Flora im Naturschutzgebiet

Die Besenheide ((Calluna vulgaris)...

... blüht von Ende Juli bis Anfang September auf weiten Flächen des Nasturschutzgebietes Lüneburger Heide: die Besenheide...

Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide finden sich die größten zusammenhängenden Calluna-Heiden Mitteleuropas. Die von der Besenheide bestandenen Flächen bieten zahlreichen weiteren Pflanzen- und Tierarten Lebensraum.

Die Besenheide ist ein immergrüner Zwergstrauch mit hellvioletten Blüten in bis 15 cm langen, einseitswendigen, dichten Trauben. Blüten nickend und ca. 4 mm lang.

Die Besenheide kommt in Heiden, Magerweiden und lichten, trockenen Wäldern (Kiefern- und Eichenwäldern), Mooren und auf felsigem Untergrund vor, insbesondere auf nährstoff- und basenarmen, sauren Böden. Sie ist in ganz Europa mit  Ausnahme der südöstlichen Gebiete verbreitet.



Die Glockenheide (Erica tetralix L.)...

Kommt an feuchten Standorten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide vor: die Glockenheide...

Die an das ozeanische Klima gebundene Glockenheide kommt nicht nur in der Lüneburger Heide vor: sie ist verbreitet von Südnorwegen bis nach Portugal sowie in Großbritannien in küstennahen Gebieten.

Feuchtheiden, Wiesen, Heidemoore, Gebüsche und Moorwälder sind der Lebensraum der Glockenheide. Sie wird von Hautflüglern, insbesondere Bienen bestäubt - die winzigen Samen (sog. "Staubsamen" werden durch den Wind verbreitet.



Die Entwicklung der ehemaligen Roten Flächen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ neun Jahre nach Einstellung des militärischen Übungsbetriebes

Die Natur erobert sich die zerstörte Panzerwüste der ehemaligen "Roten Flächen" im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide zurück!

1. Einleitung

Die so genannten Roten Flächen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ dienten auf etwa 20 km² bis 1994 den Britischen Streitkräften als militärisches Übungsgelände insbesondere für Kettenfahrzeuge. Neun Jahre nach Einstellung des Übungsbetriebes soll ein Überblick über den zwischenzeitlich erreichten Landschaftszustand gegeben werden.

Infolge des Übungsbetriebes wurde die vormals weite strukturreiche Heidelandschaft (vergleiche PREISING 1955/56) stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Vegetationsdecke wurde großflächig völlig vernichtet. Allenfalls artenarme Straußgrasrasen waren noch vorzufinden. Nur an wenigen Stellen konnten sich Reste der ursprünglichen Heidevegetation erhalten. Auch die Standortverhältnisse wurden durch den Übungsbetrieb stark überformt. Gewachsene Bodenprofile wurden zerfahren, Böden stark verdichtet. Wind- und Wassererosion führten zum Abtrag humusreichen Bodenmaterials, tiefe Erosionsrinnen entstanden. Zur Eindämmung der Erosion wurden Erosionsschutzpflanzungen aus vielfach nicht heimischen Baum- und Straucharten angelegt sowie im Gelände Dämme und Wälle errichtet (LÜTKEPOHL et al. 1996, PFLUG et al. 1997).

