Fauna im Naturschutzgebiet
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Zur Situation der Brutvogelarten in Deutschland und im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... |  Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat den Bericht 2008 zur Situation der Brutvögel in der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben. Darin wird festgestellt: die Situation für die Hälfte der Brutvogelarten (!) Deutschlands ist ungünstig. Von den 260 heimischen Brutvögeln stehen 42 Prozent auf der aktuellen Roten Liste - auf der Vorwarnliste stehen weitere 21 Arten. Jede dritte häufige Vogelart nahm zwischen 1990 und 2006 im Bestand ab, bodenbrütende Feldvögel und Brutvögel der Feuchtgrünländer sind weiter im Rückgang begriffen.
Für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit seiner reich strukturierten Kulturlandschaft gibt es unterschiedliche Tendenzen in der Entwicklung der Brutvogelbestände: typische Arten wie das Birkhuhn haben auch aufgrund der umfangreichen Schutzmaßnahmen von Verein und Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung genommen. Das gilt auch für Arten wie den Kranich, der im Naturschutzgebiet in kleinen, aber stabilen Beständen vorkommt. Gut vertreten sind Arten wie die Heidelerche, der Ziegenmelker oder der Neuntöter. Erfreulich ist zudem die Entwicklung der Brutvogelbestände von Rauch- und Mehlschwalbe im Naturschutzgebiet. Aber natürlich gibt es auch in der Lüneburger Heide Arten, denen ein besonderes Augenmerk gelten muss: Steinschmätzer, Großer Brachvogel oder die Bekassine bedürfen spezieller Schutz- und Landschaftspflegemaßnahmen, um ihre Lebensräume dauerhaft zu erhalten.
| Das Birkhuhn (Tetrao tetrix) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... |  ... gehört zu den Charakterarten dieser Landschaft. Seltenen Vogelarten wie dem Birkhuhn gilt der besondere Blick bei allen Pflegemassnahmen der zum VNP gehörenden Stiftung Naturschutzpark in der Kulturlandschaft Lüneburger Heide.
Das Birkhuhn (Tetrao tetrixi) gehört innerhalb der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) zur Familie der Fasanenartigen (Phasianidae). Ungefähr 210 Arten umfasst diese formenreiche Vogelgruppe, darunter das so bekannte Bankivahuhn (Gallus gallus), von dem unsere sämtlichen Haushühner abstammen. Innerhalb der Fasanenartigen wird das Birkhuhn der Sippe der Rauhfußhühner zugeordnet, die ihren Namen dem Umstand verdanken, dass ihre Läufe und Zehen fast vollständig befiedert sind.
Von ihrem ursprünglichen Lebensraum geprägt, der eiszeitlichen Taiga mit ihren vielen Heidekrautgewächsen, ist das Birkhuhn zum typischen Bewohner unserer Mittelgebirge und ungestörter Moor- und Heidelandschaften mit Birken-, Fichtenbewuchs und vielgestaltiger Krautschicht geworden. Das Angebot an holzigen Zwergsträuchern hat die Birkhühner zu Nahrungsspezialisten gemacht. Sie besitzen einen großen, doppelten Blinddarm, der eine Darmflora beherbergt, die Holz verdauen kann. Nur so konnten sie sich die Zwergsträucher als Nahrungsquelle erschließen. Erst nachdem ihre natürlichen Lebensräume, die Moore und moorigen Heideflächen zerstört wurden, wichen die Birkhühner auf die vom Menschen geschaffenen halbnatürlichen Heideflächen und oftmals degenerierten Restmoore aus.
Der Birkhahn ist etwa so groß wie ein Haushuhn. Bis auf den kleinen weißen Fleck am Flügelbug, den weißen Flügelstreif und die weißen Unterschwanzdecken ist der Hahn blauschwarz mit z.T. metallischem Glanz. Die roten Rosen oberhalb der Augen sind ein auffälliges Merkmal. Hähne erreichen eine Größe von bis zu 60 cm und ein Gewicht bis 1500 g. Hennen werden bis 50 cm groß und haben ein Gewicht von 700 bis 1100 g. Birkhühner können 10 – 15 Jahre alt werden. Die Balz, die im Frühjahr (April und Mai) und z.T. auch im Herbst möglichst auf vegetationsfreien Flächen stattfindet, ist ein stimmungsvolles Naturschauspiel. Das weit hörbare Kullern der Hähne ist ein sicheres Zeichen des kommenden Frühlings. Gerne werden die frisch bearbeiteten Plagg-, Schopper- und Mahdflächen zur Balz aufgesucht. Häufig balzen die Hähne auf Gemeinschaftsbalzplätzen. Sie balzen aber auch einzeln. Während der Balzzeit schwellen bei den Hähnen die roten Hautgebilde oberhalb der Augen, welche deshalb auch „Balzrosen“ genannt werden. Verschiedenste Posen und Flattersprünge sowie ein charakteristischer Balzgesang aus Fauchen und kullernden Lauten sind die markanten Elemente dieses zur Balzzeit an den Tag gelegten Verhaltens. Auf dem reichhaltigen Speiseplan der Birkhühner stehen hauptsächlich pflanzliche Stoffe, doch nimmt es hin und wieder auch wirbellose Kleintiere zu sich. Über hundert verschieden Sämereien, Früchte Beeren, Blatt- und Rindenarten. Die Jungen benötigen eiweißreiche Insektenkost. Die Vielseitigkeit ihres Nahrungsspektrums ist kein „kann“, sondern ein „muss“. Die einzelnen Futterpflanzen sind weder in üppigem Maß vorhanden noch sind sie besonders nährstoffreich. Eine mangelnde Nahrungsvielfalt führt zur Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten. Die Zusammensetzung seiner Kost ist starken saisonalen Schwankungen unterworfen: Im Winter sind die Knospen und Kätzchen der Birken sowie die Beeren und Nadeln des Wacholders von großer Bedeutung. Im Frühling und Sommer nimmt es vor allem die Blüten, Knospen, Blätter und Samen einer Vielzahl von Kräutern und Gräsern zu sich. Im Spätsommer und Herbst bilden Heidelbeeren, Brombeeren, und andere Früchte einen Großteil seiner Nahrung. Der Magen enthält immer Steine, die als „Kugelmühlen“ die Samen zerkleinern helfen. Birkhühner bauen ihr Nest bevorzugt in leichten Mulden im Heide- und Beerkraut.
6 - 10 ockergelbe mit roten oder schwarzbraunen Tupfen gemusterte Eier legt die Henne. Nur die Henne, welche durch ihr braungesprenkeltes, erdfarbenes Gefieder bestens getarnt ist, brütet 26 - 27 Tage die Eier aus. Wie bei den meisten Hühnervögeln kommen die Jungen in weit fortgeschrittenem Zustand zur Welt und beginnen umherzulaufen und nach Nahrung zu picken, sobald ihr Dunenkleid abgetrocknet ist: sie sind Nestflüchter. Allerdings können sie ihre Körpertemperatur vorerst noch nicht selbständig aufrechterhalten, sondern sind insbesondere bei schlechtem Wetter und in der Nacht noch ca. 3 Wochen auf das „Hudern“ durch die Mutter angewiesen. Im Gegensatz zu ihren Eltern, sind die jungen Birkhühner während der ersten drei Wochen ihres Lebens keine Vegetarier, sondern ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, besonders Rüsselkäfern, Ameisen, Spannerraupen, Blattwespen und Fliegen. Diese sehr eiweißreiche Kost lässt sie sehr rasch heranwachsen. Schon im Alter von zwei Monaten sind sie beinahe ausgewachsen. Über Winter bleibt der Familienverband beisammen. Die weiblichen Jungtiere pflanzen sich zumeist schon im folgenden Frühling erstmals fort. Die jungen Männchen sind dann zwar ebenfalls geschlechtsreif, doch können sie sich gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Lebensjahr erstmals fortpflanzen. Zuerst muss es ihnen nämlich gelingen, sich auf einem Balzplatz zu behaupten.
Birkhühner leiden vor allem unter starker Prädation von Fuchs, Schwarzwild, Rabenkrähe und Habicht. Auch Marder, Dachs, Bussard und Kolkrabe zählen zu den Fressfeinden. Kalte und nasse Witterungsverhältnisse während der ersten Aufzuchtswochen der Küken können den gesamten Nachwuchs vernichten. Deutschlandweit haben wir eine zunehmende Verinselung der Birkhuhnpopulationen zu beobachten. Die genetischen Verinselung kann zum Erlöschen von Populationen führen. Ein neuzeitliches Beispiel ist das Erlöschen der Population in der Diepholzer Moorniederung.
Heute also sind Birkhühner bundesweit sehr selten geworden. Erfreulicherweise ist die Populationsentwicklung im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide seit 1999 wieder leicht steigend - alle Bemühungen des VNP in der Landschaftspflege gelten auch aus diesem Grund Leittierarten wie dem Birkhuhn. Nur so lässt sich die einzige Birkhuhnpopulation außerhalb von Truppenübungsplätzen in Niedersachsen erhalten.
| Wiesenbrüter und Krähenproblematik im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... |  Der Großer Brachvogel wurde von 1981 bis 1998 im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit jährlich 8 – 10 Brutpaaren nachgewiesen. Im Bereich Twieselmoor / Brunauheide / Wulfsberg brüteten in diesem Zeitraum zumeist 4 – 5 Paare. In anderen Brutgebieten (Radenbachtal / Hörpler Heide) ist das Ausfallen der Art ab 1998 bzw. 2000 wohl vorrangig auf das Verbrachen ehemaliger Grünlandbereiche zurückzuführen. Ein "Phänomen", das mit der flächigen Aufgabe der Milchwirtschaft die meisten Feuchtgrünlandareale der Region betrifft und neben den Watvögeln auch andere Wiesenbrüter in ihrem Bestand gefährdet. Der VNP ist dieser Situation im Radenbachtal durch Wiedereinführung von Rinder- und Pferdehaltung auf großen Flächen begegnet und hofft, dass sich die Beweidung dort auch positiv auf die Wiesenbrüter auswirken wird.
