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Der Kerkstieg

Der Kerkstieg schlängelt sich naturbelassen durch die Hanstedter Wälder

Wiedergeburt eines alten Traditionsweges von Wesel nach Hanstedt

In Hanstedt so gut wie vergessen und selbst alten Weselern kaum noch erinnerlich, fristete der Jahrhunderte alte fußläufige Verbindungsstieg ab Anfang 1900 ein weitgehend vergessenes Dasein. Nun tauchte der „Kerkstieg“ wie aus dem Nichts wieder auf und erlebte durch einen öffentlichen Akt der Gemeinde Hanstedt eine beeindruckende Renaissance. Die Gemeindeväter Bürgermeister Gerd Schierhorn und Gemeindedirektor Olaf Muus ließen es sich am 07. Okt. 2017 am Nordhang des „Messberg“ (Hanstedts Berg Nr. 4) nicht nehmen, einen mächtigen 1,5 Tonnen schweren Findling mit der Aufschrift „Kerkstieg“ zu enthüllen und den Stieg dadurch in das Bewusstsein der ansässigen Heidjer zurückzuholen.

„In Hanstedt – Geheimnisse und Besonderheiten eines Heideortes“ lautet der Titel eines kleinen 2016 erschienenen Heimatbuches, in dem auch der vergessene Kerkstieg mit seinen Besonderheiten umfangreich beschrieben wird. Wenn auch an einigen Stellen inzwischen eingewachsen, ließ sich sein Verlauf dennoch gut rekonstruieren. Dabei half die Preußische Landesaufnahme von 1901, die ihn noch als fußläufigen Stieg (nicht als Weg) verzeichnet. Doch sein Ursprung muss sehr viel früher angenommen werden.
Laut einer Chronik des Hanstedter Pastors Bromberger aus dem Jahre 1668 waren die Kirchengemeinden Hanstedt und Undeloh zusammengelegt worden - um erst 1967 wieder getrennt zu werden. Bromberger nennt kein Datum, weshalb zu schließen ist, dass die Zusammenlegung schon damals lange zurücklag und die Jahreszahl nicht mehr exakt benannt werden konnte. Da der Gottesdienst in der Undeloher St.-Magdalenen-Kapelle somit nur  noch eingeschränkt stattfand, machten sich die Kirchgänger aus Wesel und den umliegenden Ortschaften auf in die Hanstedter St.-Jakobi-Kirche. Dabei nahmen sie den fußläufigen Direktweg durch die Hanstedter Berge, ihren „Kerkstieg“. Diese Nutzung hielt bis etwa Anfang 1900. Durch das Aufkommen der Fahrräder verlor der Stieg von da an seine Bedeutung, da er zum Radfahren nur wenig geeignet war. Hierfür fanden sich nun andere Wege.

Der Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide e.V. (VNP) sowie die Klosterforstverwaltung, deren Grundstücke von der Stiegtrasse vorrangig betroffen sind, zeigten sich an der Wiederherstellung des „Kerkstieg“ interessiert und spontan kooperationsbereit. Hanstedts rüstige Rentner von der „Interessengemeinschaft Hanstedt“, Alterskameraden der Hanstedter Feuerwehr sowie Helfer aus Wesel, unterstützt durch Fachkräfte des VNP und der Gemeinde Hanstedt schritten zur Tat und legten im August 2017 in zwei Arbeitseinsätzen die Stiegtrasse natur- und landschaftsschonend wieder frei.

Den mit entsprechend rustikalem Schuhwerk ausgestatteten Heimat- und Naturfreunden bieten sich nun auf einer Länge von etwa 7 km durch Hanstedts Wälder und Forsten einige interessante und beachtenswerte Besonderheiten wie folgend (aus Richtung Hanstedt kommend):

Querung des „Faßenbeek“ mit Faßenbeekstein

Der „Faßenbeek“ ist einer von acht kleineren Auezuflüssen in der Hanstedter Gemarkung und kreuzt den Kerkstieg. Auch sein Name - die Kurhannoversche Landesaufnahme schreibt 1776 Fasen Beek - war in Hanstedt nicht mehr geläufig. Ein Heimatkreis innerhalb der Bürgerstiftung Hanstedt holte die inzwischen vom Rat der Gemeinde Hanstedt amtlich festgelegten Namen der kleinen Bachläufe in das Bewusstsein der Hanstedter zurück und ließ von Bürgern gespendete Namensfindlinge aufstellen. Der Faßenbeekstein ist an der Unterführung am Weg „An der Rodelbahn“ zu finden.