Am 7. Juni 1994 wurde der fast 50 Jahre andauernde Übungsbetrieb der britischen Streitkräfte auf den Roten Flächen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ eingestellt. Eine Kommission des Vereins Naturschutzpark erarbeitete ein Planungskonzept, um die devastierte Landschaft wieder naturschutzgerecht zu entwickeln (VEREIN NATURSCHUTZPARK 1993 und 1994). Ziel dieses Konzeptes war eine weiträumige, strukturreiche Heidelandschaft mit einem reichhaltigen Inventar typischer Lebensräume. Neben Sandheiden und Sandtrockenrasen gehören dazu auch Stühbüsche, offene Wehsandbereiche, Quell- und Verlandungsmoore sowie naturnahe Fließgewässer. Unmittelbar nach Abschluss der militärischen Übungen wurden von den Briten flächenhafte Instandsetzungsarbeiten im Gelände begonnen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Naturschutzpark wurde auf großen Flächen ein an die ursprünglichen Verhältnisse angenähertes Relief gestaltet. Erosions- und Sichtschutzwälle sowie Dämme wurden abgetragen, naturferne Erosionsschutzpflanzungen gerodet. Auf einem größeren Teil der völlig vegetationsfreien Flächen wurden zum Erosionsschutz und zur Begründung von Heidevegetation Feinschwingel-Einsaaten vorgenommen. Der Feinschwingel (Festuca filiformis) ist ein typischer Vertreter der Heide-Pioniervegetation. Anschließend, wurden auf einigen dieser Flächen, aber auch direkt auf Bereichen mit offenen Mineralboden Druschgut, Mahdgut oder Plagggut aus bestehenden Heideflächen ausgebracht, um die Samen der Besenheide (Calluna vulgaris) und anderer typischer Heidepflanzen einzuführen. Dieses war erforderlich, weil die natürliche Samenbank im Boden durch den langen Übungsbetrieb weitgehend zerstört war (TÄUBER 1996). Detailliertere Beschreibungen der Rekultivierungsmaßnahmen finden sich bei LÜTKEPOHL et al. (1996) und PFLUG et al. (1997).

2. Vegetationsentwicklung nach Einstellung des militärischen Übungsbetriebes

Den Zustand der ehemaligen Roten Flächen etwa drei Jahre nach Einstellung des militärischen Übungsbetriebes beschreiben PFLUG et al. (1997: 151) wie folgt: „Schon wenige Jahre nach Abzug des Militärs hat sich das Bild der Landschaft durch das Wirken natürlicher Kräfte und durch die gezielten Entwicklungsmaßnahmen grundlegend geändert. Die ursprünglichen Formen eines von den Eiszeiten vielfältig geprägten Reliefs treten wieder in den Vordergrund. Die Saaten gehen auf, nicht flächig aber weitflächig, hier langsamer, dort schneller. Eine schon heute vielfältig strukturierte Vegetation beginnt sich zu entwickeln. Der eingebrachte Feinschwingel hat auch unter gegebenen Witterungsextremen seine hervorragenden Qualitäten einer Pionierpflanze bewiesen. Der Rückbau der Erosionsschutzpflanzungen gibt weitem Blick wieder Raum. So ist eine vormals von Zerstörung geprägte karge Panzerwüste auf dem Wege, als eine im besten Sinne ‚eigenartige‘ Offenlandschaft Anschluß an die Kulturlandschaftsentwicklung in der näheren Umgebung zu finden.“

Die Umsetzung des Entwicklungskonzeptes für die ehemaligen Roten Flächen wurde zunächst kontrovers diskutiert (TÄUBER 1998, VEREIN NATURSCHUTZPARK 1998), so dass neun Jahre nach Einstellung des militäriscn Übungsbetriebes eine Zwischenbilanz gezogen werden soll.

Inzwischen hat sich auf den ehemaligen Roten Flächen größtenteils eine typische Heide- und Magerrasen-Vegetation eingestellt. Neben der Besenheide (Calluna vulgaris) sind unter anderem Glockenheide (Erica tetralix), Sparrige Binse (Juncus squarrosus), Borstgras (Nardus stricta), Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Pillensegge (Carex pilulifera) und Heidelbeere (Vaccinium mythillus) vertreten. An Pflanzenarten der niedersächsischen Roten Liste (GARVE 1993) sind unter anderem Sandthymian (Thymus serpyllum) (hab ich bisher erst in den „Alten Übungsplatzflächen“- Preisingheide sowie am Bockheberer Weg gesehen, die neuen Flächen sind nach meiner Beobachtung bisher nur durch den Gemeinen Thymian besiedelt (Ausnahme- Camp Reinsehlen) Behaarter Ginster (Genista pilosa) und Englischer Ginster (Genista anglica) zu finden. Die Schaffung offener Übergänge von der Heide zur vermoorten Niederung der Brunau hat zur Massenentwicklung des stark gefährdeten Sumpfbärlapps (Lycopodiella inundata) geführt. Auch Rundblättriger und Mittlerer Sonnentau (Drosera rotundifolia, D. intermedia), Weißes Schnabelried (Rhynchospora alba), Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und Moorlilie (Narthecium ossifragum) sind hier in guten Beständen vertreten.