Obschon sich die Biotopsituation für den Brachvogel ab 1993 durch den Wegfall der Belastungen bei den Panzerübungen und die Wiederansiedlung von Vegetation im Bereich der Brunauheide und des Brunaumoores deutlich verbesserte, stieg die Populationsgröße im weiteren Umfeld des Twieselmoores nur kurzfristig (1996) bis auf 6 Brutpaare an. Seither gehen die Brutzahlen kontinuierlich zurück. Heute brüten im Bereich Twieselmoor / Brunauheide nur noch ein bis zwei Paare des Großen Brachvogels. Ein Bruterfolg konnte in den letzten Jahren nicht nachgewiesen werden.
Für den Kiebitz zeichnet sich bezüglich der Bestandssituation und Bestandsentwicklung im Naturschutzgebiet ein ähnliches Bild wie beim Großen Brachvogel ab. Während bis 1990 Bruten in allen feuchten Offenlandbereichen registriert wurden (Wehlener Moorbach / Feuchtgrünlandkomplex bei Wesel / Wiesenbereich am Schierhorner Moor / Radenbachtal / Hörpler Heide / Bereich Pietzmoor / Möhrer Moor / Feldmark Bockheber / Benninghöfener Heide / Brunauheide / Twieselmoor und Randbereiche des Wulfsbergs, beschränkten sich die Brutversuche in den vergangenen Jahren auf das Twieselmoor, den Bereich Piezmoor / Möhrer Moor und das Weseler Grünland. In den meisten dieser Bereiche verschlechterte sich zumeist schleichend die Lebensraumsituation für den Kiebitz, entweder durch Ausfall der Flächennutzung oder durch Nutzungsintensivierung (Trend zur Silomahd). 2 Kiebitzpaare unternahmen im Twieselmoorbereich in den letzten Jahren Brutversuche. Beide Bruten wurden zweifach von Krähen ausgeräubert.
Auch die Bekassine, welche 1989 noch 17 Reviere im NSG besetzte, ist heute extrem selten geworden.
Bis in die 1980er Jahre war das Twieselmoor auch Brutgebiet des Birkhuhns. Heute stellt dieses Areal zumindest zeitweise im Jahresverlauf noch einen wertvollen Teil des Nahrungshabitates dieser Art als Ergänzung zu den Heidearealen. Eine direkte Ausräuberung einer Birkhuhnbrut durch Krähen konnte in den vergangenen Jahren einmal beobachtet werden.
Leider wird eine derart häufige Art wie die Rabenkrähe in ihrer Bestandsentwicklung nur dann beobachtet, wenn sie zum Problem wir. Für die Rabenkrähenpopulation im Twieselmoor ist dies etwa seit 1996 der Fall. In den vergangenen Wintern waren zeitweise bis zu 300 Tiere im Twieselmoorbereich zu beobachten. Angelockt wurden sie u.a. durch Unmengen von Maissilage, die hier zur Freilandhaltung von Rindern auf kleiner Fläche als Futterbasis dienten. Darüber hinaus sorgte eine Ackerfläche im Twieselmoor ebenfalls für eine gute Nahrungsgrundlage.
Mittlerweile ist es dem VNP gelungen, die Flächen anzupachten. Da eine weitere Grünlandbewirtschaftung durch Rinder auch im Sinne des Wiesenvogelschutzes ist, wurden die Flächen dem bisher hier wirtschaftenden Landwirt mit Auflagen bezüglich der Viehdichte, der Düngung und besonders einem Verbot der Zufütterung auf der Fläche unterverpachtet. Der Verlust der Nahrungsbasis durch die zugefütterte Maissilage sorgte bereits in direkter Folge für einen Rückgang der Krähenzahlen. Dennoch wurden auch im letzten Frühjahr über 100 Tiere an vielen Tagen im Twieselmoorbereich gesichtet. Einerseits weisen die Krähen eine gewisse Standorttreue für ehemals gute Futterplätze auf, andererseits findet sich jedoch noch immer Futter im Umfeld des Moores, da von unbekannter Seite vermutlich an versteckten Plätzen Maiskolben als Wildkirrung verfüttert werden. Die Kolben finden sich in weiten Bereichen der Brunauheide, ihre Herkunft ist noch unbekannt.
Der allgemeine Bestandsrückgang der Wiesenbrüter im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und auch bundesweit zeigt deutlich, dass das Problem des Wiesenvogelrückganges im Gebiet und speziell im Twieselmoor nicht allein auf eine überhöhte Rabenkrähenpopulation zurückzuführen ist. Für Arten, deren Bestände jedoch ohnehin stark gefährdet sind, stellt eine derart künstlich überhöhte Populationen wie im Twieselmoorbereich ein entscheidendes Gefährdungspotential dar.
Neben den örtlichen Maßnahmen zur Reduzierung des Futterangebotes im Bereich Twieselmoor ist hier eine besonders rasche Abdeckung von aufgefüllten Deponiebereichen an der Mülldeponie Hillern anzustreben. Dort sind neben großen Möwen- und Krähenschwärmen zeitweise bis zu 400 Kolkraben als Nahrungsgäste beobachtet worden. Darüber hinaus gilt es Regelungen zu finden, die das offene Verfüttern von Maissilage im Bereich des Naturschutzgebietes unterbinden. Auf das Verbot umfangreicher Wildanfütterungen, die neben den Krähen auch die Wildschweinpopulation fördern, muss zukünftig besonders streng geachtet werden - nötigenfalls ist hier zu ahnden.
| Der Große Brachvogel (Numenius arquata)... |  ... ein seltener Brutvogel im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist der Große Brachvogel. Diese durch ihren charakteristischen, sichelförmigen Schnabel auffallende Vogelart besiedelt Lebensräume wie Moorflächen, feuchtes Grünland und deren Übergangsbereiche zu beweideten Acker- und Grünlandbrachen. In einigen Fällen wurde nach Aufgabe der militärischen Nutzung auf den sog. "Roten Flächen" im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide Flächen mit schütterer Vegetation als Teillebensraum genutzt. Der VNP bemüht sich seit vielen Jahren, durch extensive Bewirtschaftung seiner Grünlandflächen oder durch (Wieder-) Vernässung von Mooren wie dem Pietzmoor bei Schneverdingen zum Erhalt dieser Art beizutragen. Diese Schutzmaßnahmen dienen daneben natürlich auch Arten wie dem Kiebitz, der in den letzten Jahren in ganz Deutschland z.T. dramatische Bestandseinbrüche hinnehmen musste.
Übrigens: der zum VNP gehörende "Tütsberg" verdankt möglichweise dem Brachvogel - früher auch "Vogel Tüt" genannt - seinen Namen.
Der bundesweite Rückgang des Brachvogels hat eine ganze Reihe von Gründen. Schwerpunkt war die Vernichtung von Lebensräumen: viele Wiesen wurden umgebrochen und in Ackerland verwandelt, die Bebauung, Kiesabbau und Erholungsdruck in Brachvogelwiesen vertrieben die Art immer mehr aus seinen Lebensräumen. Der Vogel wurde immer seltener; häufig erinnern nur noch Straßen- und Feldflurnamen an den Wiesenvogel. Rund 5000 Paare des Brachvogels gab es 1982 in Deutschland noch, als der Große Brachvogel vom damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV) zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Seitdem ist der Bestand immer weiter zurückgegangen.
Mit einer Körperlänge von durchschnittlich 56 cm ist der große Brachvogel der größte Schnepfenvogel Europas. Der abwärts gebogene lange Schnabel macht den Brachvogel unverwechselbar. Weibchen haben einen deutlich längeren Schnabel als Männchen und Jungvögel. Brachvögel ernähren sich überwiegend von Tieren, doch kann der Anteil vegetarischer Kost recht hoch sein. Vor allem werden Wirbellose der oberen Bodenschichten wie Regenwürmer erbeutet. Frösche und Kröten, Eidechsen, Jungvögel und Kleinnager wurden zwar als Beute nachgewiesen, doch spielen sie eine nur geringe Rolle. Im Binnenland werden vorwiegend Insekten gefressen. Laufkäfer, Heuschrecken, Ohrwürmer, Raupen, Spinnen oder Asseln stehen auf dem Speiseplan ganz oben.
Brachvögel brüten in offenem, gut überschaubarem, ebenem, trockenem bis sehr feuchtem Gelände, gern in der Nähe von Wasser, zum Beispiel in Flach- und Hochmooren, Viehweiden und Mähwiesen. Die Vögel, die bis zu 30 Jahre alt werden können, sind sehr nestplatztreu und bleiben dem einmal gewählten Brutplatz u.U. auch dann noch treu, wenn er in einen Acker umgewandelt wurde. Küken können dann allerdings nicht mehr flügge werden. In Mitteleuropa treffen die ersten Brachvögel bereits Ende Februar an ihren Brutplätzen ein. Der Neststand ist am Boden, normalerweise in spärlicher und niedriger Vegetation. Meistens werden vier Eier in eine seichte Mulde gelegt. Brutbeginn ist ab Ende März. Nach 27-29 Tagen schlüpfen die Jungen und werden nach spätestens 5 Wochen flugfähig. Es findet nur eine Brut im Jahr statt.
