Landschaftspflegehof Tütsberg

Der Landschaftspflegehof Tütsberg

Landwirtschaft und Naturschutz - auf dem Tütsberg alles andere als ein Gegensatz!

Lage und Adresse
Zentral im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, zwischen Schneverdingen, Heber, Behringen und Niederhaverbeck gelegen, befindet sich der Landschaftspflegehof Tütsberg der zum Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) gehörenden Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide:

Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Landschaftspflegehof Tütsberg
Dr. Andreas Koopmann und Dr. Heike Brenken
29640 Schneverdingen

Telefon: 05199-298
Telefax: 05199-985541
E-Mail:
koopmann@verein-naturschutzpark.de

Entstehung

Hof Tütsberg wurde bereits im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt und besteht heute aus einem alten Niedersachsenhaus aus dem 19. Jahrhundert (heute als Hotel Hof Tütsberg bewirtschaftet) und einem Wirtschaftshof aus den 1920er Jahren. Seit 1928 befindet sich der Hof im Eigentum des Vereins Naturschutzpark e.V.

Heute beherbergt Hof Tütsberg Verwaltung und Betriebshof des Landschaftspflegehofes. Auf dem Hofgelände befindet sich außerdem eine von insgesamt sechs Schäfereien des VNP. Der Landschaftspflegehof bewirtschaftet ca. 600 ha landwirtschaftliche Nutzfläche ökologisch nach den Richtlinien des Anbauverbandes Bioland. Zusätzlich werden ca. 5.200 ha Heide und Magerrasen mit Heidschnuckenherden gepflegt.

Ziele des Landschaftspflegehofes Tütsberg

Die Hauptziele des Landschaftspflegehofes sind die umweltschonende Bewirtschaftung der stiftungseigenen landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Pflege der ausgedehnten Heideflächen durch Beweidung mit Heidschnucken. Auf einigen ausgewählten Flächen wird die historische Heidebauernwirtschaft nachgeahmt und alte Kulturarten und Sorten für die Nachwelt erhalten. Die ökologische Bewirtschaft und spezielle Pflegemaßnahmen sollen darüber hinaus den sehr stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der historischen Kulturlandschaft der Lüneburger Heide zu Gute kommen.

Hofmarkt

Die Stiftung Naturschutzpark pflegt mit ihren 6 eigenen Schnuckenherden und in Zusammenarbeit mit der privaten Schnuckenschäferei Herold in Inzmühlen das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und erzeugt dabei neben einer schönen, artenreichen Kulturlandschaft auch schmackhafte Heidespezialitäten.

Unsere Heidschnuckenherden werden nahezu ganzjährig in der Heide gehütet und mit betriebseigenem, ökologisch produziertem Futter gefüttert. Die Schnucken werden überwiegend mit 8 bis 12 Monaten von zwei ortsansässigen Landschlachtereien geschlachtet und zu regionalen Spezialitäten verarbeitet. Wir bieten Ihnen garantiert aus unseren eigenen Herden an:

Heidschnucken
(Heidschnuckenlämmer bis 12 Monate)

Ganze Schlachtkörper (ca. 12 kg Schlachtgewicht, grob zerlegt) á 8,00 € / kg
Halbe Schlachtkörper ( ca. 6 kg Schlachtgewicht, grob zerlegt) á 8,50 € / kg

Je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit können wir Ihnen auch Ziegenlämmer anbieten.

Bestellung:
Landschaftspflegehof Tütsberg
Telefon: 05199 - 298
Telefax: 05199 - 985541
E-Mail:
koopmann@verein-naturschutzpark.de

Schäferei Inzmühlen, Kooperationspartner der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Andrea und Hermann Herold
Telefon und Telefax: 04188 - 7391

Leckere Bratenstücke, Wurstspezialitäten von der Heidschnucke und Heidschnuckenmenüs für Festlichkeiten erhalten Sie von unseren Verarbeitungspartnern:

Landschlachterei Hermann Meyer
Haverbecker Str. 24
29646 Bispingen – Behringen
Telefon: 05194 – 1215
Telefax: 05194 – 2882
www.landschlachterei-hermann-meyer.de