Beim Vergleich der Heiden und Magerrasen auf den ehemaligen Roten Flächen mit den nicht militärisch genutzten Teilen des Naturschutzgebietes „Lüneburger Heide“ treten aber noch einige auffällige Unterschiede hervor: Besonders kennzeichnend für die ehemaligen Roten Flächen ist das regelmäßige und häufige Auftreten des Kleinen Filzkrautes (Filago minima). Auf diese Flächen beschränkt sind Hirschsprung (Corrigiola litoralis), Sandstrohblume (Helichrysum arenarium), Sumpfbärlapp? und Quirlige Knorpelmiere (Illecebrum verticillatum), deren gehäuftes Vorkommen auf militärischen Übungsflächen bekannt ist (zum Beispiel TÄUBER 1994 und 1996, KAISER 1995, BUSCH 1996). (Auch die Fadenbinse (Juncus filiformis) tritt in Heiden und Magerrasen vor allem auf den ehemaligen Roten Flächen auf.) – diese Art scheint in den dichter mit Vegetation bestandenen Altbereichen häufig übersehen zu sein, sie ist im NSG Bereich allgemein nicht selten- zumeist jedoch im Grünland bzw. in Heidemoor- Randbereichen. Weiter zu nennen sind hier beispielsweise noch Myosotis ramosissima, Vicea lathyroides, Echium vulgare Hypericum humifusum und Lilium bulbiferum crocerum. 

Auffällig seltener sind dagegen auf den ehemaligen Roten Flächen Borstgras (Nardus stricta) und Wacholder (Juniperus communis). Borstgras ist zwischenzeitlich wohl die dominiernde Pflanze in größeren Bereichen der Osterheide speziell jedoch im Nordteil der Roten Fläche 3b sowie südlich Bockheber. Ersteres ist vermutlich eine Folge der gerade erst einsetzenden Beweidung der Flächen, letzteres rührt daher, dass sich der Wacholder nicht so schnell wie andere Pflanzen ansiedeln kann. Zu nennen sind hier ebenfalls die Thymianseide  (Cuscuta epithymum) und die niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis). Feinschwingel- und Straußgras-Magerrasen treten nur auf den ehemaligen Roten Flächen gehäuft auf. Auch die Silbergras-Fluren sind hier häufiger vertreten. Die Vegetation ist insgesamt noch auffällig lückig. Rohhumusauflagen fehlen mit Ausnahme von Flächen, die nicht militärisch beübt wurden. An vielen Stellen ist ein dichter Anflug insbesondere mit Kiefern (Pinus sylvestris) festzustellen, der massiv durch Pflegemaßnahmen bekämpft werden muss. Dieser Kiefernanflug erreicht insbesondere in den Bereichen welche nicht durch Feinschwingel eingesäht wurden bzw. deren Vegetationsdecke noch sehroffen ist ektreme Dichten. Birkensamen sind jedoch auch in den eingesähten Bereichen noch gut keimfähig. Birkenaufwuchsbereiche sind jedoch zumeist kleinflächig.

Auf den ehemaligen Roten Flächen 3a und 3b ganz im Süden des Naturschutzgebietes „Lüneburger Heide“ führte der Verein Naturschutzpark im Jahre 2002 eine vollflächige Bestandsaufnahme der Biotopausstattung durch (BÜSCHER et al. 2002). Stellvertretend für alle Roten Flächen soll dieser Bereich daher nachfolgend näher beschrieben werden. Magerrasen und Heiden nehmen zwischenzeitlich wieder den größten Flächenanteil ein. Wälder sind besonders im Nordosten und im Niederungsbereich der Großen Aue flächig entwickelt. Auf den armen Sandböden handelt es sich vorwiegend um Nadelholzforste, während im Niederungsbereich verschiedene Feuchtwaldtypen auftreten. Auf den vermoorten Standorten sind kleinflächig auch offene Moorbiotope anzutreffen.