Während der Brachvogel in Mitteleuropa überall selten geworden ist, ist er im nördlichen Europa noch weit verbreitet. So kann man den melodiösen flötenden Ruf des Brachvogels im Wattenmeer noch ganzjährig hören, denn im Wattenmeer halten sich Tausende Brachvögel aus Skandinavien und Sibirien als Zugvögel auf. Die rastenden Brachvögel nutzen das Watt zur Mauser und zur Nahrungssuche, suchen aber oft auch kilometerweit landeinwärts nach Nahrung.
| Kraniche in der Heide... |  Manch ein Spaziergänger und Naturfreund hat das Glück, große graue Vögel im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beobachten zu können. Nein – nicht der relativ häufige Graureiher ist gemeint, sondern der Kranich!
Insgesamt gibt es 15 Kranicharten. Sie sind auf der gesamten Erde mit Ausnahme von Südamerika und der Antarktis verbreitet. In Europa ist der Graue Kranich (Grus grus) heimisch. Beide Geschlechter tragen das graue Federkleid und den roten Fleck auf dem Kopf als eindeutige Kennzeichen. Die verlängerten Armschwingen der Vögel hängen wie eine Schleppe über den Schwanz. Sie werden während der Balz buschig aufgestellt und verleihen den Vögeln ein majestätisches Aussehen. Die Jungvögel sind schlicht graubraun gefärbt. Ausgewachsene Tiere messen von der Schwanz- bis zur Schnabelspitze ca. 1,20 m und sind 7 kg schwer.
Die Geschlechtsreife erreichen Kraniche erst im Alter von 3 bis 5 Jahren. Die Verpaarung der Partner dauert meistens das ganze Leben lang. Die Brutzeit beträgt 29 bis 31 Tage und beide Vögel beteiligen sich daran. Kranichpaare ziehen ein bis zwei Junge auf. Als Nestflüchter folgen sie schon nach ein bis zwei Tagen ihren Eltern. Kraniche ernähren sich sehr vielseitig. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Würmer u.a. Kleintiere sowie Getreide, Kartoffeln, Beeren und Knospen. Jungtiere fressen überwiegend Insekten. Nach ca.10 Wochen (im August) sind die Jungen flugfähig und treffen mit ihren Eltern an den Sammelplätzen für den Zug Richtung Süden ein. Harte Winter sowie der damit verbundene Nahrungsmangel in den nördlichen Brutgebieten zwingen die Vögel, ihre Heimat zu verlassen. Kraniche ziehen wie viele andere Zugvögel auf zwei verschiedenen Routen und fliegen entweder über Westeuropa nach Marokko oder über das Baltikum und Ungarn bis nach Tunesien. Die Flughöhe beträgt 200 bis 2.000 m und die Fluggeschwindigkeit kann bei günstigem Wind über 100 km/h betragen. Über dem Gebiet der Lüneburger Heide kann man mitunter im Herbst Trupps von Kranichen auf dem Zug beobachten. Oftmals kündigen sie sich schon lang bevor man sie sieht durch die typischen, rauhen Flugrufe an. Da der Zug sehr energieaufwendig ist müssen die Vögel öfters rasten und bevorzugt auf abgeernteten Maisfeldern Nahrungsreserven ansammeln. Somit ist die Lüneburger Heide nicht das typische Rastgebiet wie z.B. die weiten landwirtschaftlich genutzten Flächen in Mecklenburg-Vorpommern. Dennoch können immer wieder im Wümmemoor Trupps von bis zu 30 Tieren während der Rast beobachtet werden.
Der sog. Heimzug im Februar / März verläuft zügiger – die Kraniche folgen ihrem Bruttrieb. Zumeist kehren Kranichpaare an ihren alten Brutplatz zurück. 80% der Kraniche, die Norddeutschland überqueren, brüten in Skandinavien, die meisten anderen in Osteuropa. Jedoch haben sich einige wenige Kranichpaare in den letzten Jahren auch die Lüneburger Heide als Brutrevier ausgesucht – dort nämlich, wo die Biotopausstattung Moore und Bruchwälder enthält.
Die Lüneburger Heide als Brutgebiet des Gauen Kranichs
Erstmals wurde der Kranich 1994 mit einem Revierpaar (ohne Brutnachweis) in der Lüneburger Heide beobachtet – dann einige Jahre nicht mehr. Seit 1998 jedoch gibt es wieder Aufzeichnungen von Revierpaaren. Im Jahr 2000 wurde erstmals eine Brut nachgewiesen, danach jedes Jahr 3 - 8 Bruten bis zum Jahr 2006. Zusätzlich konnten jeweils noch 3 - 5 Revierpaare beobachtet werden. Im Jahr 2008 wurden 8 Brut- und 13 Revierpaare im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide festgestellt. Eine allgemein interessante, etwas unerklärliche ornithologische Entwicklung ist die Ausbreitung etlicher Vogelarten von Ost nach West nach der Grenzöffnung 1989 – so auch die des Grauen Kranichs.
| Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist Vogel des Jahres 2007... |  Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, küren seit fast 40 Jahren einen „Vogel des Jahres“. Beide Verbände wollen damit auf eine bestimmte Vogelart unserer heimischen Avivfauna aufmerksam machen. In der Vergangenheit sind meist Arten ausgewählt worden, die in ihrem Bestand gefährdet sind oder deren Häufigkeit durch Lebensraumveränderung oder –zerstörung zurückgeht.
2007 wurde mit dem Turmfalken ein Greifvogel zum „Vogel des Jahres“ gekürt, der auch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und seinem unmittelbaren Umfeld vertreten ist. Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und mehr als 70 Zentimetern Flügelspannweite ein kleiner Artverwandter des ersten Jahresvogels, dem im Jahr 1971 gewählten Wanderfalken. Dieser stand seinerzeit unmittelbar vor dem Aussterben in der Bundesrepublik Deutschland. Beim Turmfalken sieht das anders aus, auch wenn seine Bestandszahlen heute – zumindest regional – oftmals zurückgehen.
Viele unserer Mitglieder werden den Turmfalken auch unter der Bezeichnung „Rüttelfalke“ kennen. Sein Jagdflug ist für die Art charakteristisch, wenn er mit schnellen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz in der Luft stehend auf Beute aus ist. Diese besteht vorwiegend aus Mäusen und Insekten, aber auch Eidechsen. Hat der Turmfalke sein Opfer erspäht, stößt er abrupt in die Tiefe, um es geschickt zu erbeuten. Gern nutzt er aber auch Zaunpfähle oder einzeln stehende Bäume und Gehölze in Feldhecken, um von dieser Warte aus auf Jagd zu gehen.
Der kleine Greifvogel zählt zu den Kulturfolgern, hat er doch menschliche Bauten wie Schlösser, Hochhäuser oder Burgruinen als Lebensraum entdeckt. So hat ein Turmfalken-Paar in diesem Jahr fünf Junge in einem eigentlich für Schleiereulen angebrachten Nistkasten im Turm der Bispinger St.-Antonius-Kirche großgezogen. In der freien Landschaft nutzt der Turmfalke meist verlassene Krähennester, um zur Brut zu schreiten. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide sind mindestens 4 Reviere dieser Art bekannt. In Deutschland leben nach Angaben des NABU knapp 50.000 Turmfalken-Paare. Europaweit gibt es etwa 350.000 Brutpaare. Der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa.
| Die Brutvogelbestände im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide |  Die Entwicklung der Brutvogelbestände im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide im Vergleich...