Landschlachterei Ewald Albers
Lübberstedter Str. 24
21272 Egestorf
Telefon: 04175 – 432
Telefax: 04175 – 472

Ein wichtiges Anliegen des Landschaftspflegehofes ist der Erhalt alter regionaler Kulturarten und Sorten. So wird auf insgesamt vier Demonstrationsflächen die traditionelle Heidebauernwirtschaft nachgeahmt und Sandhafer, alte Roggensorten, Lein und Buchweizen angebaut. Wir bieten Ihnen von unseren eigenen, ökologisch bewirtschafteten Äckern an:

Buchweizen
Ganzes Korn, geschält und ungeschält
Buchweizengrütze
Buchweizenmehl



Zahlen - Daten - Fakten

Heuernte auf dem VNP-Landschaftspflegehof Tütsberg nach Bioland-Kriterien... mit modernen Maschinen...

Arbeitskräfte:   1,2 AK Betriebsleitung, 7 AK Schäfer,   
2,5 AK landwirtschaftliche Mitarbeiter

Standort:    Höhenlage: 100 bis 130 m über N.N.,
Durchschnittliche Jahresniederschläge: 750 mm,
Durchschnittliche Ackerzahl: 18 bis 40,
Bodenart: Sand und anlehmiger Sand

Betriebsfläche:   Landwirtschaftlich genutzte Fläche: 780 ha, Ackerfläche: 367 ha, Dauergrünland: 413 ha ( inkl. 150 ha Sandmagerrasen), Heide: 4.280 ha.

Fruchtfolge:  Zumeist Kleegras-Sommerung-Winterung bei standortspezifischer Fruchtartenwahl: auf schlechteren Böden (weniger als 25 Boden-Punkte): Roggen, Buchweizen,  S.-Triticale, Hafer, Öllein, Saat- und Zottelwicken. Auf besseren Böden (mehr als 25 Bodenpunkte): Roggen, Dinkel, Weizen, Hafer, Erbsen, Inkarnat-Klee.

Tierhaltung:    2.300 Mutterschafe (Graue Gehörte Heidschnucke) und über 120 Ziegen (Bunte deutsche Edelziegen und Burenziegen) in sechs Heidschnucken- und einer Ziegenherde,  45 „Wilseder Rote“ (Robust-Rinderrasse) sowie 12 Dülmener Pferde.

Aufstallung:  Ganzjähriges Hüten der Schnucken und Ziegen auf Heiden und Magerraser bei nächtlicher Aufstallung, ganzjährige Freilandhaltung der Rinder und Pferde.

Anbauverband:   Bioland: www.bioland.de



Aktuelles aus der Heidschnuckenhaltung des VNP

Heidschnucken... die wichtigsten Landschaftspfleger im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide...

Seit 1910 bemüht sich der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) intensiv um den Erhalt der Lüneburger Heide. Die Hauptstrategie des VNP und heute der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide zum Schutz dieser einmaligen historischen Kulturlandschaft war und ist dabei der Landankauf sowie die Pflege und naturschutzkonforme Bewirtschaftung des eigenen Grundbesitzes, insbesondere der Calluna-Heideflächen. Diese erfolgt auch heute noch vorrangig durch Hüteschafhaltung mit Grauen Gehörnten Heidschnucken.

Zurzeit besitzt der VNP im Naturschutzgebiet (NSG) Lüneburger Heide rund 8.900 ha Land, den größten Teil davon als Eigentum, einen geringeren Teil als 30-jährige Pachtflächen. Heide- und Moorflächen machen mit rund 5.300 ha den größten Anteil der Liegenschaften aus, hinzukommen etwa 900 ha landwirtschaftliche Nutzflächen sowie umfangreicher Waldbesitz. Die Beweidung der Heideflächen und die Bewirtschaftung der Acker- und Grünlandflächen nach BIOLAND-Richtlinien führt die Stiftung Naturschutzpark in Eigenregie auf dem Landschaftspflegehof Tütsberg durch - mit Hilfe eines angestellten Betriebsleiterehepaares sowie eines ebenfalls angestellten festen Stammes an landwirtschaftlichen Mitarbeitern und Schäfern.
 