Findling am „Messberg“

Die Gemeinde Hanstedt bekannte sich spontan zu dem Projekt und ließ einen mächtigen Heidefindling mit der Aufschrift „Kerkstieg“ sowie mit nach Wesel und Hanstedt weisenden Richtungspfeilen setzen, um an dieser landschaftlich reizvollen Stelle den „Kerkstieg“ deutlich zu markieren. Auch entlastete die Gemeinde die Privateigner, über deren Grundstücke der Stieg seit eh und je verläuft, um eventuelle Haftungsansprüche Dritter fernzuhalten - eine wichtige Voraussetzung zur Wahrung des Rechtsfriedens und eine zwingende Bedingung für die Wiedergeburt des „Kerkstieg“.

Hohlweg am „Messberg“

Vom 90 m hohen „Messberg“ fällt der „Kerkstieg“ bis Hanstedt auf etwa 50 m ab. Durch die Jahrhunderte lange Begehung des abschüssigen Geländes haben die Kerkstiegnutzer auf einer Länge von 200 Metern einen Hohlweg von etwa zwei Metern Tiefe und teils über drei Metern Breite in den Berghang hineingelaufen, ein überzeugender Nachweis für einen ständigen, intensiven Kirchgang. Diese Stiegpassage ist in dieser enormen Ausprägung außerordentlich beeindruckend und bodendenkmalwürdig. Sie zählt, sich im lichtem Mischwald des „Messberg“ hinauf- oder hinunterschlängelnd, nun seit neuestem zu den schönsten Wanderwegen Hanstedts.

 „Bunte Ecke“ am „Hohen Rah“

Der Kerkstieg führt an dem nur wenig entfernt liegenden „Hohen Rah“ (105 Meter, Hanstedts Berg Nr. 5) entlang, einem Bereich, in dem Förster Heiner Rupsch mit Zustimmung der privaten Waldbesitzer 2001 einen Forstversuch unternommen hat. In diesem von Nadelhölzern dominierten Teil des Hanstedter Waldes wurden die verschiedenartigsten Laubbaumarten hinzugepflanzt, die im Herbst mit ihrer bunten Laubpracht beeindrucken. Zur Erinnerung an diese auch ökologisch gute Tat haben die Grundeigentümer Margret und Horst Kahle dem engagierten Forstmann Rupsch einen Erinnerungsstein gesetzt, der nun den Platz als „Bunte Ecke“ markiert.

„Preußischer Hut“

Am so genannten „Dierkshäuser Weg“ befindet sich ein Orientierungsfindling mit der Aufschrift „Preußischer Hut“. Diese Bezeichnung steht für vier private Waldgrundstücke, die zusammen eine Dreiecksfläche abgeben, einem preußischen Dreispitz vergleichbar. Diese Fläche ist die einzige, die 1842 bei Bildung der Privatgrundstücke und als Folge der Ablösung sog. bäuerlicher Holzgerechtsamkeiten (Einschlagsrechte) als Teil des sog. „Seevenholz“ östlich des „Dierkshäuser Weg“ und somit abseitig vom übrigen Teil des „Seevenholz“ entstanden ist. Die originelle Bezeichnung „Preußischer Hut“ wie auch „Seevenholz“ sind im Kreise der Waldbesitzer ugs. entstanden und bisher nicht amtlich bestätigt. Dabei darf die Bezeichnung „Preußischer Hut“ geschichtlich durchaus hinterfragt werden, da die betreffenden Grundstücke 1842 und somit während der Existenz des Königreiches Hannover entstanden sind. „Hannöverscher Hut“ wäre somit ebenfalls denkbar gewesen, denn auch im Königreich Hannover wurde einst Dreispitz getragen.                                                       

Historische Grenzgräben und Grenzsteine

Am unter Denkmalschutz stehenden Forstgraben zwischen der Klosterforst und den Privatwaldungen „Seevenholz“ sind vereinzelt alte Grenzsteine zu sehen. Sie sind wohl ab 1842 gesetzt worden, um die damals noch königlich-hannoverschen Forsten abzugrenzen, intern zu ordnen und in Abteilungen (Jagen) zu gliedern. Die Zeichen auf den Steinen sind auf Anhieb nicht erklärlich.