Der Heideanteil hat gegenüber der Zeit des militärischen Übungsbetriebes deutlich zugenommen, wie ein Vergleich mit der Bestandsaufnahme von BUSCH (1996) aus dem Jahre 1993 zeigt. Aktuell wurden 127 ha Sandheide ermittelt. Die Heiden kommen in recht unterschiedlicher Ausprägung vor, wobei junge, lückige Initialstadien mit höheren Offenbodenanteilen deutlich überwiegen. Eine Abgrenzung zu den Magerrasen ist nicht immer eindeutig möglich, da sich vielfach eine kleinräumiger Durchdringung eingestellt hat. Alleinige Dominanz hat in allen Fällen die Besenheide (Calluna vulgaris). Daneben ist im Gebiet Borstgras (Nardus stricta) weit verbreitet und stellenweise sind Durchdringungen zwischen Borstgrasrasen und Heide anzutreffen. Seltener tritt auch die Lehmheide auf, in der Arten wie Dreizahn (Danthonia decumbens), Gemeines Ferkelkraut (Hypochoeris radiaca) und Harzer Labkraut (Galium saxatile) anzutreffen sind. Ältere Heidestadien weisen zum Teil einen höheren Flechtenanteil auf. Feuchte Sandheiden sind nur sehr kleinflächig entwickelt. Nicht selten sind sie von Pfeifengras (Molinia caerulea) durchdrungen. Vereinzelt kommt als weiterer Feuchtezeiger auch Glockenheide (Erica tetralix) vor. Auffällig ist, das bodenfeuchte Bereiche im Gegensatz zu den durch militärische Nutzung unbeeinflussten Heidearealen um Wilsede nahezu grundsätzlich durch Bestände der Flatterbinse (Juncus effusus) gekennzeichnet sind. Hier kommt die vergleichsweise bessere Nährstoffversorgung dieser Mulden zum tragen, welche sowohl auf die massiven Bodenbewegungen während und direkt nach dem militärischen Übungsbetrieb zurückzuführen sind, als auch auf die weitgehend offene Vegetationsdecke, wodurch Schwemmstoffe bei Niederschlagsereignissen in die Senken getragen werden. Die Magerrasen auf den offenen Sandflächen des ehemaligen militärischen Übungsgeländes lassen sich gemäß der Typisierung von V.DRACHENFELS (1994) in Silbergrasfluren, sonstige Sandmagerrasen, artenarme Magerrasen sowie Borstgrasrasen unterscheiden. Sie nehmen zusammen 342 ha ein. Die Silbergrasfluren sind häufig nur lückig ausgebildet und weisen einen hohen Offenbodenanteil auf. Neben dem Silbergras (Corynephorus canescens) sind weitere charakteristische Arten Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis) und Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella). In den sonstigen Sandmagerrasen dominieren Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) oder Schafschwingel (Festuca ovina agg.). Hier kommen vermehrt Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Kleines Filzkraut (Filago minima), Bergsandglöckchen (Jasione montana), Hasenpfotenklee (Trifolium arvense), Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus), Waldruhrkraut (Gnaphalium sylvaticum) und Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) vor. Bei den noch artenarmen Magerrasen-Stadien handelt es sich vielfach um Einsaatflächen mit Feinschwingel (Festuca filiformis). Trockene Borstgrasrasen treten kleinflächig in allen Teilen der Roten Flächen 3a und 3b auf. Sie sind zumeist artenarm, da das bultig wachsende Borstgras (Nardus stricta) sehr dicht steht. Großflächigere Borstgrasrasen finden sich in der Heide östlich von Timmerloh. In feuchten Senken lassen sich diese auch den feuchten Borstgrasrasen zuordnen. Inmitten der Heiden und Magerrasen sind immer wieder Offenbodenbereiche zu finden. Sie sind weitestgehend vegetationslos. Nicht selten sind jedoch erste Initialstadien aus Moosen zu beobachten. Sie nehmen derzeit etwa 17 ha Fläche ein.

Auf den ehemaligen Roten Flächen 3a und 3b wurden 2002 insgesamt 17 Farn- und Blütenpflanzensippen der Roten Liste Niedersachsens gefunden.