Zwergtaucher: 2002: Einzelbeobachtungen, 2003: 8 BP, 2004: 4 BP, 2005: 6 Reviere, 2008: 3 BP + 3 Reviere
Schwarzstorch: 2002: 1 BP, 2003: 1 BP, 2004: 1 BP (mindestens 1 weiteres Revier), 2005: 1 BP (mindestens 1 weiteres Revier), 2008: 1 BP mit 3 flüggen Jungvögeln
Krickente: 2002: 12 BP, 2003: 16 BP, 2004: 25 BP, 2005: mind. 5 BP, 2008: mind. 3 Revierpaare
Schellente: 2002: 1 BP, 2003: 1 BP + 1 Brutverdacht, 2004: Brutverdacht an zwei Orten, 2005: 1 BP sowie 1 Brutverdacht, 2008: 1 BP + 1 Revierpaar
Wespenbussard: 2002: Keine Beobachtungen, 2003: Einzelbeobachtungen, 2004: Einzelbeobachtungen, 2005: Einzelbeobachtungen, 2008: Einzelbeobachtungen
Rotmilan: 2002: 1 Revier, 2003: 1 Revier (+ evtl. 2 weitere Reviere), 2004: mindestens 3 Reviere, 2005: mindestens 3 Reviere, 2008: Einzelbeobachtungen
Habicht: 2002: Einzelbeobachtungen, 2003: 11 Reviere, 2004: 12 Reviere, 2008: 13 Reviere
Turmfalke: 2002: Mindestens 4 Reviere, 2003: 3 Reviere (+ evtl. 2 weitere), 2004: 4 Reviere, 2008: 3 Brut- sowie 3 Revierpaare
Baumfalke: 2002: mindestens 4 Reviere, 2003: 4 Reviere (davon 1 Brutnachweis), 2004: 1 Revier + Einzelbeobachtungen, 2008: 1 BP + 4 Reviere
Birkhuhn: 2002: 20 Hähne + 19 Hennen, 2003: 16 Hähne + 19 Hennen, 2004: 28 Hähne + 19 Hennen , 2005: 33 Hähne + 26 Hennen, 2008: 43 Hähne + 30 Hennen
Rebhuhn: 2002: 10 + 1 Revier, 2003: 11 + 1 Revier, 2004: 18 + 2 Reviere, 2005: 23 + 1 Reviere, 2008: 26 Reviere
Wachtel: 2002: 32 + 4 Reviere, 2003: 26 + 3 Reviere, 2004: 28 + 3 Reviere, 2005: 32 Reviere, 2008: 20 Reviere
Wachtelkönig: 2002: 4 rufende Männchen, 2003: keine Beobachtungen in 2003, 2004 und 2005
Kranich: 2002: 3 Brut- + 5 übersommernde Paare, 2003: 4 (evtl. 6) Bruten und 5 (evtl. 3) übersommernde Paare, 2004: 5 Bruten und 9 übersommernde Paare, 2005: 8 BP und 5 weitere Revierpaare (mind. 7 BP haben erfolgreich gebrütet!), 2008: 8 Brut- und 13 Revierpaare
Kiebitz: 2002: 7 Reviere innerhalb und knapp außerhalb des NSG, 2003: 2 Brutpaare im NSG, 2 knapp außerhalb, 2004: 7 Reviere im NSG, 6 knapp außerhalb, 2005: 4 Reviere im NSG, 2 knapp außerhalb, 2008: 1 Brutpaar + 3 Revierpaare + 4 Brutpaare außerhalb des NSG
Bekassine: 2002: mindestens 1 Revier, 2003: 5 Reviere, 2004: 4 Reviere, 2005: 1 Revier, 2008: 3 Reviere
Großer Brachvogel: 2002: 3 Reviere, 2003: 2 Reviere, 2004: 5 Reviere, 2005: 5 Reviere, 2008: 5 Reviere
Hohltaube: 2002: 20 + 2 Reviere, 2003: 60 + 1 Revier, 2004: 59 Reviere, 2005: 52 + 1 Reviere
Turteltaube: 2002: 9 Reviere, 2003: 10 Reviere, 2004: 18 Reviere, 2005: nicht erfasst, 2008: 5 Reviere
Schleiereule: 2002: Einzelbeobachtungen, 2003: 1 Brutpaar in Wesel, 2004: 1 BP, 2005: 1 Revier, 2008: 1 BP + 1 BP knapp außerhalb des NSG
Sperlingskauz: 2002: 5 Reviere rufender Männchen, 2003: keine Nachweise, 2004: 1 Revier + 3 rufende Männchen, 2008: 9 Reviere bzw. Ruforte
Waldohreule: 2002: 1 Beobachtung, 2003: 4 Bruten + 2 Reviere im NSG, 2004: 2 Bruten und 4 Reviere, 4 Reviere, 2008: 1 BP + 1 Revier
Rauhfusskauz: 2002: 23 Reviere, 2003: 34 Reviere, 2004: 40 + 1 Revier, 2005: 12 Reviere, 2008: 17 Reviere
Ziegenmelker: 2002: 58 + 2 Reviere, 2003: 106 + 2 Reviere, 2004: 70 Reviere, 2005: 65 Reviere, 2008: 68 Reviere
Wendehals: 2002: 12 Reviere, 2003: 15 Reviere, 2004: 20 Reviere, 2005: 21 Reviere, 2008: 2 BP + 5 Reviere
Grünspecht: 2002: 38 + 1 Revier, 2003: 50 Reviere, 2004: 77 Reviere, 2005: 65 + 3 Reviere, 2008: 81 Reviere
Schwarzspecht: 2002: ca. 40 Reviere, in 2003 und 2004 nicht kartiert. 2005 zahlreiche Beobachtungen aus fast allen Monitoringgebieten des NSG, 2008: 31 Reviere
Kleinspecht: 2002: 6 Reviere, 2003: 8 Reviere, 2004: 9 Reviere, 2005: 5 Reviere, 2008: 5 Reviere
Heidelerche: 2002: 140 + 2 Reviere, 2003: 196 + 1 Revier, 2004: 304 + 10 Reviere, 237 + 2 Reviere, 2008: 159 Reviere
Uferschwalbe: 2002: 12 bis 15 Bruten knapp außerhalb des NSG, 2003: mindestens 3 Bruten knapp außerhalb des NSG, 2004: mind. 2 Bruten knapp außerhalb des NSG, 2005: nicht erfasst
Rauchschwalbe: 2002: 193 BP, 2003: 218 BP, 2004: 225 BP, 2005: 308 BP, 2008: 331 BP
Mehlschwalbe: 2002: 57 BP, 2003: 70 BP, 2004: 98 BP, 2005: 80 BP, 2008: 103 BP
Schafstelze: 2002: mindestens 4 + 1 Revier, 2003: 7 bis 8 + 1 Revier, 2004: 17 Reviere, 2005: 5 Reviere knapp außerhalb des NSG, 2008: 12 Reviere + 3 knapp außerhalb des NSG
Braunkehlchen: 2002: 6 Reviere, 2003: 18 Reviere, 2004: 13 Reviere, 2005: 9 + 1 Reviere, 2008: 7 Reviere
Schwarzkehlchen: 2002: 59 Reviere, 2003: 98 Reviere, 2004: 132 Reviere, 2005: 101 Reviere, 2008: 90 Reviere
Steinschmätzer: 2002: 3 Reviere, 2003: 6 Reviere, 2004: 4 Reviere, 2005: 4 Reviere, 2008: 2 Reviere
Feldschwirl: 2002: Keine Beobachtung, 2003: 2 singende Männchen, 2004: 2 singende Männchen, 2005: 2 singende Männchen, 2008: keine Beobachtung
Sumpfrohrsänger: 2002: 1 Revier + 1 singendes Männchen, 2003: 10 singende Männchen, 2004: 4 singende Männchen, 2005: 2 singende Männchen
Gelbspötter: 2002: 2 singende Männchen, 2003: 3 singende Männchen, 2004: 2 singende Männchen, 2005: 2 Reviere, 2008: 1 Revier knapp außerhalb des NSG
Dorngrasmücke: 2002: 17 Reviere, 2003: 54 Reviere, 2004: 61 + 4 Reviere, 2005: 33 Reviere + 2 knapp außerhalb des NSG, 2008: 23 Reviere + 3 knapp außerhalb des NSG
Pirol: 2002: 2 Reviere + 1 singendes Männchen, 2003: 1 Revier, 2004: Einzelbeobachtungen, 2005: 1 Revier + Einzelbeobachtungen, 2008: 4 Reviere
Neuntöter: 2002: 38 Reviere, 2003: 50 Reviere, 2004: 63 Reviere, 2005: 44 Reviere, 2008: 41 Reviere
Raubwürger: 2002: 20 Reviere, 2003: 9 Reviere, 2004: 12 Reviere, 2005: 16 Reviere, 2008: 3 BP + 3 Reviere
Dohle: 2002: 106 BP, 2003: 116 BP, 2004: 115 BP, 2005: Einzelbeobachtungen sowohl an BP als auch an Individuen, 2008: 45 bis 50 Revierpaare
Kolkrabe: 2002: 16 + 1 BP, 2003: 16 + 1 BP, 2004: 16 Paare, 2005: Einzelbeobachtungen sowohl an BP als auch an Individuen (Erhebung noch nicht vollständig abgeschlossen), 2008: 6 Brut- und 8 Revierpaare
Erläuterungen: "11 + 4 Reviere" = 11 Reviere im NSG und 4 weitere knapp außerhalb des NSG
Stark schwankende Ergebnisse kommen in der Regel aufgrund von wechselnden Schwerpunkten bei der Beobachtung sowie Witterungseinflüssen u.ä. zustande.
Aktuelle Ergebnisse aus dem Auszug des "Vogelkundlichen Jahresberichtes für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide 2006" von Stefan Wormanns, Verein Naturschutzpark e.V. Die Beobachtungen stammen von den ehrenamtlichen Mitarbeiter / -innen der naturkundlichen Arbeitsgruppe und zahlreicher Einzelbeobachter, denen auch an dieser Stelle herzlich für ihre Mitarbeit gedankt sei!
| Der Rauhfußkauz (Aegolius funereus)... |  ... ähnelt von der Gestalt her dem größeren Waldkauz. Der Rauhfußkauz besiedelt im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide als mäßig häufig vorkommender Brutvogel 40 bis 60 Reviere. Er konnte das heutige Naturschutzgebiet erst nach der Entstehung größerer Nadelwaldkomplexe besiedeln.
Wie der Waldkauz brütet diese ausgesprochen nachtaktive Eulenart in erster Linie in Baumhöhlen des Schwarzspechtes. Eine besonders hohe Siedlungsdichte findet der Rauhfußkauz im Bereich der Hanstedter Berge im Nordteil des Naturschutzgebietes.
