte zu entwickeln  und in den politischen Raum zu tragen. Ins Leben gerufen wurde dieser Verbund vor rund  20 Jahren u.a. von Prof. Dr. Charles Gimingham, Aberdeen, Prof. Dr. Nigel Webb, Wareham/Dorset, Prof. Dr. Bernard Clement, Rennes sowie Dr. Jacques de Smidt, Amsterdam. Das Netzwerk steht allen Interessierten offen. Eine Informationsplattform im Internet stellt English Nature unter www.english-nature.org.uk zur Verfügung.
Über das Netzwerk werden in regelmäßigen Abständen European Heathland Workshops organisiert, die dem unmittelbaren Austausch dienen und Gelegenheit bieten, die Heidelandschaften in anderen Regionen Europas kennen zu lernen. Sie fanden zuletzt  im norwegischen Bergen sowie im Jahre  2001 auf den schottischen Orkney-Inseln statt. Die 8. Veranstaltung dieser Art war erstmalig in Deutschland und zwar organisiert von der NNA vom 3. - 11. Juli 2003 in Schneverdingen.

Das HEATHCULT-Projekt

Im Jahre 1998  wurde auf Initiative von Prof. Peter Emil Kaland vom Botanischen Institut der Universität Bergen, Norwegen, ein EU-Projekt initiiert, das zum Ziel hatte, die gemeinsame Kulturlandschaftsgeschichte des atlantischen Europas zu dokumentieren und im Bewusstsein der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Dies sollte geschehen über die gemeinsame Arbeit an einer Buchveröffentlichung zum Thema  Europäische Heidelandschaften in verschiedenen Sprachen, durch Erstellung von Karten zur historischen und aktuellen Heideverbreitung, durch eine Präsentation im Internet sowie durch Ausstellungen.
In diesem Verbundprojekt waren 15 wissenschaftliche Einrichtungen, Landschaftsmuseen sowie in der Verwaltungs- und Naturschutzarbeit tätige Institutionen aus 7 europäischen Ländern beteiligt. Im Einzelnen waren dies:

-  The Heathland Centre, Lygra, N
- University of Bergen, N
- County Council of Hordaland, N
- The National Forest and Nature Agency, DK
- Herning Museum, DK
- Skjern-Egvad Museum, DK
- Landwirtschaftsmuseum Lüneburger Heide, Hösseringen, D
- Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, Schneverdingen, D
- Agricultural Research Department, Wageningen, NL
- Institute for Nature Conservation, Brussels, B
- European Economic Development Services Ltd., Hexham, UK
- National Trust, Cirencester, UK
- New Forest Committee, Lyndhurst UK
- Institute for Terrestrial Ecology, Wareham, UK
- Parque Natural da Serra da Estrela, Monteigas,  P

Eine an der Universität Bergen erarbeitete Ausstellung zur gesamteuropäischen Sicht auf die Heiden wurde anlässlich der EXPO 2000 in Hösseringen gezeigt. Kleinere Wanderausstellungen zum Thema sind derzeit in Dänemark und den Niederlanden unterwegs. Im Jahre  2002 konnte unter dem Titel „5000 Jahre Feuergeschichte – Die europäischen Heidelandschaften“ ein unter Mitwirkung der o.g. Institutionen erstelltes reich bebildertes Buch mit einem Umfang von 160 Seiten zunächst in norwegischer Sprache herausgebracht werden. Der Text wurde federführend verfasst von Svein Haaland, die grafische Gestaltung oblag Geir Goosen. Eine deutsche Fassung ist im Juli 2003 beim Hauschild Verlag in Bremen erschienen.

Weitere Projektplanung

Aufbauend auf diesen Ergebnissen europäischer Zusammenarbeit befindet sich derzeit ein weiteres EU-Verbundprojekt im Förderprogramm Culture 2000 in der Antragstellung. Hier ist vorgesehen, an Beispielen aus Schottland, Norwegen, Portugal und Deutschland Fallstudien auszuarbeiten, mit denen beispielhaft aufgezeigt werden kann, wie und mit welchen Mitteln Heidelandschaften eine Zukunft gegeben werden kann. Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit seiner langen Naturschutzgeschichte wäre in diesem Vorhaben über eine Beteiligung der NNA vertreten. Damit wäre eine günstige Gelegenheit gegeben, die hier insbesondere vom Verein Naturschutzpark gewonnenen Erfahrungen mit der Pflege und Bewirtschaftung der Heiden, mit der Integration ökologischen  Landbaus in die historische Kulturlandschaft und in der konzeptionellen Verbindung von Fremdenverkehr und Naturschutz für die europäische Ebene aufzubereiten.

Bericht von Dr. Johannes Prüter



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Weitere Informationen über die Lüneburger Heide erhalten Sie unter:
www.Lueneburger-Heide-Attraktionen.de  |  www.lueneburger-heide.de  |  www.lueneburger-heideland.de
www.naturpark-lueneburger-heide.de | www.viatoura.de | www.erlebniswelt-heide.de | www.die-lueneburger-heide.de