1 Digitalia sanguinalis
2 Helichrysum arenarium
3 Filago arvensis
4 Hypericum humifusum
5 Genista pilosa
6 Genista anglica
7 Narduus stricta
8 Lytrum portula
9 Juniperus communis
10 Filago minima
11 Centaurium erythraea
12 Drosera rotundifolia
13 Anthemis tinctoria
14 Trifolium medii
15 Epipactis helleborine
16 Astragalus gycyphyllos
18 Linum catharticum
19 Myosotis ramosissima
20 Illecebrum verticillatum
21 Cichorium intybus
22 Mentha longifolia (nur im Randbereich)
23 Origanum vulgare (nur im Randbereich)
24 Crepis tectorum (nur 1 Exemplar)
25 Caltha palustris (Randbereich)
26 Echium vulgare
27 Galium odoratum
28 Andromeda polifolia
29 Calla palustris
30 Drosera intermedia
31 Chrysosplenium oppositifolium
32 Narthecium ossifragum
33 Rhynchospera alba
34 Vaccinium oxycoccos
35 Valeriana dioica
36 Viola palustris
37 Carex echinata
38 Utricularia minor
39 Galium odoratum
40 Anthemis arvensis
41 Salix eleagnos

Dies entspricht etwa 25 % bezogen auf das NSG, darunter einige Wiederfunde bzw. Neufunde. Das sind gut 10 % aller im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ aktuell vorkommender Sippen der Roten Liste (vergleiche KAISER & V.HARLING 1998). Hinzu treten weitere vier Sippen, deren Gefährdungsstatus nach GARVE (1993) unklar ist sowie die regional seltene Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea).

Auf Moorstandorte wachsen Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), Moorlilie (Narthecium ossifragum), Weißes Schnabelried (Rhynchospora alba), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) und Kleiner Wasserschlauch (Utricularia minor). Die Niederung der Großen Aue beherbergt unter anderem Sumpfcalla (Calla palustris), Sternsegge (Carex echinata), Wechselblättriges und Gegenblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium, C. oppositifolium), Kleinen Baldrian (Valeriana dioica), Lorbeerweide (Salix eleagnos) und Sumpfveilchen (Viola palustris). Die Heiden und Magerrasen werden von Kleinem Filzkraut (Filago minima) und Englischem Ginster (Genista anglica) besiedelt. Die seltene Quirlige Knorpelmiere (Illecebrum verticillatum) wächst auf verdichteten und wechselfeuchten Standorten in Fahrspuren oder in trocken gefallenen Uferbereichen.

3. Resümee

Der vorstehende Überblick zur Entwicklung der ehemaligen Roten Flächen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ zeigt, dass die infolge des militärischen Übungsbetriebes stark devastierte Landschaft innerhalb weniger Jahre erfolgreich ein gutes Stück weit hin zur früheren historischen Kulturlandschaft der Heidebauern zurückentwickelt werden konnte. Bereits nach neun Jahren hat sich wieder der großräumige offene Eindruck der Heidelandschaft eingestellt. Im Detail sind allerdings noch erhebliche Unterschiede im Vergleich zu kontinuierlich mit Heide oder Magerrasen bestandenen Flächen im Schutzgebiet zu verzeichnen. An Stelle eines Mosaiks unterschiedlich alter Heidestadien dominieren einseitig Pionierstadien. Dichter Kiefernanflug führt zu einer schnellen Verwaldung der Flächen, sofern nicht intensive Pflegemaßnahmen ergriffen werden. Insofern wird die weitere Pflege der Heidelandschaft auf den ehemaligen Roten Flächen durch den Verein Naturschutzpark noch lange weitaus kostenintensiver sein als auf anderen Flächen im Schutzgebiet. Auch sind deutlich aufwendigere Monitoringuntersuchungen erforderlich, um eventuell eintretende unerwünschte Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