Die Weibchen des Rauhfußkauzes beginnen bei milder Witterung ab Anfang März eines Jahres mit der Brut. Meist brüten sie pro Jahr ein Mal, in günstigen Fällen und bei ausreichendem Nahrungsangebot auch zwei Mal. Die Brut dauert in der Regel rund 28 Tage. Nach weiteren 30 Tagen fliegen die Jungkäuze aus, werden aber noch mehrere Wochen von ihren Eltern geführt. Die Nahrung der Rauhfußkäuze besteht aus Kleinsäugern und Vögeln bis Drosselgröße. Zur Brutzeit werden vorwiegend Mäuse gefangen.
| Das Schwarzkehlchen (Saxicola torquata) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... |  Das Schwarzkehlchen ist etwas kleiner als ein Sperling. Der Kopf des Männchens ist - wie der Name schon sagt - schwarz mit scharf abgesetzten weißen Flecken an den Halsseiten gefärbt. Die Brust ist rostbraun, gegen den Bauch hin aufhellend. Das Weibchen ist oberseits braun mit schwarzem Streifen, am Bürzel ohne Weiß. Kopf und Kehle sind dunkel gefärbt mit schwarzen Strichen, Brust und Bauch etwas heller rostfarben als beim Männchen. Der in der Bundesrepublik insgesamt selten gewordene Singvogel ist im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide noch verbreitet anzufinden - für den aufmerksamen Beobachter gut sichtbar, wenn er auf Halmen oder Wacholdern sitzend seinen an eine Amsel erinnernden Gesang von sich gibt.
Der kleine Singvogel baut sein Napfnest in dichten Nadelbäumen (auch in Wachholdern), oft auch in der Nähe des Bodens. Die Nahrung des Schwarzkehlchens besteht aus Regenwürmern und kleinen Wirbellosen, im Herbst auch aus Beeren. Während das Schwarzkehlchen in Nordeuropa oft in Mooren anzutreffen ist, bevorzugt es bei uns Heidegebiete mit einem gewissen Grad an Verkusselung mit Kiefern und Wacholdern.
Das Schwarzkehlchen gilt als Kurzstreckenzieher und überwintert in den Mittelmeerländern. Nordische Durchzügler können in allen Teilen Mitteleuropas auch im Tiefland beobachtet werden, im Binnenland meist aber nur in geringer Zahl.
| Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) ... |  ... gehört zu den Nachtschwalben und den charakteristischen Vogelarten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Der knapp 27 cm große Vogel ist am bekanntesten durch seinen bemerkenswerten nächtlichen, schnurrenden Gesang und auffallenden Balzflug.
Der Ziegenmelker ist von länglicher, gestreckter Gestalt und im allgemeinen braun bis dunkelbraun. Durch die rostgelbe Sprenkelung ist diese Art perfekt getarnt und auf einem Ast sitzend kaum auszumachen. Der große Kopf des Ziegenmelkers ist abgeflacht mit kleinem Schnabel. Das Männchen hat drei weiße Flecken an den Schwingen nahe der Flügelspitze. Ziegenmelker verbringen den Tag bewegungslos in Deckung auf Zweigen oder am Boden sitzend. Die lautlosen Nachtjäger jagen in unruhigem Flug vorwiegend Nachtschmetterlinge. Zur Brutzeit häufig lautes Klatschen mit den Flügeln.
Ziegenmelker kommen in Mooren, Heiden und Wäldern vor - besonders an deren Rändern und Lichtungen, die mit Farnkraut bestanden sind. Dem Schutz besonders auch dieser Art gelten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide die Schaffung von tiefgestaffelten Wald-Heide-Übergangsbereichen. Im Naturschutzgebiet wurden in den letzten Jahren zwischen 60 und 70 Reviere des Ziegenmelkers kartiert.
| Brutvogel der Altholz-Bestände im Naturschutzgebiet: die Hohltaube (Columba oenas)... |  Obwohl die Hohltaube deutlich kleiner als die Ringeltaube ist, wird sie immer wieder mit ihr verwechselt. In der Nähe von Ortschaften wird sie zudem mit wildfarbigen Haus- oder Straßentauben "in einen Topf geworfen" - und hat doch als Höhlenbrüter in alten Bäumen ganz andere Habitatansprüche als die Artverwandten. Sie nutzt dort in erster Linie alte Höhlen des Schwarzspechtes. Mittlerweile gilt die Hohltaube in der Bundesrepublik als bedrohte Art - obwohl seitens der Landesforstverwaltungen (und natürlich in der Lüneburger Heide auch des VNP) viel unternommen wird, um Höhlenbäume vorwiegend in Altbuchen zu erhalten. Wo natürliche Höhlen fehlen, nimmt die Hohltaube auch spezielle Brutkästen an.
Bevorzugte Lebensräume sind kleine, nicht zu dichte Altholzbestände, die mit Wiesen und Ackerlandschaft abwechseln. Die Hohltaube ist aber auch in größeren Parkanlagen anzutreffen, in geschlossenen Wäldern meist mehr in den Randzonen. Die Nahrung besteht meist aus Früchten und Samen von Gräsern und Kräutern, ferner aus Eicheln, Bucheckern bis hin zu Kleintieren am Boden. Mit über 50 Revieren ist diese Taubenart im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide noch gut vertreten.
Die Hohltaube zählt zu den Zugvögeln, die nur in ganz geringer Zahl in besonders milden Gebieten Mitteleuropas überwintern - vorwiegend im Mittelmeerraum.
| Die Heidelerche (Lullula arborea)... |  Der Lebensraum der im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide verbreitet vorkommenden Heidelerche umfasst Offensandbereiche, lichte Grasfluren und Pioniergesellschaften mit einzeln stehenden Bäumen oder lockeren Waldbeständen bzw. Wald-Heide-Übergangsbereichen. Mit Mahd-, Schopper- und Plaggflächen durchsetzte Heide mit einzelnen Solitärbäumen werden von der Heidelerche ebenso besiedelt wie ältere Heiden mit Verkusselungen oder Ackerbrachen.
Den Schwerpunkt der Verbreitung erreichen Heidelerchen, die mit mehr rund 140 Revieren im Gebiet vertreten sind, an Heiderändern mit einer Vielfalt von Lebensräumen wie höheren Bäumen, lichten oder von Heidschnucken stark beweideten Vegetationsbeständen.
Von der ebenfalls vorkommenden Feldlerche unterscheiden sich die Heidelerchen durch die geringere Größe, den kurzen Schwanz ohne weiße Kanten und die auffallenden weißen Streifen über den Augen. Die Heidelerche steigt in weiten Spiralen im Singflug empor und stürzt sich schließlich mit angelegten Flügeln bis fast zu Boden. Der Gesang ist weniger abwechslungsreich und nicht so anhaltend und kräftig als bei der Feldlerche.
| Seltene Beobachtung im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide... der Wiedehopf! |  Ende April 2005 bekam das Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ seltenen Besuch von einem Vertreter unserer heimischen Vogelwelt, der den meisten Lesern eher aus Büchern als aus der Natur bekannt sein dürfte. Es handelte sich um einen Wiedehopf (Upupa epops), der jedem Naturinteressierten durch seinen schmetterlingsartigen Flug und seine schwarzweiß gebänderten Flügel sofort ins Auge fällt. Den Wiedehopf kennzeichnen neben dieser auffälligen Flügel- und Schwanzfärbung seine rotbraune Brust und die ebenso gefärbten Schultern und der Kopf. Die rotbraune Federhaube mit den schwarz-weißen Spitzen, die der Wiedehopf bei der Balz und bei Gefahr aufstellt, sind neben dem langen, spitzen und nach unten gebogenen Schnabel die unverwechselbaren Merkmale dieses vor allem im mediterranen Bereich verbreiteten Gesellen.
Vom amselgroßen Wiedehopf, der noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland weit verbreitet war und der erst im April aus seinen südlich der Sahara gelegenen Überwinterungsquartieren nach Mitteleuropa zurückkehrt, liegen aus den letzten Jahren nur sporadische Brutnachweise aus Niedersachsen vor. Auch Brutzeitbeobachtungen von Einzeltieren dürften eher die Ausnahme sein . Deshalb ist es umso erfreulicher, dass die Familie Grapentin, die auf dem Hof Wulfsberg (zwischen Niederhaverbeck und dem Tütsberg gelegen) zu Hause ist, einen Wiedehopf auf dem Hofgelände und in den Blumenbeeten bei der Nahrungssuche über zwei Tage hinweg beobachten konnte. Die Umgebung des Wulfsberges bietet dem Wiedehopf durchaus geeignete Lebensbedingungen, solange geeignete Bruthöhlen und ein ausreichendes Nahrungsspektrum vorhanden sind. Denn in Brandenburg und in den benachbarten Gebieten der angrenzenden Bundesländer, wo sich zur Zeit das Hauptverbreitungsgebiet des Wiedehopfes innerhalb von Deutschland befindet, besiedelt er offene bis halboffene Lebensräume, die durch einen hohen Strukturreichtum mit ausreichendem Nisthöhlenangebot gekennzeichnet sind und in der offene Sandflächen mit niedriger Vegetation abwechseln. Diese Bedingungen sind in Ostdeutschland vor allen Dingen in extensiv genutzten Kulturlandschaften, auf Truppenübungsplätzen und an den Tagebaurändern zu finden. Ähnlichkeiten mit dem Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“ sind durchaus erkennbar, doch fehlt hier die Hauptnahrung des Wiedehopfes, welche in Maulwurfs- und Feldgrillen besteht. Dies mag ein Grund dafür gewesen sein, dass der Wiedehopf lediglich einige Tage nach seiner Entdeckung auf dem Wulfsberg noch einmal am Ortsrand von Wilsede gesehen werden konnte, wo er sich wahrscheinlich von Würmern, Schnecken und anderem Kleingetier ernährte. Seit dem 29. April 2005 liegen leider keine weiteren Beobachtungen vor, was den Schluss nahe legt, dass der Wiedehopf das Gebiet wieder verlassen hat.