Die im NSG Lüneburger Heide noch auf großen Flächen erhalten gebliebene Heidelandschaft verdankt ihre Entstehung der historischen Heidebauernwirtschaft, deren wesentliche Standbeine der Ackerbau auf vergleichsweise kleinen Flächen und die Haltung von Heidschnucken auf den ausgedehnten (Heide-)flächen waren. Am kürzesten lässt sich die historische Heidebauernwirtschaft als Nährstoffkonzentrationswirtschaft charakterisieren. So bedurften die nährstoffarmen, durchlässigen Sandäcker der Region einer regelmäßigen Nährstoffzufuhr zum Erhalt ihrer mäßigen Ertragsfähigkeit und damit zur Deckung des dringendsten Bedarfes an Brotkorn und Futtergetreide. Die bis ins 19. Jahrhundert schlechte Verfügbarkeit anderer Dünger ließ den ausgedehnten Heideflächen eine wichtige Bedeutung als Nährstoffquelle zukommen. So wurden die Heidschnucken nicht nur gehalten, um die Heideflächen zur Produktion von Wolle (und Fleisch) zu nutzen, sondern ganz besonders auch um den kargen Aufwuchs in wertvollen Stalldung zu verwandeln. Dazu wurden die Herden jeden Abend und oft auch zur Mittagsrast in die Ställe getrieben. Mit dem dort abgesetzten Dung wurden dann die Ackerflächen gedüngt. Verstärkt wurde der Nährstofftransfer von den Heide- auf die Ackerflächen noch durch das Mähen und Plaggen von Heide als Einstreu für die Rinder- bzw. Schafställe.

Aufgrund zunehmender Importe von Schafwolle aus Übersee und verstärkter Grün- und Mineraldüngung im Ackerbau verlor die Schafhaltung in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr an Bedeutung. Auch in der Lüneburger Heide setzte rasch eine Abkehr von der historischen Heidebauernwirtschaft ein. Ziel des VNP ist es heute, sowohl die traditionelle Heidebauernwirtschaft auf einem kleinen Teil der vereinseigenen Nutzflächen im Sinne eines „Lebendigen Museums“ zu dokumentieren, als auch die damit gekoppelte Schnuckenhaltung als wichtigstes Instrument für den Naturschutz beizubehalten und nach Jahren des Rückgangs heute wieder auszuweiten.

Ähnlich wie bei der historischen Heidebauernwirtschaft auf den Ackerflächen werden auch bei der Heidepflege traditionelle Nutzungs- und Pflegeverfahren durch den VNP und seine Stiftung nachgeahmt. Auf einem kleineren Teil der Flächen erfolgt die Heidepflege durch mechanische Verfahren (Mähen und Plaggen) sowie kontrolliertes Brennen, auf dem größeren Teil wird die Heide jedoch durch Beweidung mit Grauen Gehörnte Heidschnucken gepflegt. Zurzeit werden insgesamt sechs vereinseigene und zwei weitere, private Heidschnuckenherden im NSG Lüneburger Heide gehalten. Die Herden des VNP sind über das gesamte Naturschutzgebiet verteilt. Die ältesten vereinseigenen Herden sind die Wilseder und Tütsberger Herden. In den letzten 10 Jahren erfolgten der Aufbau bzw. die Sanierung weiterer Herden in Döhle, Schneverdingen (Schäferhof - Pietzmoor - Osterheide), Haverbeck und zuletzt der komplette Neubau der Schäferei Grasengrund / Deimern auf dem Gebiet der Stadt Soltau. Im Norden des NSG (Inzmühlen - Wesel - Töps) arbeitet in enger Kooperation mit dem VNP die Schäferei Hermann Herold. Ein Teil der westlichen Heideflächen auf dem Gebiet der Stadt Schneverdingen wurde in den letzten Jahren an die Schäferei Günter Beuße, Schneverdingen, verpachtet.