Pastor-Bode-Teich

Der im Dezember 2016 in „Pastor-Bode-Teich“ umbenannte, ehemals als Pastorenteich bezeichnet und gelegen in dem schönsten Teil der Weseler Heide erinnert an den verdienstvollen und weitsichtigen Heidepastor Wilhelm Bode, der die Weseler Heide 1910/16 für den damals noch jungen VNP erworben und somit der Nachwelt erhalten hat. Die Teichumbenennung hat der VNP im Dezember 2016 durch einen gravierten Findling dokumentiert. Dieser weist gleichzeitig auf den „Kerkstieg“ hin, der auf dem Damm des Teiches Richtung Wesel weiterläuft.

Alteingesessene Weseler wussten noch vor Jahren zu berichten, dass der für die  Anlage des Teiches notwendige Damm ganz maßgeblich auch von Häftlingen aufgeschüttet wurde, die Pastor Bode zur „Resozialisierung“ zugewiesen waren - ein nach heutiger Ansicht nicht mehr vorstellbarer Umgang mit Insassen von Justizvollzugsanstalten.

Alter Schafstall

Kurz vor dem Erreichen des Heideortes Wesel ist ein kleinerer reetgedeckter Schafstall zu sehen, der einst den Heidschnucken des Weseler „Wittens-Hoff“ als Unterstand diente. Er stellt ein historisch bedeutsames Relikt ehemaliger bäuerlicher Hutewirtschaft dar. Der Stall mit seiner außergewöhnlichen Nurdachform und dem unüblichen seitlichen Eingangstor wurde um 1800 herum erbaut und 2000 von Grund auf saniert. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und bereichert als besondere Rarität das östlich angrenzende Wesel-Bach-Tal mit dem Bode-Teich.

Unser Dank gilt allen Spendern

Die Neupräsentation des „Kerkstieg“ hat ein über Wesel und Hanstedt hinausgehendes  spontanes Echo erfahren. Gleich nach den ersten Presseberichten meldeten sich Heimat- und Naturfreunde wie auch ansässige Firmen und boten ihre Spendenhilfe für die Aufstellung von Findlingsweisern an, die für Ortsunkundige zur Streckenorientierung beim Erwandern des „Kerkstieg“ unverzichtbar sind. Diese spontane Spendenbereitschaft als Zeichen eines gesunden Bürgersinns darf von den Verantwortlichen als ein ermutigender Beweis wohlverstandenen Heimatbewusstseins verstanden werden, das es verdient, an dieser Stelle besonders erwähnt zu werden.

Jeweils einen  Orientierungsfindling  zu Kosten von 280,-- €uro mit der Aufschrift „Kerkstieg“ spendeten:

Fa. Ernst Lützow, GmbH, Hanstedt
Malereibetrieb Werner Witte, Hanstedt
Luhmühlener Mulden- und Containerdienst GmbH, Salzhausen
Heinz-Hermann Bode, Luhmühlen
Hans-Jürgen Fuss, Bendestorf
Hermann Buter, Ollsen
Klaus Siebert, Jesteburg
Angelika Fröhlich, Schierhorn
Sandra Kretzschmar, VGH-Versicherungen, Hanstedt
Ingo Reuß, Dierkshausen/Hamburg
Scharfenberg Bau & Möbeltischlerei, GmbH & Co KG, Hanstedt
Dachdeckerbetrieb Hans-Hermann Suhr, Hanstedt
Alfred Hufenbach, Quarrendorf
Jagdgenossenschaft Hanstedt, Vors. Franz Röhrs
Stefan Bellmann, VGH-Versicherungen, Wesel/Handeloh
Ina Homolka/Jürgen Boruschewski, Buchholz
Tourismus- und Gewerbeverein Hanstedt, Vorsitzender Günter Rühe
Sparkasse Harburg-Buxtehude (2 Findlinge)                                                                                      

 

Rohfindlinge  stellten unentgeltlich zur Verfügung:

Oliver Wichmann/Uwe Feddersen, Wesel
Björn Andrich/ Ginka Patekowa, Jesteburg

 

Der VNP dankt dem Ideengeber H. Dieter Albers für seinen unermüdlichen Einsatz und das ehrenamtliche Engagement während der gesamten Wiederherstellungsphase des Kerkstiegs einschließlich der Erstellung dieses Faltblatts.

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