Es bleibt zu hoffen, dass sich das Nahrungsangebot für den Wiedehopf im Naturschutzgebiet in den nächsten Jahren auch durch die Hutewirtschaft und das sich daraus ergebende, reichhaltigere Nahrungsangebot, verbessern wird, damit das typische „Hup-up-up“ des Wiedehopfes auch wieder in der Lüneburger Heide zu hören sein wird.
| Brauchen auch Spinnen Heidepflegemaßnahmen? |  Einleitung
Die Rote oder Zinnoberrote Röhrenspinne Eresus kollari (Rossi, 1846) ist eine der schönsten Spinnen Deutschlands. Besonders das Hochzeitskleid des Männchens ist im Herbst durch den zinnoberrot gefärbten Hinterleib sehr auffällig. Diese Spinne kommt auch in Norddeutschland vor, nach heutigem Kenntnisstand ausschließlich in der Lüneburger Heide. In der Roten Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Webspinnen (Araneae) wird sie als stark gefährdet geführt.
Erst im Mai dieses Jahres erhielt die Spinne einen neuen wissenschaftlichen Namen. Hieß sie zunächst Eresus niger und dann Eresus cinnaberinus, so wurde die Art in zwei neue Arten mit den Namen E. moravicus (sp.n.) und E. kollari aufgespalten. Bei „unserer“ Spinne handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um E. kollari. Es ist allerdings auch möglich, dass hier eine Hybridform vorliegt, d.h. eine Mischform aus beiden Arten. Im Übrigen kann man davon ausgehen, dass der Prozess der Namensgebung noch nicht abgeschlossen ist und in weiteren Forschungen neue verwandtschaftliche Zusammenhänge beschrieben werden.
Es hat den Anschein, dass vor einigen Jahrzehnten die Spinne in der Lüneburger Heide deutlich häufiger war. Dies zumindest lassen mündliche Berichte vermuten. Allerdings liegen über ihr Vorkommen in der weiteren Umgebung Lüneburgs kaum publizierte Nachweise vor und auch die Bindung der Art an die Landschaft der Lüneburger Heide war bisher nicht Gegenstand detaillierter Untersuchungen. Wenn sich jedoch das Heidemanagement nicht mit speziellen Pflegemaßnahmen um diese Spinne kümmert, so ist zu befürchten, dass sie aus unserer Gegend ganz verschwinden wird. Die vorliegende Arbeit soll einen kleinen Überblick über die Biologie der Art geben, sowie neuere Forschungsergebnisse über den Lebensraum dieser hochinteressanten und einzigartigen Spinne vorstellen. Ziel unserer Forschungsarbeit war es, herauszufinden, wie die Landschaft auf den Flächen der Roten Röhrenspinne gepflegt werden muss, um ihr auch in Zukunft einen geeigneten Lebensraum zu bieten.
Zur Biologie der Roten Röhrenspinne
Aussehen und Name
Die Art zeichnet sich durch einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus aus, d.h. Männchen und Weibchen der Roten Röhrenspinne unterscheiden sich im geschlechtsreifen Zustand stark. In den ersten Jahren ihres Lebens sind beide Geschlechter schwarz. Nur das Männchen färbt sich am Ende seines dritten Lebensjahrs um, wenn es geschlechtsreif wird. Es verändert seine Farbe in zinnoberrot. Das ist auch der Grund, weshalb diese Tiere von Findern häufig fälschlicherweise als Marienkäfer angesehen werden. Allerdings zeugt auch der englische Name Ladybird spider („Marienkäferspinne“) von der äußeren Ähnlichkeit der Männchen mit Marienkäfern.
Beim Weibchen bleibt Schwarz zeitlebens die vorherrschende Körperfarbe. Sie war es auch, die der Spinne früher ihren Namen gab: Eresus niger, was Schwarze Röhrenspinne bedeutet. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von 8 bis 11 mm. Das Weibchen wird 10 bis 16 mm lang. Männchen werden drei, während Weibchen im Allgemeinen vier Jahre alt werden.
Lebenszyklus der Spinne
Die Röhrenspinne hat einen interessanten Lebenszyklus, der sich deutlich von den meisten anderen Spinnen unterscheidet. Männchen und Weibchen leben getrennt in einer mit Spinnseide ausgekleideten, leicht schräg nach unten laufenden und mit einem Gespinstdach abgeschlossenen Wohnröhre von bis zu 12 cm Länge und ca. 1 cm Durchmesser, die vom Weibchen nach dem Bauen nicht mehr verlassen wird. In das Netzdach webt die Spinne Grashalme oder andere Pflanzenteile hinein, so dass das Gespinst gut getarnt und daher schwer aufzufinden ist. Am auffälligsten sind diese Netzdächer im Mai, wenn sie von der Mutterspinne für den Beutefang zur Fütterung der Jungspinnen verstärkt worden sind.
Wie bereits oben erwähnt färbt sich im dritten Lebensjahr der Hinterleib des Männchens in ein leuchtendes Zinnoberrot mit vier bis sechs schwarzen Punkten um. So farbenprächtig gefärbt begeben sich dann die Männchen im Zeitraum von Mitte August bis Mitte Oktober auf Weibchensuche. Daher begegnet man ihnen ausschließlich in diesen Monaten, wenn sie im Heidekraut unterwegs sind. Hat ein Männchen eine Partnerin gefunden, kommt es schnell zur Begattung. Danach stirbt das Männchen bald, während das begattete Weibchen überwintert. Erst im nächsten Frühjahr baut das Weibchen einen Eikokon, den sie mit 50 bis 100 Eiern füllt, die in der mütterlichen Röhre überwintern. Erst Mitte Juni des nächsten Jahres schlüpfen die Jungspinnen, bleiben aber zunächst in der Wohnröhre der Mutter, die eine bei Spinnen am höchsten entwickelte Nahrungsfürsorge betreibt. Sie füttert die Jungen mit einem speziellen Nährsekret von Mund zu Mund (Regurgitationsfütterung). Etwa Ende Juli verschließt das Weibchen die Wohnröhre. Sie produziert dann eine große Menge Verdauungsenzyme, um das Innere ihres eigenen Körpers in einen Nahrungsbrei zu verwandeln. Danach stirbt sie. Jetzt schlagen die Jungspinnen ihre Chelizeren-Klauen vorwiegend in die weichen mütterlichen Gelenkhäute und saugen sie völlig aus. Die Mutterspinne opfert sich sozusagen für ihre Nachkommenschaft. Die Jungspinnen überwintern in der mütterlichen Wohnröhre und verlassen diese erst im nächsten Frühjahr. Dann baut jedes Tier seine eigene kleine Röhre mit dem charakteristischen Netzdach in der Nachbarschaft der ehemaligen Mutterröhre.
Methode und Ergebnisse unserer Untersuchung
Unsere Untersuchung wurde während der Aktivitätsphase der männlichen Spinnen von Mitte August bis Mitte September 2007 durchgeführt. Unser Untersuchungsgebiet lag in der Wümmeheide an dem Weg, der im Süden zum Tütsberg führt. Bisher lagen aus diesem Gebiet nur Einzelmeldungen über den Fund von Roten Röhrenspinnen vor. Bereits im Jahre 2006 konnten wir nachweisen, dass die Spinne auf einer der Heideflächen vorkommt. 2007 haben wir dann insgesamt 100 Bodenfallen mit Fangflüssigkeit auf einer Fläche von 100 mal 600 Metern ausgebracht. Um die Fallen leicht wieder auffinden zu können, wurde jede mit einem Signalstab markiert. 10 der Fallen standen im angrenzenden Waldgebiet, 90 auf der Heidefläche. Von diesen 90 Fallen waren 60 auf eine halboffene Fläche mit fünf- bis sechsjähriger Heide verteilt, in die viele Offenbodenstellen eingestreut waren. Hier standen nur vereinzelte Birken und wenige Pfeifengrashorste. Insgesamt konnten wir auf dieser Fläche 84 Männchen nachweisen. Auf dem angrenzenden Terrain mit deutlich mehr höherer, älterer Heide und größeren Grasanteilen sowie vereinzelten Baumgruppen konnten nur 11 Tiere gefangen werden. Die Fallen im Wald enthielten erwartungsgemäß keine einzige Röhrenspinne.
Natürlich muss man sich fragen, ob man überhaupt ein Tier, das man schützen will, in Todfallen fangen sollte. Diese sind jedoch aus 3 Gründen notwendig: Erstens zieht jede Spinne einen Sicherheitsfaden hinter sich her, an dem sie mühelos jede Lebendfalle wieder verlassen kann. Zweitens gibt es unter den vielen anderen Insekten, insbesondere den großen Laufkäfern, viele Arten, die die Röhrenspinne als Beute verzehren, und drittens verhalten sich die gefangenen Männchen in dem kleinen Fangbecher gegenseitig kannibalisch.