In den Beweidungsgebieten werden die Schnucken morgens aus den Schafställen auf die Heideflächen getrieben und dort tagsüber von den Schäfern gehütet. Dabei wird darauf geachtet, dass das alte System des Nährstoffexportes aus den Heideflächen und der Nährstoffakkumulation im Stall bestmöglich nachgeahmt wird. Zum einen ist der Schafmist auf dem BIOLAND-Betrieb Hof Tütsberg ein willkommener Dünger. Zum anderen kann so über die Futteraufnahme der Heidschnucken ein spürbarer Austrag von Nährstoffen aus den Heideflächen erreicht werden. Eines der größten Umweltprobleme in der Lüneburger Heide ist der nach wie vor zu hohe Eintrag von Stickstoff als Folge einer anhaltenden Luftverschmutzung. Dieser überdüngt die Heideflächen und regt insbesondere das Graswachstum zu stark an. Bei einer Beweidungsintensität von 0,8 bis 1,1 Mutterschafen pro Hektar Heide und Jahr können nach aktuellen Messungen atmosphärische Stickstoffeinträge in einer Größenordnung von 20-25 kg N/ha*a kompensiert werden. Die Schnucken können so dafür sorgen, dass die nährstoffarmen Verhältnisse, an die sich die Arten und Lebensgemeinschaften der Heide über Jahrtausende angepasst haben, erhalten bleiben. Der Verbiss der Schnucken fördert außerdem die Regeneration der Heidepflanzen durch das Abweiden der jungen Triebe. Die Heidschnucken verbeißen zusätzlich einen Teil des unerwünschten Gehölzaufwuchses, der langfristig die Heidepflanzen beschatten und zurückdrängen würde, ließe man ihn wachsen.

Auf den ehemaligen Panzerübungsflächen, die im Südosten des NSG liegen, werden die Schafe durch Ziegen unterstützt, die in den Herden mitgehütet werden. Die Ziegen können durch ihr anderes Fressverhalten und ihre ausgeprägte Vorliebe für Gehölze den starken Gehölzanflug auf den schütteren Flächen der ehemaligen Panzerübungsflächen besonders gut zurückdrängen.

Die sechs Heidschnuckenherden des VNP bestehen jeweils aus etwa 350 bis 450 weiblichen Tieren (Muttern und Zutreter, d.h. einjährige weibliche Schafe). Dazu kommen Lämmer und 6-8 Zuchtböcke sowie in den größeren Herden noch ca. 50 überjährige Hammel. Insgesamt standen zum 30.6.2008 rund 4.500 Schnucken und 200 Ziegen in den Herden des VNP. Mit Ausnahme der Tütsberger und der Grasengrunder Herde verfügt jede Herde über zwei Ställe, die relativ zentral in den sechs fest abgegrenzten Beweidungsgebieten liegen. Diese sind zumeist 600 bis 700 ha groß. Der überwiegende Teil der Schafhutungen besteht aus klassischen Calluna-Heiden mit eingestreuten Sandmagerrasen. Im südlichen Teil des NSG prägen Heideentwicklungsflächen auf aufgelassenen Panzerübungsflächen mit z.T. starker Verkusselung durch Kiefern und Birken das Bild. Die Herden werden tagsüber nahezu ganzjährig von jeweils einem fest angestellten Schäfer und seinen Hütehunden auf den vereinseigenen Heideflächen gehütet. Gekoppelt werden die Schnucken dagegen fast nie auf den Heideflächen - wegen des dabei fehlenden Nährstoffaustrags. Somit kommt den Hütehunden, für deren Haltung und Ausbildung die Schäfer selbst verantwortlich sind, eine besondere Bedeutung zu. Je nach persönlichen Vorlieben arbeiten an den Schnuckenherden überwiegend Altdeutsche Hütehunde, nicht selten aber auch Border Collies und Deutsche Schäferhunde.

Nur während der Lammzeit im Februar / März bleiben die Herden für einige wenige Wochen ganztägig im Stall und werden dort mit hofeigenem Grund- und Kraftfutter (Heu und Silage sowie Hafer-Erbsen-Mischung) zugefüttert. Nach 4-6 Wochen werden die Herden mit den jungen Lämmern bereits wieder in der Heide gehütet. Fünf der VNP-Herden sind sogenannte Gebrauchsherden, bei denen während der Deckzeit im September / Oktober zumeist mehrere Böcke gleichzeitig in der Herde sind. Bei den Lämmern in diesen Herden ist daher die Abstammung väterlicherseits unbekannt.