4. Literatur

BUSCH, C. (1996): Veränderung der Vegetation durch militärischen Übungsbetrieb. - NNA-Berichte 9 (1): 45-51; Schneverdingen.
BÜSCHER, E., KAISER, T., HEINTZMANN, A. (2002): Biotoptypenkartierung im Bereich der ehemaligen Roten Flächen 3a und 3b im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“. - Arbeitsgruppe Land & Wasser, unveröffentlichtes Gutachten, 24 S. + 2 Karten; Beedenbostel.
CORDES, H., KAISER, T., LANCKEN, H.V.D., LÜTKEPOHL, M., PRÜTER, J. (Hrsg.): Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Geschichte - Ökologie - Naturschutz. - 367 S.; Bremen.
DRACHENFELS, O.V. (1994): Kartierschlüssel für Biotoptypen in Niedersachsen, Stand September 1994. - Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen A/4: 192 S.; Hannover.
GARVE, E. (1993): Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. - Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 13 (1): 1-37; Hannover.
KAISER, T. (1995): Sandheiden (Genisto anglicae-Callunetum vulgaris) und deren Kontaktgesellschaften auf dem NATO-Truppenübungsplatz Bergen (Niedersachsen, Lüneburger Heide). - Jahrbuch des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Fürstentum Lüneburg 40: 209-222; Lüneburg.
KAISER, T., HARLING, H.-J.V. (1998): Die Farn- und Blütenpflanzen des Naturschutzgebietes „Lüneburger Heide“. - Braunschweiger naturkundliche Schriften 5 (3): 667-683; Braunschweig.
LÜTKEPOHL, M., PRÜTER, J., PFLUG, W., TÖNNIESSEN, J., HANSTEIN, U. (1996): Entwicklungskonzept für die im Eigentum des Vereins Naturschutzpark befindlichen militärischen Übungsflächen im Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“. - NNA-Berichte 9 (1): 105-121; Schneverdingen.
PFLUG, W., PRÜTER, J., HANSTEIN, U., TÖNNIESSEN, J., LÜTKEPOHL, M., WILLENBOCKEL, C. (1997): Das ehemalige Militärgelände. - In: CORDES, H., KAISER, T., LANCKEN, H.V.D., LÜTKEPOHL, M., PRÜTER, J. (Hrsg.): Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Geschichte - Ökologie - Naturschutz. - S. 145-154; Bremen.
PREISING, E. (1955/56): Karte 1:10.000 der Pflanzengesellschaften und ihrer Standortbedingungen um 1945 im südwestlichen Bereich des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide. - unveröffentlichte Manuskriptkarte.
TÄUBER, T. (1994): Vegetationsuntersuchungen auf einem Panzerübungsgelände im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. - Tuexenia 14: 197-228; Göttingen.
TÄUBER, T. (1996): Vegetationskundliche und ökologische Untersuchungen auf militärischen Übungsflächen im NSG Lüneburger Heide (Rote Fläche 2). - NNA-Berichte 9 (1): 59-78; Schneverdingen.
TÄUBER, T. (1998): Entwicklung von Flora und Vegetation des ehemaligen Panzerübungsgeländes im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. - Natur und Landschaft 73 (12): 523-530; Stuttgart.
VEREIN NATURSCHUTZPARK (1993): Entwicklungsziele für die im Eigentum des Vereins Naturschutzpark e.V. befindlichen Roten Flächen im Naturschsutzgebiet Lüneburger Heide. - unveröffentlichtes Gutachten, 57 S.; Niederhaverbeck.
VEREIN NATURSCHUTZPARK (1994): Rekultivierung und Renaturierung auf den im Eigentum des Vereins Naturschutzpark e.V. befindlichen Roten Flächen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. - unveröffentlichtes Gutachten, 35 S.; Niederhaverbeck.
VEREIN NATURSCHUTZPARK (1998): Die „Roten Flächen“ werden grün. - Natur und Landschaft 73 (12): 530-532; Stuttgart.

Dr. Thomas Kaiser, stellv. Vorsitzender des VNP
Am Amtshof 18
29355 Beedenbostel

Dirk Mertens
Verein Naturschutzpark e.V.
Niederhaverbeck 7
29646 Bispingen




Beispiel für die positiven Auswirkungen der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... die Niedrige Schwarzwurzel...

Plaggmassnahmen wie hier mit einer Raupe helfen auch der Niedrigen Schwarzwurzel...

Ein Beispiel für den naturschutzfachlichen Erfolg der Landschaftspflegemaßnahmen des VNP im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist u.a. die Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis).

Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Niedersachsens wird die Niedrige Schwarzwurzel in Kategorie 2 (stark gefährdet) geführt. Im Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgebiet (erstellt Anfang der 1990er-Jahre im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Lüneburger Heide) konnte die selten gewordene Pflanze lediglich 2 x nachgewiesen werden. Dank der in den letzten Jahren durchgeführten Plagg-, Schopper- und Mahdarbeiten sowie aufgrund unterschiedlicher Beweidungsintensität der Heidschnucken des VNP sind heute 20 Standorte der Niedrigen Schwarzwurzel bekannt.

Auf der Fotoaufnahme ist rechts der Englische Ginster (Genista anglica) zu sehen. Diese Ginsterart wird in der Roten Liste in der Kategorie 3 geführt (gefährdet).



Die Ackerbegleitflora am Beispiel des VNP-Landschaftspflegehofes Tütsberg...

Unkrautregulierung mit dem Striegel (statt Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln)...

Der Landschaftspflegehof Tütsberg der zum Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) gehörenden Stiftung Naturschutzpark liegt im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und bewirtschaftet rund 260 Hektar Acker- und 224 Hektar Dauergrünland. Dabei werden unter anderem folgende Ziele verfolgt: 1. Erhalt der durch die historische Heidebauernwirtschaft geprägten heidelandschaft, 2. Umweltschonende Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzflächen hinsichtlich der Naturgüter Boden, Wasser und Luft, 3. Nachahmung der historischen heidebauernwirtschaft auf ausgewählten Ackerflächen, 4. Erhalt bzw. Entwicklung der standorttypischen Lebensgemeinschaft der Sandäcker und 5. Entwicklung eines ökonomisch tragfähigen Konzeptes.

Dazu wurde z.B. der chemische Pflanzenschutz bereits 1988 aufgegeben. Unter anderem auch aus ökonomischen Gründen folgte 1998 die konsequente Umstellung auf ökologischen Landbau nach BIOLAND-Richtlinien.

Als wichtiger Indikator für den biotischen Ressourcenschutz auf dem Ackerland wurde 1996 / 1997 die Ackerbegleitvegetation untersucht. Dabei wurden auf 27 Ackerschlägen von Hof Tütsberg 195 Arten angetroffen, darunter 111 Ackerwildkräuter und 23 kultivierte Arten. Im Mittel waren es 56 Arten pro Schlag. Von den 688 rezent im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide vorkommenden Sippen wurden auf den Äckern des Landschaftspflegehofes 25 % nachgewiesen - bei einem Flächenanteil von weniger als 1 %.

13 der angetroffenen Arten stehen auf der Niedersächsischen Roten Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen. Auf allen untersuchten Schlägen des Landschaftspflegehofes wuchs mindestens eine gefährdete Art. Selbst stark gefährdete Arten wie Acker-Filzkraut (Filago arvensis) und Kahles Ferkelkraut (Hypochoeris glabra) wurden auf mehreren Äckern nachgewiesen. Lammkraut (Arnoseris minima) kommt bereits auf gut einem Drittel und Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum) sogar auf fast 60 % der untersuchten Äcker vor.

Erfreulich ist darüber hinaus, dass die Lammkraut-Gesellschaft (Teesdalio-Arnoseridetum minimae), eine ehemals für die Wintergetreideäcker auf der nordwestdeutschen Geest typische, inzwischen jedoch allgemein sehr selten gewordene Gemeinschaft von Pflanzenarten an 44 Standorten auf Hof Tütsberg angetroffen wurde. Die Lammkraut-Gesellschaft kann daher auf den Äckern von Hof Tütsberg nicht mehr als akut gefährdet gelten.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, wird auf Hof Tütsberg ein mehrstufiges Ackerwildkrautschutz-Konzept umgesetzt. Dies besteht aus großflächigem ökologischen Landbau, der auf ausgewählten Flächen durch Ackerrandstreifen und Feldflorareservate in Form der Nachahmung der historischen Heidebauernwirtschaft ergänzt wird.



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www.Lueneburger-Heide-Attraktionen.de  |  www.lueneburger-heide.de  |  www.lueneburger-heideland.de
www.naturpark-lueneburger-heide.de | www.viatoura.de | www.erlebniswelt-heide.de | www.die-lueneburger-heide.de