Neben der Ermittlung der Fangrate für diese Spinne legten wir um jede Falle einen Kreis mit dem Durchmesser von einem Meter und erhoben darin jeweils 19 weitere Parameter, von denen hier nur die wichtigsten genannt sein sollen: Vegetationsdichte in drei unterschiedlichen Ebenen, bezogen auf Heidekraut, Gräser, Moose, Flechten und offenen Bodenanteilen, Temperatur direkt auf dem Boden und in 10 cm Tiefe, die Lichtstärke sowie die Dicke der organischen Auflage. Außerdem entnahmen wir bei jeder Falle eine Bodenprobe, von der wir im Labor den pH-Wert, den Feuchtigkeitsgehalt und den organischen Bodenanteil ermittelten.
Alle diese Werte gaben wir in ein statistisches Rechenprogramm ein, das uns am Ende die für die Spinne wichtigen Parameter nennen sollte. Das Resultat ist, dass für die Spinne drei Habitatparameter von entscheidender Bedeutung sind: die Höhe der organischen Auflage, die Temperatur in 10 cm Tiefe und die Dichte des Heidekrauts in der Ebene von 10 bis 50 cm.
Auswertung der Ergebnisse und Heidepflege-Plan
Die oben beschriebenen Ergebnisse bedeuten im Einzelnen, dass der Lebensraum für die Rote Röhrenspinne dann gut geeignet ist, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind:
1. Die organische Auflage sollte nicht dicker als 3 cm sein. Dies ist leicht verständlich, da wir aus anderen Untersuchungen wissen, dass diese Spinne ein sehr geringes Ausbreitungspotential hat, d.h. die Männchen entfernen sich während ihrer Brautschau durchschnittlich nicht weiter als 12 m von ihrer Wohnröhre. Da in der Heide die organische Auflage eine sehr grobe Struktur hat, stellt sie für die Spinne einen sogenannten Raumwiderstand dar, den sie auf ihrer Wanderung überwinden muss. Also ist es für die Spinne von Vorteil, wenn sie möglichst dünn ist. Ebenso erschwert eine mächtige organische Auflage der Spinne das Eindringen in den Boden, um dort die Wohnröhre anzulegen.
2. Das Heidekraut darf nicht höher als 50 cm sein und eine Bodendeckung von ca. 50 % nicht überschreiten. Hier kommt zum Ausdruck, dass die Spinne ausgesprochen wärmeliebend ist, d.h. eine solche Vegetation ermöglicht eine ausreichende Sonneneinstrahlung und bietet gleichzeitig den nötigen Windschutz.
3. Je höher die Bodentemperatur in 10 cm Tiefe ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort die Spinne vorkommt. Da beide Geschlechter ihr Leben ausschließlich in ihrer Bodenröhre verbringen (die Männchen sind ja nur in den letzten Wochen ihres Lebens auf Wanderschaft), ist die Temperatur im Boden mit ausschlaggebend für das Vorkommen der Spinne. Darüber hinaus sind diese Tiere wechselwarm und bevorzugen im gesamten Verbreitungsgebiet wärmebegünstigte Stellen.
Vor dem Hintergrund der oben dargelegten Forschungsergebnisse schlagen wir allein für die Flächen, auf denen die Rote Röhrenspinne nachgewiesen wurde, den im Folgenden dargestellten Pflegeplan vor. Will man die heutigen Reste der Heide erhalten, sind ohnehin Heidepflegemaßnahmen vonnöten. Für den Erhalt der Spinne reicht es aus, wenn man die bereits praktizierten Pflegemaßnahmen in einer kontrollierten Reihenfolge ausführt. Oberstes Ziel dabei ist, die Landschaft offen zu halten und dabei die Heide nicht über das kritische Maß von 50 cm Höhe anwachsen zu lassen.
Pflegemaßnamen
Phase 1: An den Stellen, an denen bereits Eresus nachgewiesen wurde, kann man davon ausgehen, dass die Landschaft den Bedürfnissen der Spinne entspricht. Hier sollte man in den nächsten drei bis fünf Jahren die Fläche extensiv beweiden, d.h. mit einer reduzierten Anzahl von Weidetieren nicht mehr als zweimal jährlich das Gebiet begehen. Wir gehen davon aus, dass auf diese Weise die Spinne durch Tiertritt nicht zu sehr beunruhigt wird. Vorsichtshalber empfehlen wir, diese Maßnahme nicht während der aktiven Zeit der Männchen, also von Mitte August bis Mitte Oktober, durchzuführen.
Phase 2: Danach sollte man die Fläche wiederum für ca. 5 Jahre unberührt lassen, um auf diese Weise die Heide ausreichend Biomasse aufbauen zu lassen.
Phase 3: Nach dieser Periode sollte als Folgemaßnahme eine Mahd durchgeführt werden, um so genügend organisches Material und Nährstoffe auszutragen. Darauf sollte die Fläche wiederum zwei bis drei Jahre unberührt bleiben. Diese gesamte Prozedur sollte je nach Zustand der Heideflächen drei- bis viermal wiederholt werden, so dass man einen Zeitraum von ca. 50 Jahren damit abdecken kann.
Phase 4: Nach dieser Zeit sollte eine Bewertung der Flächen vorgenommen werden. Befindet sich die Heidefläche in einem guten Zustand, kann mit der beschriebenen Prozedur fortgefahren werden. Wird dagegen ein schlechter Zustand konzipiert, sollte die Fläche geschoppert werden. Hier empfiehlt es sich, diese Maßnahme entweder schachbrettartig durchzuführen, oder streifenweise vorzugehen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Spinnen von den unberührten Flächen aus die geschopperten wieder besiedeln können. Daher ist es empfehlenswert, hierbei in ausreichendem Maße kleinflächig vorzugehen.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass auf den wenigen Flächen, auf denen nach diesen Maßnahmen verfahren wird, keine zusammenhängende violette Blütenpracht erreicht werden kann, wie es die Belange des Massentourismus erfordern. Wenn dies auch zu einem Interessenskonflikt führen kann, so sollte man doch bedenken, dass auch der Erhalt einer bedrohten Spinnenart, die in Norddeutschland als stark gefährdet eingestuft ist, von ebenso hohem Rang ist wie die Erhaltung einer Pflanze. Es sei auch daran erinnert, dass gerade aus menschlicher Sicht Spinnen ausgesprochene Nützlinge sind. In einer älteren Untersuchung aus England wurde einmal ermittelt, dass das Gewicht der jährlich von Spinnen vertilgten Biomasse das Gewicht der menschlichen Bevölkerung weit übertrifft. Ohne Spinnen wäre die Erde durch das unermessliche Heer der Insekten für Menschen wohl kaum bewohnbar.
Durch die beschriebenen Maßnahmen würden viele andere Tiere, die ähnliche Anforderungen an den Lebensraum wie die Rote Röhrenspinne stellen, in gleichem Maße begünstigt. Dies gilt insbesondere für einige Arten weiterer Spinnengruppen, die wärmeliebend sind, wie Wolfsspinnen, Plattbauchspinnen, aber auch Radnetzspinnen. Darüber hinaus würden dort, wo man die Rote Röhrenspinne pflegen würde, ebenfalls viele Insektenarten geschützt, die auf der Roten Liste stehen, wie Laufkäfer, z. B. Feld-Sandlaufkäfer, der Kleine Kettenlaufkäfer bis hin zum Heidelaufkäfer. Aber auch andere Insektenarten, wie die immer seltener werdende Feldgrille, würden gefördert.
Anschrift des Autors: Rolf-Harald Krause Universität Lüneburg Scharnhorststraße 1, Gebäude 13 21^335 Lüneburg
| Die Kreuzkröte (Bufo calamita)... |  Die Kreuzkröte ist mit ihrer Vorliebe für sandige Rohböden eine Charakterart des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide. Gern besiedelt sie auch offene Böden in Sand- und Kiesgruben, sofern zumindest zeitweise flache Gewässer verfügbar sind.
Als Pionierart laicht sie bevorzugt in neuangelegten oder zumindest stellenweise vegetationsarmen Tümpeln und flachen Teichen. Tagsüber vergräbt sie sich unter Steinen oder liegendem Holz - also Stellen mit höherer Feuchtigkeit.
Im Naturschutzgebiet kommt die gefährdete Art in erster Linie auf den ehemaligen militärischen Übungsflächen vor - so zwischen dem Tütsberg und Niederhaverbeck.
| Erdkröten sind die am häufigsten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide vorkommenden Lurche... |  Die Erdkröte zählt auch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide zu den häufigsten Lurcharten der Wälder. Aus den Laubgehölzen und lichten Nadelwäldern dringt sie weit in die offene Landschaft vor. Zur Überwinterung wird meist der Wald aufgesucht.
Die Laichgewässer der Erdkröte sind mehr als 50 cm tiefe, ausdauernde Stillgewässer, die im Wasser Strukturen zur Befestigung der Laichschnüre aufweisen müssen. Anders als bei den übrigen Amphibien wird Fischbesatz im Laichgewässer von den Erdkröten toleriert, da ihre Larven von Fischen verschmäht werden. Wenn der Amphibienbestand eines Gewässers auf größere Erdkrötenbestände reduziert ist, kann dies fast immer als Hinweis auf künstlich überhöhten Fischbestand gewertet werden.
Im Naturschutzgebiet ist die Art im Bereich von Gehölzen und besonders im Umkreis der Teichkomplexe zahlreich verbreitet.
| Seltenster Lurch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide: der Laubfrosch |  Der Laubfrosch ist eine Leitart von Stillgewässern im Grünland. Als Laichplatz benötigt der Laubfrosch besonnte Tümpel oder fischfreie bzw. stark verkrautete Uferzonen von Teichen, da seine Larven gerne frei im Wasser schwimmen, wo sie leicht von Fischen erbeutet werden.