Die sechste Herde, die sogenannte „Döhler“ Herde, wird dagegen traditionell als Stammherde geführt (bis 1998 durch Jürgen Buchholz, Döhle). Zur Abstammungssicherung wird diese während der Deckzeit in Deckgruppen von je ca. 40-60 Muttern aufgeteilt, denen jeweils nur ein Bock zugeteilt wird. Während die im folgenden Frühjahr geborenen Bocklämmer in den Gebrauchsherden in der Regel kastriert werden, werden sie in Döhle größtenteils als Böcke aufgezogen - mit dem Ziel sie als Jährlingsböcke auf die Auktion in Müden aufzutreiben oder in den eigenen Herden als Deckböcke einzusetzen. Während der etwa 16 bis 18 Monate dauernden Aufzucht werden die Böcke mehrmals gewogen, ihre Wolle, ihr Exterieur und ihre Bemuskelung benotet, hinsichtlich ihrer Scrapie-Resistenz genotypisiert und selektiert. Nur die besten 10 bis 20 Jungböcke werden schließlich der Körkommission des Verbandes Lüneburger Heidschnuckenzüchter (VLH) vorgestellt.

Zuchtziel des VNP ist der Erhalt der Grauen gehörnten Heidschnucke als widerstandsfähiges und anspruchsloses Landschaf mit besonderer Eignung für die Heidepflege bei gleichzeitig hervorragender Fleischqualität (fettarmes, zartes, leicht wildbretartiges Fleisch). Dabei wird eine korrekte Ausbildung von Fundament und Klauen als Voraussetzung für die bei überwiegender Hütehaltung täglich geforderte Marschleistung angesehen. Bei den Böcken (Zukäufe von der Müdener Auktion oder aus eigener Aufzucht) wird darüber hinaus neben der Verbesserung der Scrapie-Resistenz sehr viel Wert auf eine gute Lammentwicklung (tägliche Zunahme bis zur Herbstwiegung im Vergleich zum Herdendurchschnitt) gelegt. Eine Steigerung der Jährlingsbockgewichte über 80 bis 85 kg hinaus wird dagegen vom VNP nicht angestrebt, da bei einer weiteren starken Erhöhung der Körpergewichte eine abnehmende Eignung für die Heidepflege befürchtet wird.

Der VNP legt bei seinen Heidschnuckenherden außerdem sehr viel Wert auf einen guten Gesundheitsstatus und arbeitet daher seit vielen Jahren eng mit dem Schaf- und Ziegengesundheitsdienst Hannover zusammen. So gelang z.B. bei der Döhler Herdbuchherde in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Klinik für kleine Klauentiere, Leitung Prof. Ganter) und gefördert von der Tierseuchenkasse Niedersachsen weltweit erstmalig die Sanierung einer mit Lungenadenomatose-infizierten größeren Herde durch mutterlose Aufzucht. Alle sechs Herden des VNP gelten inzwischen nach jahrelanger Sanierung als frei von Lungenadenomatose, einer Krankheit, die gerade in den Schnuckenherden große Verluste und wirtschaftlichen Schaden angerichtet hatte.

Aktuell sind die Heidschnucken im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mehr durch die Blauzungenkrankheit bedroht. Diese zuvor nur aus wärmeren Gefilden bekannte Krankheit wurde 2006 vermutlich durch Zootier-Transporte aus Afrika nach Mitteleuropa eingeschleppt. Übertragen wird das Blauzungenvirus (Bluetongue Virus, BTV) durch 1 - 3 mm lange Stechmücken (Gnitzen). Seit dem Herbst 2006 breitet sich nun die Blauzungenkrankheit von den Niederlanden / Nordrhein-Westfalen mit dem Wind immer weiter nach Osten aus. In Herbst 2007 hat es die ersten Fälle von Blauzungenkrankheit in der Lüneburger Heide gegeben. Mittlerweile wurden alle Heidschnucken des VNP gegen diese tückische Krankheit geimpft.

Die Vermarktung der Heidschnucken erfolgt größtenteils über spezialisierte Schlachter in der Region, denen es in Zusammenarbeit mit dem VNP und der Gastronomie gelungen ist, die Heidschnucke als wertvolle und geschätzte regionale Spezialität auf den Speisekarten der Lüneburger Heide zu platzieren. Die jungen Heidschnucken werden dazu bei einem Lebendgewicht von mindestens 35 kg größtenteils in der traditionellen Schlachtsaison von August bis Dezember geschlachtet. Um die Nachfrage nach frischem Schnuckenfleisch auch in den anderen Monaten befriedigen zu können, hat jedoch in den letzten Jahren auch der Anteil der Schlachtungen in der ersten Jahreshälfte kontinuierlich zugenommen. Trotz guter Absatzmöglichkeiten und Preise vor Ort decken die Schlachttiererlöse jedoch nur den kleineren Teil der Kosten für die Schafhaltung und Naturschutzarbeit des VNP. Haupteinnahmequelle ist deshalb die Landschaftspflege, die der VNP als Dienstleistung für die Gesellschaft erbringt. Ohne die Pflegegelder für Heiden und Magerrasen (Kooperationsprogramm Naturschutz des Landes Niedersachsen und der EU) sowie Spenden und Patenschaften von VNP-Mitgliedern wäre auch bei ansonsten günstigen Rahmenbedingungen die Naturschutzarbeit durch den Verein Naturschutzpark nicht zu erbringen und die Haltung der „Grauen Gehörnten“ nicht in diesem Umfange möglich!

Die VNP-Stiftung Naturschutzpark verfügt neben den schönen Heideflächen und den zahlreichen Heidschnucken über ein weiteres, unschätzbares Kapital: die Mitglieder des Verein Naturschutzpark e.V. (VNP). Sie alle können uns bei der Haltung unserer Schafe einfach und doch sehr effizient unterstützen. Das wichtigste zuerst: Bitte leinen Sie bei Besuchen im NSG immer Ihren Hund an und bitten Sie auch andere Hundehalter, dies zu tun. 2007 hat allein ein Hund, der in eine Herde mit hochtragenden Mutterschafen eindrang, zu 103 Verlammungen und 27 verendeten Mutterschafen geführt. Verschenken Sie zu Weihnachten doch einmal einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus der Lüneburger Heide. Mit Schnuckenmettwurst und Schnuckenschinken gönnen Sie Ihren Lieben etwas Gutes und unterstützen dabei auch noch die Pflege der Lüneburger Heide. Auch für Vegetarier geeignet: Die Heidschnuckenpatenschaft des VNP! Und zu guter Letzt: Machen Sie Werbung für die Heidschnucken, wo immer Ihnen dieses möglich ist. Gerade auch im politischen Raum ist noch viel „Gemecker“ notwendig, um eine alte, vom Aussterben bedrohte Haustierrasse für die Zukunft zu erhalten.



4. Hoffest auf dem Landschaftpflegehof Tütsberg ein voller Erfolg!

Pflügen mit 2 PS - eine vielbeachtete Attraktion auf dem 2. Hoffest auf dem Tütsberg...

Der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) veranstaltete Anfang September 2009 sein 4. Hoffest auf dem VNP-Landschaftspflegehof Tütsberg. Schwerpunkt war das 100-jährige Gründungsjubiläum des VNP. Weit mehr als 2.500 Besucher – darunter viele VNP-Mitglieder - verschafften sich einen Eindruck von der vielfältigen Arbeit des VNP im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in seiner langen Geschichte. Geboten wurde allen Besuchern ein abwechslungsreiches, informatives Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Nach der Begrüßung durch den VNP-Vorsitzenden Wilfried Holtmann und VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann konnten die Besucher des Tütsbergs unter Begleitung der NDR-Moderatorin Heike Götz das weitläufige Gelände mit seinen unterschiedlichen Informations- und Ausstellungspunkten „erobern“. Außer historischen und modernen Maschinen der Landwirtschaft wurde u.a. auch das Pflügen mit dem Pferdegespann demonstriert. Die in der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durch den VNP eingesetzten Tiere – so z.B. unsere Dülmener Pferde und natürlich die Tütsberger Heidschnuckenherde – fanden großen Anklang bei Groß und Klein. Beliebte Anlaufstation war natürlich auch die „Ziegenschule“, an der Wiebke Mohrmann, Schäferin der Ziegenherde auf Hof Bockheber, alle Fragen der Besucher geduldig beantwortete. Bei den jüngsten Besuchern fanden vor allem die Hüpfburg aus Strohballen begeisterten Zuspruch. Dipl.-Biol. Jan Brockmann begeisterte alle Interessierten mit seiner Multivisionsschau über das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide.