Den Sommer verbringen die Tiere auf gewässernahen Stauden wie Sumpfschwertlilie und Brombeere, bevorzugt an windgeschützten Laubwaldrändern. Überwintert wird an Land in frostfreien Bodenschichten.
Landesweit als auch bundesweit gilt der Bestand als stark gefährdet. Im Naturschutzgebiet kommt der Laubfrosch nur sporadisch vor.
| Weit verbreitet im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide: die Kreuzotter (Vipera berus)... |  Die zwischen 60 und 75 cm lange Kreuzotter mit dem charakteristischen, dunklen Zickzackband auf dem Rücken zählt zu den häufigsten Giftschlangen Europas und kommt im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide weit verbreitet vor.
Der Lebensraum der Kreuzotter findet sich in der Heide selbst als auch - und vor allem - an Wald-Heide-Übergangsbereichen, an Waldrändern oder in den Mooren des Naturschutzgebietes. Die Kreuzotter ist tagaktiv und jagt in erster Linie Mäuse, Eidechsen und Frösche. Sie hält Winterruhe von Oktober bis März.
Bei Gefahr flieht die Kreuzotter in die Vegetation oder unter Steine. Sie greift Menschen und Tiere nur an, wenn sie in die Enge getrieben wird. Der Biss der Kreuzotter ist sehr schmerzhaft. In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn Sie gebissen worden sind.
| Bedrohte Art im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide: die Schlingnatter (Coronella austriaca)... |  Die Schlingnatter kommt von Nordwestspanien über Italien, Griechenland, die Nordtürkei bis zum Nordiran vor. Im Norden erreicht sie einen Teil von Südengland, Süddänemark, Südschweden und einen Teil von Südfinnland und den europäischen Teil von Russland.
Die Schlingnatter besiedelt meist trockene Lebensräume, die sehr oft steinige Landschaftselemente wie Felsen oder Steinbrüche enthalten. In den nördlichen Verbreitungsgebieten lebt sie in sandigen Heidegebieten. Die Schlingnatter lebt sehr versteckt und ist kaum ein mal offen zu sehen. Sie "sonnt" sich meist indirekt unter flachen Steinen oder man sieht nur einen Teil des Körpers in einer Mauerspalte. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide bevorzugt die ungiftige Schlange Flächen mit niedriger Vegetation - als Unterschlupf dienen oft Grasbulten. Wo im Zuge von Landschaftspflegearbeiten Altheide-Bestände durch Brand gepflegt wurden, besiedelt die Schlingnatter diese Flächen oft sehr schnell. Voraussetzung scheint aber die Nähe zu Versteckmöglichkeiten in Abraumwällen oder Pflugstreifen zu sein.
Die Nahrung der Schlingnatter besteht hauptsächlich aus Eidechsen und Blindschleichen. Das Weibchen bringt lebende Junge zur Welt. Dabei platzt die Eihaut, des bis zu Reife im Mutterleib ausgetragenen Jungtieres während des Geburtvorgangs auf. Der Embryo ernährt sich vom eigenen Eidotter und wird vom Mutterorganismus nur mit Sauerstoff versorgt.
| Manche lieben´s feucht: so auch die Ringelnatter (Natrix natrix)... |  Die Ringelnatter benötigt Tümpel, Weiher, Feuchtwiesen oder sehr langsam fließende Gewässer als Lebensraum. Diese müssen mit reichlich Vegetation verbunden sein, um ihr ausreichend Deckung zu geben. Auch müssen Plätze für die Eiablage und Überwinterung vorhanden sein, wohin sie sich zurückziehen kann. Ideal sind dazu alte Bäume, in deren Wurzelwerk sich die Schlange zurückziehen kann.
Die Bestände der Ringelnatter sind seit Jahren rückläufig - in erster Linie durch die Zerstörung ihrer Lebensräume. Neu besiedelt werden stillgelegte Kiesgruben, da dort häufig sehr warme Temperaturen herrschen und genug Fläche zum Sonnen vorhanden ist. Da die Eier und die jungen Schlangen viel Wärme benötigen, suchen sie auch alte Kompost- oder Misthaufen zur Eiablage auf.
Ringelnattern ernähren sich hauptsächlich von Amphibien (Fröschen, Molchen etc), nur eher selten von Kleinsäugern. Ganz junge Ringelnattern leben zunächst nur von Kaulquappen und Larven. Die Beute wird selten totgebissen. Meist wird sie von hinten verspeisst. Es ist wichtig die Beute von hinten zu verschlingen, da sich viele Froscharten mit Luft vollpumpen und imense Ausmaße annehmen, werden sie von hinten gefressen, kann die Luft nach vorn durch den Mund herausgepresst werden.
Die Ringelnatter ist tagaktiv, vor allem an den warmen Stunden des Tages. Sie zieht sich Abends in ihr Versteck zurück und verlässt es morgens früh, um sich zu sonnen. Ringelnattern sind hervorragende Schwimmer, wobei sie den Kopf leicht aus dem Wasser heben. Die Ringelnatter ist sehr scheu: schon bei leiser Annäherung eines Menschen versteckt sie sich unter Steinen oder in Spalten oder flüchtet ins nahe Wasser.
Fühlt sie sich direkt bedroht kann sie laut zischen und hebt ihren Kopf, um einen Angriff vorzutäuschen. Bleibt ihr keine Fluchtmöglichkeit stellt sie sich tot, verdreht den Körper und lässt ihre Zunge heraushängen. Diese Art von Bewegungslosigkeit (Akinese) soll die Feinde täuschen, deren Sehvermögen auf sich bewegende Opfer optimiert ist. Bedingt durch diesen Reflex lassen sich Ringelnattern im Wasser bei Bedrohung plötzlich im Wasser auf den Grund sacken. Die Ringelnatter hält von Oktober bis April Winterschlaf in Erdhöhlen und hohlen Baumstümpfen. Im Anschluß findet zunächst die erste Häutung und danach die Paarung statt, nach etwa 2 Monaten im Juni legt das Weibchen die Eier (10-40) an warmen und geschützten Stellen ab. Die Eier bilden dabei eine verklebte Masse.
Im frühen Herbst schlüpfen die jungen Ringelnattern. Die Schale wird dabei mit einem „Eizahn“ aufgeschnitten. Die Jungtiere sind ca. 12 cm lang und wiegen kaum mehr als 3 Gramm. Sie verlassen das Gelege zunächst nicht und gehen dort auch in den Winterschlaf, sind aber bereits selbständig. Nach ca. 4 Jahren ist sie geschlechtsreif. Die Ringelnatter kann bis zu 20 Jahre alt werden. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide kommt sie vorwiegend an den Holmer Teichen, am Grubenbach, im Seevetal und dem Feuchtgebiet der Este vor.
| Verbreitet im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide vorkommend: die Blindschleiche (Anguis fragilis)... |  Die Blindschleiche ist das wohl am weitesten verbreitete einheimische Reptil. Sie kommt sowohl in relativ kühlen Lebensräumen, als auch in sehr trockenwarmen Regionen vor. Die Blindschleiche zählt übrigens nicht zu den Schlangen! Die Schleichen haben im Laufe ihrer Entwicklung ihre Beine stark bis ganz reduziert. Obwohl die Gestalt so sehr an eine Schlange erinnert, so sind doch die Unterschiede gravierender als man glaubt.
Der äußerlich am wenigsten auffällige Unterschied ist zugleich auch der Größte: Schlangen besitzen große durchgehende Bauchschuppen und einen dazugehörenden Muskelapparat, der es erlaubt, sich mit diesen Bauchschuppen in feinste Bodenunebenheiten zu verhaken und sich davon abzustoßen. Diese Merkmale hat die Blindschleiche nicht. Sie muss sich bei ihren Schlängeln mit dem ganzen Körper abstützen, so kann sie sich in dichten Pflanzengewirr fast ebenso schnell fortbewegen wie eine Schlange.
Ein weiteres Echsenmerkmal sind die Augenlider, die sie normal schließen kann. Schlangen besitzen ein durchgehendes, durchsichtiges, starres Augenlid, das auch bei den Häutungen mit gehäutet wird. Auch der Schwanz ist bei den Blindschleichen mit etwas mehr als der Hälfte der Gesamtlänge wesentlich länger als bei den Schlangen und er kann auch wie bei den Eidechsen bei Fremdeinwirkung abgeworfen werden und bewegt sich dann meist viel heftiger als das eigentliche Tier und lenkt so oft den Feind entscheidend ab. Wogegen der Schwanz bei den Eidechsen meist bis zu voller Länge wieder regeneriert wird, wächst bei der Blindschleiche nur ein kleiner Stummel nach.
Die Färbung umfasst alle Brauntöne, von sandgrau über kupferbraun bis braunschwarz. Am Rücken sehr viel heller, sandgrau bis kupferbraun metallisch glänzend, mit einen dünnen dunklen Strich in der Rückenmitte. Blindschleichen erreichen eine Gesamtlänge bis 50 cm, oft bleiben sie aber kleiner, da bei fast allen Tieren Teile des Schwanzes im Laufe ihres Lebens verloren gehen.
Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide besiedeln Blindschleichen vorwiegend lichte Wälder und Waldränder. Meistens findet man sie unter liegendem Holz - so am Südrand des "Hainköpen" bei Wilsede oder am Rand der Moore und Talräume.
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