Regionale Produkte wie Heidehonig, Heidschnuckenrot- und leberwurst oder Schnuckenbratwurst waren die kulinarischen Genüsse des Hoffestes - u.a. angeboten vom Hotel Hof Tütsberg. Wie wichtig eine gute Vermarktung regionaler Produkte für die Arbeit des VNP ist, konnte so schmackhaft dargestellt werden. Tanzvorführungen der „Tangendorfer Feuerküken“ und der „New-Generation-Girls“ sowie schwungvoll vorgetragene Stücke des Blasorchesters der Musikschule Soltau rundeten das Programm auch musikalisch ab.

Bei einer Verlosungsaktion zugunsten des VNP freuten sich 14 Gewinner über einen einwöchigen Aufenthalt in der „Hofrat-Keller-Hütte“ des VNP im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern oder über einen der gestifteten Gutscheine der heimischen Gastronomie. Vorstand und Geschäftsführung des VNP bedanken sich auch auf diesem Wege bei allen Sponsoren herzlich für Ihre Hilfe. Gutscheine für die Tombola stifteten das Hotel Hof Tütsberg, Rieckmanns Gasthaus in Bispingen und der "Egestorfer Hof" aus Egestorf / Nordheide.  Die "Engel-Brauerei Crailsheim" spendierte ein Fass Bier. Ferner wurde das Hoffest durch die Volksbank Nordheide finanziell unterstützt.

Bis auf unsere Schäfer, die mit „ihren“ Heidschnucken im Naturschutzgebiet unterwegs waren, haben die Mitarbeiter des VNP (ehrenamtlich) und zahlreiche weitere Helfer dazu beigetragen, dass Hoffest in dieser Form durchführen zu können. Ihnen und vor allem Dr. Heike Brenken und Dr. Andreas Koopmann als „Chef-Organisatoren“ des Festes sei an dieser Stelle gedankt..



Streuobstwiese am Landschaftspflegehof Tütsberg angelegt!

Mitarbeiter der "ProHeide"-Arbeitsgruppe pflanzen Obstbäume alter Hochstammsorten am Landschaftspflegehof Tütsberg...

"Celler Dickstiel", "Horneburger Pfannkuchen" oder die "Gute Graue" - das sind nur einige der alten Hochstamm-Obstsorten, die Mitte November 2006 auf einer Wiese nahe des VNP-Landschaftspflegehofes Tütsberg gepflanzt wurden. Mitarbeiter der "ProHeide"-Arbeitsgruppe unter Leitung von Sylvia Grychtol haben dabei insgesamt 30 Bäume gepflanzt und gegen Wild- und Schnuckenverbiss umzäunt.

Streuobstwiesen waren früher ein Teil der historischen Kulturlandschaft auch in der Lüneburger Heide - auch wenn diese Wiesen nicht den Umfang und die Größe der Streuobstwiesen anderer Bundesländer einnahmen. Die jüngste Pflanzaktion ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem VNP-Landschaftspflegehof, Bioland, dem Unternehmen "Beckers Bester" und dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) durchgeführt worden. Organisatorin der Aktion war Birgit Petersen von der KÖN-Naturschutzberatung.

"Streuobstwiesen sind ein wertvoller Lebensraum", erläuterte Birgit Petersen den Nutzen der Aktion. In den sonnigen und schattigen Bereichen unter den Bäumen können bis zu 5.000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten vorkommen. Die Ernte der Früchte in einigen Jahren ist natürlich auch Ziel dieser Maßnahme. Die Äpfel der "historischen Obstwiese" des VNP bei Niederhaverbeck werden schon seit vielen jahren gemostet. Dieser Most ist unter anderem in der "Milchhalle" in Wilsede zu kaufen - lecker, gesund und umweltfreundlich. Denn der Einsatz von Pestiziden oder Mineraldünger ist sowohl auf der "alten" als auch auf neu angelegten Obstwiesen des VNP tabu!



Vielfalt auf dem Acker...

Blühendes Buchweizenfeld - Teil der Vielfalt auf den Äckern des VNP-Landschaftspflegehofes Tütsberg...

Die Heide verdankt ihre Entstehung und noch mehr ihr Fortbestehen einer speziellen Form der Landwirtschaft, der Heidebauernwirtschaft. Folglich gehören Ackerflächen zur „Historischen Kulturlandschaft“ hinzu und sollten daher auch weiterhin Teil des Landschaftsbildes im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide sein. Die landwirtschaftliche Nutzung möglichst umweltschonend zu gestalten, ist ein zentrales Anliegen des Landschaftspflegehofes Tütsberg.

Der Landschaftspflegehof pflegt mit sechs Schnuckenherden die großen Heideflächen rund um den Wilseder Berg von Undeloh bis Schneverdingen. Zusätzlich bewirtschaftet er etwa 275 Hektar Ackerflächen und 330 Hektar Grünland im Naturschutzgebiet, das Grünland allerdings überwiegend als reine Schafhutung. 1988 wurde eine Öffentlich-Rechtliche Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen geschlossen, um den Hof Tütsberg als Niedrig-Intensitäts-Betrieb umweltschonend zu bewirtschaften, seit 1998 wurde zusätzlich auf ökologischen Landbau (BIOLAND) umgestellt. Dies bedeutet unter anderem den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und industriell hergestellten Stickstoffdünger sowie auf Beregnung, aber auch die Fruchtartenwahl wird nach speziellen Kriterien vorgenommen. So wurden in diesem Jahr allein zwölf verschiedene Druschfrüchte angebaut (darunter alte Kulturpflanzen wie Lein, Buchweizen und Rauhhafer) sowie zur Gründüngung noch sechs weitere Arten. Zur Saatgutgewinnung wurden u.a. Sommer- und Winterwicken im Gemenge mit Hafer bzw. Winterroggen eingesät.

Der Erfolg der besonderen Wirtschaftsweise liegt aus Naturschutzsicht unter anderem in einer deutlichen Zunahme der Ackerbegleitflora: Fast 200 Arten, darunter auch mehrere stark gefährdete, wurden aktuell nachgewiesen.

Nun sind diese Feinheiten in der Vielfalt der Ackerflora auf den Flächen des Landschaftspflegehofes Tütsberg für den „normalen“ Besucher der Heide nicht unbedingt sichtbar. Doch auch für diese Besucher gibt es etwas zu sehen: auf bestimmten Flächen wird vom Landschaftspflegehof die Heidebauernwirtschaft nachgeahmt. Dabei geschieht dies natürlich nicht mit Ochs und Pferd (diese Zeit ist schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen vorbei), sondern mit moderner Technik. Die typische Fruchtfolge mit mehreren Jahren Roggen, danach je ein Jahr Rauhhafer und Buchweizen und schließlich „Dreesch“ (aus Selbstbegrünung hervorgegangene Grasnarbe, die lediglich behütet wird), ist nebeneinander zum Beispiel auf dem Weg vom Heidemuseum in Wilsede zum Wilseder Berg zu sehen. So kann man draußen die Äcker früherer Zeiten mit alten Sorten und ihrem relativ geringen Ertrag betrachten, während man örtlich und inhaltlich direkt verbunden im Museum die entsprechenden Geräte und Werkzeuge sieht und somit einen guten Eindruck von der Mühsal der Menschen bekommt, wie sie früher dem Boden das Lebensnotwendigste abgerungen haben.



Aktuelles Wetter im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide
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Weitere Informationen über die Lüneburger Heide erhalten Sie unter:
www.Lueneburger-Heide-Attraktionen.de  |  www.lueneburger-heide.de  |  www.lueneburger-heideland.de
www.naturpark-lueneburger-heide.de | www.viatoura.de | www.erlebniswelt-heide.de | www.die-lueneburger-heide.de